Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651489--04058-2661013- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 530 * JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4י Vereins {Jer deutschen Juden z. H. des Vorsitzenden, Herrn James Simon, und au das Komitee des Vereins zur Er- Ziehung jüdischer Waisen in Pafastina. z* H. des Vorsitzenden. Rabbiner Dr. M. Horovitz 11: Frankfurt a. M.. aber cs blieb alles still iin jüdischen Blätterwaldc und in den jiidisc.ien Kabinetten, bis endlich die Jt'ED. RUNDSCHAU das Schweijten das Eis brach, wofür itir nicht nur der Artikclschreiber, sondern auch alle einsichtsvollen, verständigen und um das Wohl der jüdischen Jugend ״Unsere Hoffnung‘‘. an welche Herzl sterbend in seinem bekannten Breite sein ergreifendes Vermächtnis gerichtet, treu besorgten Kreise in Palästina und Deutschland den herzlichsten Dank wissen, wie die Bewe.se schon zahlreich vorlicgcn. Es ist allerdings richtig, dass der Korrespondent cor Wochen über Herrn E. Cohn seine pädagogischen Leistungen, seine hervorstechenden Charaktereigenschaften und seine nisher mit solch unerhörtem Raffinement. Geschick und Glück geleitete einträgliche deulsch-cnglisch-zionistisch-internatfonab Politik unter derselben furchterweckenden Uebcrschrift. schon einen speziellen Artikel für die hebräische HASCHKAFA ge schrieben hat. welcher bei seinem Erscheinen allgemeines Autsehen erregte, dem unschuldigen Redakteur der HASCHKAFA den bitteren Hass des Herrn Ephraim Cohn cintrug und bei viciep naiv gläubigen Jerusalemer Scclu: allen Ernstes die beängstigende Vorstellung erweckte, als ob wir am Ende wirklieh um der viel begehrten Persönlichkeit des Herrn Cohn und um des Suczkanales und der Bagdachahn willen hier •n die unliebsamsten und gefährlichsten kriegerischen Ereignisse verwickelt werden könnten. Aber der Artikel in der HASCHKAFA hatte mit dem in der JUED1SCHE1N RUNDSCHAU erschienenen nur stellenweise Ähnlichkeit und findet sich gerade der von Dr. Nathau in seiner Erwiderung neu zitierte und beanstandete Passus über die angeblich dem Hilsveretn seitens des A.rtikelschrei• bers in der HASCHKAFA imputier.e Gcrmanisierungspoliti! nirgends in der HASCHKAF, sondern ist mit vielen anderen Aenderungen und Ergänzungen dem besonders für deutsch^ jüdische Kreise berechneten Artikel in der JUEDISGHES RUNDSCHAU erst nachträglich hinzugefügt worden. Herr Dr. Nathan hat also nicht die leiseste Berechtigung, von einer ״irreführenden Darstellung der HASCFIRAF9 zu reden, was ihm auch namens des Redakteurs der HASCHKAFA vornweg bemerkt sei. Was nun den eigentlichen Inhalt der Entgegnung des Herrn Dr. Nathan anbelangt, so wird dieselbe auPallendcrwcisc jed« Eingehen auf das eigentliche Tema, das der JERUSALEMER BEOBACHTER behandelt hat und drückt sich redend stumm upi den nervus serum herum. .Nicht von der wirklichen oder erdichteten Germanisierungspoliök des deutschen Hilfsvereins. sondern von der pädagogischen Qualifikation vpn den Charaktereigenschaften, dem öffentlichen Auftreten des Direktors E. Cohn an dem vom Hilf$vercin gegründeten und subventionierten Le h r e r v.e r se m i n a r und der Frage, inwieweit derselbe für die ihm vom Hilfsverein übertragene Stelle und Funktion tauglich sei. handelte die bekannte tragi-komische Betraclitung aus Jerusalem in der JUED. RUNDSCHAU. Es ist von Seiten des Artikelschreibers in keiner Zeile derselben dem Hilfsverein der deutschen Juden der kategorische Vorwurf gemacht wordon, dass er einseitigen ״chauvinistischen Tendenzen“ huldigt, dass er mit Vorsatz Ocmianislerungs- Politik treibt oder sich den jüdischen Gemeinden 1m Orient mit seinem Deutschtum aufzudrängen sucht, wiewohl z. B. nach unparteiischer Berichterstattung und Darstellung de 1 Blätter das Vorgehen des deutschen Hilisvcrcins mit seinen deutschen Schulen in Buigarien gegenüber der Allianz doch nicht״ als so ganz loyal und einwandsfrei bezeichnet werdep kann. Der JERUSALEMER BEOBACHTER sagte in dieser Beziehung In dem von Herrn Dr. Natfian zitierten Satze nur ganz hypothesisch: ״Wenn der Hilfsverein der deutschen Juden wirklich ernsthafte Germanisatiop treiben und sich der deutschen Regierung und Nation gefällig erweisen will. סי sorge er dafür, dass entweder nur deutsch-jüdische, wisse.» schählich gebildete Assimilanten hierher kommen, oder noch besser, er verlege das Jerusalemer Lehrerseminar nach Berli• in die Nähe des kaiserlichen Schlosses nach dem Vorbild de französischen Allianz'* etc. Mjcht auf dem Vordersätze, sondern auf dem Nachsatz» lag und liegt für den Artikelschreiber noch immer das Schwer• gewicht, wie es besonders der Passus beweist, welcher derr von Herrn Nathan angeführten Satze vorausgellt, wo er im Gegensatz zu den wohl begreiflichen Lobhudeleien des BER- LINER TAGEBLATTES, erhärtet, dass Herr Cohn weder mit :einer wissenschaftlichen und pädagogischen Begabung. Metlmdc und Charakterbildung, noch mit seinem ncpotistisch protegierten jargonistischcn Lehr- und Hilfspersonal der riehtige Manu ist. eine solch wichtige Helle zu bekleiden, wie sie ihm von dem Hilfsvcrcin der deutschen Juden anyerlraut worden ist. Aui diesen Vorhalt ist Herr Dr. Nathan mit kcinei Silbe eingegangen, hier aber heisst cs: hic Rhodus, hfc salta hier erwarten wir vom Hilfsvciein eine Antwort welche Nägel, Hand und Fuss hat. Ob der deutsche Ififisverein im Orient deutsche Schulen einrichtet und in Jerusalem ein Lehrerseminar unterhält aus Germaiiisieriingspolitik oder aus Berücksichtigung der realen Bedürfnisse der jüdischen Gemeindcit, können wir füglich ununtersucht lassen; Tatsache ist. dass solche deutsche Schulen und ein Lehrerseminar in Jeru- Salem bestehen, und dass man darum ein Recht hat. dem hilfsvcrcin zu erklären, dass für den Orient. Palästina und Jerusalem, das Beste gerade gut genug ist und dass eine Oe- Seilschaft von pädagogischen Dilettanten, Charlatans unc. Schnorrern sich anderswo in der Welt weniger edle Versuchs- Objekte suchen mögen, als die palästinensische Jugend, um welche cs wirklich allzu schade ist. Den Schreiber diese» Zeilen leiten bei seinem scharfen Vorgehen durchaus nicht, wie man etwa behaupten oder vermuten könnte, persönliche Rankünen, sondern nur rein sachliche Gesichtspunkte; natnentlieh sucht er dabei in keiner Weise den materiellen Schaden des Fjefrii Cohn. Wenn er Herrn Cohn die Befähigung als Direktor eines Lehrerseminars abspricht, so wünscht er gleichzeitig, dass derselbe etwa noch mit Gehaltsaufbesserung und entsprechender Alterszulage und Pension auf Lebenszeit als Direktor der Lftmelscliule verpflichtet wird, an welcher er bisher schon in der gleichen Eigenschaft durchaus crspricss* lieh und befriedigend gewirkt hat. In der Lämelschulc ist Herr Cohn in jeder Beziehung auf de nirichtigeu Posten und bat der Korrespondent von den Lcbcnscrbclumgcn. welche er vor Jahren diesem Elementarinstitut und Herrn Cohn in der RUED1SCHEX PRESSE des Herrn Dr. H. Hildesheimer gespendet, auch an dieser Stelle nicht das Geringste ab/uziehen. Es lernt ja zwar auch in der Lämelschule kein Schüler in irgend welcher Sprache einen Satz orthographisch und stifistisch richtig schreiben und sprechen, aber das ist hier von nicht so erheblichen) Belang: der Schüler lernt wenigstens so viel, als er für seinen künftigen Beruf als Handwerker. Angestellter etc. im späteren Leben nötig fiat, und das genügt ja schon zur Not und will für Jerusalem schon sehr viel hedeuten. Ist doch in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt, wer von uns. d. h. dem Artikelschreiber und seinen verehrten Lesern, hat irgend eine deutsche Volks- und Elementarschu'e verlassen und wäre imstande gewesen, eine Professur für germanische Sprache und Literatur zu übernehmen? Aber, um das lateinische Sprichwort einmal umgekehrt zu zitieren: auot licet bovi. non licet Jovi — an eine höhere Lehranstalt und besonders an ein Lehrerseminar und Akademie stellt man doch höhere Anforderungen und erwartet man andere Resultate, als von einer einfachen Primär-, Elementar- und Volksschule. Wenn ein Volksschnler noch hie und da mit der deutscher. Grammatik, welche namentlich für die an den deutschen odci spanischen Judeiidialekt gewöhnte jüdische Jugend in Jerusalem noch eine weitere grossere crur ist, als fiir ihre Kameraden in Deutschland, auf gespanntem Fusse lebt, so kamt ma.1 das in etwas begreifen und verzeihen, aber wenn man, wie der Artikelschreiber. Gelegenheit hatte, sich persönlich und augenscheinlich zu überzeugen, von einem ״Herrn Sctm'na- *risten“. der demnächst, wie hier die Rede geht, mit seinen 6 oder 7 Napoleon im Monat vom deutschen Hilfsverein auf die jüdischen Kofonieen als .,Professor" geht, Sätze niedergeschrieben sieht wie: .,\Vj!: faulten auf das Eis Schlittschuh*. oder: ״Er bringte die Kinder schöne Geschenke“, (!) da wird einem bei nur halbwegs entwickeltem deutschen Sprachgcfühl doch etwas wunderlich, bedenklich kribbelig und krähhelig zu Mute, und man ist na]te daran, aus der Haut zu fahr*«. Vielleicht ist die Welt in unser.er an Ucberraschungcn so reichen?“:[ mittlerweile so hastig vorangescheritten. dass man in Deutschland zur Vereinfachung der deutschen Gram matik und zur Freude aller Deutschbeflissenen nicht nur mit allen überflüssigen ״H’s“. sondern auch mit den schwierige! starken und unregelmässigen Zeitwörtern aufgeräumt hat, ohne dass der Artikeischreiber ״weit hinten in der Türkei“ davon Kenntnis erhalten, dann müsste er allerdings vor Herrn Cohn und seinen ״Herrn Seminaristen," welche mit dem kleinen runden, grünen und weissgeränderten Käppchen schief auf das Ohr gedrückt, auf dem Jerusalemer Pflaster kühn und selbstbewusst ihr Jahrhundert in die Schranken fordern, kleinlaut seine tadelhafte Rückständigkeit bekennen und seine Schüler, welche er noch Immer erbarmungslos mit diesen Schrullen der deutschen Sprache Ta״ für Tag quält, demütigst und reue- «