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Jüdische Rundschau · 1906-10-11 · Heft 41 (11.10.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 41 (11.10.1906)
Date
1906-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 610 _ _JÜDISCHE zeugenden Eröffnungen über die Phine der Vorsehung schleunigst zum alten Glauben zurückkelircn werden! Dagegen ist Vater Jahn, was die Harmonie zwischen jüdischen und christlichen Turnern angeht, keines»'egs Ihrer Ansicht. IX 0. Briefe von einer Palästina-Reise (Fortsetzung.) Urd während dieser und der Krankbcitsfrist mHsste du? tinterstfitzungskasse wirken. Unternehmer und Arbeitsnehmer sollen die Hüllte derselben tragen. Wenn man die Hauern ernstlich malmt und ihnen evtl. Boykottierung ihres Weins ui Aussicht stellt, sowie ein Streik in der Hochsaison, kann man d׳c. Säumigen verpflichten. Die heutige Art und Weise ist nicht angetan, die Arbeiterftagc zu lösen. Wer sich mit ihr ernstlich beschäftigt, darf aber nicht allein in Russland oder Deutschland sitzen und s:e theoretisch auskliigefn. An Ort und Stelle erst tätigt man an, db ganzen Arhtitsvcrhältnissc zu verstehen .... Friedlich lebte ich mit diesen Leuten beisammen. Mir. der ich die Arbeit noch nicht so recht kannte, haben sie manchmal geholfen. Um aber die Wahrheit voll und ganz zu schreiben, habe ich mich wahrend der ganzen Z.it furchtbar über den Bauern geärgert. Fuchs hicss der Biedere, der die Hände in den Hosentaschen, Zigaretten rauchend, oben stand und uns wie Sklaven hielt. Ls batte ihm wahrlich mchts geschadet, wenn er bei der Hitze d e Hände einmal herausg.imnimeu und uns in irgend einer Kleinigkeit geholfen hätte, da es sieh doch tun seine Traube;; handelte. Vielleicht wären wir dann auch nicht so ermüdet, da wir die Arbeit, die iiir mehr bestimmt war, zu leisten hatt.11. Aber auch dieser Gedanke veranlasst«! ihn nicht, etwas nur mitzuarbeiten. Des weiteren merkte ich, dass der ganze Betrieb noch sehr rückständig ist. Ein moderner Ingenieur konnte h er viele Arbeit cinsparcn, die wir infolge des zu einfachen und nicht der heutigen Zeit angemessenen Gerätes zu tun hatten. Nachts um zw*»' Uhr war ich so müde, dass ich nach der Pause, die mau elntrcteii liess (wir arbeiteten schon wieder Von abends 8 Uhr an), die Arbeit verlicss und zu schlafen versuchte. Da mir aber jede Decke fehlte, so fand ich aut den harten Steinen keinen Schlaf. Als ich am Morgen eine Tasse Tee trank, suchte mein Baas Leute für die Arbeit. Die übrigen drei Arbeiter hatten noch bis fünf Uhr gearbeitet und waren todmüde. Nun wünschte er von mir, dass ich um acht Uhr die Arbeit wieder aufneliinc. Ich fertigte ihn kurz ab und verlicss, da ich keinen Platz zum Schlafen hatte und auch keine Lust mehr in mir fühlte, mich in der Kellerei herumzudriieken, Katra. Von einigen Leuten habe ich gehört, dass die andern Bauern von Katra selbst mehr arbeiten. Ich habe auch einige recht kernige, sonnen verbrannte Kolonistcnsöhne gesehen, so dass ich die Faulheit meines Arbeitgebers nicht sofort vcrallgemeinert wissen möchte. Ich verlicss den Ort mit einem Arbeiter, der Sukkurs in ReeUoUbotU holen sollte; des Jahne ז Avbcitsbüros bedient man Sich, wie ich schon andcutotc, viel zu wenig. Auch in Lkron sucht ■ein Maurermeister zehn Leute, die nicht einmal ausgebildet zu sein brauchen. Das Informationsbüro hat davon keine Kenntnis oder verwertet sic zu wenig, da der Mann bis jetzt noch niemand zugewiesen erhielt. Ueber Ekron marschierte ich nordwärts nach Ratnleh und von diesen! wenig sehenswerten Orte am nächsten Morgen ar• R UND SCHAU__ _ _ ______N'o._ der Bahn entlang, etwa eine Stunde weit durch prächtige Oliveuwälder. Lydifa (Ludd). In der Nähe dieses Ortes liegt die Mühle des Herrn Wilhuscliewitsch. Lin Laie kann darüber nur wenig Worte verlieren, besonders da bei meine,• Anwesenheit die Mühle stand, damit einige Reparaturen vorgenommen werden konnten. Da die Araber infolge ihres Kleinbetriebes bedeutende Rester tibriglassen, aus welchen man mittels moderner Methoden oder der Mnschiiieiikräfte noch vie 01 gewinnen kann, so beschränkt sich unser bekannter Gesinnungsgenosse darauf, die billigen Rester zu verwerten. Ausserdem gibt er sieh mit Seiieufabrikation ab. Neuerdings erbaut er, resp. die kleine: Aktiengesellschaft, der er angcliö?(, eine neue Fabrik bei Haipha. Line dritte Fabrik soll bald ,nachher entstehen, sowie auch seine Kompagnons nach Palästina übersiedeln. Vorerst soll ein weiterer Ingenieur baldigst kommen. Neben und an der sich recht hübsch präsentierenden Mühle sind einige Baracken, d. 11. Bretter-Buden einfachsten Genres, fiir die Schüler Beikinds cibaut. Zurzeit sind von den Kisehinewer Waisen ihrem Lehrer mir mehr zwölf verblieben. Die andern sind teilweise bei palästinensischen Bauern untergebracht, zwei sogar Pächter in Fedsehcra. Nach drei Jahre langer Suche —■ Herr Beikind und die Vertreter der Palästina-Kommission haben dabei keine rfibnknswerte Rolle gespielt — hat man endlich einen Platz fiir die Nationalschule gefunden. Mittlerweile wächst aut dem Boden der Bank ein neuer, einfacher Bau auf luftiger Höhe. Rings hegt Jelntda ausgebreiLt. Am Saume sieht man das Meer bei Jaffa, die Berge des Nordens, und im Süden unsere Kolonien. Das Gebäude schien mir, soweit ich cs beurteilen kann, einfacli, aber praktisch. Ls wird wohl in zwei Monaten beendet. D'jin hotft Beik.nd wieder Schüler aufnehmen zu können, die er zu richtigen jüdischen Bauern hcranziehen wili. Die Lage seiner Schule ist prächtig gewählt u!!d die rings liegenden Ländereien der Bank können praktisch benutzt werden. ' In der Mittagstu.!de. die gar nicht so heiss ist, wie man gemeiniglich in Deutschland amünnnt, schied ich von d.m alten Vorkämpfer unserer Idee, der nun bald fünfundzwanzig' Jahre unerschütterlich wie ein Junger für den Zionismus im Imude selbst Arbeit jeder Art leistet. Artüf. Zuerst führt der Schienenweg noch durch eine breite Ebene. Allmählich rücken die ''Berge immer näher. Und schliesslich geht der Zug im Tal felsiger Hohen. Wer liier nur gefahren und Jerusalem gesehen, für den ist Palästina ein Steincbaos. allerdings ein herrliches Felscnnieer. Und auch hier finden w ir viele Stellen, die, wem! für nichts anderes, so für Wald sicher brauchbar sind. Und gerade Holz fehlt dem Laude sehr. Fast Mitte des Wegs, 50 km von Jaffa und JO von Jerusalem, liegt auf einer Höhe bei der Bahnstation IX• r AM 11 die bulgarische Ansiedelung Art״!. Da di! Eisenbahn nur taglieh einmal verkehrt, so nahm ich davon Abstand, auszusteigen. Die Koloit'c soll nicht viel bieten. Man sicht von unten einige grosse, r.euc Häuser. Die Kolonisten solien Sephardim sein und kommen wenig mit den übrigen Kolonisten zusammen. Au d'cser Stelle möchte ich noch kurz vermerken, dass ich auch von Katra aus das kleine• Kast’mjc nicht besuchte. Ich glaubte, cs würde mir nicht viel bieten und da ich mit meiner Zeit sparsam sein musste, so entsagte ich meinem Besuche. Von Art״» wird die Fahrt immer schöner. Auf den Höhen sind alte Ruinen, und alte Geschichten leben wieder auf. Das gemütliche Tempo der Fahrt lässt uns die Gegend gut genicss;׳n. Gegend Abend halten wir vor den Toren von Jerusalem. י*י 1 ijiij ■׳!—H

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