Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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N Seite 624__ JÜDISCHE Kegeben, die öffentlichen Impftermine durch Befragen der die Kinder begleitenden Erwachsenen zu star.siisehen Zwecken auszunützen. Demnächst erscheint der nämlichen ״Wochenschrift'* eine entsprechende Arbeit des Verfassers dieser Zeilen und des hiesige!! Landgerichtsarztes Br. Zahn, in welcher aui Grund von bei der hiesigen öffentlichen Impfung erhobenem!Mate* nal die Ausbreitung der natürlichen und der küns־.* liehen Ernährung der Säuglinge hierzulande untersuch, wird. Es war nun zuerst meine Absicht, bei d'׳escr Arbeit speziell auf die jüdischen Kinder zu achten und dann die Häufigkeit des Stillens bei Juden und Nicht- Juden miteinander zu vergleichen. Auf Grund der tilg• liehen Erfahrung geht meine Ansicht dahin, dass die jüdischen Mütter viel häufiger als die andern iltien Kindern die Brustnahrung versagen, und dass in dieser Beziehung im Interesse der Gesundheit unsrer Rasse in unsern Kreisen eine energische Beichtling cinsetzcn muss. Meine Absicht, bei obiger Gelegenheit dies Ycr• liültnis zahlenmässig zu ermitteln, scheiterte aber jucht nur daran, dass hierzulande fast alle jüdischen Kiütier privat geimpft werden und deshalb bei der öffemliciKU Impfung nicht erscheinen, sondern vor allem daran, dass, wie überall in den städtischen jüdischen- U-- meinden Westeuropas, so auch hier trotz beständige.? Zuzugs vom Lande her und trotz dadurch erfolgter Vergrösserung der Gemeinde die Geburtenziffer rapid gefallen ist. Sie beträgt bei einer Familicnzah! cor. 247 in den letzten Jahren 10—15 pro Jahr, eine Zahl, bei der von statistischer Bearbeitung wohl keine Rede mehr sein kann. Ferner würde aber, wollte man trotz alledem obiges Verhältnis durch, private Umfrage ermitteln, der Vergleich der privat geimpften Kinder mit den meist den untern Schichten entstammenden öffentlich geimpften ein hinkender sein bei einer Erschcinung, die, wie Stillen und Nichtstillen, von sozialen Ur Sachen wesentlich!nitbeeinflusst w ird. Ich möchte aber hiermit Kollegen, die entweder selbst Impfärzte oder mit solchen befreundet sind, und zwar hauptsächlich in solchen Städten und Gegenden wo auch eine grössere Zahl jüdischer Kinder zur öuentliehen Impfung gebracht werden, auf die damit gegeben? vorzügliche Gelegenheit aufmerksam machen. bevölKcrungsstatisiisches Material sowohl in Bezug aui die körperliche Entwicklung der jüdischen und der ander!* Kinder als auch in Bezug auf andere Fragen und speziell die oben gestellte zu erheben. Eine weiteiV Anregung betrifft die Institution der Schulärzte. Bei den Statistiken, welche die letztere!» aUiährlich bezüglich der Schulkinder in den verschie äcnsten Hinsichten, z. B. in Bezug auf Körpergröße und Gewicht, geistige Entwicklung, aufstellcn müssen, würde es sich für denjenigen, der sich dafür interessiert, ohne besondere Mühe durch Anfügung einer Rumik ״Religionsbekenntnis“ ermöglichen lassen, Vergleichs material zwischen indischen und nichtjudischen Kinde:.! zu erhalten. Dieses Mterial wäre aber einmal in pinktisch-hygienischer Beziehung -- donn nach der En*• Wicklung müssen sich die Ansprüche des Lehrplans an die Kinder richte».! —, sodann aber audi Wissenschaftlieh für die Anthropologie und die Rasscnbiologie ausserordentlich wertvoll. Denn so wie hier ist cs sonst nicht möglich, Vcrglcichsmatcrial für ganze gros e Bevölkerungsgruppen zu erhalten. Bisher hat es sich um Anregungen gehandelt, die vor allem den Mediziner Interessieren. Ich zwei!!«.: aber nicht daran, dass nicht w eniger der Vertreter jedes anderen wissenschaftlichen und praktischen Faches ■n der Lage ist, ähnliche Gelegenheiten ai! zugeben. RU א b SCHAU __ 4 י0א> Zum Schluss möchte ich sodann noch auf eine Ge Icgcniicit, der jüdischen Statistik Dienste zu erweisen, aufmerksam machen, welche jeder ha», der wissenschaitliche statistische Arbeiten liest Wie oft.ii׳!uen sich in solchen, manchmal nur ganz kurz und nebenher zahlcnmässige Angaben über jüdische Verhältnisse. Was in solchen Arbeiten nebensächlich :st. kann n,r i.nsrc Zwecke sehr wertvoll setn, und cs empfiehlt *ich deshalb oft die Zitierung solcher kurzen ״Lesefriiciuc“ in dieser ״Zeitschrift.“ Vielleicht finden meine anspruchslosen Betnerkungeu hie und da ein williges Ohr und Dauachachtuiig. Denn soll unsere indische Statistik den möglichen Huch• Stand erreichen, dann müssen alle vorhandenen Kraft•: zusammenarbeften. Aus: Zcitschr. f. Demographie u, Statistik der Juden. Moderne Selbsthilfe Der frühere Redakteur de־ WELT, Julius Upritmiy. schrei!•: in einen? Artikel ״Moderne Selbsthilfe‘־ in Nr. 41 von Dr. Blocks OESTERREICHISCIIE WOCHENSCHRIFT einen Appel!, de;;? Jüdischen Kolonialverein in Wien beizutreten, in dem er u. .»• Folgendes sagt: ״Wer aber könnte welches Reich immer daran hindern, sich guiait so streng gegen arme jüdische Einwanderer ab/!!- schiicssci!. wie Deutschland? Für alle Erwägungen der Vernunft bliebe darum als Bestes für unsere Emigranten ein menschenleeres Land voll Arbeits* müglichkciten. Diese Sehnsucht Kinde Befriedigung, wenn wir irgendwo einen zur!.״;:Jarbeit geeignete!! Erdstrich hatich mit der einfachsten Vororganisation für raschen Absatz, der Produkte und für die erste Ernährung der Arbeiter. Besondere Achtsamkeit müsskdun Umstand zugewendet werden, d ass die Oberherrschaft des Landes eine Garantie bieten würde, dass unter ihr die .,!!den nie mehr au Gnade oder UV gnade auch mir zu denken brauchten. Die Juden müssten mit einem Wort dem Beispiel der Buren, Mormonen und Quäker folgen. Die bisherigen Ausführungen sind nur eine kurze Begründüng des von der Majorität unseres Volkes angenommenen Grundprinzips, welches laute‘.: ״Die jüdische Auswan• d e r u n g sei zu fördern und zwar in ein Land, welches Arbeit und möglichste Unabhängigk c i t biete t.“ W orüber noch zu debattieren ist und wofür sich Parteien gebildet haben, ist mir die W a 111 d e s Landes. In Betracht kommt ein englisches Gebiet, das Za ng will und seine ...I t «»*' (.lewish Territona!־Orga1üsatiou) zwar nocii nicht besitzt, aber \on der Regierung mit Wahrscheinlichkeit zu erreichen hofft. Ferner das von der ״lea“ (.lewish Col■>- nisation) protegierte Gebiet um die argentinischen JudenkoV nie» und das von den politischen Zionisten, den Palästinafreunden (Chowewe-ZiVm) und dem Hilfsverein deutscher Juden־*) angestrebte Palästina und seine Ncbenländer. Zangwills Projekt, ursprünglich eiji zionistisches, das er wogen und vom Kongress abgcleimt wurde, hat als stärkste Empfehlung die ausgedehnte Selbstverwaltung und Un.1blulngigkeit. die vom britischer! Ministerium schon einmal ge* boten wurde und nochmals gewährt werden dürfte. Dagegen werden in jedem ganz neuen Gebiete die Schwierigkeiten der Untersuchung und der Vororganisation enorme sein und auch die Lage in Afrika oder Australien ist nicht empfehlenswert. Realer ist bis jetzt der Gedanke an Argentinien. Hier sind Vermessungen. Untersuchungen ctc. schon gemacht, landwirtschaftliche Erfahrungen schon gesammelt worden.. Wir wollen von wichtigen Argumenten, die trotzdem dagegen sprodien, hier abseheu und r.ur eines ieststeihn: Mit den Kol יnien in Argentinien gebt es nicht recht vorwärts. Nicht etw.?. weil die Juden keine tüchtigen Landwirte ahgeben können ־ Gegenbeweise hinter dem Pfluge gibt es zu tausenden — sondem weil die Leiter der Koionisatinn eine wichtige historische Erfahrung ausser acht gelassen haben. Jede Kolonisation ist nämlich ein Krieg. Ein Krieg gegen den Boden, gegen die Nachbarn, gegen die Behörden, ein Krieg mit allen seinen Krankheiten und Strapazen. Kriege werden *) Vgl. betreffs des Eiffsvereins die Mitteilung über Korn* niission der Jto zur Auswahl eines Landes. (Red. der J. R•)•