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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · Heft 43 (26.10.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 641 nend schreckliche Wüstenei, steinerne Berge. Für den Wanderer bieten diese Höhen einen imposanten Anblick, wie überlaupt Palästina fi'n die Touristik, wenn auch nicht die Schönheiten der Schweiz bietet — mutatis mutandis, — aber die Reize z. B. vieler, vielleicht sogar aller gerühmten deutschen Hegenden übertrifit. Herrlich war von Moza auch der Heimweg auf der alten Strasse. Die Sonne tauchte das steinerne Meer in ihr Feuer, gespenstische Schatten tauchten an der. Ecken aui, und ferne grössten vom Norden und vom toten Meer Bergesriesen, die sich schon in Dunkel hüllten. Die indische Ansiedelung, um zum Hauptzweck unseres Marsches zurflekzukehren, ist schon •von weitem sichtbar. Man sicht grüne Bergeshange, intensive Bepflanzung des Tales, kurz, während wir vorher an die Sterilität des Landes schon glauben wollten, liefern uns die Leute von Moza den besten Beweis, dass dies mit Flciss abzuändern ist. Allerdings gehört dazu auch eine ordentliche Summe, die mancher der Ko- Innisten nicht besitzt. Vorerst ist hier die Rente nicht gross. Es mag der allgemeine Grund vorlicgen, dass sich die meisten Kolonisten, die sich mit Baumpflanzungcn abgeben (mit Ödbäumen, Orangen, Weinbau, Mandeln), verschmähen, sog > nanntes Grünzeug (Salate, Gemüse, Kartoffeln) zu pflanzet und sich genügend Federvieh und Haustiere zu halten. l:s mag richtig sein, dass die Baumpflanzungcn ziemlich die 7cir absorbieren, aber schliesslich liegt der Grund tiefer, fn frühe, ren Jahren ging es bekanntlich den Weinbauern zu gut. Der Baron zahlte die besten Preise. Was damals der jüdische Bauer nicht zu tun brauchte, er kann sich schwer von de!־ Notwendigkeit nachher überzeugen. Und daneben ist besonriers den Frauen Unrecht zu geben; die sind alles mögliche, ur keine Bauernfrauen! Das Gesagte gilt natürlich nicht für ganz Moza. \\ ir nahen hier schon treffliche Leute. Ein Kolonist hält sielt z. B, in Südafrika aui und schickt alles Geld seinem Bruder, der die Wirtschaft ausbaut. Die Schule ist recht verwahrlost, den Unterricht erteilt ein Kolonist von Rechoboth. FiTr dasselbe Geld hätte man sicher auch einen Lehrer bekommen. Am Platze sind auch drei ältere* Häuser, die an Griechen verpachtet werden. Es ist den Juden schon gelungen, etwas Grundbesitz davon zu erwerben. Hebron. Jerusalem diente mir des weiteren zum Besuche vor. Hebron als Ausgangspunkt. Es ist dorthin ein Tagesmarsch, gute Fussgängcr brauchen etwa 7—8 Stunden. Die Mittagsstunden wird man wohl allgemein im Sommer zur Ruhe benutzen. Der Weg führt nach Süden an dem bekannter! Grab Rahels vorbei. Daun lässt man das durchweg christliche Bcthlehcm mit seinen vielen Klöstern links liegen und marschiert durch Fluren, die vielfach den Kirchen gehören und total unverkäuflich sind, zu den Salomonischen Teichen. Pas sind drei immense Wass.rbehältcr, die Jerusalem mit ihrem Wasse! speisten. Heute noch repräsentieren sic sich recht gewaltw, wenn sic sich auch bei näherer Beschtigung als ziemlich vet. wahrlost zeigen. Die Wasserleitung ist gleichwohl wieder hcrgestellt. Uebcr die Zeit der Entstehung streiten sich die Gelehrt•'־!; Den Namen erhielten die Wasserbecken, da man in diesen Wädi die Gärten Salomos suchte. Nun gelit's weit in die Höhe, bis wir ein langes Hochplateau erreichen. Selten eine armselige arabische Hütte, um die d:r Boden etwas bebaut ist, dafür aber ständig alte Ruinen, Fclsgrübcr und Höhlen, die uns an die Zeiten erinnern, wo hier Antiochus Eupator den Judas Makkabaeus schlug; weUeT noch nach Mittag das noch mehr aus der Makkabäcrzcit bekannte Bcth-Zfir. Gegen Abend zeigten sich Weinberge und Olivenhaine. Die Strasse wurde belebt; allmählich bald links, bald rechts an der Chaussee ein neues Haus. . Das Hotel — es gibt hier nur ein jüdisches — fand sich endlich, und vergnügt zog der müde und hungrige Wanderer ein. Doch leider hatte er nicht mit der am Orte stattfindenden Hochzeit gerechnet. Vergebens seine Gcgenvorstü* lung und da er trotz langen Suchcns kein Plätzchen fand, wo er friedlich weile, so musste er bei Chalukah-Juden bleiben. Hier konnte man den grossen Unterschied zwischen den jüJ'.- scheu Bauern und den Schnorrern der heiligen Städte am eigenen Leibe fühlen. Besonders in Galiläa findet man he» unscrn Kolonisten recht saubere Stätten und da ich sehr viele Haushaltungen besucht habe, kann ich wohl allgemein sprechen. Zu den engen Quartieren der heiligen Städte infolge der immer kleiner werdenden Chalukah kommt fast proportional der Schmutz. Denn wer einmal sich angewöhnt hat, von dem Chalukah-Gelde zu leben, der kann sich kaum 'zu einem nütz■ liehen Leben wieder aufschwingen. Nur die Kinder, die immer mehr das hcreinbrechende Elend sehen — in Tiberias ist die Unterstützungs-Summe für einzelne russische Juden schon auf 40 Frank pro Kopf und Jahr gesunken *— die kann man einer Arbeit zuführen. Am Morgen marschierte ich zeitig, angeckelt ans verscliledcncn Gründen, zum Tore Hebrons hinaus. In der Nähe ist noch die Höhle Machpela, die heute die Musliueu ganzlieh usurpierten. Der ״Ungläubige“ darf nur auf "der ö>tliehen Treppe sieben Stufen ersteigen, um Vater Abraham sc:- nen Oruss zu 'bieten. — Es war kein geheucheltes Vergnügen, als ich am Abend wieder in Jerusalem anlangte. Aber schliesslich haben die eintägige Hungerkur und die übrigen vielen Imponderabilien Hebt 011s nichts geschadet, höchstens dem Humor für einen Tag Nach Galiläa. Eigentlich wollte ich direkt von Jerusalem über Nabulus (das alte Sichern) und Beisau nach der Gegend von Tiberias marschieren. Wie allüberall riet man mir von dem Weg ab. teilweise sogar überhaupt von dem Besuche Gollels, da es mir nicht viel Neues bieten würde. Und wie ich aus den* Programm der Palästina-Reisegesellschaft ersehe, hat das Reisebureau Tabor den Besuch dieser ganzen Gegend überhaupt nicht vorgesehen. Es ist zu bedauern und lässt sich wohl nur damit erklären, dass die letzte Reisegesellschaft infolge mangelhafter Vorbereitungen in Galiläa in unangenehm•.־ Situationen kam. Heute aber kann man auf die bequemste Art der Welt Galiläa besuchen, da via Beirut-Damaskus eine Eisenbahn an den Genezareth-Sec führt (die Gesellschaft wird bis Damaskus ohnedies gehen), anderseits geht die Bahn direkt auch vom Hafen Haipha bis zur Endstation der Linie von Damaskus. Bequemer kann man es in Deutschland auch nicht haben. Zu empfehlen ist trotzdem der Anschluss ar! Reisegesellschaften allen denen, die gerne sich einer grössere.! Kolonne anschliesscn und in fremden Ländern selbständig nicht reisen wollen. Vielleicht richtet man aber eine Anträge nach Wien., oh diesmal wirklich alles gut arrangiert ist uttJ keinesfalls Nachzahlungen zu erfolgen haben, p -— — Rundschau «-■=1■ ■■ ,״־- Weil sie arm sind? Fm engsten Zusammenhang mit den Ausweisungen aus Prcusscn hängt die Beschränkung und Einschränkung russischindischer Studenten zusammen. Was man zur Zeit mit der, deutschen Juden nicht machen kann, das übt man an den rechtlosen russischen Juden aus. , ״Für die Aufnahme von Russen an pieussischcn Untversi• täten werdtn demnächst wieder vom Kultusministerium im Einvernehmen mit dem Reichskanzler neue ßestimmun* I gen erlassen werden. In Rücksicht auf die erwartete Verftigting werden einstweilen an der Berliner Universität Russen (soll heissen: russische Juden) nicht immatrikuliert, und auch 1 der rfospitantenschcin wird vorläufig nicht an Russinnen (soll

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