Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651487--04020-2660973
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Referat über dic Arbeit der Ortsgruppen im kommenden Winter. (Ein Auszug aus dem Referat liegt diesem Berichte bei.) Dr. Isaac St rauss-Münch;« ging als Korreferent nach den ins Detail gehenden Vorschlägen des Herrn Dr. Kaufmann auf die a 11 g e m e i n e!1 Grundsätze ein, dic einer Jidcii propagandistischen Tätigkeit für den Zionismus zugrunde liegen sollten. Basierend aut einer gründlichen Kenntnis des Gebiets, wie sie bis heute nur relativ selten sich findet, soll der Ton der Ausführungen ein mehr als heute im Durchschnitt ernster sein. Der T011 der Darstellung muss der in Süddeutschem! noch weit verbreiteten, fast völligen Unkenntnis unserer Ziele entsprechend vom Elementarsten ausgeheu; nicht (fertige Zionisten stillen in den Agitationsversaminlungen geschaffen, sondern ein Verständnis für die Grundlagen der Bewegung soll wachgerufen werden. Dic Weiterverarbeitung der vorgelegte« Gedanken muss dem EiiizJncn unter dem privaten Einfluss unserer Gesinnungsgenossen überlassen bleiben, nur so werden denkende und gefestigte Zionisten dauernd gewonnen werden. Um zionistische Fragen vor grösserem Publikum häufiger zur Besprechung bringen zu können, muss ein neu* tralcr Boden geschaffen werden, der von alten jüdisch;« Elementen der Gemeinden gerne und ohne Vorurteil betreten wird. Der Palästinaverein kann vielleicht in dieser Richtung dienen, der Eintritt von Gesinnungsgenossen in dic Logen und angesehene jüdische Lokalvereir.e ist deshalb erwünscht; in der jüdischen, nicht zionistischen Gcs.llschaft Eingang ünd Einfluss zu gewinnen, muss unser Bestreben sein. Zu iutcressicren ist der grösste Teil des Publikums, vor allen! für unsere praktische Tätigkeit; die grossen Organisationen, besonders der Nationalfond, werden auch von dem noch nicht völlig Ueherzeugten in Form der Selbstbcsteucrung gerne unterstützt werden. (Lcbhafür Beifall.) An diese beiden Referate schloss sich eine ausgedehnte Diskussion an. zu der die Vertreter aller beteiligten Ortsgruppen das Wort ergriffen. Dic Beratungen dauerten unter der ungcteilten Aufmerksamkeit der Mitglieder des Zionistentags bis abends gegen 7 Uhr. Auf dic Vorschläge und Kritik im cinzclnen einzugehen, dürfte sich bei diesem Bericht erübrigen. Der Wert der eingehenden sachlichen •Beratungen wird sich im Winter zu zeigen haben. Ucber die Abendsitzung hat dic NEUE BADISCHE LANDESZEITUNG einen ziemlich ausführliehen Bericht gebracht. Dann aber hätten wir uns bezüglich der Propaganda, bcsonders der Einzelpropaganda unter der Jugend zu widmen. Die älteren Leute könnten wir selten mehr veranlassen, ihre Anschauungen nochmals förmlich umzudeuken. Sic aber müssten wir für unsere praktischen Arbeiten interessieren, für die Bank und für den Nationalfond. Er habe auch dic Gründung eines neutralen Palästinavercins vorgeschlagcn, den er als eine wertvolle Brücke zwischen den uns Fernstehenden und uns ansehe. Dieser Palästina verein könne, falls er einem regen Interesse der Zionisten begegne, dic dafür in weiten Kreisen werben müssten, Mittel für Aufgaben liefern, die das Interesse auch weiterer Kreise hätten, am letzten Ende aber unserer Palästinaarbeit allein zugute käme. Dic breite Oeffcntlichkcit sei andauernd über unsere Ziele aufzuklären, die Presse nicht ausser acht zu lassen, unsere Beziehungen zu ihr zu pflegen und auch neutrale Vereine für zionistische Vorträge zu intcrcssieren. Dann aber sei der Innenarbeit der Gruppen die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihr zukommc. (Lebhafter Beifall.) Aus den Diskussionen sei diejenige des Herrn Dr. Friede* mann hervorgehoben, der zwar mit den Referenten darin nicht einig sei, dass der Standpunkt des 7. Kongresses unangetastet bleiben müsse, da dieser kein klares Programm geschaffen habe. Indessen sei Jetzt eher eine Grundlage zur Verständigung gefunden, da anscheinend die Zione-Zion bewiesen hätten, dass s:c aucli nicht alles mitmaelitcii, was ihnen Ussischkin vorschlage. Redner begrüssc eine Tätigkeit der Palästinakommission, dic dem Bedürfnis der Masse, sich an der Arbeit zu betätigen, ciitgegcnkomme. Die Arbeit aber müsse derart sein, dass sic nicht das Misstrauen der Regierung waehrufc. Insoweit die Arbeit der politischen Tätigkeit nicht schade, sei sic zu bcgrüssen, jede Kolonisation ans Mitteln des Nationalfonds aber abznlelnien. Die Einwanderung wohlhabender Elemente sei erwünscht; doch dürften nur dic Lcbcnsmüglichkcitcn für dic Einwanderer geschaffen, jene aber nicht systemlos kolonisiert werden. Dr. Hantke-Berlin fasst seine Ausführungen in folgende Grundsätze zusammen: Er cmpfiiehlt für die wirtschaftliche Erforschung und ihre Hilfsmittel cinzutreten. Hierzu seien landwirtschaftliche Vcrsiichsstationcu nötig. Dic Stärkung des jüdischen Elements vcrlange dic Schaffung von Lcbcnsbcdingimgcn, die Anregung der Privatmdiistric und dic Heranziehung wertvoller Kräfte. Abzulclnu'ii sei jede Unterstützung, jede Kolonisierung aus den Mitteln der Gesamtheit und jede Förderung der Einwanderung auf wohltätiger Grundlage. Die Bank dürfe nur im kaufmännischen Sinne geleitet werden und der Nai׳o!u!!fond nur für gesicherte Landankäufc verwendet werden. An der Diskussion beteiligten sieb noch die Herren Srmdheimer. Rechtsanwalt Dr. Veith, Gnitcin, Dr. Iialpern. Raisch und Simon. Wenn auch die Diskussion in vielen Einzelheiten ausemanderging, so konnte doch konstatiert werden, dass eine Verständigung der Anschaumigen Platz greift und dass insbesondere das gegenseitige Misstrauen verschwunden ist. Im Grunde erhob niemand Ein- Spruch gegen die Thesen von Dr. Ifantkc. Wer Einsciiränkung.n wünschte, tat dies weniger aus prinzipiellen Gründen, als deshalb, weil sein Vertrauen in dic praktische Ausführbarkeit einzelner Arbeiten und Gründungen noch killte, und wer eine intensivere Arbeit in Palästina wünschte, musste anerkennen, dass die gegenwärtigen Mittel der Bewegung hierzu nicht ausreichten. Doch Einmütigkeit herrschte in der Verurteilung der gegenwärtig noch immer schwankenden Lag.• der Bank, von der man eine vollkommene Reorganisation verlangte. Man war sich darüber einig, dass es in Deutschland gelingen könnte, einen grossen Inlercsseukrcis für dic Bank zu schaffen, wenn sie endlich beweise, dass sie ein klar umschriebenes, kaufmännisch-cinwandfreics Aktions-Programm habe, das ihr eine sichere und angemessene Rentabilität ermögliche. Die notwendige Erkenntnis, dass eine reine kaufmännische Tendenz Eingang finden müsse bei der Leitung der Geschäfte, sei anscheinend, wie die Generalversammlung in Köln gezeigt habe, noch nicht durchgcdningen. Schluss der Vormittagssitzung 1 Uhr. Der Bericht über dic Nachmittagssitzuug folgt in der nachsten Nummer. Dic Sitzung dauerte bis abends gegen 7 Uhr. In der Abendsitzung sprach Herr Julius Simon Mannheim über die Gcbetbuchreform des badischen Oberrats vor überfülltem Saale und mit starkem Beifall. Dic Protestresolution wurde von allen Anwesenden gegen eine Stimme angenommen. Zum Organisationsstatut Als alter Soldat der zionistischen Bcw׳cgung erlaube Ich mir betreffs Abänderung des Organisationsstatutes Folgendes hervorzuheben: Unsere Organisation leidet nicht nur dadurch, dass dic Schckclzahler in seht vielen Fällen teils und mitunter auch ganz für Zwecke der Landsmannschaften verwendet werden, sondern sie criülirt durch die «!!parlamentarische Form der Kongresswahlen einen noch viel grösseren Nachteil. Welche Autorität kann der Kongress in den Augen dei Welt besitzen, wenn unmündige Leute und sehr oft sogar Kinder ein grosses Kontigent der Wählerschaft bilden. Man muss daher danach trachten, nicht nur dic Organisation finanziell

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.