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Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 592 J 3J) IS CHE RUNDSCHAU_ ״No. 40 \ \ des jüdischen Liberalismus sind •־, die Börscnlcuie lind Inhaber von Warenhäusern den Glauben an den Einige!־ ni״m <1011 mit ihm teilen. Weitaus die meisten unter liberalein Einfluss erzogenen luden sind entweder Phantheisten oder Atheisten. Das liberale Judentum hat sieb nicht aus ihnen sondern ans den Nachzüglern von der Orthodoxie her weiter forlgepflanzt. Aber Dr. Vogel* itein glaubt trotzdem allen Tatsachen zuwider, ״dass cs im Liane der Vorsehung lag‘*. ״־■ wir sind über diese Plane weniger u.tterrichtet dttreh die Zerstreuung Israels in alle Länder die sieghafte Macht des Goitcsgedankeits zu offenbaren־־ und erachtet ,.diesen Plan ru h teilweise schon inr verwirkliebt." Ich miss ge>tJtc.t. dass ich ausrufen möchte״ ־Herr, Ih r Glaube ist gross!־* Denn zu glauben, dass der Judenstamm i.1 der Zerstreituug für die Ausbrebimg des Gmtcsglaubctts gewirkt habe, widerspricht allen historischen Tatsachen, auch wenn es ein liberales Dogma ist. Denn wer die Geschichte der Ketzereien, überhaupt die Kirclictgeschichte, wer auch mar die Geschichte der neuesten ..ethischen Kultur" keimt, der weiss, dass längst die christliche Welt den; (ilanben an den einen einzigen (101t in mosaischer Auffassung une tdlich viel nälter stunde, wenn das nicht ״juda-sieren" wäre, oder wie sich der grosse• Reformator von Wittenberg ausdrückte, wenn man damit nicht zuviel ״judenzte.־‘ Es gibt nur ein einziges grosses Hindernis iiir die Ausbreitung des reinen Gottescedankens in christlichen Länder׳.! und das ist die Zer- Streuung der Juden und ehe dadurch beding c Veiaclttung. die auf de!! Trägern des Oottesgedankcns ruht, womit nicht behauptet werden soll, da>s nun ein jeder schon dieser Träger ist. Die ״sieghafte■ Macht des GottcsgcdankVns*־ die von dem i.1 Palästina geeinten Judenvclkc ausging, erfährt eine merkwürdige Beleiichtaug durch die Blutströme und die entsetzlichen Greueltaten in den weiten Gebieten des Ostens, von denen die l.eser der deutschen Tageszeitungen hei weitem nur das allergeringste erfahren. Denn die Vertreter eines angeblich liberalen Judentums in der Presse bähen ein Interesse daran, dass die Juden nicht zu viel der Tatsachcn erfahren, die ihr Volk angelten, damit sie nicht in den Ruf ihres liberalen Gesinnungsgenossen ansbrächen, der einige antisemitische Unannehmlichkeiten durclizuniachen hatte״ ־Es ist u:n Zionist zu werden!“ Aber die Greuel von Bialystok und Siedlce und die bereits in liberalen Kreisen vergessenen Oktoberpogrome und Kischinew und Hornel sind doch 1׳.׳.r erst der Anfang des Unglücks, das über den Häuptern unserer Driider sich ergiesst, die damit keinen, aber auch keinen ein- *,igelt Menschen zum .,Einigeinzigen Gotte“ führen. Wenn ״das prophetische Ideal", ״die Ausbreitung der Gotteserkenntnis über den ganzen Erdboden, seiner Verwirklichung näher zu bri.igen. die holte Auigabc, das erhabene Ziel Israels“ ist, so gibt es nur ein Mittel, diesem hohen Ideale näher zu kommen: die Judenfrage zu lösen, die diesem Ideale seit der Zerstreuung des Judenvolkes dfe grössten Hindernisse bereitete. Die Jndeniragc, die aus der Tatsache entsteht, dass die Judcnheit als erkc!nbare Minorität in einer andern A\ajorität wohnt, ohne sich aufznlösen und ohne sich neu zu konsolidieren, «rächt cs jeder tTeisinuig.cn Partei unmögheb, sieghaft zu werden und zu bleiben. Sie stolpert über die Judenfrage. Entweder wird sie in Hinsicht der Juden ihren Zielen untreu oder sie sinkt zur Uedeutungsloslgkeit herab. Die liberalen Jude׳! freilieh sind die allerletzten, die für die ,.Ausbreitung des Gottcsgedan- Kens" irgend etwas zu tun vermögen. Erstlich liegt es irn Wesen des Liberalismus, nicht religiös zu sein, und dann ist der sogenannte jüdische Liberalismus gar kein l'rodnkt des prophetischen Ideals sondern nur das Pestiltat für die meisten Juden sogar mir eine Durchgangsstatiou der Entfernung vom Jude!.nun. das tiir das Eorlkommeu hinderlich ist. Den meisten angeblieh liberalen Juden ist das .Indentimt weder eine Reitgion noch eine Nation sende nt tu! r ein Unglück. Und Herr Dr. Vcgelstcin wende :,icht ein. dass die liberalen Rabbiner etwas Anderes predigen. Es kann nicht jeder ein Rabbiner oder Prediger «ein. Nicht de•־ Zirmsums ist in der Tat det Eemd des prophetischen Ideals, sonder!! jener Liberalismus, de•־ von luden getragen, den Nichiinden so In ige verdächtig erscheint, als er den Juden Verteil zu bringen geeignet ist. Der Liberalismus würde den Verdacht von sich weisen können, dass er nur um der Juden willen tätig ist, wenn es ein Judenland gäbe und damit die Juddtfrage von andern Eaktrrcn abhängig würde, als der Drage, welche Partei in den!-ändern zufällig die Mein־- beit in Parlamenten und Kirchenvertiemugen ha!. Dass dieses Land einer zukünftig«. 1 nationalen Heimat nur Palästina sein kann, gibt sogar Dr. Vcgelstcin zu. Wenn er aber dabei meint, «lass w ir ״pietätvoll Zions und Jerusalems" gedenke!׳• dass ״diese Pietät, die auch in unser!! Gebeten zum volltönenden Aus* drucke kommt‘*, so kennt er wiederum nicht die Tat- Sachen. Er weiss gar nicht, das die liberalen Rah- ח in er Zion und Jerusalem aus den Gebetbüchern gestrichen haben, und da.ss augenblicklich wieder ei!.• ganze zionistische Landsmannschaft mit dem herrschenden iiberalen, jüdischen Konsistorium einen schweren Kampf l:ünp!e:1 muss, damit diese pietätvollen Gebete nicht hier gestrichen werden, wo wenigstens ein Teil dieser pietätvollen-Erinnerungen noch vorhanden ist. Weniger pietätvoll war es, dass der offizielle Vertreter der liberalen Richtung in der jüdischen Gemeinde Berlins, Prot. Ludwig Geiger es wagte, die Gebete. in denen wir ״'pietätvoll Zions und Jerusalems gedenken‘־, Gotteslästern ngen zu nennen. Damals überüess Herr Dr. Vogelstcin es den Zionisten und den Orthodoxen diese Schmähung der pietätvollen Gebete zuriiekzuweisen. Ausser den jungen zionistischen Rabbinern fand kein einziger Liberaler. - auch Herr Dr. Vogehstcin nicht, — ein Wort der Erwiderung oder auch nur der Missbilligung oder des Erstaunens. Und ebenso wenig äusserten sich diese Herren, als derselbe liberale Herr Ludwig Geiger aus Ecindsciiaft gegen die Zionisten d:e ganze Stellung der deutschen Juden gefährdete. Denn als er sielt i.!1 vorigen Jahre die öffentliche Anregung gestattete, aus Gründen unserer politischen Anschauung möchte uns der preussischc Staat die Stnatsbürgerreellte entziehen, da hat nicht einmal die liberale Redaktion der MITTEILUNGEN aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus diese Zutnuitmg beleuchtet. Offenbar verstanden die liberalen Juden garnicht. dass cs ebenso begreiflich und beredttigt wäre, einem Bürger die Rechte seiner liberalen wie seiner zionistischen Gesinnung wegen zu entziehen. Dass es nicht bloss ein liberaler sondern überhaupt ein Grundsatz jeder modern-staatlichen Anschauung ist, dass di«• Bürgerrechte von der Erfüllung der Bürgerpflichten und nicht von Gesinnungen bedingt sind, war offenbar Herrn Prof. Geiger fremd und den liberalen Rabbinern im Augenblick nicht gegenwärtig: Denn kein einziger von ihnen allen erwiderte dem Prof. Geiger bei diesem Attentat auf die ganze gesetzliche Stellung der deutschen Gesanitiudenhcit. Es ist nur konsequent von Prof. Geiger, dass er cs immer wieder durchsetzt, dass kein Zionist in der Ber-!ויו«-r Jüdischen Gemeinde angcstelit wird, soweit sein 1

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