Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1906)
- Date
- 1906-10-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 596 No. 40 * I . JÜDISCHE RUNDSCHAU p.ltcm Brauch solche von Kreta oder von Arabern nähme. Während 1. B. zur^Wcinbercitims nur jüdische Arbeiter zuge- Jessen werden, damit der Wein ja koscher wird, benutzen d:e frömmsten Juden Produkte fremdest.'11 Ursprunges. Ich dachte an den Misractii. der sich hier und da der heimischen Esrogiui annch1r.cn könnte.*) Mein Nachbar erklärte mir. cs Rügen jährlich 10 Millionen Francs in fremde Hände; das wäre allerdings ein hübsches Stück Nationalvermögen. Pa von könnten sehr vie'e Dörfer existieren. - Die Wetufrag.1 ist heute für die Kolonie noch die wichtigste. Rischou ist fast ganz auf den Absatz des Weins angewiesen. Andere Kolonien haben auch andere Produkte. In Pethaeh- Tikwal! bekommen d e Kolonisten vom Baron das Aushacken der Stöcke bezahlt; sic pflanzen dafür Mandeln und Orangen. Da der Korsuni die Produktion nicht deckt, und der Preis für die Weine bedeutend gesunken ist. so ist diese Massregel völlig richtig, wenn man neuerdings auch noch einige Ahnahmcqucllen. z. B. für Syrup gefunden hat. — Hier erfuhr ich auch von einem Mitglied der Expedition nähere« über jene mysteriöse Grcnziibersehrcitung bei Wad el Arisch, die später wiederum vom Telegraph als deutsche Eorsthungsre;sen־jc b:zeichnet wurden. Es waren das ein Mitglied des Aktionskomitee. Davis Trictsch und einige andere licrrcü. die zur Untersuchung des Landes kamen. Das Land soll aber gänzlich unbrauchbar sein. Es wäre gut. wenn das Mitglied des Aktionskomitees sch immens der anderen Herren filier das Land missern würde, und es nicht Herrn Trictsch, dessen StclUmgsnalm'c zu Arisch bekannt!st. alle’» fibcrlicsse. Interessant ist tu :־'ne Beobachtung, dass die Bewohner von Rischou. die als Tcrritoriaüsten verschrieen sind, zmn grössten 1 eil sich ruhig den sogenannten politischen Zionisten augliedcni könnten. Die übrigen sind Zinpe-Zion. d:c man hier als die echten Vertreter des Zionismus?»sieht. Als wir abreisen. steht am Hause ein spagnolischer Jude, ein Eseltreiber, der sich mit den Juden arabisch unterhalten muss, da er kein Hebräisch v.rsteht. Auf der anderen Seite steht steht ein junger Bursch, ein Araber, der mit einer Madame im Mamntcloschen (Yiddisch) plappert. So marschiere ich durch Ghetto-Überreste», am Keller voibc1, in die Weingärten hinaus. Wädi'l-Chaucn. Links md rechts die alten, berühmten Gärten am Fussc •Jer Hügel, die einstmals den Philistern gehört haben und die heute in der L1tere«sensphäre unserer Kolonien liegen, so watidern wir am Vormittag nach Süden. Es ist einer der vielen heissen Tage des August, von dessen enormer Hitze bei uns soviel gefabelt wird. Gewiss, cs wird gegen Mittag (ich bin erst sehr spät aufgebrochen) sehr warm, aber hier , wie überall kann man seihst in den heissesten Mittigstimden mit seinem Gepäck auf dem Kücken, ohne welche Furcht, dadurch Schaden zu erleiden, marschieren. Wie ich überall höre, sollen die Tage jtn Juli nicht oder kaum viel heisser sein, als die waren, die mich auf meinen Märschen in den Kolonien von Jehuda begleiteten. Die Gegend ist recht belebt. Araber, die ihre Früchte in die Kolonien bringen, reiten auf kleiten Estin vorüber. Leider haben die meisten.unserer Kolonisten, besonders die Weinbauern, keine Gärten für Gemüse und beziehen es von den Arabern dtr Umgegend. Beduinen aus der GegenJ von Gaza mit vielen Kamelen, 'd:e man bei der Weinlese benutzt. Dazwischen trifft man Kolonisten auf ihren Wagen, ein Verkehrsmittel, das dem einheimischen Volke fast fremd ist. Weiber, die heim Traubenlesen sielt beschäftigctj^vollen, Kinder, die in der Nähe ihrer Hürde spielen. In einer Stunde smJ wir in Wadi'l-Chanci:. einer kleinen Kolonie, die sieh vorzüglich mit Ackerbau beschäftigt. Eigent- *) Eine Anweisung der Zentrale des Misrachi an db ein- /einen Vereine könnte nichts schaden. | lieh sind cs zwei kleine Ansiedelungen, die ziemlich nahe bei einander liegen* Es sT.d schiiehfe Leute, die in einfachen Bauernhäusern wohnen und mit einer gewissen Zufriedenheit ihr einfaches Lehen atu eigener Scholle führen. Bei ihnen hat z. B. der Auotheker mehrere Funktionen: er ist ihr Arzt und ihr Schochct. Mau sieht, dass bei einiger Einteilung manches gespart werden kam*. Natürlich ist es idealer, sicli für jedes einen Spezialisten zu halten. Aber unsere kleinen Gemeit’Jen in Deutschland haben auch oft für die verschiedensten Funktionen nur eine Person: den Lehrer, der bald Schammes, bald Schächter ist. Der Ort Fegt am Fuss von Hügeln, deren Land steinig, heute keine Verwendung findet. Wer weiss, ob nicht die allernächste Zukunft Kapitalisten veranlasst, den Pc Je.ו um ein paar Groschen den Arabern alzikauieu und Pa!׳!rnüanzu1*KC11 anzulegcn. Da der Boden sch nicht für den Ackerbau eignet, weiss die Bevölkerung nicht, was sie damit anfangen soll. Wädri-Clianen bietet dem Besucher nicht viel. Und deshalb mögen so viele achtlos an dem Dorf vorbeizichen. Aber gerade die Orte, von denen man an! wenigsten zu sprechen hat. sie sind nicht die schlechtesten. In ihnen wächst eine bodenständige Bauernbevölkerung gross, die im Kampfe um das iäglicbe Brot 1n־*'g mit dem bebauten Land zusammen ‘wächst. Dann kommen Tabakpflanzungen und einige Hänschen, in denen die Blätter getrocknet werden. Der Tabak selbst darf leider im Lande nicht abgesetz.t werden. Fr wird entweder au die Regierung verkauf;, die für die Türkei die Regie hat, oder wandert ins Ausland; neuerdings besonders auch nach Amerika. Es sind nur jüdische Felder, durch die wir von; Wädi'I-Clutncii Schrei‘.־eit und unvermerkt ziehen wir schon 611 Mark eine! neuen jüdischen Kolonie ein. Recliobhöth. Die umgrenzenden Bäume, inmitten der waldlosen Landschuft, verleihen den jüdischen Dörfern einen eigenen Reiz. Dazu die hellen Häuser, in gewissen Abständen und in rege!־ recht in Strassen gebaut, dann noch ein grosser Bau. der dom Ganzen einen gewisser. Halt gibt (meist ist cs die Synagoge oder die Weinkeller) ־ das alles ist ein markanter Unterschied von den schmutzigen Fcllaelicndörfern. die in viel grösserer Zahl im Lande herumlicgcn. Einzelne derselben werden kein langes!.eben mehr fristen, da ihre Bewohner das L?nd den Kompagnien, wie hier alle jüdischen Ansicdlungcn heissen, verkauft haben. — Recliobhöth gefällt wohl den meisten Besuchern. Auf der einen Höfte Fegen Kellereien, auf einer anderen eine prächtige Synagoge, von einer Dame aus Russland gestiftet — dazwischen das Dori. An einem Ende sehen wir eine Strasse mit kleinen Häuschen (ich musste an das Häuschen im Märchen ״Häusel und Grete!״ denken), es ist die Esra-Strasse. Hie! siedelte der deutsche Chowcwe-Zion-Vcrciu vor etwa sechs Jahren die filteren Arbeiter der Kolonie an. Die Leute sollen schon länger imstande gewesen sein. Rückzahlungen zu leisten. Da aber die jüdischen Gesellschaften in dieser Beziehung ein falsches Prinzip verfolg־.!» und die Schulden nicht, wo cs möglich, einfordern, gewöhnen sich die Leute daran, alle Darlehen jüdischer Vereine als Geschenk zu betrachten. Der BoJenankaut könnte viel gesteigert werden, wenn das Budget durch Rückzahlungen vergrössrrt wird. Die praktische Durchfülirbarkeit dieses Systems liefert eben Recliobhöth. deren Bauern seinerzeit sich von der lc;\ 9U000 Frcs. liehen, von denen sic heute, wie man nur sagt.schon ויססזיס ahgezablt Fallen. Im übrigen haben sich die Leute völlig selbständig angesiedelt und haben heute eine in jeder Beziehung zufriedenstellende Kolonie. Sprache. In Rischou hauen wir noch ziemlich wenig Hebräisch gebürt tich habe vielleicht schon den fränkischen Juden äugeführt, der sich mit seinen Landsleuten nur arabisch unterhielt t ) *f T־