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Jüdische Rundschau · 1906-10-11 · Heft 41 (11.10.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 41 (11.10.1906)
Date
1906-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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im# Abonnementsprels %rnschliessl:ch LITF.RATLRBLATT »itHeljihrlich: 1. durch die Eipedition: a) In BerFn —.90 Mark, b) nach auswäris l,— Mark, c) für Jas Ausland I.SO Mark. 2. Im Pastatenrsment: 1,25 Mark. Insertionspreis die viergcspattcne Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung• Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse4. Telephon: II. 2:87. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdische Rundschau, E. O m. b. H. Berlin N. 54, Auguatstr. 49a. Geschiftistunden der Expedition tl glich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3 7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEOISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 41 Berlin, 22. Tischri 5667 11. Oktober 1906 XI. Jahrgang Offener Brief Himmel, den 1. Oktober 1906. An Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein in Stettin. Sehr geehrter Herr Doktor! Verzeihen Sie gütigst, wenn ich mich an Sie in der nachstehenden Angelegenheit wende, die für mich von delFkbar grösstem Interesse ist. Ich bin im Jahre 1510 in Berlin unter der falschen Anschuldigung der Hostienentwcihung auf dem Neuen Markt verbrannt worden und hätte daher eigentlich keinen Grund, mich um preussisclic Verhältnisse sonderlieh zu bekümmern. Dennoch lese ich in meinen vielen freien Stunden hier zuweilen Zeitungen und so ist mir auch Ihr Aufsatz über den Zionismus zu Gesicht gekommen. Ueber letzteren bin ich ziemlich gut informiert — wir Märtyrer sind ja sozusagen alle Zionisten gewesen. Ich denke jetzt oft darüber nach, ob ich damit auf dem richtigen Wege war. Aber neu ist für mich die Tatsache, dass es ..im Plan der Vorsehung gelegen hat, durch unsere Zerstreuung unter die Völker Mission zu treiben“. Ich habe hier sofort an massgebenden Stellen Erkundigifagen eingezogen, aber nichts sicheres in Erfahrung bringen können. Dagegen liege ich keinen Zweifel, dass Sie bei Ihren guten Verbindungen in Stettin mich vollends aufklären werden. Meine Präge geht also dahin: Woher haben Sic Iltie Nachrichten und wie machen Sie cs, um den Gottesglauben unter den ungläubigen Christen zu verbreiten? Mir ist es um so interessanter, als zu meiner Zeit von solcher Tätigkeit gar keine Rede sein konnte. Wir waren verachtet, umhergehetzt, oit verhöhnt und des Lebens nicht sicher. Wie anders muss die Welt jetzt sein! Wir dürfen ja keine Proselyten machen, also ist sicher das deutsche Volk jetzt so von Achtung und Hochschätzung für Sie und Ihre Brüder erfüllt, dass es schon um der Personett der Juden willen, sich zum Judentum bekehrt! Ich habe es sofort David Friedländer, der leider in Christliehe.׳ Abteilung sitzt, erzählt, der ganz erstaunt war. Kann man doch nur von dem lernen, den man achtet, and so scliUcssc ich denn, dass Ihr jetzt in hohem Ausehen steht, Freundschaft mit jederman habt, alle Acmter und Ehrenstellcn bekleiden dürft und man auch die atmen Brüder in anderen!,ändern mit offenen Armen aufnimmt. Auch sic sind ja Lehrer für die anderen, Lehrer des Glaubens, für den wir sterben mussten. Und wie müssen 1:11 re Kinder am Glauben der Väter iiängd.iü Sicher haben jetzt die infamen Taufen ganz amgehort, besonders in den liberalen Kreisen, da Ihr ja den Fremden die Erleuchtung bringt. Wie habt Mir das alles nur so schnell bew irken können, da ich doch noch vor w enigen Jahren von Herren aus J(onitz und Xanten so betrübende Nachrichten erhalten habe? Nur eins hat mir Li Ihrem Aufsatz missfallen: Warum wollen Sie eigentlich den vielen armen Vertriebenen, die jährlich übers Meer wandern müssen und die doch keine glücklichen.deutschen Juden sind, das Recht nehmen, nach Palästina heimzukehren? Die Armen sind nicht liberal, nicht Deutsche und nicht alle zur Mission geeignet. Bedenken Sie, für jene, wie einst für mich, ist doch die Hoffnung auf ein ruhiges Leben im eigenen Lande das einzige Gut. Und schliesslich ist die Mission ja nicht an den Ort gebunden, sie können doch auch von Palästina aus wirken. Oder hoffen Sie, sic alle ili Stettin aufnelimcn zu können? Das wäre freilich noch besser! Lassen Sie bald weiter Gutes von sich hören und nehmen Sie entgegen den Ausdruck aufrichtiger Hoch- Schätzung Ihres ergebenen Ben Abaton. P. S. Eben sprach ich Moses Mendelssohn, Aaron Bernstein und mehrere Mitbegründer der Reformgemeindc. Sic sind geradezu begeistert von Ihrem Artikel und erwarten, dass Ihre Nachkommen jetzt, nach Ihren über- ד

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