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Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 40 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 50.1 Einfluss reich*. Hei der Besetzung des Bibliothekar- Postens ־־ von seinem Fromer wollen wir g;׳r nicht reden I1.1t er zweimal jeden Fachmann, der Zionist war. zuriiekgew iesen. lim Niclitfaehieute, die Nichtzio nisten sind, vorznzielien. Der preussisehe Staat ist — wir erlauben uns den Ausdruck -■ liberaler und tragt die Juden, die er zu seinen Beamten macht, nicht nach ihrer politischen Gesinnung:.‘ Die preussisehe Behörde versteht auch besser als Herr Drei. Geiger das grosse Kaiserwort zu würdigen, das unser Landesvater im Ständehaus, in Posen sprach und damit jedem Prcussen klar und unzwi iJe..tG sagte, dass für ili.1 der Nationalismus jedes der Stämme, die das Deutsche Reich zusammciisetzen. kein ’widerspruch souderu die notwendige Ergänzung und Giuiidläge des preussisehe» Patrioiisim’.s sei. ״Das Königreich Prcussen“, sagte unser König Wilhelm II., ״setzt sich aus vielen Stammen zusammen, die stelz sind auf ihre frühere Geschichte imd Figvmart. Das hindert sic nicht, vor allem brave P reu sse n zu sein. Der Mann, der mit machtvoller Maut das Steuermder des preussischeii Staates und des Deutscher. Reiches führt, sagte damit, dass die 'Freue zum eigenen Stammest!!!!! nicht im Widerspruche mit unserer obersten Bürgerpflicht stünde, ״vor allen Dingen gute Prcussen zu sein!־‘ Herr Dr. Vogelstein ist nicht dazu berufen, über die Erfüllung unserer Pflichten als gute, Prcussen zu urteilen. Das Urteil darüber steht einem Höheren zu. Wenn für Vogel.stcin ״nationaljiidisch und deutschvaterländisch“ Widerspruche .sind, die ״nur künstlich in UcbercinsMmmung“ zu bringen wären, so würde es liier nichts niit/eii, ihm eine Vorlesung über Staatsangehörigkeit, Vaterland, Volk. Nation und Staat zu machen. Aber wir haben cs wahrlich nicht nötig, unsc re vaterländische Treue hiuanszurufeu. Dass muss durch Taten erwiesen werden. Immerhin darf man uns deutschbiirtigen Juden, die seit langen Jahrhunderlei! in Deutschland ansässigen Familien augehoren, die gleiche Aufrichtigkeit unserer vatc!ländischen (Jesimnmg Zutrauen, die man bei den liberalen Rabbinern voraussetzt, die doch zum alfergrössten Teil namralisierte nichtdeutsche Juden sind und unter denen wohl kaum ein einziger ist, der nicht wenigstens zeitweise einen! fremden Staate die vaterländische Treue schuldig war. Wir Zionisten haben es niemals versucht, unsere vaterländische Gesinnung über Gebühr zu beleuchten. Das mögen die tun, die es nötig haben. Wir halten noch nicht die für die besten Patrioten, die am lautesten Htirrah schreien. III. Der Rabbinerprotest Freilich mussten wir uns gegen die Verdächtigung wenden, die in dem längst verschollenen, jetzt-freilich von Dr. Vogelstein aufgev. ärmten Rabbinerprotest ausgesprachen wurde, dass unser Zionismus ein Verrat an unserer Vaterlandsliebe wäre. Es standen ja nicht nur ausländische Namen darunter und deshalb mussten wir antworten. ‘Antworten auch uni unserer Gesinmmgsgenoss'en willen, die als Soldaten und Beamte ihrem König die Treue geschworen. Gleichwohl haben w ir noch niemals nötig gehabt, einem Nicl!t:udcn gegenüber testzustellen, dass eine Generation, die die viertausendjährige Treue 7.1t halten gewillt ist, ganz anders die 'Freue waltreu wird, die erst ein Jahrhundert alt ist, als eine Generation, die deshalb ihrem Patriotismus auf Kanzeln und in Zeitungen Ausdruck verleiht, weil die Rechte der Juden noch immer fragliche sind. Ein Patriotismus mit einem Zweck, der nicht der Patriotismus und der Staat selbst ist, ist kein Patriotismus, oder wenigstens nicht der Patriotismus der Zionisten. Wir shtd unserin Vaterlande treu, weil wir gar nicht anders können. Und w ir haben kein Bedürfnis, unsere Firne zu unserem König zu einem Diskussionsgegenstaiide Iicrabwtirdigeii zu lassen. Der Rabbinerprotest war in seiner Entstehung eine Dummheit und eine Ungchörigkei‘ Dass Herr Dr. Vogelstein ihn wiederholt, nachdem er von der Mehrzahl der Rabbiner hingst als das erkannt Ist, als was w ir ihn bczeichnen, ist eine politische Ungeschicklichkeit. Aber w ,r verlangen von ciucni Rabbiner nur, dass er seines Amte* zu walten weiss und keineswegs politisches Verständnis oder polnisches Geschick. Der Rabbinerprotc.st enthielt freilich nicht nur eine politische, er enthielt auch eine religiöse Seite. Der Zionismus sollte durchaus mit unserer Religion in Widerspruch stehen. Der Talmud freilich, und allen Talmudistcn voran Rabbi Akiba und Rabbi Mci'r, waren anderer Meinung. Das talmudische Gesetz ist beinahe nichts weiter als ein in allen seinen Teilen bis ins allerfeinste ausgcspomicner indischer Nationalismus ur.d Zionismus. Aber die liberalen Rabbiner haben ja hingst erklärt, dass der Talmud weder in seinem erzählenden noch in seinem gesetzlichen Teüe für sie verbindlich sei. Wie.sollte das auch ein Gesetz, das es jedem Juden zur Pflicht macht, Grundbesitzer in Palästina zu sein, das alle Mittel anwendet, um die Juden zu zwingen, in Palästina zu leben? Die Propheten wurden also herbcigeholt, um dem Zionismus den Garaus zu machen. Aber wohlv eislich ist niemals ein einziger Prophet mit seinem Wortlaut gegen uns zitiert, w eil nämlich alle Propheten ohne Ausnahme die glühendsten jüdisch c n Nationalisten waren und w eil es in keiner einzigen Nation Patrioten gibt, die ihren Patriotismus mit dem jüdischen der Propheten vergleichen können. Die eanze Bibel und zumal die Propheten sind krystallisicrler jüdischer Nationalismus. Es ist eine einzige Kette palästinischer Vaterlandsliebe von dem Augenblick, wo die hebräische Urgeschichte beginnt mit den! Worte ״Gehe hin in das Land, das ich dir zeigen werde“ bis zu dem grossen Jcschajah und den! milden Jirmijalm, der am* den Trümmern Jerusalems einem Zionismus Ausdruck verleiht, der vielleicht nicht 'liberal aber sicher die grossartigstc nationale Poesie war, die icmals in der Welt gedichtet worden. Und diese selbe Kette setzt sich fort in den ]Makkabäern und in den Heläenkämpfern um Jerusalem. Und wenn sich die überalcn Juden vorsichtshalber lieber ,mosaisch“ nennen, so ist gerade Moses der Begründer des jüdischen Nationalismus *und Zionismus. Moses, der keine schreck- Heilere Strafe für unser Volk kennt, als seine Vcrtreibung aus seinen! eigenen Lande und keine grössere Belohmmg zu verheissen weiss, ״als dass du lange lebest in dem Laude, das der Ewige, dein Gott, dir gegeben1* und ״das er dir zugeschworen hat, dir zu geben, so lange der Himmel über der Erde steht.“ Aber welcher liberale Rabbiner glaubt denn ncch an Moses? Das war ein Sonnengott oder sonst ein Mythus; bis er freilich einmal iiischriitlicli bezeugt sein wird. Aber wenn die libcra'en Rablmer an keinen Moses glauben, wenn sie im Widerspruch zu aller bis ס• rischen Eorsclumgsmctliode den antiiüdischcu Brei autessen, den Graff angeriihrt und Wellhausen gekocht hat, so erkennen sie doch im Deuteronomium den prophetischen Geist und insbesondere in jener Schri't. die bei ihnen für den ältesten Teil dieses Gesetzbuches gilt: Dort aber (Deut. Kap, 29 ff.) werden dem Moses, der nach ihnen ein Mythus ist und nach dem sie sich

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