Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 662 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 44 der Sehnsucht der Juden war. Nach Palästina werden die Massen strömen, sobald man ihnen das Zeichen zum Aufbruch gibt. Dem jüdischen Volk fehlt nur eins, um ganz ein \olk zu sein, ein eigenes Land. Nicht nur als Zionist, als Jude, -- ein jeder Mensch muss die Bewegung unterstützen, die darauf hinarbeitet, dem jüdischen Volke eine Heimstätte in Palästina zu schaffen. Redner schloss mit einer Schilderuhg der Vorzüge Palästinas als eines der ersten Kolonisationsländcr der nächsten Zukunft, ln der Diskussion begründete Dr. Heinrich Locwc des Zionismus vom Standpunkte der deutschen Juden. Auch der letzte Redner. Dr. Schetuarjah Lewin aus Wilna, uc! mit begeisterten Zurufen empfangen wurde, wies den Zionismus als eine Forderung aller, auch der freien und emanzipierten Juden, nach. Er ist eine geschichtliche Notwendigkeit, der sich auch die Nicchtjuden nicht entziehen werden, die einzige Möglichkeit zur entgültigen Lösung des Judenproblcms. Die Versammlung war ein hervooragender F.rfolg des Zionismus in Berlin. 26 neue Mitglieder traten der Berliner Zionistischen Vereinigung sofort bei. ' Berlin. Die hiesige Misraclii-Gruppe wird im Laufe der nächsten Wochen eine grosse öffentliche Versammlung veranstaltcn, in der ein Führer der deutschen Misrachisten über das Thema ״Gesetzcstreucs Judentum und Zionismus“ sprechen wird. Im Anschluss an das Referat wird eine freie Aussprache stattfinden und wird insbesondere auf eine möglichst grosse Beteiligung der gesetzestreuen Elemente der jüdischen Bevölkerung an dieser Versammlung gerechnet. Ort und Zeit, Name des Referenten, genaue Formulierung des Themas werden in einer der nächsten Nummern des Blattes bekannt gegeben werden. Chemnitz, 25. Oktober. Der Anfangs September er. abgehaltene Vortrag des Herrn Dr. Loewc-Berlin wurde zum Ausgangspunkt der Gründung einer zionistischen Ortsgruppe an hiesigem Platze. Zum 2. Oktober wurden Schekelzahler "zu der konstituierenden Versammlung eingeladcn. Vorläufige Beratung der Statuten, deren endgiltige Festsetzung einem 5gliedrigcn Ausschuss übertragen wurde. Dann kurze Anspräche des provisorisch gewählten Vorsitzenden über die Aufgaben einer zionistischen Ortsgruppe. Nationalfondsatnin- Jung. Am 24. er. fand die erste ordentliche Gruppenversanmilung statt. Genehmigung der Statuten und Bestätigung der Wahl des Vorstandes. Derselbe besteht aus 5 Personen: dem I. Vorsitzenden, Dr. med. Walter Frankel, Johannisplatz 14 II; dem 2. Vorsitzenden und .Schriftführer, Max 'Grünberg, Holzmarkt 15; dem Kassierer. Frau Dr. Götz, Zwickauerstr. 95; und 2 Beisitzern. Nach Erledigung einiger inneren Angelegenhelfen erstattet Dr. Frfmkel ein Referat über die Dr. Vogelstcin’sche Broschüre und bespricht die einzelnen Punkte derselbem Lebhafte Diskussion. Zahl der Mitglieder: 35 und dazu 2 Ncuanmeldungen. Gruppenverband *Oberschlesien“. Am 21. ds. 'Mts. fand in Gleiwitz eine Tagung des Grup־־ penverbandes 0״ be rsc hles ien“ statt, die, als letzte untei dem Vorsitz des von Oberschlesien scheidenden Herrn R.-A. Steinitz-Gleiwitz, sehr gut beschickt war. Neben den Vertretern der Ortsgruppen Ratibor, Bcuthen, Zabrze, Rybnik und Ka11owitz waren die Vertrauensmänner aus Tar now׳ itz, Nicolai, Pciskretschäm, Antonienhfitte und Gesinnungsgenossen aus Königshütte. Cosel, Tost und Li p ine erschienen; die bewährtesten Führer, u. a. Dr. Cassel. Lew andowsky, Dr. Stahl, waren anwesend. Die Tagesordnung umfasste ausser den Berichten der Gruppenvertreter Fragen der Organisation (der nunmehrige Vorsitzende Ist Herr Dr. Stahl-Tarnowitz) und der Winterpropaganda, ferner Vorbereltungen für die Schekcltage und den Ende Dezember in Bcuthen stattnndenden Obcrschlesischen Zionistentag. Doch im wesentliehen stand die Sitzung unter dem Zeichen des Abschieds des verehrten Führers. Gründlichkeit, gediegenste Sachkenntnis, treue Hingebung kennzeichnen Hans Stein itz* zionistische Tätigkeit. Seine nie ermüdende Opferfreudigkeit und ständige Bereitwilligkeit bildeten für die, die ihn kannten und mit ihm zusammenarbeiteten, die lebendigste Quelle der Liehe zur Bewegung. Ihn durch eine prunkvolle Festivität zu ehren, würde seinen Intentionen kaum entsprochen haben. Die oberschlesischen Zionisten glaubten ihrer herzlichen Dankbarkeit den würdigsten äusseren Ausdruck dadurch zu geben, dass sic für den Scheidenden die Mitgliedschaft im Palästinapflanzungsverein zu erwerben beschlossen. Schönlanke, 28. Oktober. Auch unsere Ortsgruppe hat ihre Tätigkeit für das Wintersemester begonnen. Heute fand der erste Diskussionsabend statt, an welchem 12 Herren teilnahmen. Diskutiert wurde über *Der Judenstaat‘*, von Herz!, sowie über seine ״Selbstbiographie“. Beides ist enthalten In [unterlassenen ״zionistischen Schriften“. Zu letzterer wurde noch hinzugenormnen ein Artikel von Hcrzl aus der North Americain Review, welcher in No. 31 der RUNDSCHAU abgedruckt ist. Nach Schluss der sehr anregend verlaufenen Diskussion, welche nach je 11־ Tagen weitergefiilirt werden soll, wurde auch auf die Förderung der Jüdischen Kolonial- Bank aufmerksam gemacht; es wurden sofort 12 Aktien gezeichnet ur.d wird hoffentlich eine gleiche Zahl Aktien hier noch untergebracht werden. Würzburg. Wir begannen unser Wintersemester am 13. Oktober mit einem Vortrag des Herrn cand. math. D. Tac 11 a 11 c r über Antisemitismus und Zionismus. Der Rcdnei zeigte, dass der Antisemitismus seine historischen und Wirtschuftlichcn Gründe habe und deshalb durch Theorien nicht zu bekämpfen sei. Da andererseits, wenn es zu einer Machtprobe kommen sollte, die Juden unbedingt unterliegen müssten, so könne eine Lösung der Judcufragc nur durch Konzentration der Massen in einem Lande erreicht werden und dafür an' Palästina das geeignetste. Auf den Vortrag folgte eine rege Diskussion. Kiel. Am 29. d. M. sprach in der hiesigen Ortsgruppe hei verhältnismässig gutem Besuch Herr Dr, jur. Waschitz- Hamburg über das Thema: ״Philanthropie oder Volkspolitik?“ Den gediegenen Ausführungen des Herrn Referenten folgten Diskussion und Natioualfond-Samrulung. Dessau. Am Sonntag, den 7. Oktober, wurde unsere Winterarbeit mit einer Generalversammlung eiugeleitet. Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher erönnetc die Versammlung mit einer kurzen Abfertigung der in hiesigen Tagcsblütteri! erscliienencn Angriffe gegen den Zionismus. Hierauf ergriff Herr Blitz das Wort zu einem eingehenden Rückblick über die Arbeit des vergangenen Jahres. Herr Dr. Ascher forderte die Versammlung auf. Herrn Dr. Blitz ihren Dank auszusprechen. Dieser habe nicht nur in geistiger Hinsicht durch seine lichtvollen Geschiclitsvorträge der Ortsgruppe sein Bestes gegeben, er habe auch nie versagt, wenn cs galt, alle die Arbeiten zu leisten, denen sich jeder gern entziehe, die aber not־ wendig seien, z. B. Arrangements von Festen, Schlichtung von Streitigkeiten, Sorge für geeignete Redner u. a. m. Er sei in seiner unermüdlichen Arbeit für sein Volk ein Vorbild für uns alle. Der Kassenwart. Herr Schapiro, erstattete fu’r imserc Ortsgruppe erfreulichen Bericht über Einnahmen und Ausgaben, der folgendes ergab: Uebernommen in Barmitteln im Oktober 1905 38,77 ftlk., im Laufe des Jahres sind cingegangen durch Sammlungen 99J,53 Mk״ an Mitgliedcrbciträgcn sind eingegangen 119,25 Mk.. von der Cohn Oppenheimstiftung wurden überwiesen 500 Mk., die Selbstbesteuerung betrug bis 1. Oktober d. J. 433 Mk., die Schekel und Landesbeiträge betragen 112.85 Mk. Die G e s a in t ־ E i n n a h m c n betrugen somit 2195.40 Mk. Ausgaben: An den National-Fond wui1־ den abgeliefert 1161,40 Mk., für ölbäumc 120 Mk., fürs Go!- dene Buch 26,47 Mk., für Schekel und Landesbeiträge 112,85 Mk.. für Vereinsunkosten 759,34 Mk., und zwar: für Anschafiung von Literatur und Zeitungen, für die Redner und Mobiliar im Vereinszimmer. Der Kasscnbcstand belief sich somit am Schlüsse des Geschäftsjahres auf 15,34 Mk., ergibt zusammen 2195,40 Mark. Nach der Berichterstattung und Deehargeleistung fand di;• Vorstandswahl statt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher gewählt, zu seinem Stellvertreter Herr prakt. Arzt Dr. Moses, zum Schriftführer Herr Blitz, zum Kassenwart Herr Schapiro und zum Beisitzer Herr Hofbaukier Märker, das neuernannte Mitglied des Vorstandes der hiesigen Kuitusgcmcindc. Frankfurt a. M. Am Donnerstag, dem IS. d. Mts. sprach in der hiesigen ״Frankfurt-Loge‘‘ (U. O. B. B.) Fräulein Ilcnny Weil aus Mainz über ״Jungjiidisciic Dichtungen'.‘ Nach einer kurzen Einleitung, in der wir auf die Schönheiten dieses Literaturzweiges aufmerksam gemacht wurden und die uns die fruchtbare Nutzanwendung desselben vor Augen führte, luterpretierte Frl. Weil einige Gedichte juugjtidischcn Inhalts, dio ihren tiefen Eindruck auf die Zuhörer nicht verfehlten. Ein sonores Organ, gepaart mit verständnisinnigem Ausdruck, standen der Rczitatoriu zur Seite, die uns dadurch einige schöne Stunden bereitete. Es ist erfreulich, dass die zionistisehe Bewegung auch vermittels dieser belletristischen Propagauda immer tiefere und weitverzweigte Wurzeln schlägt. Dem Mangel an jüdischem Nationalgefühl könnte auf diese Weise vielfach und wirksam gesteuert werden. Parteitag der Zionisten in Böhmen Sonntag, den 14. d. Mts. fand in Prag die Jahresver• Sammlung der Zionisten Böhmens statt. Eiugcleitet wurde die-