Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1 s *.ח... JUEDISCHE RUNDSCHAU•*־**׳.״־ 9 Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Herr Dr. DannenberK-Metz ist bereit, Vortröge in Elsass-Lothringen, Baden, Hessen und der Pheinprovinz zu übernehmen. Wir bitten die Ort$- gruppen, sich wegen der Vermittlung der Vorträge an uns zu wenden. Zur Theorie und Praxis der zionist. Agitation in Deutschland Von D r. H. O. H e y m a 11 n. Die Schwierigkeiten zionistischer Propaganda in Deutschfand sind uns allen |a wohl bekannt. Die Schichten sind restlos assimiliert und die mittleren und unteren streben ihrem Beispiel bestens nach. Die allgemeinen Kenntnisse über die jüdische Gegenwart, Palästina, die Auswandcrungsfragen sind trotz unserer Aufklärungsarbeit Immer noch erstaunlich geringe und das Selbstvertrauen, der Glaube an die Kraft und Lebensfähigkeit jüdischer Art ist erloschen. Unter diesen Umständen sind unsere Erfolge immer noch anerkennenswert genug, speziell unter den studierenden Jugend. Der nationaljüdische Student ist heute in Deutschland schon beinahe typisch, und fast täglich wachsen uns junge Schösslinge zu, von Stämmen, die wir von allein lebendigen Judentum schon längst verdorrt glaubten. Vor allem müssen wir die niehtzionistischcn Kreise darüber aufklären, dass der Zionismus kein weltfernes Endziel, sondern eine schon in vollem Strome ilicssende Bewegung ist. Wer weiss denn ausserhalb unserer Kreise, dass heute schon in Ercz Israel fast hunderttausend Juden wohnen, dass die Juden dort unten eine wirtschaftliche Macht sind, dass die Einwanderung der Juden tagtäglich wächst, ungehindert durch das faktisch unwirksame Ei.nvanderuiigsvcrbot, dass neben den Landkolonien, Handel und Gew erbe aufzublühen beginnen, unterstützt durch drei zionistische Bankstcllen, dass cs heute schon ht Palästina praktische Arbcitsmögliehkeiten in Hülle und fülle gibt! Wie langsam dringt selbst unter der. Zionisten die Erkenntnis durch, dass der ״nähere Orient das natürliche Imrni- I grationsland der russischen und rumänischen Flüchtlinge ist,! dass Palästina das Land der jüdischen Zukunft ist, nicht nur aus religiösen, historischen, idealen Beweggründen, nein, auch heraus aus Motiven kühlster, praktischer Realpolitik. Die grossen philantrop!sehen Gesellschaften sehen dies nach und nach ein. für sie ist Palästina längst nicht mehr das tote SchrcckbÜd der Vergangenheit. Genau so wie die Massencinwanderung der Juden nach Palästina die letzten Reste des Territorialismus beseitigt und uns zu praktischer Palästinaarbeit geradezu zwingt, so muss cs auch durch Vorführung der nackten Tatsachen über die palästinensische Gegenwart gelingen, selbst in den Reihen der Assimilanten Verständnis, Interesse und Teilnahme für den Zionismus zu erwecken. Ich halte es gerade für diesen Herbst für den besten Beginn der Agitationsarbeit in allen Ortsgruppen, die dazu finanziell irgend imstande sind, an alle Mitglieder der indischen Gemcindc eine kurzgefasste Flugschrift zu versenden, die darlegt, was heute schon in Palästina praktisch creicht ist, mit geringen Mitteln alsbald zu erreichen ist, und wie die Öesiede- Jung Palästinas mit Juden heute schon ihren kleinen Teil beiträgt zur Lösung der Judenfrage in Russland. Verbunden mit einer Aufforderung, sich unserer Bewegung auf Grundlage des Baseler Programms anzuscliliesscuvund für unser? Zwecke Geld zu spenden, würde eine solche Flugschrift selbst in den feindlichstcn Gemeinden Wunder wirken. Denn darüber diirf:n wir uns nicht täuschen, die mündliehe und Versammlungsagitation berührt gerade die Kreise, deren Gewinnung für ur.s am wichtigsten ist, überhaupt nicht. In Volksversammlungen, \0״ man schreit, von denen man erst spät nachts ins Bett kommt, gehen junge Leute, Intellektuelle *md Proletarier, d. h. Menschen, denen ihre Bequemlichkeit nicht über alles geht, die nicht schon das geringste Hervortreten in die Ocfientlichkcit scheuen, d!e Freude am Rcd:n haben und eine gewisse Beweglichkeit besitzen. Die Gewirim und Balbatim, die sesshaften Leute von Vermögen und Einfluss und Stellung bleiben hübsch zu Hause und verachten die Skandalmachcr und Vcrsanmilungslaufer. Sind das doch dieselben grösseren und kleineren Bourgeois, welche die Kerntruppe der liberalen Parteien aller Länder bilden, die allem Volksversammlungswesen wie Feuer auswciclien und deren politische Indolenz und Schwerfälligkeit überall das eine zum Verfall des Liberalismus getan hat. An diese jüdische Bourgeois^ — und mclit nur an die ganz grosse, bei der es doch manchmal heisst ״Richessc oblige“, sondern auch an die mittlere und kleine, die gerade aus falsch verstandener äusserer Rcspektabilität den Vcrsammlungstrubel meidet — kommen wir nur durch unausgesetzte Ueberscndung von Aufklärungsschriften heran, die ihrem praktischen Verstände die praktische Bedeutung des Zionismus p r a k t is c h v e r s t ü n dlieh machen. Sie sollen gar nicht in Massenmeetings dem Redner ..begeistert zujubeln“: zahlen sie pünktlich ihre Beiträge, so hat die Organisation Geld, beziehen sie als Ortsgruppcnmi(glied״r regelmässig unsere Presse, so werden sie und ihre Familie langsam mit unserer Gedankenwelt vertraut und zu Nationaljudc.t erzogen. Die Berliner Zentrale muss durch billigste Ueberlassung des Agitationsmatcrials und durch gelegentliche Darlehen die klcmcrcn. wenig potenten Ortsgruppen unterstützen; auch können sieh gerade hier die Oruppenverbände bewähren. Prinzipiell ist aber der Standnunkt fcstzuhalten, dass jede Unterorganisation sich selbst zu finanzjcrcu hat — vorüb-rcehcndc grössere Ausgaben und Etats- Überschreitungen durch Versand von Aufklärungsmaterial werden bald durch verdoppelte Einnahmen mehr als ausgeglichen, und ke!p vernünftiger Kaufmann snart an Roktamesnpsen. Dann wird die Zahl der?chekelzahler und Ort«grunnen-Mitglieder wachsen, und wir werden auch filY nriv.alschaftb'che Tätigkeit in Palästina leichter Kapitalien auftrvibcii als heute. Die Ortsgninncn aber auf einen blossen Vorstand zu redozieren, wie Josef Löwy will, halte ich für grundverkehrt. Sein Schlagwort. d:c Vcreinshcwcgtmg müsse zur Volksbewegune werden, ist schief und falsch. Stützt sich doch gerade die grosse sozialdemokratische Bewegung in Deutschland auf die M:*g|ieder der \Vahlv״rcinc. deren Zahl die 400 000 bald filierschritten haben wird, bezeichnet sie doch die organisierten Parteigenossen als die einzig verlässlichen und beklagt der! geringen Besuch mancher Vcreinsveranstaltung. Tont comme cb»•* nous, - - Vielleicht •st cs In öffentFchen Versammlungen praktisch, ausser der Verteilung der Bcitrfttsformularc zur Ortsgruppe noch den Unorganisierten in den Pausen persönlich die Pistole auf die Brust zu setzen und sie zur Sdiekcfzahlung zu pressen - - und bat einer einmal Schekel gezahlt, so fühlt er s'cli in vielen Fällen durch den Fetischismus des Papierfetzens gebunden und beginnt an der Bewegung auch wirklich Anteil zu nehmen. Doch müssen wir naturgemass stets darnach streben, dass alle, die cs irgend leisten können, den Ortsgruppcnnniünialbeltrag zahlen. Die Inkassospesen sind noch zu erschwingen, die Portispesen tragen wenigstens dazu bei, den Absender an die Bewegung zu erinnern. d?n Landes-