Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1906)
- Date
- 1906-10-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40 * Seite 595 No. Einf post red» war tust י ... die ihr» lic da! mv KM di( 5>P laj Pi m fr 11 s II K c (• t 1 I 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU dass eine gewisse zumeist in den Händen liberaler und getaufter Juden befindliche Presse leicht sich bestimmen lässt, solchen den gesamten deutschen Juden gcfälirliehen Auslassungen Raum zu geben, von denen sich ihre Urheber versprechen, dass sie den Zionismus damit absclilachtcn. Vorsichtiger hätte Dr. Vogclstein schon sein müssen,הנבדש ד״זהרו בדגרעם Genau dieselbe Gesinnung hat soeben erst bei den galizischen Wahlen die polnischlibcralcn Juden dazu vermocht, die zionistisehen Rabbiner und ihren Zionismus bei der Regierung als staatsgcfährlich, d. h. in diesem Palle als eine das Polentuin gefährdend«' Propaganda zu denunzieren. Hass die JlaussMcI1:־־ngen bei Dr. Brande und unsern andern Prcundcn nichts Staatsgeführlichcs zu Tage fördern, ist nicht die Schuld der Denunzianten, die im uolnischvatcrlündischcn und liberalen, antizionistischen Sinne zu bandeln glauben, aber doch nur ein Teil von jener Macht sind, die das Bose will und das Gute schafft. Der Zweck des Vogclstcinsclien Artikels ist aber nicht bloss der, dass endlich dem Zionismus der heissersehnte Stillstand geboten wird, sondern vor allem auch, dass durch ein reales Mittel dem vorge• arbeitet werde. Dazu soll der Boykott verhelfen. Jedenfalls kann man ihm die Originalität des Gedankens nicht absprechen. Pin Rabbinerboykott ist etwas Neues. Ob er ein feines Mittel der Arbeit gegen den Zionismus ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Aber er ist ein verfehltes Mittel, so verfehlt svie die Tätigkeit des Prof. Geiger, der die Leute, die er gefiissemlich von dem Eintritt in den Dienst der jüdischen Gemeinde abhält, zwingt, sieh angesehenere Stellen und weitere Wirkungskreise zu erwerben. ' Man kann ilun nicht bestreiten, dass er diese Tätigkeit mit gutem Erfolg ausiibt. Aber Vogelsteins Boykott zeigt frei und offen die Schwäche des ganzen jüdischen Liberalismus. Der .Liberalismus sieht, dass seine Anhänger mit fliegenden Fahnen in das christliche Lager gehen, dass die wenigen, die sich von seiner Intelligenz nicht taufen lassen, ausschliesslich durch den Zionismus dem Judenturne erhalten werden, und dass er sich nur aus dem Abfall der Orthodoxie kümmerlich ernährt. Daher die Angst, die sich bis zum Boykott versteigt. Der Zionismus lässt sich in* seinem Siegeszug durch die Herzen der jüdischen Jugend nicht durch Denunziationen und nicht durch Boykott auihnlten. Er wird siegen. I*er angebliche Liberalismus liegt bereits am Boden. Und noch ein Wort zur Rechtfertigung eines Wortes. Wiederholt sagten wir: der ״angebliche Liberalismus". Ganz entschieden muss nämlich gegen die beabsichtigte Verwechselung des politischen und des jüdischen Liberalismus Einspruch erhoben werden. Der politische Liberalismus, dem wir teils direkt, teils indirekt die Bürgerrechte verdanken und dem die Juden deshalb dankbar sein müssen, auch wenn sic sich zu anderen politischen Parteien bekennen, ist etwas ganz anderes als der angebliche jüdische Liberalismus. Per politische Liberalismus ist der Sohn der Freiheit, der jüdische sogenannte Liberalismus, der früher ungeschminkter R e f o r m j ud e n 111 in hiess, ist ein Kind der Unfreiheit und der Angst. Aus Angst warf man ״lies Jüdische über Bord, aus Angst und Bequemlich- Reit streifte man ab, was an das alte Stammest!!!» erimicrtc. und was dann übrig blieb, nannte man liberal. Nein, das ist kein Liberalismus, und cs wäre undankbar gegen die grossen liberalen Parteien, denen wir deutschen Juden so vieles zu verdanken haben, wenn wir zugeben wollten, dass das B c q u e m 1 i c h k e i t s - ] u d e n t u m sich mit dem Namen ״liberal" schmücken dürfte. Der Zionismus und die Zionisten verwahre» sieb gegen die unbegründeten und grundlosen Beschuldigungen, dass sic sich im Widerstreit mit Volk und Vaterland, mit Religion und prophetischen Idealen befinden. Hur Unkenntnis oder böser Wille kann dergleichen bchaupten. Bei Dr. Vogclstcin ist cs unserer festen Uebcrzengung nach nicht böser Wille. Ruhig und sachlich vertreten wir unsern Standpunkt, mit der Ruhe, die eine sichere Position verleiht, und mit der Sachlichkeit, die nichts dadurch verliert, wenn wir mit Entrüstung Veröächtigungen zu ruck weisen, die von nachbetenden Zeitungsschreibern aus Vogelsteins Worten gemacht wurden. Wir werden nach wie vor wissen, dass es nur eine Lösung der Judenfrage gibt, nur eine Hoffnung für die Millionen geknechteter Brüder, nur eine wirksarne Selbstwehr gegen Unterdrückung von aussen und gegen die Auflösung von innen, und das ist die Lösung, die der Zionismus in sich trägt. Die Reform, die sich jetzt schamhaft Liberalismus nennt, hat aus dem Judentum lierausgcfülm. Der Zionismus führt in das Judentum hinein. Die Enkel der liberalen Juden — zum grossen Teile schon ihre Söhne — werden getauft sein, oder — Zionisten. Unser Ziel Ist hoch, erhaben und unendlich praktisch.. Selbst wenn sie uns unbequem sein sollte, werden wir der Wahrheit die Ehre geben. Darum sagen w ir uns von dem Judentumc der Bequemlichkeit las und bekennen uns zum Judentum der Wahrheit. Wir halten die Fahne des Zionismus hoch, denn wir kämpfen für die Wahrheit. Wir sind Zionisten, weil wir wollen, dass das Judentum auch eine Zukunft habe. Heinrich Sachse, V י %־ Briefe von einer Palästina-Reise (Fortsetzung.) Aber leider ist das alles nur Efnte>wbeit, und wenn die Arbeiter sich etwas an die Gegend gewöhnt haben, entlässt man sic und wie es von der Administration des Kellers geschieht, plötzlich. An einem Tage, wo ich in Rischon war. wurden allein •tO entlassen, und auch die anderen wussten nicht, ob und wie laj.ee sie noch bleiben könnten. Bei den niedrigen Löhnen ist es schwierig, sich etwas zu sparen. Die wenigen Besiedelungen, zerstreut über das ganze Land, verlangen noch nicht so viele Menschen. Neuerdings hat die Poale-Zion-Ha-Zeirc-Organisation auch eine Kasse gegründet. Sie verfügt über etwa 120 organisierte Mitglieder, und hat ihren Sitz in Jafia. Die einfachen Poate- Zion sind auch organisiert, sie sind keine so fanatische» Zionisten. In Galiläa nimmt man die Arbeiter mehr für das ganze Jahr, sie erhalten durchschnittlich bei freier Wohnung und Station. 20 Francs. Wie überall. Ist auch hier noch alles im Werden. Nicht überall nimmt der Kolonist jüdische Arbeiter, da sie ihm doppelt so teuer zu stellen kommen, als die arabischen. In Pcthach-Tikwah, wohl der reichsten Kolonie zurzeit, kam es leider zwischen Arbeitgebern zu bedauerlichen Zwischenfällen. Die Kolonisten verlangten, die Arbeiter diirfteil am Sabbath nicht rauchen etc., die Arbeiter, welche die Kolonisten nur befehlen und nichts arbeiten sahen, erklärten, auch sie seien vom jüdischen Volke und dem habe der Baron den Boden geschenkt. Neuerdtugs ist es ruhig dort geworden. Die Kolonisten beschäftigen wieder Juden und die unruhigsten Köpfe haben Palästina verlassen. Weitere Schmerzen. Nicht ganz mit Unrecht beklagt sich bei mir ein Pflanzer, dass inan statt seiner koscheren Ethrogim liebet nach ganz T 1 *״m? יו■ ייי!"