Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 588 JÜDISCHE RUNDSCHAU . No. 39 beitrag brauchen wir und das Zeitungsabonuement ist das J allerwichtigstc. Erstens hängt am Zwangsabbonuement der Ortsgruppen das finanzielle Gedeihen des Parteiblatts, und dann kann nur der guter Gesinnungsgenosse sein, wird nur der dauernd das Fortschrcitcn der zionistischen Bewegung mit Interesse verfolgen, der regelmässig die Parteizeitung liest ur.d in der assimilatorischen Umgebung des Alltags, immer von neuem in seinem zionistischen Bewusstsein wachgcriittclt wird. Der grosse Apparat, den Löwy so beklagt, muss auch bei seinem Voranschlag aufrecht erhalten werden, und die Mühe des Schreibens und Vcrscndcns der Einladungen kann schlimmstcnfalls gegen geringes Entgelt auf ein Bureau abgewälzt werden. Von Parteisekretären halte ich nicht viel. Viel wichtiger ist die richtige Zusammensetzung des Ortsgruppenvorstandes. Wie der Vorstand, so die Gruppe. Ist er tüchtig, so wird er immer etwas ausfindig machen, um zionistisc.!©s Leben in der Gruppe wach zu halten und die Agitation in immer weitere Kreise zu tragen. Bisher sind gerade hier unzählige Fehler gemacht worden. Man ging zu sehr nach Aeusserliclikeitcn; die berühmten und nicht die arbeitsireudigen Ocsinnungsgcnossen wurden in die Vorstände delegiert und man scheute sich, altbewährte, aber trüge gewordene ״Führer“ dem verdienten Ruhestand zu überantworten; auch wurden vielfach mit anderen indischen Arbeiten überlastete Gesinnungsgenossen wegen ihrer Beziehungen zu anderen Vereinen gewählt, die nachher für die Ortsgruppe nichts leisten kcvmten. Ebensowenig darf die Wahl dem blinden Vcrsammlungszufall überlassen werden, sondern die massgebenden Herren der einzelnen Schattierungen müssen sich vorher über eine gemeinsame Liste <lcr Tauglichsten verständig•.!!. Besondere Sorgfalt ist auf die Wahl des Vorsitzenden zu verwenden, der ein jüngerer, energischer, aber dabei concilanter und vollständig unab• hängiger Herr sein muss. Innerhalb des Vorstandes dürfte sich eine Verteilung in Ressorts empfehlen, wie wir sic jetzt in Berlin versuchen. Int Notfall muss der Gruppenverband nach dem Rechten sehen und dea Vorstand durch persönliche Inter- *vention reorganisieren. Ein vorzügliches Propagandamittel, das vielfach noch gar nicht ausgenützt wird, ist die Agitation innerhalb anderer jüdischer Vereine. Nich etwa, dass die Gg. gewaltsam in andere Vereine (Esra, Alliance, Hilfsverein, Turnvereine, statistische Vereine, Studentenverbindungen) gepresst werdest soll; das macht die änderet* Vereine oft misstrauisch und nimmt die Zeit und den Geldbeutel der meisten Gg. zu sehr in Anspruch. Ahcr die meisten Ortsgruppen laborieren an einer Unmenge noch in den Eierschalen steckender Fiihrcrtalcnte, welche die internen Diskussionen unnötig belasten und deren Eifer sich in Vorträgen in anderen Vereinen nützlich verwerten lässt. Speziell bieten die 'in jeder grösseren Gemeinde zahlreichen Unterstützungsverexne gerne ihren Mitgliedern auch einmal geistige Anregung; jedenfalls macht sic der Vortrag mit unserer Gedankenwelt bekannt und oft sind ohne grosse Mühe ganze Gruppen von Zionisten zu werben oder Oesamt vereine zu veranlassen, der Organisation korporativ t>eizutreten. Ich hoffe, dass meine Anregungen auch anderen Gesinnungsgenossen zur Frage der Agitation und Organisation die Feder in die Hand drücken werden. Auf diesem Gebiete haben wir alle noch sehr viel von einander zu lernen, und diese prak• tischen ruhigen u 1*d sachlichen Diskussionen dürften auch zur Beruhigung der hier und dort noch etwas erregten Gemüter beitragen, während in den prinzipiellen Debatten von beiden Seiten nachgerade nur leeres Stroh gedroschen wird. Arbeiten und nicht verzweifeln! — das möge für uns in Deutschland wie in Palästina gelten! Süddeutscher Zionistentag Mit ci! er vo:1 Damen und Herren sehr stark *b suchten öffentlichen Versammlung im Kasiuosaalc nahm am Samstag abend der süddeutsche Zionistentag seinen Anfang. Nachdem der Vorsitzende der hiesigen ZionLstcn-Ortsgruppe. Herr Jul us Simon, die Versammlung begib! st hatte, sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Hantle (Beri.n) über Wesen und Bcdcütimg d.k Zionismus, wobei er etwa folgendes airsiührtc: Das Baseler Programm der Zionisten legt deutlich unser Ziel dar: vv'r wollen eine öffentlich rechtlich gesicherte Heim- Stätte in Palästina. Man hat uns Zionisten vorgeworfen, das sei unpatriotisclu gegen Jie Religio״ tmd auch eine Utopie. Im Lande Baden brauche ich wohl den Einwand des ■mangelnden Patriotismus nicht zu widerl.een. Ihr erlauchter Landesherr, der gegenwärtig so viel gefeiert wird, hat uns seine Sympathie in grossartiger Weise ausgesprochen. Auch den Vorwurf der Irreligiosität brauche ich nicht zu widerlegen, zu uns zählen viele Glaubens- und Stammcsgcposseu die der Orthodoxie ar.zchcrcn. Aber gegen den Vorwurf, dass unsere Bestrebungen ein> Utopie seien, müssen wir uns wenden; cs ist das etwas schwieriger, denn schon ein altes Sprichwort sagt: Seit der Zerstörung des Tempels Ist die (iahe der Weissagung an die Kinder und Narren gekommen. Dieser Vorwurf ist am besten zu entkrüitcu. wem! man einen Blick an! die Vergangenheit wirit. Die Vergangenheit, die Geschichte aller Kultur- Völker beweist, dass eine Regelung der Judenfrage nur crziAlt wird, wen der Jude wieder in natürliche Verhältnisse kommt, wenn d:c .Majorität der Juden sieh in einem Lande icsts.'t/.t und sich konzcntr'ert, wie dies bei anderen Kulturvölkern der Lall war. Ein hervorragendes‘ Bcisoiel hierfür bieten die Neucrieebeu. die erst w eder in die Geschichte eintreten. als ihr Stau*.11 5'ch zu cin.r icstcn Organisation zusanmienscliloss und den Ruf ihres Volkes wieder stärkten. Man «agt auch zu uns: Ihr seid gar kein Volk mir eine Religionsgemeinschaft. Ja. aber tms greift man doch weniger unserer Religion als unserer Rasse wegen an. Ein klass'sehes Bespiel haben wir an dem Teil unserer Glaubens- und 8ta!1uncsgenossen. der sich taufen liess. (Schluss folgt.) I—ן Aus den Ortsgruppen!-— Hamburg. Am 15. September hielt unsere Ortsgruppe eine gut besuchte Vcrtinsvcrsammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Kalmus machte zunächst cimge Mitteilungen über das Winterprogramm. Die Ortsgruppe werde eilen von Herrn Rahbiner Dr. Löwenthal geleiteten Kursus in der jüdischer! Geschichte abhalten. Eine Makkabäerfeier in grösserem Massstabe werde, vorbereitet. Es dürfte interessieren, dass ein christlicher Herr in angesehener Stellung eine namhafte Summe dem jüdischen Nationalfonds überwiesen habe. Sodann erstatt.te Dr. Kalmus an der Hand der Verhandlungen der Kölner Jahreskonferenz ein Referat iilwr die innerpolitische Lage des Zionismus. Die dort gefassten Beschlüsse hielten sich im Rahmen einer in der Ciegenwart notwendigen und vom politischen Standpunkt aus zu billigenden Palästina-Arbeit. Die Anträge, die man als Annäherung an den Chowcwc-Zioiiismus auffassen könnte, seien abgel hnt worden. Unser Verhältnis zur .11 •» müsse, solange diese ein philanthropisches Untcrnchmen sei. ebenso sein wie den sonstigen jüdischen Organisationeu gegenüber;'wenn sic aber als Konkurrenzunternehmen des Ziorismus auitreten. sei ihr gegenüber eine ablehnende Haltung geboten. In der Diskussion wandten sich entschieden die Herren Holl n n d e r und Dr. Victor gegen die Ansicht des Referenten über d/c Notwendigkeit einer praktischen Palästinaarbeit und gegen die Verwendung von Nationalfondsgcldero. wie sie auf der Kölner Konferenz beschlossen worden sei. Hierin liege eine Gefahr fiir den Bestand des Nationalsonds. Es sprachen noch in der Diskussion die Herren Dr. Frank Michael, A braham, Hirsch. M cycr. Königsberg. Wir haben aus Anlass des Rosehhaschow- Festes beschlossen. Herrn M. L. Samburski ins Goldene. Buch eintragen zu lassen. Der bezügliche Aufruf hat folgenden Wortlaut: Gesinnungsfreunde! Die höchste Ehrung, die wir einem unserer Volksgenossen erweisen können, ist seine Eintragung ins goldene Buch des jüdischen Volkes. Wenn jemand diese Ehre verdient hat. so ist es Herr M. L. Samburski gewesen. Was 1•׳■ von dem Augenblick an, da