Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Boüueo JÜJEDISCHE RUNDSCHAU׳ •1**׳־*»■« ' Aus der zionistischen Bewegung Berlin. Mittwoch, den 7. November, 9 Uhr abends, findet in den Sophiensälen, Sophien- Strasse 15—17 die zweite zionistische Volks- Versammlung in diesem Winter statt Herr Rechtsanwalt Gronemann hat das Referat übernommen. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Die Berliner Zionistische Vereinigung hat eine Broschüre ״Die jüdische Volksbewegung“ herausgegeben und in Berlin in 16000 Exemplare;• verbreitet. Die von Herrn Dr. Alfred N ossig veriasste Broschüre dürfte sich auch zur Propaganda in anderer Städten eignen und wird bei grösseren Bestellungen zum Preise von 2 Ptg. abgegeben. Bestellungen sind an uns zu richten. Unter dem Szepter des Sultans Zum Zfoiiisten-Kongress in Base**) (Fortsetzung.) Aus welchem Grunde die Juden seinerzeit von ihren arabischen Stammverwandten aus Arabien ausgctricbcn wu! den, lässt sich jetzt kaum noch nachweiscn. Die Erzählung der Bibel von Adam und Bot gibt nur wenig Anhalt. Höchstwahrscheinlich ist es, dass gewisse unglückliche Charakter* cigcnschaflcn. die auch In späteren Seiten den Hass der europäischen Völker her vorgerufen haben, und die sie erst nach harten Prüfungen und mit grosser Energie in brauchbare Eigenschaften umzuwandcln lernten, sic mit ihren Stammverwandten in Streitigkeiten brachten. Tatsache ist, dass sie vertrieben wurden, und lange umherschweiften, um sich schliesslich in Ägypten niederzulassen, aber auch da fanden sie keine bleibende Stätte. Sic haben dann wahrscheinlich wieder den Blick atif die heimatlichen (legenden gerichtet, ohne indessen Entgegenkommen bei den Arabern zu finden, die wenig Lust batten, sie wieder bei sich aufzunchmcn. Sie fiberliessen ihnen Kanaan, das rauhe steinige Hochland, hoch oben im Korden, wo sie nach schweren Kämpfen mit den syrischen Stämmen eine zeitlang festen Fuss fassten. Wenn die Juden deshalb heute den Wunsch“hegen. In den Besitz von Palästina zu kommen, so ist es zwecklos, auf ihr historisches Recht zu fussen. Mit weit grösserem Glück können sic sich als verlorene Söhne des grossen arabischen Volkes hlnstellcn, das ja jetzt politisch durch das türkische Reich repräsentiert wird. Es dürfte dann immer in z.weitcr Linie von grosser Bcdcutung sein, dass Palästina dasjenige Land ist, das die meisten und liebsten historischen Erinnerungen des jüdischen Volkes in sich birgt, das Land, in dem es seine reiche und cigentümliehe Kultur entwickelte »nd angesichts dieses Umstandes wird Palästina sich als dasjenige Territorium ergeben, auf dem die Juden natiirgcmäss ihr Heim finden könnten, wenn sic in die grossen Vaterarme des arabischen Volkes zurückkehrcn sollten. Es mag vielleicht pedantisch erscheinen, wenn ich an dieser Stelle über Recht oder Unrecht disputiere. Die Oeschichte richtet sich ja nicht nach Doktrinen. Die Sache hat aber ihre grosse praktische Bedeutung, weil cs sich hier •) Aus: Saj6-i-Scl1ahaned<5 von Ali Nouri, gerade darum handelt, cs den Juden klar zu machen, dass der Zionismus leicht an derselben Klippe stranden kann, an der einstmals die Arche der Juden zum Wrack wurde — an dem Separatismus, der von jeher und überall sie zu einem Staat im Staat gemacht und die Kritik und den Hass der Nationen hervorgtrnien hat. Nur wenn sic zu den anderen Semiten nicht als ein iremdes Volk kommen, das alte, zweiie^afte An- Sprüche geltend macht, sondern als ausgewanderte Brüder, die liciirkehrten, nur dann werden sic sich Hoffnung machen können, in der Heimat aufgenommen zu werden und dort auch!.and zu erwerben, wo sic• bauen und wohnen können.! Mit kurzen Worten lassen sich diese Gedanken vielleicht so ausdrücken. dass das Ziel zu keinem religiösen, sondern einem nationalen gemacht werden muss. Soll die praktische Seite behandelt werden, so teilt das Problem sich in ein Ob und ein Wie. Kann aus den zersplitterten und verschiedenartigen jüdischen Elementen, die man in Europa und Asien findet, ein einiges jüdisches Volk geschaffen werden, das sich dazu eignete, das alte jüdische Land in Besitz zu nehmen? Die Juden sind keineswegs überall gleich. Wir wollen aber nicht von den ver* schiedenen jüdischen Sekten, die den Juden von Juden trennen, sprechen. (Schluss folgt.) } —ן Aus den Ortsgruppen ן— - Berlin. Berliner Zionistische Vereinigung. Unsere verehrten Mitglieder bitten wir davon Kenntnis zu nehmen, dass in Zukunft alle Einladungen durch die Paketfahrt־ gesellschaft erfolgen. Dieselben werden durch die Boten der Paketfahrtgesellschaft abgegeben, enthalten aber keine Adresse, sondern nur die Aufschrift: ״Mitteilung der Berliner Zionistisehen Vereinigung“. Gleichzeitig bitten wir im Interesse der richtigen und schnellen Bestellung unserer Zuschriften, jede Wohnungsveränderung unverzugllch Herrn J. H. Wagner, Berlin N. 37, Preuzlauerailee 9, mitzuteilen. Der Vorstand. Berlin. Am Sonnabend, den! 3. November 06, feiert der Jüdisc h cTur 11 verein ״B a r K o c h b a“ in den Fest• Sälen ״Hackescher Hof“. Rosenthalcrstr. •10, sein 8. Stiftungsfest, bestehend in Kommers und Ball. Die Festrede hat Herr Rabbiner Dr. M. Warschauer freundlichst überno in men. Ein- Irittskarten sind im Vorverkauf für 1 Mark auf allen Turnsälen und im Bureau. Dragonerstr. 24־ I, zu haben. Berlin In einer zionistischen Volksversammlung, die in den Viktoriasälcn stattiand. sprach Dr. Franz Oppenheimer vor einem mehr als tausendköpfigen Publikum über: ״Jüdische Arbeit in Palästina.“ In der Einleitung wies der Referent auf die russische Revolution und die unglückliche Lage des jüdisehen Volkes in Russland hin und gab seiner Entrüstung über die schmachvollen Judenverfolgungen Ausdruck. Angesichts solcher sich fortwährend wiederholenden Ausbrüche des Volkshasses müsse man die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft der jüdischen Masse!! in Russland seihst aufgeben. Auch die 1 Politik der Zerstreuung der Juden über den Erdkreis ist unj durchiiihrbar. Die Juden Wanderung kann nur als Massen- Wanderung erfolgen. England und Amerika müssen die Ein- Wanderung immer mehr erschweren. Nur ein einziges Land kommt in Frage, und das ist Palästina, das seit jeher das Land