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Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Ko. 40 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 603 .׳russischen Volkes gegenüber dadurch, dass dies auf Initiative der Hochschulen selbst geschehen sei. Unter vielen sei auch dies ein Anzeichen für den Einfluss reaktionärste Elemente. Aus Liebermanns Schule!*ctfcr^burfc, 26. September, Die Verhandlung gegen den früheren Beamten dek Pölizcidepartements Lawrow, die heute vor hiesigem Kriegsgericht stattfand, hatte eine vcrdächtige Acimlichkcit mit einer Szene aus detn Tollhaus. Lawrow stand unter der Anklage, eine Hetzschrift gegen die Juden veröffentlichten haben, die geeignet war, den Ras־ senhass zu entfachen. Ein Teil der Schrl.fi.wurde Ifl der Druckerei des Ministeriums des Innern, die ganze Schrift später in der Druckerei der Stadthauptmann- Schaft in 25 000 Erempiarcn gedruckt und zwar m 11 E r l.a u b - bis der Zensur. Der Angeklagte erklärte, die Tendenz Seiner Schrift war nicht gegen die Juden, Sondern gegen die Christüsvcrräter. wie den Jüdelndert Witte und andere leider nocharistokratischc Kanten tragende Personen gerichtet, Der Verteidiger, ein Moskauer Rechtsanwalt, führte aus, die Hetzschrift LawrowS sei die natürliche Folge der Ern- Porling gegöii Witte gewesen, der eine Anklageschrift gegen den Zaren schrieb und sich den Weg zur Präsidentschaft In der. russischen Republik bahnen wollte. Witte vertrat } fl d i - Sehe Interessen, die Juden aber machten gemeinsame Sache mit den Freimaurern. Jesuiten und M a r t i n i s t e n. die alle im Solde Englands stehen, auch die Duma sei nicht ohne Beeinflussung durch England zu- Slandegekommen; das sei daraus ersichtlich, dass russische Abgeordnete angeblich . wegen eines erdichteten Kongresses eine Abordnung nach England entsandten. Lawrow wurde schuldig befunden. In Anbetracht mildernder Umstände aber, die das Gericht in der Einholung der Zensurerlaubnis fand, nur zu ICH) Rubel Strafe verurteilt. Herrn Sfolypins Politik Petersburg, 27. Sept. Der berüchtigte Ratschofskv. der an der Spitze der P 0 g r o in - O r g a n i s a t i 0 n Stand, Und der der Leiter Jener Oeuelnvjruckerci war, die sich im Polizcidep.artcmcn{ des Ministeriums des lmteril befand, und l!i der die Aufrufe zu Jüdcmriassakres und Pamphlete Kegelt den Grafen W i tt c hergcstcllt wurden, ging nach den Enthi.liungai des Fürste■;» Urussow in der Duma ins Ausland. Er wird jqtgt d u.r c h M i n is t c r ס r ״s idc n t S t oiy pin in den aktiven Dienst eingestellt. Gcndarnierieoffizicr Kommissarow. der die rechte lin d RaischoLikys war, wird zum Direktorgehilfen der politischen Geheimpolizei ernannt. End - lieh bewilligte der Kaiser auf Vorstellung Stolypins dem Verbünde des russischen Volkcs. das ist icne Organisation, die die Pogrome gegen Intelligenz und Juden vorbc reitet, eine Subvention von 25 000 Rubeln. Es ist nicht mehr daran zu zweifeln, dass der Verband der russische« Leute die offizielle russische Politik vertritt. Intervention Die TIMES Widmete in einer der letzten Kümmern der Depesche des Zionistischen Aktionskomitee an den englischen König, bezüglich der Sicdleeer Greuel, einen sympathischen Leitartikel, in dem dieses Gesuch, zusammen mit den Vor- Stellungen, welche die Vertreter der englischen Judenheit gemacht haben, besprochen wird. Es ist bezeichnend, dass das einflussreiche Citybiatt den Gedanken einer Intervention nicht mehr so fremdartig findet, wie früher. Die Stellung, die das Cityblatt Jetzt zu dieser Frage einuiumit sticht vollständig von den lauen Erklärungen ab. die der Minister der auswärtigen Angelegenheiten seinerzc!t,an!ässüch des Biaiystoker Massacre, im Unterhaus gemacht־ hat. Siedlcc scheint einen gewissen Umschwung hervorgerufen zu haben. Und noch eines ist bemerkenswert. Während manche Jüdische Kreise scheu vor Jedem offenen Auftreten Jüdischer Organisationen zurfickschrccken. findet es das City biatt ganz natürlich, dass Jüdische Organisationen an die Recicrungeii im Namen ihres verfolgten Volkes herantreten. Die Regierungen intervenieren noch nicht, aber wenigstens wird die öffentliche Meinung aufgcrftttelt. *■ Allerlei Russische Rätsel. Vexier'-Rätsel. Reicht der Zar seinem Grosswesir Gelder und treibt ihn zur Eile, Dass er unter die Bauern vier Millionen verteile. Spricht der Grosswesir sogleich Mit seinen besten Beamten; Auch die Ländcrbankcn im Reich Für die Aufgab’ entflammten. Wesir und Räte ha’n unverweiit Irn Bund mit den Banken, den schlauem, Des Zaren vier Millionen verteilt. Sag, was bekamen die Bauern? Zahlen-Rätsel. Wenn sieben Juden Jeder Soldat Abmurkst und täglich als Rachetat An dreissig Bomben fliegen, Zu wieviel Prozent wird derselbe Staat Dann die nächste Anleihe kriegen? Aus: DER TAG. Caliban. Kleine Mitteilungen Dessau. Das stattliche Bauwerk der hiesigen neuen Sy nagogc, Weiche sich Ecke der Stein- und Askanischcn Strasse erhebt, ist dank dem prächtigen Wetter des verflossenen Sommers bereits so weit gefördert worden, dass die Eronfwendc und Giebel fast fertig dastehen lind man gegenwärtig mit dem Einwölben der grossen Gurtbögen der Kuppel beschäftigt ist. Mainz, 25. Sept, Verlegung der Synagoge. Gelegentlich der hohen Feiertage war vielfach die Rede davon, die Hanpt-־ gemeinde beabsichtige, ihre Synagoge, die aus den Zeiten des finsteren Mittelalters sich noch in der kleinen, engen Judengasse (Jetzt Synagogenstrassc) beiindet, nach der Neustadt zu verlegen. Das Gerücht erhielt dadurch Kahrling, dass die Gcmcindc .einen Platz neben der Synagoge angekauft hat. uuf angeblich die durch Abbruch des Gotteshauses später zu ge- Winnenden Bauplätze besser parzellieren zu können. Indes liegt eine Verlegung der Synagoge in andere Gegend in abschjharef Zeh nicht in der Absicht des Vorstandes. For§t. Der Rabbiner der Jüdischen Kuiturgcmeijide in Sobortcn bei Tcplitz, Heinrich Gaiandauer. feierte am Samstag seine silberne Hochzeit. Eben war eine der zahlreichen Deputationen erschienen, um den allgemein beliebten Mann zu bcgiiickwünschen. äis Gaiandauer vom Schlage geröhrt zu Boden sank und sofort starb. Er war erst 53 Jahre alt. Wien. Zufolge des Beschlusses des Vorstandes der Jfldisehen Kultusgcmeinde Wien wird in diesem Schuljahre eine Bildungsanstalt für Jüdische Religionsichrer an Wiener Volksupd Bürgerschulen errichtet. Die Anstalt wird aus einer Klasse mit vierjährigem Lehrkurse bestehen. Szegedin. Allgemeines Aufsehen erregt' Eier die plötzliche Erkrankung mehrerer, der vornehmeren Gesellschaftsklasse angehöriger Personen. Der hiesige Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w seine Familie, ferner die Grosshändier Max Weiner und Franz May. sowie die Gattin des Letzteren hatten am Sonntag in Torontai einer Hochzeit beigewohnt. Kaum waren die Hochzeitsgästc nach Szegediu zurückgekehrt_ als sic alle unter verdächtigen Symptomen erkrankten. Die Arzte konstatierten Vergiftung durch Kupfervitriol und wendeten die entsprechenden Mittel an. Diese hatten die erwünschte WiFkung und die Patientin befinden sich bereits ausser Gefahr. / Warschau, 20. September. Die Ruhe ist gestern und heute nicht gestört worden und zurzeit ist ein Pogrom nicht zu be• fürchten. Das Tageblatt STOTY RÖQ (Goldenes Horn), das anstelle des unterdrückten KURJER POZANNY herausgegeben wurden, und die GLOS SIDOWSKIJ sind gestern fiir die Zeitdaucr des Kriegszustandes verboten worden. Die Polizei macht eine lörmtichc Jagd aid die letzte Nummer dieser Nummer. Warschau. 25. September. Über den Verlauf der jüdischen Feiertage berichtet das hebräische Blatt HA JOM: Die Feiertage sind ruhg vorfihcrgcgangen. ln den Synagogen fanden Durchsuchungen. die erwartet waren, nicht statt. Bios auf der Wolska-Strassc wurde eine Synagoge einige Stunden lang durchsucht und dabei der Fussboden aufgrissen. F.s wurde iedocli nichts gefunden und niemand verhaftet. Trotz der herrschenden Ruhe sind Haussuchungen, allerdings nicht V וייוי

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