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Jüdische Rundschau · 1906-10-04 · Heft 40 (4.10.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 40 (4.10.1906)
Date
1906-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I מ 1 ג) V. VJ Abonnementspreis «inschliesslich LITERATURüLATT vlerteljkhrlltb: t. durch die Eipedition: «) In Berlin —,90 Mark. b) nach auswftitt I,— Mark, c) lür das Ausland 1,50 Mark. 2. Im Poitabonr.ement: 1,35 Mark. Insertionspreis die vlergespahene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung# Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Expedition und Adresse för Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdische Rundschau, E. Q. m. b. H. Berlin N. 54, Auguststr. 49a. Geschaftistundcn der Expedition täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10-1, nachmittags 3-7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 40 Berlin, 15. Tischri 5667 4. Oktober 1906 XI. Jahrgang Ruhig und Sachlich Ein Wort an Dr. Vogelstein. II. Das prophetische Ideal Man müsste blind sein, w enn man sich der Tatsadie vcrscbliessen wollte, dass der Zionismus in demselben Masse am Judentum aiiibaut, 'wie der vermeintliehe Liberalismus einreisst. Es ist daher kein besonderes Zugeständnis, wenn Yogclstein anerkennt, dass der Zionismus in manchen indifferenten Kreisen belebend und anregend gewirkt und ihnen Interesse an jiidisehen Angelegenheiten eingeilösst habe. Dies muss ja umsomehr anerkannt werde•.!, als er gerade die Kreise mit akademischer Bildung dein Judentum wieder zutiilirt, die durch die Schuld liberalisierender Rabbiner zumeist bisher am allerweitesten dem angestammten Jiidcntumc den Rücken gekehrt haben. Es ist kein blosser Zufall, dass so viele getaufte Juden, besonders in Russland und England, aber auch in Deutschland durch den Zionismus den Weg zum eigenen Volke zuriiekge-!linden haben, die oft in hohen Stellungen leben. Es genüge auf den bekannten Zionisten Albert Goldsmid hinzuweisen, der als Offizier der aktiven englischen Armee sich gedrungen fühlte, den Verrat am Judentume wieder gilt zu machen, den seine liberalen Eltern verschuldet hatten. Sein zu frühzeitiger Tod bedeutet einen sehr schweren Schlag für die nationaljiidische Sache. Dass aber Dr. Vogelstein dieses durch die zionistische Idee mul die Zionisten geweckte Interesse am Judentume, das kein Opfer des eigenen Lebens scheut, .verächtlich ein ״Linsengericht“ nchnt, beweist die grundverschiedcue Bewertung, die er und die wir für das Interesse am Judentume haben. Dr. Vogelstein, der uns der Verfälschung der jiidisehen Idee beschuldigt, ruft in diesem Zusammenhänge die jüdische Orthodoxie als Bundesgenossen an, die Orthodoxic, die in denselben Blättern aufs grimmigste bekämpft wird. Wir müssen es der ״Orthodoxie“, deren berufene Vertreter sicher nicht schweigen werden, iiberlassen, sieh mit Herrn Vogelstein auseinaiiderzusetzen. Wenn er aber behauptet, dass wir ״Zionisten den Versuch machen, seine (des Liberalismus) Ideale zu entstellen und zu zerstören, und an ihrerstatt Ausgeburten phantastischer und romantischer Verschwommenheit treten zu lassen, welche die Köpfe der Jugend verwirren“, so wollen wir hierin keinen Verstoss gegen die ruhige Sachlichkeit erblicken, obwohl wir uns solche oder ähnliche Ausdrücke nicht erlauben dürften, ohne 1ms andererseits die Beschuldigung hören zu müssen, dass wir uns ge-!lässige Beschimpfungen zu schulden kommen Hessen. Wir wissen sehr gut. dass Dr. Vogelstein dies ohne das Bewusstsein der Gehässigkeit nfedergeschrieben bat. Aber welche Ideale des liberalen Judentums luitien wir denn entstellt oder zerstört? Dass es viele freidenkende Juden unter uns gibt, die aber keinen besonderen Beweis von Liberalismus gerade in der Nichtbeobachtung der Speisegesetze oder anderer aus der Bequemlichkeit erwachsenen idealen Portschritte erblicken, ist ja sehr bedauerlich. Aber nur die Sonntags- Reformgemeinde war mutig genug, die ihr unbequemen Satzungen auch öffentlich über Bord zu werfen. Dass wir gegen die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag, wie sie der .,liberale Wahl verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu!Berlin'‘ uns zugedacht hatte, protestieren und bei dem gesunden konservativen und jüdischen Sinn der Gemeinde mit unserin Protest ein solches Echo fanden, dass die Liberalen nichts mehr bedauern, als dass sie diesen Plan zu vorzeitig haben laut werden lassen, das war gewiss keine Ausgeburt phantastischer und romantischer Verschwomnicnhcit, sondern die einfache Folge der nüchternen Becbachtung, dass bisher noch alle, die das Judentum auf diese Weise reformieren und retten wollten, entweder persönlich oder in ihren Kindern im Christentum eil• deten. Wir glauben, dass das Judentum seine Rolle noch nicht so weit ausgcspielt hat, um einem allgemeinen Liberalismus den Platz zu räumen. Und der Liberalismns bat bisher stets ein Ende gehabt, wenn der liberale Jude seinen Liberalismus im iieiicrworbenen Christenmm zu beweisen Gelegenheit gehabt hätte. Dr. Vogelstein ist mit seinen Gesinnungsgenossen der Meinung, dass ein eigenes Land zur Erlangung und Bewahrung des reinen Monotheismus notwendig war. ״Doch nach Erreichung dieses Zieles, das heisst nachdun der Glaube an den Einig-Einzigen Gemeingut der Gesamtheit geworden und jedem Israeliten in Fleisch ur.d Blut übergegaugen war. bedurfte es eines äusseren Mittelpunktes für das Judentum nicht mehr.“ Demnach ist das Judenvolk heute gläubiger als in der Zeit, wo es in: eigenen Lande eine Bibel schuf? Credat J.udaetis Apella! Es hat zu keiner Zeit mehr ungläubige und jedem Gottesgedanken fern stehende Juden gegeben als in der Zeit und seit der Zeit des herrschenden Lil;eralismus im Judentume. Oder meint Herr Dr. Vogelstein wirklich, dass alle die Acrzte und Professoren — die heute freilich beileibe nicht mehr alle die Vertreter /

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