Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1906)
- Date
- 1906-10-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. •IQ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 597 und Üic Jugend, die sieh teilweise des Französische kultivierte). In Rcchobhöth ist cs schon ganz anders. Da haben keine Reamten des Herrn Baron die nationalen Anfänge gehindert. Und so kann man in der erst etwa 1(> Jahre alten Kolonie viel. Kittder finden, die keine andere Sprache reden und verstehen als unsere nationale. Auch die jüngeren Mütter beherrschen das Hebräische vollkommen. Einige junge Leute, mit denen ich viel sprach, bestätigten mir. dass sie nur mehr in dieser Sprache dächten und ali ihr Wissen aus hebräischen Ze'tuugen sowie aus den hebräischen Huchem geschöpft hätten. Es fiel ihnen öfters schwer, deutsche Ausdrücke für selten.* Begriffe zu finden. An dieser schönen Regeneration unserer Sprache, wie wir sic hier finden, ist neben der nationalen Gesinnung, db in Rcchobhöth herrscht, besonders die Schule schuld. Wie bei Königgrätz der prctisslsche Schulmeister gesiegt hat und den Grund zur Einigung Deutschlands mitlegen half, so wird bei dem neuen Werke unseres Volkes auch hier der Lehrer eine bedeutende Rolle spielen. Die Vereinigung der Lehrer, die bekanntlich Ussischkin propagierte, ist wohl die einzige jüdische Vereinigung, die ein festes Programm verfolgt. Die Schulbücher z. B., die sie für die Schulen beschafft, sind durchweg modern gehalten und geben dem Schüler eine recht gute Schulbildttng. ich brauche wohl 11'clit zu sagen, dass sie in einem reinen und guten Hebräisch geschrieben und die Lesebücher z. B. Stücke sowohl der neueren Literatur wie auch Blutenlese des Talmuds etc. umfassen. Erst in letzter Zeit ist die offizielle" Sprache ausschliesslich das Hebräisch, seit einige Mitglieder der Poalc-Zion versuchten, dem Jargon die Rechte einer weiteren Volkssprache zu verleihen. Man kann zur Frage der Volkssprache im Golus verschiedene Stellungen einnchmen. mit Freude kann man aber begrüssen, dass gerade durch jene Kämpfe (und die hat es dabei auch gegeben) die Kolonsten sieb strikte gegen den Jargon ausgesprochen haben. In Katra habe ich selbst bemerkt, dass die dortigen Arbeiter sich, schon ziemlich viel des Hebräisch.et bedienen. Weint wir zum Schluss noch einen kurzen überblick über dieses Thema gewinnen, so werden wir uns sagen, dass in Rechobhöth — und diese Kolonie steht glücklicherweise nicht allein — die hebräische Sprache wirklich die Volkssprache geworden ist. Natürlich ist cs unmöglich, in den wenigen Jahren die mitgebrachten Sprachen vollständig zu verdrängen. Derartige Punkt:-, an denen unse'rc übrigen Volksgenossen leicht das Hebräisch Icrr.cn können, sind für die Weiterentwicklung äusserst wichtig. Gesundheitszustand. Bei dieser Gelegenheit will ich auch einen Punkt 1>.rühren, der im Ausland gewöhnlich falsch berichtet wird. Das Klint ו von Palästina ist für den emgewauderten wie eingeborenen Juden sehr wohl verträglich. Einige Kolonien ausgenommen, habe!eh di; Mortalität laut Aufzeichnung der Arzt־.* und Apotliekcr für äusserst gering befunden. Häufig findet trau Erkraiikuiigeii an den Augen (Entzündungen aller Art. Trachome). Die Entzündungen nehmen in den letzten Jahren hut Mitteilung der Ärzte und Apotheker etwas ab. Vielleicht liegt es daran, dass der Staub iafolgc Bebauung des Landes geringer ist, vielleicht, dass sich die Jud.11 etwas akklimatisieren. Meist verlaufen diese Erkrankungen äusserst harmlos, ebenso die ebenso häufigen Malaria-Eälle. über diese weiss man hier zu Lande sehr wenig. Jedenfalls kommt das Eicher auch in völlig sumpffreien Gegenden vor. Die Eukalj ptuspflanzungen 7. B. von Rischon liahen dem Auftreten der Malaria nicht schaden können. ־- Ätisserlicl! repräsentieren die jungen Kolonisten den Typ eines gesunden Menschenschlages und so kann man im Grunde genommen nur die Märchen, die sich an dies Thema knüpfen, als den Ta Hachen widersprechend zurückwcisen. K 01 o!1 is t c 11 a r b e i t. In Rechobhöth sieht mau auch etwas weiteres Eifreuliches. Die Kolonisten erscheinen mit ihren Söhnen selbst aut den Feldern, allerdings nicht alle. Sogar die Trauben pflücken jüdische Hände und mit grossem Eifer sah man auch Kischi :ewer Waisen bei der Arbeit. Ihre Schule (die BelkinJ’sche) hatte Ferien und so wurden einzelne zum seihstständgen *Broterwerb in die 11ahgcicgcn.11 Kolonien geschickt. Der Imstand, dass die Leute von Rechobhöth nicht die grossen Herren spielen und nicht wie die Risclioaer beständig in Jaiia weilen und dort Geld ausgeben (früher reisten deren Frauen im Sommer zur Kur an den Libanon), sondern durch die Arbeit der Familc fremde Kräfte sparen, ist ihre Lage bedeutend b.ssei. Allerdings ist auch noch viel reformbedürftig. Die etwa jnt) Seelen starke Kolonie'hat z. B. sieben Lehrer.!11 die übrigen Gemcindcausgabcn kann man leider als fremder nicht so Einblick nehmen. Ekrön. In einer weiteren Stunde hegt gen Süden die nächste Kolonie: Ekrön nächst dem alten Araberdorf •‘Aka. Wenn man eile Schmerzen der Kolonisten geduldig anhört, so fehlt es noch a.0 manchem. Aber da nur einmal alles Iraische und besvxiJers das Neue noch seine Ecken hat, so darf mau aus dem Klagen der Menge nie allein Schlüsse ziehen. Etwas Aelmlichcs fand ich vielfach;11 Deutschland. Die jüdischen Viehhändk-r. die ich nach ihren Geschäften fragte, klagten sämtlich, auch wenn ts ihnen ganz gut ging. So ist cs bei den meisten unserer Koknisten. Die einen klagen, weil ihnen wirklich etwas fehlt, die anderen, weil sie dadurch irgend etwas ■von einer Gesellschaft zu erreichen suchen, wieder welche, weil sie sich selbst für Märtyrer halten oder angesehen werden wollen. Der Unterschied zw!scheu früher und jetzt ist ja auch vielfach recht gross und zeigt deutlich, dass durch die frühere Wirtschaft die Leute demoralisiert werd.n mussten. Früher erhielten die Leute pro Kopf und Monat Untcrstützuns: Viel! und Gerätschaften bezahlt, alle sanitären, religiösen Irstitutioneu gestellt etc. So baute man den Bauern wunderschöne Häuser für sieben bis achttausend Franks. Heute erhält dir Landwirt einen Vorschuss von zwölf- bis fünfzehnhundert, für die sie sich ganz hübsche Häuschen bauen können. Neuerdings wurden zwölf Fa1r.ili.11 angesiedelt und m't Grundbesitz ausgestattet; cs sind das die Familien dJr ältesten Söhne der Kolonisten. Her ist also die Jugend schon ganz bodenständig. Sie baut alles Mögliche, hauptsächlich Getreide. Von Schulden, die de einzelnen neuerdings sich zuzogen, konnte ich nichts erfahren. Meines Erachtens ist die Kolonie auf keinem idealen Standputikt. aber in anbetrocht der kurzen Zeit ihrer Existenz, der. vielen Experimente, die man mit dem Boden und den Bewohnern austeüte, nebst den anderen Ereignissen und Verhältnissen. die Einfluss auf die Entwicklung hatten, darf man recht zufrieden sein, dass sich hier eine wirkliche Bauernbevölkerung entwickelt, die von d.tn Erträgnis ihrer Arbeit ein einfaches Leben führt Wie ich mich selbst z. B. überzeugte, sind die Mahlzeiten der Ekröncr recht einfach. Fleisch wird eigentlich nur am Sabbath genossen. Der Bauer legt selbst Hand auf dem Felde an und die Söhne h.ifcn dabei. Die Ansiedelung liegt zwei Stunden von der!Balm Jaffa— Jerusalem!Station Ramie!!) entfernt gegen Südwestern sodass ihre Lage leicht auf der Karte ersichtlich ist. Marschiert man noch weiter nach Süden, so kommen wir in di.* letzten zwei Kolonien dieser Gegend. Gcderah (Katra). Am frühen Morgen kam Ich in Katra in russischem Arbeitskostinu an. In der vorigen Station teilte man mir mit. dass es in Katra Arbeitsgcl.igcitlieit gäbe. Ich hatte eigentlich gehofft, nt.ch bei der Feldarbeit zu betätigen. Allein der Ackerbau spielt hier keine Rolle*. Mau pflanzte allhier, wie in so vielen anderen Kolonien, Weinberge, itti Glauben,י rasch