Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1906)
- Date
- 1906-10-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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vereine. Aber zu untersuchen wäre doch, ob nicht Kränkungen es gewesen sind, die von andersgläubiger Seite ausgehend, die Juden zum Zusammenschluss geführt haben. Alles in allem: der Zionismus ist kein Feind des Deutschtums, er führt die deutschen Juden zu Selbstbewusstsein und hindert sie nicht, sondern treibt sie an, gute Deutsche — gleichviel welcher »Partcirichtung — zu sein. Wir meinen, die von uns reproduzierten Ansichten der ״Liberalen Korrespondenz“, mit denen wir uns schlankweg identifizieren konnten, sind so klar und so wenig anicchtbar, dass sie jeder deutsch denkende und deutsch fühlende liberale Mann, gleichviel ob Jude oder Christ, unterschreiben kann. Was in jenen Ausführungen befürchtet wird, hat auch der vor* stehende Artikel nichts gegenstandslos gemacht. ־•» Rundschau Verband für Statistik der Juden Die statistische Organi>at:»>;1. welch.' in ihr.» Anfängen n:it mangelndem. Verständnis iür die gemeinnützige :Bedeutung' ihrer Arbeiten zu kämpfen hatte, hat in diesem Jahre eine s:hr gedeihliche Fnlwickluug genommen. Dank den Vcröffentlichimgen des Bureaus iür Statistik der Juden wurde die Trag- .'weite und üiicrl.Gslichkeit jüd.icli-statistlschcr I:rl1ebungen fast von sämtlichen jüdischen Ürganisaiioueit und hervorragenden Gemcindeii anerkannt. Demzufolge wurde,1 dem Verband iür Statistik Jaiiressubvciitioiien bewilligt uiul von manchen Organisaiic'ntn Vertreter in das Kuratorium des Verbandes entsandt. Zu Jen Körperschaften, d e schon in den früheren Jahren den Verband iiir Statistik durch Jahresbeiträge oder Ankauf einer grösseren Anzahl von Publikationen subventionierten: Jewisli Colomsation Association. Zeutralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, ürcsslogc 'und mehrere Emzcllogen des ü. (). lii'ei Br.th, Deutsch-Israel. Oeinch Jebund. Gesell- Schaft zur Forderung der Wissenschaft des Judentums, jüdische Gemeinde von Berlin, Breslau und Posen, traten neuerdings hinzu: Deutsche Konferenzgemeinschait der Alliance Israclitc l r.iversvlie mit einem Jahresbeitrag von 200 M. und einer einmaligen Subvention von luou Mk.: Milfsverein deutscher Juden mit einem Jahresbeitrag von 5U0 M.: mit Jahresbeiträgen von 200 Mk. 0L jüdischen Gemeinden in Frankfurt. Hamburg. Wien: mit Jahresbeiträgen von 100 Mk. die jüdischen Gemeinden in Danzig. Stettin. Cassel. Köln: mit Jahresbeiträgen unter J00 Mk. die jüdischen Gemeinden in Hannover. Betitlien, Aachen. Wiesbaden. Mainz. Gloiwitz. Elberield. Kattowitz. Als Vertreter der Deutschen Konto rciizgcincinschait der A.I.U, ist Geil. Kommerzienrat Goldberger in das Kuratorium des Verbandes cingctrctcn. Auch der flilfsvercin deut* scher Juden wird durch ein Vorstandsmitglied im Kuratorium vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes hat eine Kornmission für wissenschaftliche Arbeiten gebildet, deren Vorsitz der bekannte Statistiker Pr. Julius Rotliliolz. übernommen bat. daneben eine Kommission für'Propaganda, an deren Spitze Herr Richard Cassel steht. Ferner hat der Vorstand Hern; Dr. Bernliard Kahn. Sekretär des Hilfsvereins deutscher Juden, als Mitglied kooptiert. Bromberg. Der Gerichtshof des Schwurgerichts fällte nach der OSTDEUTSCHEN RUNDSCHAU eine bemerkenswerte Ent- Scheidung: Die',beiden jüdischen Geschworenen der gegenwärtigen Schwurgerichtszcit hatten den Antrag gestellt, sic von der Teilnahme a!1 der Freitags-Sitzung zu entbinden, da am Freitag nachmittag ein hoher jüdischer Feiertag, das Versühnungsfest, beginne. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte gegen die Beurlaubung der Antragsteller nichts einzuwenden, der Gerichtshof beschloss aber nach längerer Beratung, die Gesuche abzulchnen. Er folgte dabei, wie der Vorsitzende ausiulirte. einem beim Bromberger Landgericht stets geübten Brauch, der auch bereits von allen bis zu den höclistgcricht• liehen Stellen gebilligt worden sei. Da die Herbst-Schwurgcrichtszeiten in der Regel in den September fielen, in diesem Monat aber mehrere jüdische Feiertage stattfändeu, so könnten sich bei einer grösseren Anzahl von jüdischen Geschworenen leicht Erschwernisse ergehen, wenn solchen Gesuchen nachgegeben würde. Sie müssten daher, wie auch das Posener Obcrlandesgericht entschieden habe. gtuudsiUzUcU abgelehnt werden. Gesetzliche Anerkennung der jüdischen Nationalität' Die Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität liegt, wie der INFORMATION aus Wien berichtet wird, augcnblick- Ich einer Zentralinstanz der österre'ehisehen Regierung zur prinzipiellen Enisel ekhiiig vor. Ein österreichischer Untern!! jüdischer Ko..f-.ssiou \e!langte l»«.i einer umtllciien Auinai.!!!« seiner PersonaIdatcn, dass in di. Rubrik ,.Nationalität‘׳ van Amts wegen ״jüdische“ eingetragen werde, was. die Behörde erster Instanz unter Hinweis darauf verweigerte, dass die Be- Zeichnung .jüdische“ nur in der Konfessionsrubrik zum Aus* druck gebracht werden könne. Der Besphw.rdefiihrer. der las an das Ministerium appellierte, blieb bei seiner. Behauptung, dass cs eine jüdische Nationalität gebe, deren grundsätzliche Anerkennung er verlange. Das Ministerium des Innern wies du! Reklamanten nicht kurzweg ab. sondern holte «.in Gutachten der Universität und der KuUusreterci'ten der Regierung ein. d e.; llcrdiiigs nicht in so bestimmter Welse w ie die Unterbeliörde. ihre Ansicht dahin ausspraehen. dass die Anerkennung ci.;er eigenen jüdischen Nationalität, ihrer M.i.iung nach, wegen inr :r - Folgen nicht opportun erscheine. Der Beschwerdeführer will nunmehr an die höchste und letzte Instanz, das Verwaltunggcricht. Iierantretcn. So weit die Meldung. Es ist kaum auzunehmeu, dass das Vcrwaltungsgericht sich damit begnügen wird, die Frage!, rein daraufhin zu prüfen, ob durch die Feststellung der Existenz der jüdischen Nationalität administrative oder politische Schwierigkeiten sich ergeben können. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Beschwerde-!!ihrer ein gälizischcr Jude, der mit gutem Gewissen das Jüdische als seine Muttersprache angetan konnte. In diesem Falle wird dem Vcrwaltungsgcrichtshof — nach Analogie früherer andere kleine Volksstämmc üestei reichs betreuender Entscheidungen - - nichts anderes übrig bleiben, als d e Feststüimg einer jüdischen Gemeinschaft, deren Grenzen mit der lusli.r im Gesetz vorgesehenen konfessionell-jüdischen Gemein- Schaft nicht zusamirc.uallcu. Und da gerade in Oesterreich das Pruizlp der territorialen Geschlossenheit als Grundbediugung iür d!e Anerkennung des Bcgrines der N&ttonaiitä; längst nicht mehr als ausschlaggebend gilt, so entfällt jeder Anlass, d:e durch ihre differenzierte jüdische Gemeinschaft nicht als National tät auzuerkennen. Ist einmal für die jüdisch sprechenden Juden die jüdische Nationalität als tatsächlich und zu Recht bestehend anerkannt, so bleibt cs dann — gleichfalls nach Analogie der für die andern österreichischen Natiotnlitäten geltende! Bestimmungen — jedem Juden, der eine andere als die jüdische Sprache zur Muttersprache hat. überlassen, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen od.r nicht. Selbstverständlich werden sich daraus grundlegende Bestimmungen ergeben, indem die Kultus- (kirchlichen) Angelegenheiten der Angehörigen der jüdischen Konfession insbesondere gegenüber den politisch- und öffentlich-rechtlichen d.r Angehörigen der jüdischen Nationalität deutlich werden herausgehoben werden müssen. In dieser Hinsicht kann bei der eigentümlichen Stellung der jüdischen Konfession im Gesetz nur teilweise dß Analogie der anderen Nationen herangezogen werden. Dass sich aber, wenngleich vielleicht unter etwas grösseren Schwierigkeiten als für andere Nationalitäten. die juristische Form iür die Zweiteilung — in Kultus- und nationale Gemein- Schaft ~ wird finden lassen, ist selbstverständlich. Jüdische Auswanderer Der DRESDENER ANZEIGER meldet aus Dresden vom 11. v. M.: Vom Grenzbalmliofe Oderberg langten Sonnabend gegen Abend auf dem hiesigen Hanptbaluihofc eine AnzaliJ russischer Juden an, die — A\ännejt Frauen und Kinder — nach der Schweiz weiterreisten. In Galizien waren die Leute, von Granitza kommend, durch ein Hilfskomitee gepflegt, gespeis't und mit alicm Nötigen zur Fortsetzung der Reise versehen worden. Leider waren zvei Frauen und auch die Kinder ganz erschöpft, so dass nur ku׳ze Strecken von den Fremden zuriickgelcgt werden können. Im Gespräch mit unserm Berichterstatter erzählte der Führer, dass an der polnisch-russispjien Grenze in Granitza. Krakau. Lemberg usw.. über 25000 geflüchtete Juden lägen, die von Hilfskomitees unterstützt würden. Die polnischen Stammesgenossen fiberböten sich in liebevoller Aufnahme, ganz Polen beherberge indes zurzeit eine so grosse Masse aus Russland geflüchteter Juden, dass die Hilfsmittel kaum ausreichte״. Die beklagenswerten Leute, welche am Sonnabend liier durchreisten, wollen sieh dauernd in der Schweiz niedcrlassc». wo sie bereits erwartet werden. Aus dem heiligen Russland Frankfurt a. M. Bei einer Beratung im Wegebaumiuisterium sprach sich die Majorität gegen die Dieusteinstcllung von Juden aas, selbst wenn sie zum christlichen Glauben fibergetreten Seien. Petersburg, 4. Oktober. Stolypin erklärte den Vertretern der Stadt Siedlce, dass er noch kein endgiltiges Bild gew’on-