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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JObisCHE• RUNDSCHAU Seite 625 No. 42 aber .nur von jenen gewonnen, welche eine gerechte, hohe Sache führen und von ilir im Innersten bewegt sind. Diese Grund- und Ha1!ptbediw11׳ng des Gelingens, verbunden mit den vergrösserten Vorteilen aller anderen Projekte, ist nur in einem Land vorhanden: In Palästina. Die Feinde Palästinas haben sich im Laufe der Jahre bedeutend zujti Vorteil des Judentums geändert. Von einer . grundsätzlichen Gegnerschaft sind sie bis zum nachgiebigen j Standpunkt gekommen, dass die jüdische Besiedlung des Lan-! des wohl sehr wünschenswert und schön wäre, über einen unerfüllbaren Traum aber nicht hinausreiche. Und um ihre wichtigsten Beweisgründe gleich ins Vordertronen 7.u schicken:! Der Sultan werde niemals das Land ausschliesslich Juden zuteilen. Das hätte nicht einmal die iürstlichc Persönlichkeit! Htrzls erreicht, geschweige denn, dass es einem anderen grlittgen werde. Uebrigcns hätten schon viele Grossmächte HanJ auf Palästina gelegt. Das Land sei arm, unfruchtbar und nicht auiuahmsfältig für Massen. Die jüdischen Kolonien wären not* t.idend gewesen. Keines dieser Argumente kann einer 11 nparteiischen Untersuchung auch nur einen Moment s t a n d h a I tc 11. Von einem Misserfolg Ilerzls kann überhaupt nicht die Rede sein. Kr hat nur nicht alles erreicht, was er wollte, und das war zu wenig, um anzufaugen. Uerzl wollte zuerst den Charter, das ist etwa ei tc Zusammenfassung von Selbstverwaltung und Schurfrecht auf alle Bodenschätze, und dann das Land mit Juden füllen. Jetzt w ird der Versuch auf dem umgekehrten Wege gemacht. Zue,st wird die jüdische Bevölkerung geschaffen und dann die gesctzlichc Sicherung verlangt, pieser Sultan oder ein anderer ׳ werden schon zur Einsicht kommen, welchen Vorteil der Zustrom der loyalsten Staatsbürger in eine leere Provinz ihm bringt. Nichts ist dafür besser, als dass so viele Grossmachte sich um Palästina bemühen. Dem schwächsten Mitbew erber ist cs am ehesten gegönnt und die Mächte werden zur Uchcrlassung Palästinas durch die so gcschanenc Lösung ihrer einheimischen Judeufragc gewiss mit veranlasst. Unfruchtbar ist weiter das Land nicht, sondern nur unbekannt. Wo man den Boden versucht hat. zeigte er die sprossende Triebkraft des Landes, wo Milch und Honig flicsst. Arm ist Palästina wohl; umso kleiner ist die Versuchung der Leute, sich in reichen Städten müheloser als im Dorf beim Handel herumzutreiben. Unterkommen können beim Landbau einige Millionen. Denn unbewohnte, fruchtbare Hinterländer schliesseit an Palästina an und harren der fleissigen Besitzer. Was aber die notleidenden Kolonien anbetrifft, so haben sie u׳e Kinderkrankheiten jeder Siedelung überstehen müssen. Aber nirgends ist eine Familie ansgewanderh alles hat standgehalten und diese Treue hat die Blüte unserer schönen jüdischen Bauerndörfer in Palästina herbeigeführt, die Treue der Bewohncr. die den Krieg um den Boden ihrer Heimat mit de m heiligen Eifer der Buren und Quäker f ü h r t c r. Zu allen Vorteilen kommen noch einige von besonders grosser Bedeutung. Palästina ist nämlich das Herz der Welt. Es liegt an der Grenze des Morgen- und des Abendlandes, der gemässigten Zonen und der Tropenländcr, am Landweg nach Persien und Indien, an der Levante zwischen.den Dardanellcu und dem־ Suezkanal, von dem Rudyard Kipling sagt, irgendwo müsse man einen Menschen doch endlich einmal treifen: In Shanghai oder in Portsmouth oder ganz sicher '!׳!! Kanal von Suez. Welche Aussichten für eine geschickt geleitete Industrie, für umsichtige Kauflcutc! Wie leicht wird es die Landwirtschaft haben, ihre Produkte Palästinas sind von der Vorkolonisatiou am meisten erprobt, dem Landmann genau bekannt. Versuchsfarmen genügen ihren Aufgaben, Elementar- und höhere Schulen für Juden gehen schon die ersten Grundlagen bodenständiger jüc:- scher Kultur. Der jüdische Einwanderer trifft überall auf herzliehe jüdische Brüder, der Araber anerkennt ein Recht der Juden auf das Land, und die Herr- Schaft des Sultans, sollte sie auch in ihrem vollen Uni* fange bestehen bleiben, ist für die Juden gerecht und g fi 11׳ g. Den Ausschlag aller fürsprechenden Gründe, die Krön« aller Argumente für das LanJ aber gibt die Tatsache, dass unsere Massen nach dem Lande gravitieren! Jüdische Bauern aus Argentinien wandern nach Pal?.- st ו n a aus — das sagt alles. Man muss Kraft aufbietin, nicht um die Juden anzutockcn. sondern um sie fernzuhalten, che genügende Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Unsere Leute sehnen sich darnach, ihren historischen Boden durch ihrei Hände Arbeit wieder zu erobern und sic geben die vollste Zuversicht, dass es ihnen gelingen wird. Palästina hat ci1׳e geradezu ideale jüdische Einwanderung, wenn man von den wenigen absieht, die nur von den Segnungen der Chalukkaa angezogen werden. Was aber Junges kommt, das geht ernst und tapfer in die Kolonien, um unter Entbehrungen und Mühen dem schönsten jüdischen Besitz noch eine Scholle Erde zu gewinnen. —-—״ ״Kluge Pläne, es auszunützen, haben jüdische Nationalökonomcp, wie Franz Oppenheimer in Berlin, schon fgstgestclit. ausgezeichnete Kräfte, glühender Wille ist vorhanden. Es ist verfluchte Pflicht und Schuldigkeit eines jeden, der es nur halbwegs vermag, da mitzutun. Der Kolonisation?•־ verein bietet Gelegenheit zu edlen Werken ohne parteimässi* ges Bekenntnis. Da müssen eben alle Juden heran. Vorderliaud scheint cs. dass sie nur eine Tat der Barmherzigkeit üben. Aber sic mögen bedenken״ dass auf den Weizenfeldern Palästinas, die sie erwerben halfen, als herrliche Ernte auci ihre eigenen Güter heranreifen werden: Die jüdische Kraft und die jüdische Ehre.** Briefe von einer Palästina-Reise (Fortsetzung.) Nachdem ich nachgedacht habe (er erzählte mir noch alle Details) musste ich ihm recht geben. Diese Methode scheint mir heute die einzig richtige. Allein unsere andern Emmigranten haben weder das Geld noch die Lust, erst einige Jahre zu warten, bis sie Geschäfte machen können. Die wollen meist gleich reich werden und bedenken dabei nicht, dass sic fast alle nur dasselbe können: den einfachen Kleinhandel, das Krnmergeschäft. Ist es da verwunderlich, wenn die andern zwei Webemcister, die in Jerusalem sk:d, gute Geschäfte machen, obwohl der eine ganz, ohne Kapital, der andere mit ein paar hundert lumpigen Rubeln an fing? Bezeichnend ist gleichwohl, dass der eine ärmere, de! heute jedoch schon vier Webestühle laufen lässt, noch immer 200 Mark Chahikah bezieht. Nun wurde er das Geld wohl immer weiter beziehen, hier zu Lande entschuldigen sich eben die Leute mit der allgemeinen Sitte und schliesslich kann man verstehen, dass jemand gerne das Geld einsteckt, das ihm so leichtfertig: gereicht wird. Allein den Biedermann, er war in seiner Heimat sogar ein eifriger Zionist, wird vielleicht etwas anderes bewegen, auf die Chalukah verzichten zu müssen. Er möchte gerne seinen Kindern eine gute Erziehung geben. Von der Chalukah aus aber muss er sic in den Cheder schicken. So hat die Natur der Dinge schliesslich öfters besser gesorgt, als cs wir selbst tun können. Von den Fabrikanten noch viel zu plaudern (ich möchte liier nicht immer meine Ansichten als unumstössliche Gesetze bezeichnen), ist wohl für den Leser zu ermüdend. Man!misste sich auch auf den Pfad derer bcgel>en, die noch vieles wollen. Vor der Welt z. B. weiss man, dass der in Deutschland bekannte Davis Trietsch ein industrielles Unternehmen auf Grund einer Aktiengesellschaft plant. Matt denkt an eine Verwertung von Baumwolle. So viel mir bekannt ist, beteiligt sich daran vornehmlich ein russischer, reicher Jude. Im allgemeinen aber erscheint mir als besonders wünsehenswert, wenn Private selbst herüberkommen und zwar mit ihrem Kapital und ihren Berufskenntnissen, und hier, wenn irgend welche Aussichten sind, in derselben Branche weiter arbeiten. Leider habe ich bemerkt, dass hier viel zu viele durch irgend einen Zufall, durch eine Einflüsterung ihren Beruf verlassen und in Palästina etwas ganz anderes betreiben. Dant» wundern sich die Leute über Misserfolge. Viel Unglück schafft auch die Ungunst der hiesigen Juden, die immer Angst vor Konkurrenz haben. Selbst bei den Apothekern und Aerzten habe ich Verhältnisse getrofien, die seht wenig auf Kollegialität dieser Berufsgenossen hindeuten. Allerdings ist bis Jetzt oft direkt der Auswurf der europäischen Staaten hier geandet. Und es ist verkehrt, wenn man glaubt, dass das Gros der im Lande

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