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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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4 I No. Ai —r ־־ 1 Israeliten, die in den Vereinigten Staaten leben, allein ungefähr 800000 in New York wohnen. In dem Statteil Manhattam allein gibt cs ihrer mehr als in der Türkei, Persien und Ägypten zusammen, Uud erst die Zahl der vereinigten Jüdischen Bevölkerung von Deutschland und Frankreich erreicht etwa die der in der ganzen Stadt lebenden Israeliten. Russland mit einer jüdischen Bevölkerung von 5 215 805 und Österreich- Ungarn iftit einer solchen von 2 076 378 sind die einzigen Länder, die mehr Juden als die Vereinigten Staaten bcher-' bergen. Im verflossenen Jahre wurden in den Vereinigten Staaten •1-1 neue Synagogen ihrer Bestimmung übergeben und 22 industrielle und wohltätige jüdische Gesellschaften gegründet. . Im Kongress der Vereinigten Staaten befinden sich fünf Juden, und zwar einer im Senat und vier im Abgeordnetenhause. ** Allerlei Wahre Geschichte Geisterstunde. Im russischen Ministerrat. Finanzminister Kokowzew äussert Bedenken, ob cs gelingen würde, eine neue auswärtige Anleihe unterzubringen. Schweigen. Da erscheint der Geist Rothsteins und singt, das Antlitz gen Westen gewandt, die letzte Strophe derrrpr:״ כי רר• טם אהרון היהודי כם אחרית תקותנו .... ׳ Der ewige Jude Hin unruhiges Wesen, halb Mensch, halb Gespenst, kam eines Tages, als es schrecklich regnete, an den Pia t/. (Savin) und wurde gastfreundlich in ein Haus eingeladen. Die Frau des Hauses stellte seinen Sitz vor das Herdfeucr, damit er seine Kleider und sich selber an der Wärme trocknen könne. Da sie eben beim ,.Käsen“ war. bot sie ihm Molken an. die war. a!>er siedend heiss. Der Ruhelose schüttete, oder wari vielmehr das heisse Getränke von einer Gehst־*‘ in die andere, fieberhaft rasen und zitternd, aber so kräftig, dass der Molktnstrahl hoch auf, bis ans Dach des Hauses flog, von wo er wieder in die Gcbsc zuruekfiel, ohne dass dabei ein Tropfen verschüttet wurde.־ Darauf trank er die Milch, und stürzte gleich hernach wieder zum Mause hinaus. Den Leuten grausete es; sie schauten ihm nach, und mehrere sahen, wi״ er so schnelle, als würde er vom Sturm• winde getragen, durchs Tal hiueinjagte und drinnen die hohe Bergwand hinaufklonmi, bis sie ilui nicht mehr sehen konnten. Jöklin Dietrich: Volkstümliches aus Graubünden. T. 3.; Cur. Ib78. Seite 5. (Aus: Bund. Woclienzeitimg.!860.) Eingesandt Sehr geehrte Herr Redakteur! Meine Ferien bringe ich alljährlich in Trendin-Tcplitz i 5 Ungarn zu. Auf mduer Rückreise pflege ich einige Tage in Kattowitz O.-S., in meinem früheren Wirkungskreise zu weilen, um meine Freunde daselbst zu besuchen. Dies Jahr lag mi! besonders daran, in Kattowitz zu sein, um den dortigen Stadtrat, Herrn S. Wiener, zu sprechen, der im vergangenen Winter eine Reise durch Palästina gemacht batte. Von diesem Herrn, der weg.» seiner tiefen jüdischen Gelehrsamkeit, seiner wahrhaften Religiosität und hoher Bildung in weiten K •־eisen, selbst in prcussisclien Regierungskreisen, hohes Ansehen genicsst, wollte ich ein Urteil über Land und Leute hören. Herr Wiener sagte, das Land sei durchaus besicdhmgsfähig. Der Boden sei gut und könne äusserst fruchtbar gemacht werden. Kr sei mit einem jüdischen ungarischen Grossgrundbesitzcr zusammen gereist und habe von ihm überall die günstigsten Urteile über die Beschaffenheit des Bodens vernommen. Aut einer weiten öden Strecke sei er von seinem Reisegefährten auf eine Quelle aufmerksam gemacht worden, die •genügen wii’rde. um das ganze Gebiet zu bewässern, au! dem nach 2 Jahren der schönste Weizen wachsen w ürde. Von eine! andren weiten Länderstreckc. die wegen des vielen Steingcrölls einen traurigen Anblick gewährt, meinte jener Fachmam. dass auch dieser Boden bebauungsfähig sei. da die Steine vom Regen zersetzt, wegen ihres reichen ^alkgehaltes den besten Dünger abgehen würden. Er habe in den Kolonien einen russsich-jüdischen Kolonisten besucht, der vor 10 Jahren ein Grundstück für 4000 Fr. erworben. Kr habe, sagte der Seite 629 Kolonist, schwer zu kämpfen gehabt, er habe sich aber durchgerungen und lebe jetzt in gesicherten Verhältnissen. Man habe ihm. sagte Herr Wiener. Wein vorgesetzt, der von ausserordentlichem Geschmack war. Dieser Wein werde von dem Inhaber mit geringen Kosten produziert und zu höheren Preisen auf dem europäischen Markt verkonsumiert. Der Kolonist, dir nur mit 41)00 Frcs. nach Palästina gekommen, schätze jetzt, nach 10 Jahren, sein Vermögen auf 40000 Fr. ein. Auf mein. Frage, wie er sich zu der Ansicht in den jüdisch frommen Kreisen verhalte, wo man die zionistische Bewegung us religiösen Rücksichten verwarf, weil sie angeblich den alten jüdisch. Mcssias-Vcrhcissungen entgegenstehe, antwortete Herr Wiener: ״Eins schlicsst das andere nicht au>'. Diese wenigen Worte sind so klar gefasst, dass sie mich über jeden religiösen Zweifel, wenn ich solchen noch gehegt hätte hingeheben würden. Ja, ״Kins schlicsst das andere nicht aus". Der Zionismus ist also ein grosse Tat für sich, die unsere grossen Vcrheissungen von der Aufrichtung des jüdischen Volkes in Palästina nicht verwirft, sondern wahrscheinlich fördert und verbreitet. Herr Wiener sprach freilich von manchen Bedenken, Jic man ins Auge fassen musste. Aus der Krnte, sagte er, kommen türkische Stcuerbcamten in die einzelnen Gehöfte, um das Getreide, welches noch aut dem Felde steht, wegen der zu entrichtenden Steuer abzuschätzen. Man verfahre dabei wilkürlich und schätze das Getreide viel höher ab. Dieser unsichert; Zustand seitens der türkischen Beamten sei eine Last für die Kolonisten. Ich hätte gern mit Herrn Wiener noch länger über diese Angelegenheit gesprochen, allein er sass Schwab nach seinem ältesten Bruder und hatte viel Besuch. Ihr ganz ergebener B. Blitz. m\---;---1 c ־iz□ Sprechsaal 1 1־ Für die Mitteilcngeh an dieser Stelle Ctemimmt die Redaktion nur die pressgesetziiehe Verantwortlichkeit. Zum Jerusalemer Schuldirektor Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Erwiderung des Herrn Dr. Nathan vom Hilfsvercin der deutschen Juden an! den humoristisch-ernsten Artikel des Jerusalemer BEOBACHTERS ״der Kampf der Mächte um einen ״Jerusalemer Schuldirektor" in Nr. ,37 resp. Nr. 36 der JUEDISCHEN RUNDSCHAU erfordert sowohl von seiten das Artikelschreibers, als der Redaktion der Jerusalemer HASCH- KAKA eine eingehende Berichtigung und Ergänzung, welcher Sie in gewohnt liebenswürdiger Weise gleich nach Eingang Aufnahme in Ihr gesch. Blatt *־erstatten wollen. Zunächst ist es ein vollständiger Irrtum und ein tinbegreuliches Versehen, wenn Herr Dr. Nathan in seiner Entgegnumr schreibt: ״Der Artikel Ist aus der hebräischen Zeitschrift ״Haschkafa“ übernommen.“ Zu dieser Behauptung berechtigte Herrn Dr. Nathan auch keine Zeile des in der JÜKDISCHEN RUNDSCHAU erschienenen Artikels. Es heisst da zu Eingang desselben: ״Unter der vorstehenden Ucberschritt sendet uns (d. 11. der JÜKDISCHEN RUNDSCHAU) c i n Korrespondent der Jerusalemer hebräischen HASCHKAFA folgende auch zionistische und besonders deutschjüdische Kreise interessierende launig-ernstcBetracb- 111 n g". Wer in afler Welt, ausser Dr. Nathan. Ist imstande, aus diesen Worten bcrauszulvscn. dass die JUEDISCHK RUNDSCHAU den von Dr. Nathan beanstandeten Artikel aus der Jerusalemer HASCHKAFA entnommen habe. Herr Dr. Nathan schlicsst falsch und sieht ohne Grund zwischen Berlin und Jerusalem G.spenstcr. Die vorstehend zitierten Worte sagen nur, w ie cs auch der Tatbestand treffend ausweist, dass dien so gut. wie der Korrespondent des BERLINER TAGE- BLATTS auch einmal eineu Artikerfür die KOELNISCHE ZEITUNG und die WIENER NEUE FREIE PRESSE schreiben kann und umgekehrt, der Korrespondent der Jerusalemer hebTiiiseben HASCHKAFA auch einmal einen Artikel iiir d׳c Berliner zionistische JUEDISCHF. RUNDSCHAU geschrieben, w eil er sich von seinen! Vorgehen einen besseren Erfolg ve.׳־ sprach, als mit der HASCHKAFA. den er ja nun Dank des Entgegenkommens und der Mitwirkung der g. Redaktion der JUED. RUNDSCHAU zu seiner und anderer Freude und Genugtuimg auch vollständig erreicht hat. Der in Rede stehen Je Artikel ging handschriftlich genau in derselben Fassung auch an andere jüdische Blätter und an das Komitee des Hilfs- JÜDISCHE RUNDSCHAU

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