Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 669 No. 45 werden, wird angegeben, dass die Disziplin Gefahr laufe, da dm Juden die Mannschaften nicht Folge leisten würden. Siche da. cs kommt ein SehiistergehÜie, ein paar Tage nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus, wirft sielt in Hauptmunnsuuiform. und obwohl er um kein Barthaar schöner ausschaut als eine schäbige Vogelscheuche, gehorchen ihm nicht nur die Flitesoldaten der Garde blindlings, sondern auch die Polizei und. Gendarmerie. Soweit ist es also mit der Ausrede her, mit weicher man die Juden als Offizier in Deutschland ablehut. Wir körnten zu dieser Bemerkung nur das eine hinzufügen, dass alle R a ss e cigentümliehkciteu. die die Untätiglichkeit zum Offizier verursachen, seit winden, sobald es sieh um getaufte, als«» in der Rasse patentiert verbesserte Juden, handelt. ״Bezalel“ j Am 8. d. M. fand eine Sitzung des ״Bezalel“-K01mtces statt, an der folgende Komitecmitglicdcr teilgenommen haben: . Julius Bodenstcin, S. Hepner, Bcrthold Israel, Direktor Lewy, i James Simon, Dr. Paul Nathan, Dr. Schottländer, Dr. S. Soskin, j Hermann Struck und Professor Warburg. ן Der Bericht über die bisherige Entwicklung der Kunstgc. wcrhc-ScItulc in Jerusalem, aus dem sich ergab, dass die Schüler bereits im ersten Semester recht erfreuliche Fort*! schritte gemacht haben, haben die Anwesenden mit grosser Genugtuung zur Kenntnis genommen. Besonderes Interesse erweckten die von Prof. Schatz eingesandten Photographien, die die höhere und niedere Klasse, die einzelnen Ateliers, die Abendschule, die Spinnerei, Oipsgiesserci usw. darstellen. Die Abbildungen der Schüler-Arbeiten Hessen ersehen, wie weit besonders die Schüler der höheren Klasse im Modellieren nach der Natur bereits vorwärts gekommen sind und zeigten originelle und recht gelungene Versuche, hebräische Buchstaben zu stilisieren, wie überhaupt für Teppiche Muster zu entwerfen, die eine spezifisch jüdische Note haben. Erwünschte Ausdehnung wird die Schule erfahren können durch die Ausführung des von der Zionistischen Jahreskonfcrenz in Köln gefassten Beschlusses ein den Zwecken des Bezalel entsprechendes Schulgebäude in Jerusalem zu crrlchten. da jetzt infolge der engen Räume eine ganze Menge von Handwerkern, die an den Abendkursen teilnehmen wollten, ziirfickgcwiesen werden musste. Es sind sodann die für einen vorteilhaften Absatz der Teppiche, deren Produktion in Palästina bereits diesen Winter bc. ginnen soll, erforderlichen Vorbereitungen in Beratung gezogen worden. Vorliegende fachmännische Urteile stimmten darin überein, dass angesichts des fast unbeschrankten Absatzgcbictes der Teppichwaren, die palästinensische Teppichindustric, richtig eingcleitct. tausenden von Familien einen eintrügliclieii Erwerb schaffen wird. Um dem Bezalel eine breitere Basis zu schaffen und seinen vielen Gönnern die Möglichkeit zu geben, in dauernden und engeren Beziehungen zu demselben zu verbleiben, hat das Komitee beschlossen, den Bezalel als Verein zu begründen und durch Eintragung ins Vereinsregister Korporationsrechte für ihn zu erwerben. Zur Acnderung der Satzungen in diesem Sinne ist eine Kommission, die aus den Herren Dr. Paul Nathan, James Simon und Prof. Warburg besteht, gewühlt worden. Mitglieder-Anmeldungeu nimmt der Vorsitzende des ״Bezalcl4‘, Prof. Warburg, Berlin W. 15. Uhlandstr. 175, entgegen. Israelit und Misrachist Zu einer misrachistischen Erklärung gegen die Vogelsteinladc, die dem orthodoxen ISRAELIT zuging, fügt er einen längeren Artikel hinzu, in dem er den Zionismus ablehnt, der als ״Arznei“ eine therapeutische 'Bedeutung habe, aber als Nahrungsmittel unbrauchbar und schädlich sei. Wie ״krank“ seine eigene Auffassung vom Judentum ist und wie dringend er selbst des ‘,therapeutischen Mittels" bedarf, wird ihm nicht klar. Erst auf dem Wege der Gesundung würde er das verspüren können und von der ist er noch sehr weit entfernt. Der ISRAELIT schlicsst seinen Artikel mit den Worten: ״Denkbar wäre eine zionistische Partei, die sich bcwusster- und ausgesprochenermassen auf den Boden des alten jüdischen VolksbegrUies stellt — aber von einem solchen Ziovismus haben wir bisher nie und nirgends ein Symptom erblickt, und der Misrachi mit seinem dualistischen Programm, seinen beschränkten Machtmitteln und seiner vielleicht dadurch bedingten gutmütigen Politik scheint uns leider nicht dazu angetan, das grosse Werk der Umwertung aller zionistischen Werte zu vollbringen. Was er an praktischen Zugeständnissen unter Umstünden erringen mag, fällt für die Beurteilung der hier angedeuteten prinzipiellen Gesichtspunkte nicht Ins Gewicht. T11 cd or Herz l־s Wort aber von der ״Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland־* — das möge der .Misrachi im Interesse der geschichtlichen Wahrheit doch lieber nicht für seine Propaganda verwerten. Herz! hat unter Judentum nicht das Judentum des Misrachi verstauden. i h 111 w a r .1 u d c n t u m d c r K o m p 1 c x d c r g e i s 11 - gen. der idealen W erte, die das jiidjsche Volk in seinem geschichtlichen Leben geschaffen hat. und die, noch bevor ein Charter die Pforten Palästinas öffnet, die der Assimilation vcrf-llencn Glieder dieses V 01 k c s einstweilen zur Jüdischen V o 1 k s k u 11 u r z u r ii c k r u i c n s 011t c n. Dass von dies׳.r modern gefassten jüdischen Volkskuitur zu unserem Judentum hinüber eine so ebene, gemächlich zu passierende Hecrstrassc führt — davon hat uns leider auch die Zuscliriit, deren ernstes Bemühen um Klarheit wir anerkennen, nicht zn überzeugen vermocht.“ Was dem ISRAELIT nicht klar wird, ist, wie tief er selbst in der Assimilation darin steckt und wie abhängig er in seiner ganzen Denkweise von der ״Reform“ ist. Er vertritt keineswegs das alte Judentum, das durchaus national war, sondern nichts weiter als eine ortliodoxisierte ״Reform“. In den gesetzestreuen Kreisen wird das alte Judentum durch den Misrachi, nicht durch die Neuorthodoxie vertreten. Von der Wiener NATIONALZEITUNG Von misrachistischer Seite wird uns milgeteiit, dass am die Emanation des Herrn Eis in der NATIONALZEITUNG vom IS. Septbr. in Nr. T* des FRANKFURTER ISRAELITISCHEN H\.\il! ILXBLATTS eine Erklärung aus der Feder des als Führer der deutschen Misrachisten bekannten Herrn Dr. Adler-Lübeck entschieden betont, dass der Misrachi nichts weiter sei und sein wolle, als eine Fraktion innerhalb der /ioniMischeii Bewegung, und dass von einer Loslösung des Misrachi von der zionistisch.» Bewegung, von der Herr Fis schreibt auf der diesjährigen Frankfurter!Misraciiikonferenz iiic'. t die Rede war. Besonders hebt Herr Dr. Adler noch vor. dass die Jto keineswegs Gegenstand der Verhandlungen auf der Frankfurter Konferenz gewesen sei. Zulassung der ״Russen“ an den prcussfschcn Universitäten ist jetzt wieder gestattet Zu der bisherigen Bedingung politischer Unverdächtigkeit wird, wie wir schon ändernden, nunmehr auch der Nachweis von l'nterhaUuugsmittdn zum Studium gefordert. Diesen Nachweis haben Männer und Frauen in derselben Weise bei- Zubringer!. Im übrigen bestimmt jede Universität was sie in bezug auf die Vorbildung verlangt. In Berlin ist für die Immatriktilation das Reifezeugnis von klassischen Gymnasien erforderlich. Nach dem Bekanatwcrdeu der erneuten Zulassung häuften sich sofort die Gesuche um Einschreibung. Während der Zeit des Verbotes wurden nur Russen und Russinnen christlicher Religion immatrikuliert. Pogromdrohungen in Kroatien Nach Ungarn kommt in Allem Kroatien So auch in Bezug auf die Pogromdrohungen. .. Wochen hat ein Assimüant in dem in Zagreb (Agram) crschei- »enden AGRA.MER TAGBLATT!11 einem längeren Artikel geschildert, wie er in Gesellschaft mit noch zwei anderen Juden in die Umgehung Zagrebs einen Ausflug unternommen und hiebei von Bauern, die mit Holzhacken und Heugabeln bewannet nach einem angeblichen Ritualmörder auf der Suche waren, fast tätlich angegriffen worden wäre. Nur seiner spitzfindigen Erklärung, dass er ihnen in dieser ihrer Tätigkeit behilflich sein wolle, verdankte er seine Rettung. Und nun kommen wieder Nachrichten aus Kroatien, die zu grösseren Befürchtungen Anlass geben, weil man die Inszcnesetzung einer systematischen Judenhct/.c vermutet. In Zagoricn — nördlich von Zagreb — werden Proklamationen an das Volk in Tausenden von Exemplaren verteilt, in welchen zu Judenmassakres aufgefordert wird. Wir wollen bloss einige Stellen aus diesen Aufrufen in getreuer Uebcrsetzung bringen, damit sich unsere Leser ein Bild von den gegenwärtig in Kroatien herrschenden Zuständen machen können. ..Liebe Brüder in Christo! Fs hätte schon längst sein soll », aber es ist dennoch erst jetzt der Moment ciugetretcn, dass sich der Geist der Aufklärung allmählich zu verbreiten beginne, dass wir uns gegen unsere Feinde erheben, die bcrcits einen grossen Teil Kroatiens in Händen haben und Herren unseres Landes und Vermögens sind. — nämlich gegen die Juden, die der HauptgrunJ aller unserer und überhaupt de! staatlichen Uneinigkeit, der Unzufriedenheit und des Unglücks sind. Wir fordern hiemit alle unsere christlichen Brüder auf resolut und einig zuzugfeuen. auf dass wir uns gegen diese an die Reihe. Vor einigen