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Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 601 No. 40 ' liehe herabzusetzen. Aber auch die geringsten Erfolge werden nur zu erzielen sein, wenn Oie hrcite jüdische öfentlichkeit das hillswerk einsichtsvoll unterstützen und daran reuen Anteil nehmen wird. Besonders verdienstreich könnte die Mitwirkung all derer werden..die mit den Auswanderern und den zur Aus Wanderung genötigten jüdischen Massen in Berührung kommen. Jüdische Zeitungen!, Rabbiner. Gemeinde- und Vcrelnsfunktieuäre, Lehrer. Melatndini, Armenkassen, Hilfskomitees, kurz: alle, di.־ Gelegenheit dazu haben rillten sc als u nab weisbare Pf licht betrachten? sich über die zwcckmässigste Art der Auswanderung zu unterrichten, um gegeberciitalls den Auswanderern mit verständigen Ratschlägen und Hinweisen beistehen zu können. Das ״Auskimftsbureau seinerseits wird cs nicht unterlassen, von Zeit zu Zeit weitere Kreise auf die Miing.l und!*chlor, die siel! zeigen, aufmerksam zu machen und auf geeignete Mittel zu deren Behebung!ftuz.uweisen. Aus den Erfahrungen. die bis jetzt gemacht worden sind, müsse!1 den Auswanderern folgende Leitsätze zur llcacli־ t u n g und Beherzigung dringend empfohlen werden:־ 1. Kein Auswanderer unterlasse es, sich vor der Abreise vom Arzt untersuchen zu lassen Augenu ul Haarkrankheiten zielten ganz bestimmt Zurückweisung nach sich. Man verlasse sieh nicht auf irgend eine List. Lin jeder wird vor dem Landen tuimrsueht. 2. Unerfahrene Auswanderer sollten sich i!! keinem Lallt Leuten auvortraucn, von deren .Zuverlässigkeit sic nicht persönlich überzeugt sind. Geld und Wertsachen gebe mau nur durchaus vcrtraucnsw erdigen!’:rannen in die Hand. 3. M.it Grenz- und Zwischen-Agenteu lasse man sich nicht ein. und wo diese nicht zu vermeiden sind, ziehe iiix: vorher Erkundig»!!:: ein. Cbertrk-Deticn Versprechungen der Agenten schenke man Keine״ Glaube:׳. -I. Man besticke sic'!, müc’ichst in grösseren Gruppen zu reisen, wobei mau l bis 2 l־r..l!!־״cnte zu Li.':rem wähle, derej: Anordnungen man befolg••. Die koikkt: e bahrt (3<1 IVrsnncu) ist von mannigfache!’! Vorteil: sie kos־et 0׳a::1 auf den curopöisehcn Bahnstrecken nur etwa die Hüllte. 5. Man unterlasse unter a'ic-n Umstünden das Miuühreu vielen Gepäcks. Mau. nehme nur das mit. was auf dem Wege unbedingt nötig ist. Viele Gepäckstücke sind auf der Reise eine grosse Last und verursachen mehr Kosten als sie wert sind. Das Bureau ist bereit, jederzeit t:1d jedem Aniragenden Auskunft zu geben über alle Routen die durch Basel führen. Adresse: Auskenitsburcau für iiciisefie Aus wand.rer,’ Basel. H o e 11 s t r a s s c M. Konferenz des Vereins für jüdische Gleichberechtigung Diese Konferenz wird cinberufen zu dem Zwecke. Dircktivcn zur bevorstehenden Wahlagitation und Bestimmung des Verhältnisses des Vereins zu verschiedenen Parteien ausz.uarbeiten. Auf der Konferenz wird die Frage der Deputierten in der nächsten Duma behandelt. da die Deputierten in der ersten Puna als V-.rtreu-r verschiedener Strömungen und Ansichten über־die Aufgaben des Vereines erschienen und sieh deswegen nicht einigen konnten. Besonders stark ütsserte sieh diese Uneinigkeit in de!! unendlichen Diskussionen über die Existenzberechtigung einer nationalen Gruppe in der Duma. Die Resolution der Konferenz soll diese Lrage entscheiden. Auss rdem soll auf der Konferenz die Lrage des Kampfes mit der Pogromagitation der ,Schwarz-.*•• Rotte“ he ״» de' werden, die in der letzten Zeit immer stärker wird. Zu diesem Zwecke soll der Verein eine energische publizistische Tätigkeit entfalten. Der Verein plant in der nächsten Zeit eine Reihe von Konferenzen zu dieser Frage zu verun falten zu י׳•*"? auch die Vertreter des -Vereins zur Verbreitung von Bildung unter de!! russischen Juden“ und anderer progressiven Institutionai und Organisationen cingcladcti werden sollen. Juden an österreichischen Hochschulen Das ministerielle Verzeichnis über die Hochschulen bringt über die Beteiligung der Juden an! Sttidmu auch folgend.» An1r.aben. Die chemischen und liigviiieurfac*?chulen an den Techniken von Wien. Prag und Brünn, sowie die juridischen Fakultäten der Universität von Wien und Prag weisen oft ein Drittel und noch mehr Juden auf. An der Bester Universität sind 36 v. H. Juden; ander juridischen Fakultät sind neben 1661 Katholiken 1369 Judens an der medizinischen 299 Katholiken und 556 Juden! in Czcrnowitz zählt die juridische Fakultät genau 5d v. H. jüdische Hörer; an der philosophischen sind 3S v. H. Jud n.“ wenn man der AUGSBURGER ABENDZEITUNG Glaubei! schenken dürfte. Vom jüngsten Pogrom Sjcdlcc. Zu den blutigen Ereignissen meldet der KURL WARSZ. nach der N. LODZ. Z. folgendes: In der Nacht zum 27. August, als der Pogrom bereits riesige Dimensionen angcnominell hatte, versandte die örtliche Behörde durch Soldaten Aufforderungen an folgende Personen: an das Mitglied des Aufsichtskornitccs und Kurator des Hospitals Nuchiin Wcintraul׳ an den Sekretär des Syiiagogenkomitees Czaczkis. den Stadt- Präsidenten k'orczak. den Rechtsanwalt St. Suuderlandt. Ingenieur Eormirski, den Arzt Dr. Szawclski. das Mitglied des Svnagr,geiiKo.i.it *es lemkin. sowie a1׳ e’.n örthcntn Kil o., .r. Alle die gcnai-nten wurden mittelst Soldaten um 3 Uhr nachts nach dem Bureau des Polizeimnsters gebracht. Als die Delegation die Schwelle des Poliz.ciamtes betrat, begann man von hinter einem Zaune aus Steine auf dieselbe zu werfen, wodurch der nies,ge hannaim lemkin itti (Jesicht verwundet wurde. Der itn Polizeiburcau anwesende Chef des Militärschutzes, ()!:erstleutnant Tichanowski. verlangte von den Delegierten, dass .sie die angeblich aus Warschau eingctroficucn 15 Mit• gheder der Kampicsorgar.isation, die auf das Militär schiessen, ausliefen! mögen. Da die Delegiert:!! diesem Verlangen nicht nachkonur.cn konnten, von der Erfüllung desselben aber die Eiusteliung der Schiesserei abhängen sollte, begaben sich die 1 eleg c.tcn 7u dem mioiärischen Geiitraigotiverneiir. General Engclke. Di:ser empfing die Delegierten und wunderte sich sehr, als er aus dem Munde, der Delegierten erfahren hatte, dass die Soldaten die Läden demolierten. Er wandte sich unverzüglich telephonisch an den Siedlezer ־ Gouverneur Vsolshyn. Als General Engclke sich telephonisch unterhielt, betrat das Vorzimmer ein Trupp Soldaten, welche die auf Aiitwort Harrenden umringten und in den Garten hhiausführtcii. wo sie. auigehalteu wurden. Die Delegierten verbrachten hier in dem provisorischen Arrest gegen zwei Stunden, worauf inan i*v::1 gestattete. nach ihren Wohnungen zuriickzukehren — jedoch o!11!c Eskorte. Am nächsten Morgen begaben sich die \l:,־..״r:e.1 «•Ji:st zur!: Gouverneur WoIom:;«!! ui!j proporderten ihm. dass sie den Rabbiner bitten w erden, er möge in den Synagogen die Besitzer von R.volvern aufiorJern. solche auszuliefern. Dieses Mittel wurde jedoch nach längerer Beratung als nicht ausreichend erkannt. In welcher Weise der Raub um! die I1!u:!gcn Metzeleien vor sich gingen, beweist, die kleine Episode, deren Zeugen die Delegierten waren, die zu den Behörden gekommen sind. Da die Delegierten behaupteten, dass die Revolverschüsse einzig eine Mystifikation oder auch eine Uchertreihur.g sei. wurde bereitwilligst gemeinsam mit eir.ea Tn1pper:abteiiu::g die Revision eines Hauses vorgenommcti, von dein man behauptete, dass aus demselben geschossen worden sei. Es wurde eine detaillierte Revision der Einwohner \orgenommen, um die Schuldigen zu finden. Als die Soldaten einen Rapport über Revolverschüsse abfassten, die angeblich aus c:nem Hause an der Palacowastrassc gefallen sein sollen, hegab sich di? Delegation gemeinschaftlich mit einem Offizier und einigen Soldaten dorthin und unterzog das ganze Haus einer, gifmdlichen Revision. In dem Hause, in welchem der Präses des Bezirksgerichts Le־n10ntow, sowie die Familie des Besit/ers. Herrn Sluszyns. wohnt, wurde nichts gefunde!!. und doch hatte :יי an den ioiährigeii Solu! des Herr׳ Siuszyn nau .>- geschleppt und erschossen und dessen Mutter derartig misshandel*. dass man ihr, nach Aussagen der Aerzte, ein Beia w ird amputieren müssen. Hunderte Fälle w erden in verschiedenen Variationen erzählt, die man aber unmöglich liier wieder• holen, kann. Die Stadt, die vor kurzem noch e'nigermassen bewirtschaftet wurde, hat ihre erst - rassen cingcbüsst. Der vorwiegend in diesen Strasse! konzentrierte Handel ist vollständig lahm gelegt und die Ladenbesitzer wurden gänzlich ruiniert. Im ganzen wurden go׳*cn 2m» Läden ausgeraubt. teilweise verbrannt oder auch zerstört: die Halle d.s entstandenen Materialschadens lässt sich vorläufig ״och gar nicht beziffern. Im allgemeinen ist der Pogrom v<v! Sjedlez im Vergleich mit dem Pogrom von Bialystok in Anbetracht der Begleitumstände viel folgenschwerer und entsetzlicher. Im Laufe von •סן Stunden haben die Karabinersalvm gar nicht aufgeliört und die über 2"•מיי Köpfe zählende Bewohnerschaft wurde ununterbrochcn in Todesangst erhalten, während cs ihr ari ärztlicher Hilfe. Nahrungsmitteln und Wasser mangelte. Man muss die von panischem Schrecken zeugenden Gesichter, die von Tränen gerät.teu und vcrschwoHenen Augen sehen. ma:1 muss die Gereiz.theit und an Wahnsinn grenzende Nervosität der hedauemswerten .Menschen erfassen können, um sich eia Bild von der ganzen Grösse des Unglücks, der mitleidlosen Scliieksalstiicke machen zu können. General Eugelkc ist an deutscher .'DU.•! Der Pope als Erzieher Ein zur Zeit in Stettin weilender Russe stellt dem dertigen GENERALANZEIGER den Text einer Ansprache zur Yer-

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