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Jüdische Rundschau · 1906-11-09 · Heft 45 (9.11.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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No. 45 Seite 672 JÜDISCHE RUNDSCHAU w Kr sprach Gber ״Feinde des Antisemitismus" und bezcichncte als solche alle dicjeniKen Antisemiten, die sein Auftreten nicht billigen. Hierbei nannte er einen Abgeordneten ״gemeines Aas*‘. Von dem verstorbenen antisemitischen Abgeordneten Grafen Rcvcntlow sagte er: ״Dann hat mich auch der verstorbene Grat Rcvcntlow seinerzeit angeriffen. Der Hund ist ja nun verreckt!*' Graf Piickler erzählte noch in dieser Ver- Sammlung, dass er eine Audienz beim Kaiser nnchgcsuclit hätte, dass diese ihm aber verweigert worden sei. Auch der König von Württemberg halte, ihn zu empfangen, ahgelehnt. weil daraus falsche Schlüsse gezogen werden könnten. Seit* dem wolle er. so erklärte der Graf Piickler, von den Fürsten nichts mehr wissen. nEB Sprechsaal rf Für die Mitteilungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktton nur die pressgesctzllchc Verantwortlichkeit. -1. Mülhausen, am 30. Oktober 1906. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wollen Sie, bitte, folgende Mitteilung, die zweifellos viele Ihrer Leser interessieren wird, in der RUNDSCCMAU ver־ öffentlichen: Das französische JOURNAL OFFICICL veröffentlicht einen Bericht des Herrn Marcel Charlot. Gencralinspcktor des öffentliehen Unterrichts, über die Lage der französischen Schulen im Orient. Es ist in diesen! Bericht auch von den Schulen der Alliance Isroelitc Universelle die Rede. Es wird rühmend hervorgehoben, dass sie durch ihre pädagogischen Methoden, durch den Gebrauch der französischen Spreahe in den Klassen titid den Werkstätten, und durch den Geist, der den Unterricht beherrscht, die französischen Ideen verbreitet werden, ohne dass der französische Steuerzahler auch mir einen Pfennig zu zahlen habe. Was sagt die deutsche Konfcrenzgcmeinscbaft der Alliance zu dem Bericht des Herrn Gcneralinspcktors Marcel Charlot? Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss Dr. Elias. II. Berlin. Im November 1906. Eine der betrübendsten Wirkungen der traurigen russl* sehen Zustände besteht darin ,dass d i c j ß’ d i s c h e n Hochschulen, die nur durch private Wohltätigkeiten erhalten werden und die fast die einzigen Bildungsstätten für die von den Staatsschulen fern gehaltene Jugend sind, infolge der Wirtschädlichen Unsicherheit ihre Einnahmen fast völlig eingebüsst haben. Während nun die meisten derartigen Lehranstalten ihre Verluste durch erhöhte Beisteuern des Auslandes ausgleicher! konnten, tst hiervon die Hochschule in Lida ausgeschlossen geblieben. Diese erst vor etwa 2 Jahren begründete, unter Leitung des auch in Deutschland höchangeschenen Rabbiners Reines stehende Pflanzstätte jüdischer Bildung wird zur Zeit von ca. 100 im Alter von 15—22 Jahren stehenden Jünglingen besucht, die dort nicht nur in religiösen, sondern auch in profan-wissenschaftlichen Fächern ihre Ausbildung durch 7 Dozenten erhalten. Sie hat bisher ohne jede Unterstützung seitens des Auslandes ihre Lehrer besoldet und ihren Zöglingen Stipendien erteilt, oft unter persönlichen Opfern des selbstlos an ihr wirkenden Leiters. Jetzt aber befindet sic sich in derartigen finanziellen Nöten, dass es uns als dringende Pflicht erscheint, sic vor der Gefahr des Unterganges zu bewahren, um so eher, als gerade sie versucht, durch weise Berücksichtigung der religiösen und sozialen Bedürfnisse das schwierige Problem der russischen Jugenderziehung in erfolgverhelssender Weise zu lösen. Die Unterzeichneten gestatten sich daher, an Sie die Bitte zu richten, zur Unterstützung und Erhaltung der Hochschule in Lida einen Beitrag zu gewähren und geneigtest dem mit- Unterzeichneten Herrn Hermann Struck zugehen zu lassen. Prof. Dr. A. Berliner. Rabbiner Dr. E. Munk. Dr. M. Hildesheimer. Hermann Struck, Brückenallce 33. S. 3. Lcscynsky. Rabb. Dr. Jos. Eschclbacher. m. Der Aufsatz des Herrn Dr. Vogclstcin fand lebhaften Beffall bei einer Anzahl Hörer des Breslauer Rabbinerseminars. die auch Geigers Verlangen, man solle die Zionisten des Landes verweisen, für sehr berechtigt erklärten, sicher nicht, weil sie die zionistischen Kollegen als Konkurrenz gern bescitigt haben möchten. Vielleicht aber aus Patriotismus denn es kommt ja den Herren gar nicht darauf an, in ihrer staatsbürgerlichen Treue so weit zu gehen, dass sie mehreren Staaten solche geloben, wenn das die Pfründen gerade so mit sich bringen. Einer dieser in Zukunft ehrwürdigen Herren, der vom Seminar bereits Tür befähigt genug gehalten wird, Religionsunterricht zu erteilen, wird kürzlich von einem seiner Schüler gefragt, was er .tun solle, ein christlicher Mitschüler habe ihn ״stinkender Judenjungc“ geschimpft. Der Herr Religionslehrcr antwortete dem Schüler, das ginge i I! 11 nichts an. das sei eine Privatangelegenheit des Schülers ... So dienen die Herren Theologen, die Herr Dr. Vogelstein nicht boykottiert scheu will, dem Judentum. Mar. könnte dieses Geschiehtelicn für erfunden liaiteu (natürlich von einem Zionisten), leider aber iiat cs der würdige Herr Rcligionslclirer selbst erzählt. Es scheint, als wäre er noch stolz auf dieses Stückchen. H i 11 e I. —I Uns Gemeinden und Uereinen ן— Preisausschreiben. Aus Anlass des 25jäI1rlgcn Bestehens des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an der Unlversität Berlin setzt der ״Verband alter Herren" dieses Vereins einen Preis von 600 Mark aus für die beste Bearbeitung des Themas: Die Ethik der Propheten. 1. Es sollen die ethischen Anschauungen der Propheten auf Grund historisch-kritischer Forschungen in ihrer Entwich׳- hmg ermittelt und systematisch dargestelit werden. 2. Dem Verfasser bleibt es Vorbehalten, alle Propheten oder nur einzelne in den Kreis seiner Untersuchungen zu ziehen. Es muss aber bei einer Detail-Beliandlung sets die historische Entwicklung berücksichtigt werden. 3. Philologische Detail-Untersuchungen liegen ausserhalb des Untcrsuchungsgebictcs. Die Arbeit soll den Umfang von sechs Druckbogen tunliehst nicht übersteigen. Zur Bewerbung um den Preis ist jeder zugelassen. Die Bewerbungen sind zu richten an den Vorsitzenden des ״Verbandes alter Herren'* des Akad. Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Herrn Zahnarzt Lipschitz. Berlin W. 8, Mohren- Strasse 26 und spätestens bis zum 1. November 1907 cinzusenden. Das Manuskript ist mit einem Kennwort zu versehen. Dasseihe Kennwort muss ein verschlossenes Kuvert tragen, das den Namen des Verfassers enthält. Der ״Verband alter Herren" des Akad. Vereins für jüdische Geschichte und Literatur erwirbt mit der Zuerteilung des Preises das Recht der Veröffentlichung der Arbeit. Das Preisrichteramt haben freundliehst übernommen die Herren Geb. Regierungsrat Prof. Dr. Cohen-Marburg. Geh. Regicrungsrat Prof. Dr. Freudenthal- Breslau und Prof. Dr. Goldziher-Budapest. Die Zuerteüung des Preises erfolgt Im Februar I90S. Berlin. Verein für jüdische Geschichte und Literatur, E. V. Programm für das Winterhalbjahr 1906/1907. Vorträge im Oberlichtsaal der Pliiiharmonie, Bcrnburgerstrassc 22/23. Dienstag, den 23. Oktober 1906: Professor Dr. Max Schrnid- Aachen: Josef Israels und Max Libcrinann. (Mit Lichtbildern.) Donnerstag, 8. November 1906: Professor Dr. Ludwig Stein- Bern: Der Monotheismus in crkenntnistheoretischer Bcleucli* tung. Donnerstag, 29. November 1906: Rabbiner Dr. F. Rosen 111 a I - Breslau: Der talmudisclie Faust. Donnerstag, 6. Dezember 1906: Prof. Dr. Martin Philippson: Reiseerinnerungen aus dem Orient. Donnerstag, 10. Januar 1907: Professor Dr. Wilhelm Bach e r-Budapest: Ein jiidisch-pcrsischcr Dichter des R Jahrhunderts. Donnerstag, 24. Januar 1907: Professor Dr. Hugo Winkler: Die Ausgrabungen im Orient. Donnerstag, 5. Februar 1907: Archivrat Professor Dr. Wa rschauer -Posen: Die mittelalterliche Auswanderung der deutschen Juden nach dem Osten. Donnerstag, 7. März 1907: Rabbiner Dr. K. W c r 11 c r - München: An den Wendepunkten jüdischer Geschichte. Donnerstag, 21. März 1907: Doz.;11t Dr. Hirsch Hildesheimer: Der Tierschutz im Judentum. Populär-wissenschaftliche Unterhaltungsah ende im Oberlichtsaale der Philharmonie, Bernburgcrstr. 22/23. Donnerstag: 20. Dezember 1906: Frau Maria Pos pi sc 11 i!•Hamburg: Rezitation des Dramas ״Jakob" '0n Ludwig Klausner- Davos. Donnerstag, 21. Februar 1907: Dr. Ludwig Fulda und Frl. Josefa Metz: Aus eigenen Dichtungen. Donnerstag, II. April 1907: Frau Irene Triescli: Rezitation aus der Bibel. Die Vorträge und populärwissenschaftliclicn Unterhaltungsabende beginnen pünktlich 8% Uhr abends. Die Fortbildungkurse beginnen am Mon-

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