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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · Heft 43 (26.10.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 644 No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU _ ~ - . — — ■■ —. .1 I .. tiec Stellung im Ausschuss der Provinzialregierung. Von judw scher Seite ist die Wahl des tatkräftigen Mannes Ranz bcsonders herzlich zu begrfissen, da er ein Mann von hoher Begabung und grossen Kenntnissen ist, die er mit!ernster weltmännischer Bildung vereint. Wenn von falsch untcrnchteter jüdisch-orthodoxer Seite behauptet wurde, dass Jakob- Meir Jüieral“ sei, so kann damit wohl nur sein Bildungsstrcben gemeint sein, das von dunkclmänntscher Seite hier in Jerusalem für ״liberal‘‘, d. h. reforinsiichtig gehalten wird. Die Juden Jerusalems und überhaupt des heiligen Landes konnen sich Glück zu dieser Wahl wünschen. * Jüdische Ausstellung in New York Eine ganz eigenartige, dabei aber, kulturell höchst wichtige jüdische Ausstellung ist soeben in einem Gebäude am East Broadway New- Yorks, das den Zwecken jfidtscher Wohltätigkeitsgcscllschaiten dient, eröffnet worden. Es handelt sich um eine Schaustellung jüdischen Lebens auf den Farmen and in den Landstädten der Vereinigten Staaten; sie will das Publikum mit den an diesen Stellen gegebenen Lc-!!ensbedingungen bekannt machen, insbesondere aber jüdische Ansiedler aus dem überfüllten ״Ghetto“ New-Yorks dabin ablenken. Seit einigen Jahren bemühen sich jüdische Philanthropen, ganz besonders die ״Jcwish Agrikultural and Industrial Aid Society‘‘, sowie die ״Industrial Renveal Lcague“ in New-York, jüdische Kolonisten für den Süden und Westen der Union zu gewinnen. Es werden passende Arbeits- oder Ansicdclungsgclegenheiien nachgewiesen und Reflektanten kostenfrei an 01t und Stelle befördert, um von diesen Gelegenheiten Gebrauch machen zu können. Die ״Ghettobildung** in de!1 östliehen Grossstädten ist eine Jf־r Hauptgründe, weshalb selbst viele, wie sie behaupten, sehr liberal gesinnte Amerikaner iur weitere Beschränkungen der Einwanderung cintreten. Gelänge es. gegen diesen bedenklichen Ucbelstand wirksame Abhilfe herbcizufüluen. so wäre sicherlich etwas Grosses erreicht und zugleich auch nativistisches Unheil verhütet. Das BERLINER TAGEBLATT fügt dieser Meldung mit gewisser Feindseligkeit ‘ gegen russische Juden hinzu: ״Aber es mag sehr schwer halten, die meist sehr heruntergekommenen osteuropäischen Israel Lt e n des Ncw-Yorker Ghetto in freie Ansiedler des amerikanischen Westens 7u verwandeln. Bei wie vielen mag dafür noch ausreichender Unternelunungsgeist vorhanden sein?" Die ״heruntergekommenen osteuropäischen Israeliten“ gehören zu den kräftigsten Erscheinungen im ,Völkerleben. Sie müssen freilich ״heruntergekommen“ sein, wenn sie so zäh und treu an ihrem jüdischen Stammcstum und ihrer Rasse festhalten, aus der man erst austritt. wenn man ״h e r a u f g e k o m m e n“ ist. EÜ Sprechsaal 3 Fflr die Mittellungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur ^le prcssgescttlichc Verantwortlichkeit Zum ״Jerusalemer Schuldirektor“ (Schluss.) Wenn Herr Dr. Nathan bemerkt, dass man das Seminar in Jerusalem, dem Zentrum des jüdischen Lebens iin Orient, gründet, um die zukünftigen Lehrer in engster Verbindung mit de.n Glaubensgenossen zu erhalten,‘‘ oder wohl auch, um sie. wie die JÜEDISCHE PRESSE sic! einmal ausgedrückt, den Gefahren einer europäischen Giossstadt zu erziehen, so ist dieser vermeintliche Nutzen höchst problematischer Natur. Alle die Gefahren, welche der Aus• druck der JÜDISCHEN PRESSE vermuten lässt, bestehen hier und Im Orient überhaupt gerade so gut wie in Europa, wen! nicht in verstärktem Masse, und dazu kommt ein langes Register anderer spezifisch orientalischer Laster, Sünden und Untugenden, von denen wieder Europa mehr oder minder •fre» ist. VVcun der Hilfsvereln der Deutschen Juden sich und die palästinische Bevölkerung mit seinem Lehrerseminar vor uniiebsamen und beklagenswerten Enttäuschungen bewahren wUL so höre er auf den ernstlichen Ruf, welcher aus den vorstehenden Ausführungen auf Schritt und Tritt herausklingt: Discite moniti! Der Jerusalemer Beobachter. Phil. Kieferndorf. Nachbemerkung der Redaktion. Nachdem Herr Dr. Nathan ü! der JUEDISCHEN RUND- SCHAU dem ״Jerusalemer Beobachter*‘ entgegengetreten war, mussten wir auch diesem das Wort zur Erwiderung geben. Wir Hessen zwar keinen Zweifel darüber, dass wir dem JERU- SYLEMER BEOBACHTER die Verantwortung für seine Ausfiihrungcn überlassen, glauben uns aber ausnahmsweise das Recht nehmen zu sollen, zu einer Sprechsaalkontroverse auch seitens der Redaktion das Wort zu ergreifen. Wie wir zum Hilfsverein stehen, brauchen wir in diesem Zusammenhänge nicht auscinandcrzusctzen. Das weiss jeder Leser der RUNDSCHAU. Es ist deshalb auch nicht nötig, auf den Artikel in der vorigen Nummer zu verweisen, in dem unter der vollen Verantwortung der Redaktion ausführlich die Verdienste des 'Hilfsvereins hervörgeliobcn worden sind. Die Angriffe des ״Jerusalemer Beobachters“ auf die Person des Herrn Ephraim Colin und seiner Kollegen sind allein schon in der Form ohne weiteres zurückzuweisen. Das wesentlichc sachliche Interesse beansprucht die Frage des Lehrerseminars. Hierin wollen wir unsern Standpunkt sehr genau präzisieren. Wenn das Lehrerseminar die Fehler vermeiden will, durch die die Ecolc Normale in Aiiteuil sich bei ihren früheren Zöglingen im Orient den Scherznamen Ecolc Animale erworben hat, den sie gewiss nicht verdient, so muss das Lehrerseminar imstande sein, die volle Bildung zu vermitteln, die ein gutes europäisches Lehrerseminar gibt. Ob der jetzige Leiter dieser Aufgabe gewachsen ist, überlassen wir dem Urteile der kompetenten Personen in Jerusalem. Die HASCHKAFA bezweifelte grade dies. Das Jerusalemer Lehrerseminar kann aber keineswegs bei dem Deutschen als Haupt- Unterrichtssprache bleiben, weil es sich durch die örtlichen Verhältnisse allein schon mit Naturnotwendigkeit ergib!, dass dies Deutsche zu sehr unter dem Einfluss des Jiidischdeutschcu zu stellen kommt. Das Lehrerseminar kann nur das Heb r ä i s c I! e als f f. 11 r e n d e S c h u l - u n d U n t e r r i c h t s - spräche verwenden, oder cs wird seinen Zweck verfehlen. Dass der Hilfsverein. der das Seminar gegründet hat und imterhält, die völlige Ausschaltung des Deutschen nie zulassen wird, das ist ja schon durch sein Gründlingsstatut gegeben. Aber cs darf nicht, wie bis jetzt, die Hauptsprache sein, dem gegenüber das Hebräische völlig zurücktritt. Wenn der Schulleiter und das Lchrerpcrsona! zur Zeit nicht imstande sein sollten, der Forderung zu genügen, dass das Hebräische die Hauptsprachc des Lehrerseminars sein soll, so kann das nichts an der Notwendigkeit dieser Forderung ändern. Auch wird jeder, der dem Seminar ein gutes Gedeihen wünscht, mit uns den ferneren Wunsch teilen, dass das Niveau der durch das Seminar vermittelten Bildung \vcscntlich erhöht wird. Dass die Gründung des Lehrerseminars durch den Hilfsverein ein Schritt vorwärts war, muss jeder anerkennen, dem an der Wahrheit liegt. Aber das richtige Prinzip bedarf der richtigen Ausführung durch die geeigneten Männer. Indem wir die ungerechten Angriffe des ״Jerusalemer Beobachters" gegen die Personen zurßekweisen, bekennen wir, dass wir in der Person des jetzigen Direktors nicht die Gewahr erblicken, dass das Seminar — von der Lä me!schule ist hier n i c h t die Rede -- sehr bald das Bildungsziel in vollem Umfange erreichen wird. Aber es soll nicht heissen ״aut refirmandum aut delcndum", sondern nur reformandum. Die weite!c Anstellung europäischer Akademiker, die geplant ist. w ird in diesem Sinne das von uns allen gewünschte Resultat ergeben. Hiermit können wir wohl für die RUND- SCHAU diese Diskussion schliesscn, deren Form wir nicht billigen, die in der Sache selbst aber hoffentlich Nutzen bringen wird. . _cJ Kleine Mitteilungen Berlin. Der Hllfsveicln der Deutschen Juden hat eine hochherzige Spende erhalten. Es .sind ihm 10000 Mark zur Verlegung gestellt worden mit def Bestimmung dass dieser Betrag insbesondere unseren Stammesgenossen in Russland zu Oute kommen soll. Uber die näheren Festsetzungen betreffs der Verwendung schweben noch Verhandlungen zwischen dem Geber und dem Hilfsverein. Der edle Spender dieses Betrages ist Herr Gustav Lcvinstein in Berlin, der sich schon häufiger in grossherziger Weise humanitär betätigt hat. Berlin. Das in Lehnitz in herrlicher Lage im Walde und an! freundlichen Lehnitz-See gelegene jüdische Genesungsheim gibt alljährlich über 400 durch übcrstandeiie Krankheit oder schwere Arbeit entkräfteten, weiblichen Personen ihre Arbcitsfülugkeit wieder, es schützt ebenso Hunderte schlecht ernährter, blutarme! Mädchen vor Erkrankung, es bildet somit

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