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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 62$!JÖ DI SC HE 1RUN l>& C'H A Ü No. 42 Dem Obersten Tichanowski. Sie dl ec. Eure Antwort hat uns entzückt. Es lebe hoch das russische Bajonett und der heldenmütige Oberst! Die echt-russischen, Leute.“ י Odessa. Der Stadtarzt Lissner dementiert in allen Zeituiigen die Insinuation von PJETSCHE. nach welcher im Sanatorinm des Doktor Triger Blut von einem christlichen K|ndc benutzt wurde, um eine von einer Krankenpflegerin, zufällig . vergiftete Jüdin zu retten. Diese lügenhafte Mitteilung hatte einen tendenziösen Charakter und wollte die Bevölkerung g<jgen die Juden aufbringen. . . Die Militärpatrouillen wurden verstärkt. Die jüdischen Feiertage wurden von der jüdischen Bevölkcrung mit grosser Unruhe erwartet. In den lokalen Zeiturigen wur.de der Aufruf des Odessacr Rabbiners Dr. Krcps an die jüdische Bevölkerung veröffentlicht. Der Rabbiner war mit einer jüdischen Deputation beim Stadtoberhaupt und beim Ocneralgouvcrncur, und nun wandte er sich an die Juden, um sie zu beruhigen. Man traut keinem Rabbiner, der mit den! Gouverneur befreundet ist. Die Stimmung wurde dadurch nicht .ruhiger. Aus den beruhigenden Worten des Stadtoberhaiiptes Hess sich seine vollständige Ohnmacht den Ereignissen gegenüber heraus hören. Die jüdischen Deputierten verbessert ihn mit dem Gcfiinl, dass die ganze Macht sich in den Handln des Militärs befindet. J Seit einigen Wochen zirkulieren in Chcltn Gerüchte, dass während einer kirchlichen Prozession ein Judenpogrom stattfinden soll. Die jüdische Bevölkerung verlicss in grosser Zahl die Stadt. fit dgn letzten Tagen wurde aber die Stimmung ruhiger, weil die lokalen Behörden der Biirgcrdeputation erklärt haben, das? alle Massregeln zur Verhütung des Pogroms getroffen wurden. Hetze gegen die Juden Die RUSSISCHE KORRESPONDENZ stellt uns die nachstehenden Ausführungen der RUSSKOJE SNAM.IA, des Organs der schwarzen Baude, zur Verfügung: ״Wage nur die Regierung abzulcugnen. dass die Juden uni die Revolutionäre dieser Tage aus dem Auslande kolossal** Summen für rcvolutionarcZwecke erhalten haben. Das kann die Regierung nicht, denn das Geld ist zugeschickt worden und angenommen. Wir wissen das und haben Beweise dafür: und sollte der Fall cintrcten, dass die Forderungen van Sliosberg und Oünzburg erfüllt werden und die 'Sicdleccr Juden vom Feldgericht befreit werden, dann wird die beleidigte russische Armee das Recht haben, zu glauben, dass revolutbnäre Gelder nicht nur für Propaganda unter . russischen Matrosen, sondern auch zur Bestechung von höheren Beamten Russlands verwendet werden. Es wird ein jeder int Recht sein, zu sagen, dass die Juden die Vertreter der Regierung bestochen Imbon. So bedenket denn, Ihr Herren Minister, in welche Lage Ihr schliesslich geratet, wenn Ihr statt mit den frechen Juden Sliosberg und Griinzberg mit dem beleidigten russischen Oftizierkorps zu tun haben werdet.“ sinnige lind grausame Morde, Gewalttaten und Aufstände. Sie verderben diejenigen vdu den Russen, welche keinen Charakter und keinen Glanben haben. In den Schulen verderben sie die 'russischen 'Kinder. Durch ihre Propaganda im Militär• erschütten! sie die Grundlagen der Pflielit und Treue. In der russischen Presse.-die sie* ׳ganz beherrschen, lachen sic die .heiligsten Gefühle des russischen Volkes aus. Durch falsche Vud ’tendenziöse Artikel untergraben sic das Prestige Russjaiids im Auslande. Das grausame jüdische Volk, das kein ‘ anderes Volk neben sich leiden kann, stre*־* zur Zerstörung 'deines ThfonfcS und Reiches. Teurer Kaiser, rette uns, deine Kinder, rette ”Russland von der Gefahr, die uns seitens det Juden droht. Erlasse einen Befehl, dass alle diejenigen, die von .Juden, stammen, ohne Unterschied des Glaubens und der; L'ntertanenseiiaft. Russland verlassen müssen. Vor allem aber sollen sie schon jetzt von der Teilnahme an den Wahlen in, die Duma ausgeschlossen werden. Auch soll ihnen der Zutritt in den Militärdienst und die Lehranstalten verboten werden. Sic sollen von def־ Preise ausgeschlossen werden, auch sollen alle Bt-riifszweitfe Jfi’r sie unerreichbar sein. Dann wird das russische Volle.aufatmen, und,Ruhe wird im Lande herrschen!'‘ Russische Kultur in Sibirien Eine junge Dame aus Asch, die seit einem Jahre in IrkutsK bei der Familie'des dortigen ־Advokaten Turitschcw als Sprachkhrcrin der Kinder äugestcllf war und die jetzt wieder in ihre, Heimat cintraf.'erzählt von furchtbaren Ereignissen, deren Schauplatz die Städte Irkutsk mul Tomsk an der transsibirischen Eisenbahn wären Und über die bisher keine Nachrichten in die Öffentlichkeit gelangten; Nach ihren Darstellungen hätten diese Ereignisse sich im August und Se p t e m l> e r' dieses Jahres abgespielt. Da^ Scheussliehst״׳* geschah in Tomsk, wo ein grässliches Blutbad unter den Juden angerichtet wurde. An dem Pogrom, der an eiiteib Freitag Nachmittag ausbrach, beteiligten sich aiich die Kalmücken, Bucharen und Ostjaken. In den Abendstunden wurden mehr als •100 Juden, unter ihnen viele Frauen, in das Gebäude einer grossen Seifensiederei ge trieben.. das Gebäude sogänti versperrt tmd art mehreren Steilen zugleich äuge zündet. .־ Alle kamen in den Flammen um. Viele snrangen durch die Fenster ins Freie, wurden aber sofort niedergcmetzeU. Auch der grosse Bazar, in welchem sielt viele. Ju'en befanden, wurde nigderg.bräunt. Progrombilanz .Über den Umfang der.durch die Pogroms der letzten Zeit verursachten Schäden liefert das Petersburger jüdische Komitee folgende Zusammenstellung: Die Pogroms haben an 635 .Orten stattgefunden: da der vorläufige Abschluss der Zahlen nur bis zum 1. September gebt, so ist darin der Pogion־. von S'ediec' noch nicht inbegriffen. Betroffen wurden 37 075 Familien, die aus ISS 101 Personen bestehen; der gesamte materielle Verlust betrug 51 09-1 703 Rubel. Die Toten zählen 937. die Schwere•, rwuudetcn 1190, und es blieb zu sorgen iiir . 351 Witwen. 181 Vollwaisen und 1278 Halbwaisen. Der Zweck dieser Ausführung bemerkt die RUSSISCHE KORRESPONDENZ, ist vollständig klar. Da es aktenmässig feststcht. dass in Sicdlec Revolutionäre nicht vorhanden gewesen sind, und da somit der Pogrom sich ganz unverhüllt als eine barbarische Menschcuschlächterci erweist, muss etwas geschehen, um die schuldigen Offiziere zzu rechtfertigen. Der We^ den die schwarze Bande eiiigesehlagen, ist der. dass die Verhaftetat von Siedlec. die tatsächlich unschuldig sind, durch djg Ecjdkrieesgerichte als schuldig verurteilt werden sollen. Dann ist der Beweis geliefert, dass die Offiziere in Siedlec so handeln mussten, wie sic gehandelt haben, und um dieses herbeizmidi ren ,droht die schwarze Bande den Ministern mit dem Zorn der russischen Armee, und sie sucht die Minister als Bestocherte der Juden hinzustellen. Ausführungen dieser Art sind von der Zensur gestattet. Die Zensur existiert nur ttoen für die liberalen Blätter, nachdem alle weiter litiks stellenden Blätter bereits unterdrückt sind. . Vorgeschichte ln der Zeitung RUSSKOJE ZNAMJA erschien das TelegTantttt, welches der ״Verband des russischen Volkes" ln Irkutsk an den Kaiser abgesandt bat. Das Telegramm lautet: ״Es ist die höchste Zeit, dass der Verband des russischen Volkes in Irkutsk eine bestimmte Stellung, zu der Judenfrage nimmt. Die Völker Westeuropas, welche sich in Judenknecht- Schaft befinden, ersticken in diesen Fesseln. Soll denn auch das hcili״e Russland diesen! Schicksal verfallen? Siehe, grosser Kaiser! Die Juden haben Russland den Krieg auf Tod und Leben erklärt, sie haben die Revolution ins Land gebracht. Die Juden terrorisieren unser Vaterland durch un« Die Progromwaisen Das Aktionskomitee der zionistNehcn Weltorganisation hut beschlossen, in Palästina eine grrs.se Waiscnanstalt zu errichten, die für'russische Judenkfnüer b.:stiuimt sein soll, J.c in den Ict/jcn , 'Pogroms ihrer Eltern beraubt 'w orden sind. Die angestellten Erhebungen haben crgcl>en,.‘dass'sich noen ein beträchtliche‘ Anzahl solcher Waisen in Russland find;, deren Angehörige nicht mehr in d.r Lage sind, die Erziehung der Kinder zu übernehmen. Das Aktionskomitee hat die Vorarbeiten zur Ausführung seiner, Planes bereits begonnen und hat auch die anderen grossen indischen Korporationen eiligeladen, sieh an dem Werke zu beteiligen. Das jüdische Element in der Union Interessante Streiflichter auf die Tätigkeit der Juden in den Vereinigten Staaten wirft die soeben erschienene achte Ausgabe des JEWISM YEWBOOK. Das Buch enthält Berichte über jüdische Organisationen und Zeitschriften, über Werke jüdischer Künstler in den Vereinigten Staaten und Schenkungen an jüdische Institutionen. Die statistischen Ausweise ergeben, dass die israelitische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von .1000 int Jahre ISIS auf 1013 118־ im Jahre 1906 gestiegen ist. Vom I. Juli 1895 bis zum 30. Juni 1906 sind 150 8J6 Israeliten in den Vereinigten Staaten aus anderen Ländern ein- 1 gewandert. Davon waren 106987 aus Russland. Von diesen * sind alle, mit Ausnahme von 17 000, die in Philadelphia und , Baltimore landeten, im Hafen von New York angekommen. Dass die grosse Mehrzahl dieser Einwanderer in New׳ YorK ' sich ansiedeltc, Reltt daraus hervor, dass von den 1418 013 ייייוי

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