Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1906)
- Date
- 1906-10-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 600 JÜDISCHE RUNDSCHAU ----״״ז---—----—-- No. 40 für (Jic Befähigung jüdischer Mitbürger* •zum Staats- und Heeresdienst bietet schon die Tatsache, dass sich in ihm eine Krosse Zahl von Männern bewährte, die litt jüdischen!}tauben gross geworden, ihn erst unter dein Zwang der Verhältnisse abLgten, um. ihren Neigungen und Anlagen gemäss wirken zu können. (Einsender führt für diese Sätze eine Reihe von Personalicn an.) Welches Unrecht die grundsätzliche Nichtmehr bciördcnmg Klaubenstreuer Juden — die im Kriegsfälle ebenso ihr L״cbc*t einsetzen müssen wie ihre Kameraden ־— zu Rescrvcoüiz.ieren darstellt — in den sechziger und siebziger Jahren kannte man di•: seit Grundsatz nicht — lässt die vorurteilslose Betrachtung der Führung und Leistungen der vfcr- Iiältnismüssig zahlreichen jüdischen Offiziere erkennen, welche sich ״c-tnäss offizieller Berichte in den Befreiungskriegen, am den böhmischen Schlachtfeldern und 1570/71 auszclclmetea und sich auf Frankreichs Boden das Eiserne Kreuz erkämpften. Alljährlich wird In Frei s.-en chic ganze Re'he zum chris.־ liehen Glauben ßhcrectrelcner Israeliten zu Cifizercn und ReservectRzi.rcn befördert. Wie 'erträgt sieh das mit der angeblichen Unfähigkeit der jüdischen Rasse für den Offiziersstand und der ebenfalls viel verbreiteten Meinung von der Mangelnden Autorität? Weshalb wird der Konvert.c btnts• ainvalt. Lanügerichtsdirektor. Reg:crungs:׳s>c.־sor. Universitätsprofessor, Reserveoffizier, der noch so qualifizierte glaubciistrcuc jüdische Anwärter aber nicht? Sind es denn die Besseren, die im Interesse ihres Fortkommens circa Glaubens. Wechsel vornehmen, der in vielen Fällen darüber kann bei keinem Einsichtigen ein Zweifel ohwalctn — rdn’ äusscr-!!eher Art ist? Und sind wirklich die;.*engen ve—ger geeignet zu Amt und Würden, die das Mittel eines nicht zugleich innerlieh empfundenen Olauhenswechsels verschmähen um Karriere zu machen? Der Gewissenszwang, als den sich diese Praxis darsteHt. ist Preusscns unwürdig. Der Linsender leitet sein Begleitschreiben mit den Wertet• ein: ..Die schätzenswerten Ausführung:!! über Toleranz,, die von der KÖLN. VOLKSZTG. dieser Tage gebracht wurden ־ gemeint sind jedenfalls die treffiiclien Ausführungen des Abg. Marx - geben mir den Mut. Ihnen beifolgend.;» Artikel zu iibersenJen.•• ..Mut" war dazu in keiner Weise erforderlich. Wenn wir eine Rede des Abg. Marx mit voller Zustimmung aldrucken, so ziehen wir daraus auch die Konsequenzen, sei cs nach der katholischen, der protestantischen oder dir jiidiselten Seite, und erklären uns mit dem Herrn Linsender ganz einverstanden i:1 seiner Auffassung, dass die differentielle Behandlung jüdischer und ehemals jüdischer Bewerber ein Uprecht und zwar nicht bloss gegen die premsise'ic Ve.Lssung ist.*' Die grössten Kartoffeln Pie DEUTSCHE TAGESZEITUNG schreibt: .,Der naturalisierte Rabbiner ur.d die Wehrpfl.cht. Berlin. 26. September, hn BERLINER TAGEBLATT lesen wir: ״In Güttingen war, wie bereits nutgeteilt, dfe Wahl des Dr. Sonderling aus Berlin zuni R a b b i n e r der dortigen israelitischen Gemeinde vom Ministerium nicht bestätigt worden, weil Dr. Sonderling österreichischer Staatsangehöriger ist. Auf eine nochmalige Eingabe ist nunmehr die Bestätigung erfolgt, jedoch unter der Bedingung, dass Dr. Soudcrling sieh als Preussc naturalisieren lasse und als solcher der \V elirpflicht genüg e.'' Wir können es ja dem Herrn Rabbiner naclu'iüilen. wenn .es ihm unangenehm ist. eventuell der Wehrpflicht in Deutschhnd genügen zu müssen. Vielleicht hat die zuständig: Behörde ein Einsehen und gestattet die Naturalisation, auch ohne dass Herr Dr. Sonderling den Rock des Königs anzuziehen braucht. Das deutsche Heer würde auf seine Dienst- 1 c i s t u n g verzichten können. Int übrigen würdet! diese Konflikte vermieden, wenn man unseren oft ausgcsprochentn Wunsch erfüllen wollte, unsere jüdischen Mitbflrgcr überhaupt gegen Leistung einer c 111 ד sprechenden Summe vom Dienste mit der Waffe zu entbinde11.** Die DEUTSCHE TAGESZEITUNG macht diese״ Vorschlag nicht, weil sic die Juden vom Militärdienst {enthalten möchte sondern weil sie den Wert des Geldes zu s.chützcu v.iss. wie ihre Gesinnungsfreunde A h I w a r d t. Liehe rn!31111 und Piicklcr, die sich für zwanzig Pfennige Entree hören und , •sehen lassen. Auskunftsbüro für Auswanderer in Basel Basel in! September I9ä6. Dank der Initiative und den Bemühungen des hiesigen ״Hilfskomitees für jüdische Aus Wanderer" ist es gelungen, in unserer Stadt unter dem Namen ,Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer" eine neue Institution ins Lehen zu rufen, die für die vieler! aus den NotstandsgegcnJcii ausw ändernden Juden nach mancher Richtung hin von Segen werden uuri:e. Gegenüber der immer zunehmenden Zahl hilfloser und ratbcdüri'tigcr Auswanderer, die ihr,.11 Weg durch Basel nehmen, ist die Notwendigkeit enter solchen Einrichtung bei allen Beteiligten seit geraumer Zeit dringend empfunden wurden. Penn nicht mir die Verhältnismassig Wenigen, denen die Fahrt bis zum Einschiffungshafen durch die grossen Hilisgescllsehaütn möglich gemacht wird, sondern auch die grosse Menge* derer .die in der Lage sind, die Reisekosten aus ei g c 11 c n Mittel n zn decken, erheischen i!» gar vielen Fällen energisches Eingreifen auikiärender und tätiger Fürsorge. Das ist nur die traurige aber natürliche Folgt der eigenartigen, ganz heispieiRSwi! Verhältnisse, aus denen diese ungeordnete. zersplittert.*, fluehtähniiehe Volkswan Jerung entsteht. Die Lege unserer Brüder in Russland, Rumänien und Galizien ist bekanntlich bereits seit Jahrzehnten eine ungemein trostlose. Aber trotz allen ständigen Leiden und Entbehrungen entschliesst sich der Jude sehr schwer zur Auswanderung. Solange ihm die durch Gewohnheit liebgewordene Umgehung einigermassen erträglich ist. überantwortet er sich und seine Familie nicht einer ungewissen Zukunft. Das Beharrungsgesetz bleibt in Kraft, bis nicht die Furcht vor dem Pogrom;, das Entsetzen der augenblicklichen Lebensgefahr alle äusseren Schranken und seelischen P;mmnisse mit elementarer Gewalt ricJerr-eisst. Dann ab.r 1:1!; ihn keine Macht der Welt zurück, unternimmt der weitaus überwiegende Teil unserer Auswanderer die grosse überseeische Reise in nerv ö s c r Hast, ohne jede V o r b : r c i t n n g. Die treibende .zwingende Notwendigkeit der grausamen Heimat, dein Lande voll Angst und Schrecke!• den Rücken zu kehren Jüsst diese Armen nicht an die Plaver. .!1J Gefahren denken, die timen rttit erst bevorstehen. Als besonderes Übel macht sich sodamt der vollständige Mangel jeder, and! nur der leisesten Vor• tdlurg von cl.r geographischen L 1t1Vr;.ung und der so wesent lieh geänderten Lebensweise der neuen Heimat in hglietn Grad iühlbar. U n k e!ו n t n i s der alkrr.otw endigsten Vorbc• dingupgeit zu älter sa'.ceu Reise und naive Vertrauens• Seligkeit ist auch der Grund für die unzähligen Fälle von Ausbeutung ut d Irreführung durch gewinn• haschende Schwindler jeder Art. dtiien gerade die jüdischen Auswanderer zürn Opfer falle:!. Sie sind das denkbai geeignetste Objekt für diese unsauberen Hlemenic. Schon in den heimatlichen kleinen Städtchen und Dörfern machen sich betrügerische Agenten an sie heran, um ihnen Scliifiskarten zu enorm hohen Preisen anzuhängen; sie werden dann oft wochenlang an Zwischenstationen aufgehalten. wo sie allerlei Entbehrungen unterwarfen, sind und körperlich ganz herabkommen. Und in diesem verelendeten Zustande sollen dann die Unglücklichen auf Schiffen letzter Güte und viel länger als noiwendg der ersehnten freiheitlichen Küste ihrer Träume zusteuern! Um diesem schrecklichen Chclstande abzuhelfen, ist schon Vielerlei in Angriff genommen und manches schöne Werk bc• reits auch dtirchgeiührt worden. Auch das Arbeitsfeld des neuerrichteten ..Auskunftsbureaus‘‘ liegt in dieser Richtung. Es soll dazu beitragen. d!ns jüdische Lei seelend zu verringern. Das Bureau stellt sich die Aufgabe, Auswnnderi! möglichst verlässliche Auskunft mündlich oder brieflich zu erteilen, sie über Reisestrecke und -Gelegenheit zu unterrichtet und ihre Interessen nachdrücklich zu vertreten. Es wird.die jüdische Auswanderung studieren und überall, wo Abhilfe od.r mindestens Verbesserung geschaffen werden kaut!, diese zu erwirken versuchen. An der Hard einer regelmässig ״eführten Statistik will cs in die Verhältnisse der Aus- Wanderer Einblick gewinnen u»d wo cs not tut, durch die Presse u־d aufklärende Zirkulare seine warnende Stimme erheben, sowie durch Besorgung des Geldwechsels die jüdischen/Ausw and.rer vor materieller Schädigung be• wahren. Um den vielen Übervorteilungen nach Mog• lichkcit vorzubeugen. wird sich das Bureau auch bestreben, den Auswanderern nach vorheriger direkter Anfrage und Zusendung des nötigen Geldes billige Schifiskartcn bei günstigen Eahrtbcdingungen zu kaufen. Es soll überhaupt 1'icht ausser Ach! ■gelass.n werden, was den jüdischen Auswanderern in irgend einer Hinsicht von Nutzen sein körnte. Allerdings werden all d:* hinlänglich bekannten betrüben- Jen Umstände, die das allgemeine jiiJischc Auswanderung*- Problem zu einem so komplizierten und fast unlösbaren ges'allen. auch dem neuen ״Auskunnsbuuau'* sehr hinderlich sein 1nJ sein.* Aufgabe ungcmei.v erschweren. Dessenungeachtet dürfte es nach und nach gelingen, manchem Übel zu steuern und das Mass der Opfer an Gut und Blut, die die Auswanderer zu bringen gezwungen sind, auf das UnvcrmciJ-