Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-09-28 · Heft 39 (28.9.1906) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651486--03991-2660943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 5S6 JÜDISCHE RUNDSCHAU •No. 39 tralbchördcn und führt die. Angelfcgenheitcn seiner Organisation selbständig; er beteiligt sich an den Parteitagen der Gesamt- Partei und wird im Zentralkomitee und in den Delegationen auf den internationalen Kongressen vertreten. An die Stelle d?r früheren Föderation zwischen dn״ Lokalorganisationen des Beides und der anderen sozialdemokratischen Parteien tritt ein n^ues Prinzip: Alle Lokalorganisatipnen der Gesamtpartei an jedem Orte, die bundistischen und die anderen, errichtet, ein gemeinsames führendes Parteikomitee, ,das mit einfacher Stimmenmehrheit die gemeinsamen Fragen des Orts entscheidet. (Dabei verlangten die Delegierten des Bundes eine proportionelle Vertretung der verschiedcnen Organisationen im Komitee, wogegen der Einigungs- Parteitag der russischen sozialdemokratischen Partei allgemeine . Wahlen ohne Unterschied der Nationalität für das Komitee bcschloss.) Der Bund nimmt das Programm der. russischen sozialdemokratische{! Partei an; die Frage des nationalen Programms wird aber offen gelassen! Die russische sozialdemokratische Partei erklärte, dass sie auf ihrem früheren Standpunkte in der Nationaltragc verharrt. Jjine rhalb der vereinigten Partei wird dec Bund die Idee der nationalen Organisation und der national-kulturcllan Autonom! <? propagieren, die Russen aber die Idee der proletarischen Einheitlichkeit!“ Aus diesen Notizen des VORWAERTS gellt nicht mit genügcndej Deutlichkeit hervor dass das i n t e r nationale l;lement in der russischen Sozialdemokratie durch Juden vertreten wird, die auch dieser Vereinigung aus assimilatorischen Gründen so lauge Widerstand entgegensetzten, als bis sie sich überzeugt hatten, dass der ,.Bund" mit seinem angeblichen Nationalismus nur Spiegelfechterei treibe und stets getrieben habe, um die jüdischen Arbeiter, die unentwegt an! Judenturne festhaiten, in ihr assimilatorisches Fahrwasser herüberzuziehen. Denn in Russland sind alle Sozialdemokraten innerhj\lb ihrer Nation national, die .Letten, Polen und die Hand voll Russen. Nur die Juden, die sich damit, aus ihrem Volke heraustäuschen zu können glqyben. sind International. De.r Bund, der bereits durch die Revolution und durch die zionistische Bewegung einfaktisches Ende gefunden hatte, hat mit dieser Vereinigung sein Ende auch selbst cingcstandcn. Kleine Mitteilungen Die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde erstattet ihren sechsundsiebzigsten Jahresbericht für die Zeit ypm L April 1905 bis 31. März 1906. Die Anstalten haben sich gedeihlich fortentwickelt. Die Einkünfte aus Büchsengeldern haben im abgelaufenen Jahre wieder einen Rückgang erfahren. So bedeutend sich auch die Einnahmen gestellt haben, so wäre es doch unmöglich gewesen, ohne die seitens de! Gemeindebehörden gewährte besondere Beihilfe von 5000 Mark die Ausgaben zu decken. Sehr erheblich fiel für die Ver• waltung die Steigerung der Lebensmittel ins Gewicht; gegen den Voranschlag betrug die Mehrausgabe für die Beköstigung rund 5000 Mark. — Zur Erhaltung der Gebäude waren bedeutende Aufwendungen notwendig, sie erforderten eine Ausgabe von 16000 Mark gegen 7500 Mark im Jahre vorher. Auch die sonstigen Positionen erforderte!! fast ausnahmslos höhere Beträge. Die Gesamtausgaben beliefen sich au! 155 510 M. gegen 138 505 M. im Jahre 190*1. — Die Gesamtzahl der Hospitaliter! in den drei Anstalten betrug im Jahresdurchschnitt 2*12. Der Gesundheitszu.stand war ein normaler. Mit dem Erweiterungsbau der dritten Anstalt in der Exerzierstrasse ist im Frühjahr begon- 1!ej w.orden. Bei Abfassung dieses Berichts ist der Rohbau bereits fertig und es zeigt sich, dass die Anstalt in den Bcsitz eines prächtigen Hauses gelangt ist. Im Neubau werden etwa 80 Personen Unterkunft finden können. Die Summe, die zur Erhaltung einer.jso gr.psseu Anzahl von Personen notwendig ist, ist sehr bedeutend. Die lüdische Arbeltcrkolonle in Weissensce erfreut sich einer glücklichen Entwicklung. Zur Zeit beherbergt sie 86 Kolonisten, die in vier verschiedenen Betrieben beschäftigt werden. In der Zeit vom I. Januar bjs 15. September wurden 375 Kolonisten neu aufgcnomnien, davon ist cs 205 gelungen, sich durch eigenes Bemühe!! freie Beschäftigung zu vcrschaffen; andere sind durch die Leitun״ der Kolonie untergebracht worden, Dps Unternehmen, das seit seiner Begründung 1762 Unglücklichen zu gute gekommen ist. verdient die Unter- Stützung menschenfreundlicher Gönner. Man wolle Geldscndüngen richten an den Deutsch-Israelitischen Gctiicindebtutd, Berlin W., Steglitzcrstr. 85. Wegen Abholung von gebrauchten Kleidungsstücke!! für die ein grosses Bedürfnis vorhanden ist, möge man sich an Inspektor Behrendt, Weissensec. Wörth- Strasse 20, wenden. — Auf eine Eingabe des Rabbiners Prof. Dr. Maybaum, cs möchte den jüdischen Mannschaften im Manöver ermöglicht werden, die hohen jüdischen Festtage zu begehen, ist. soeben ein zustimmender Bescheid ergangen. Hamburg, 13. September. Die ajte Synagoge der Hamburger Israelitenpjmicinde, dje gleichzeitig mit der grossen Michaeliskirche von dem berühmten Baumeister Sonnin cfbaut wurde, ist Mittwoch zum letzten Male für gottesdienstliche Handlungen verwendet worden. Das seit dem Jahre 1709, also nahezu 200 Jahre bestehende Gebäude wird niedcrgelegt und solle;! sich dort stattliche Wohnhäuser erheben. Als Ersatz Iiat die .Gemeinde vor dem Danimtoj־ einen prächtigen Tempel in rotjianischem Stil erbauen lassen. Derselbe hat ca. HÜ0 Sitzplätze, Wie man Pogrome Inszeniert. Wassllkow, Gouvernement Kiew, 20. September. Kürzlich war auf der Station Fastow ein Mann verhaftet worden bei den! fünf Bomben vorgefilnden wurden. Da die Zeitung K1JEWLJANI1V behauptete, der Mann sei ein Jude, war ein neuer Pogrom zu befürchten. Jetzt Ist festgestcllt worden, dass der Verhaftete ein russischer Bauer aus jener Gegend ist. Amtlicher Bericht über Siedfee. Slcdlcc. 20. September. Wie;untiieb fcstgesteüt worden ist. sind von 206 Läden in den Hnuptstrassen, Warsehawskaja, Penkmaja und Alicestrasse während der Unruhen *11 demolieit und 5 verbrannt worden. Von den in den Nebenstrassen bcfind liehen Buden wurden 6 demolier!. Der Gencraigouvcrncur hat einen Befehl erlassen, nach den! die Einwohner in einer Entfernung von 10 Schritt au den Wachtposten vorübergehen und auf die Aulforderung des Postens oder eine! Patrouille ihre Pässe vorzeigen müssen. Im'oUic der cingctrctcncu Ruhe ist der Handel bis 10 Uhr abends gestattet. Vorbereitungen z!!m Pogrom in Odessa. Odessa, 19, September. Hiej findet eine sehr rührige Agitation zur Erregung eines ncueji Pogroms statt. Die Bevöikcrimgjst höchst beunruhigt. In den revolutionären Kreisen bezweifelt man die Zuverlässigkeit des Militärs. Der Prozess wegen der Judcnmetzefel in Kertseh hat be* gönnen. Der Veranstalter der Metzelei, General Tmbnykow, ist gestorben. Als Angeklagte figurieren der Stadthauptmami, der Poh'zcinKvster und ein Polizeikommissar. Dje Zahl der Angeklagten beträgt 37. Zittau. Am Sonntag wurde die neue, von der i s r a c - 1 i t i s c h e n Religionsgcmeindc im Bezirke der Amtshaupt־ niannschaftcn Zittau und Löbaii errichtete Synagoge feierlich eingeweiht. >< > Vי XS'vJ״. 'Ci 'Ci ff ff f f f f ff* ff IM 2C )C 3 C X X )CK X)( JC ל An, A—s V?vvi 1.77 j •זף kM ך׳*? 111r.il iJ jJ. kbkj tC w 4 Berlin W. Steglitzerstr. 60• ו־׳\ ,y J ¥\ fsj tu* K> K> IC* K> K> 3? SS :•;ST; Der Versand meiner bekannt vorzüglichen ׳י*י%׳י״י״*־- Oderbpuch-Fettfianse h Pfd« 75 Pf. hat begonnen, und sind solche ca. 8 10 ־ Pfd. schwer täglich frisch zu haben. Gänso.Rümpto von 4י- Marie an. Kenten Stück 6.־» und TO Pf., I. I.leseu Iglo 51״ In lUuirottsapf, t.iiiisoUlcIu Stück HO *,f. und 1,10 5t.,!.eher Pfd. J.GO 51., sowie meine liekiuint rontleltche 11 (•iittsfgrlevcti. la Gänseschmalz garantiert rein, Pld. 1,20 Mark sowie alle Wurstwaren in bekannt sjuter Qualität. la Schlack und Siilnml Pfd 1,00, I« .Schlesische, In Polnische ft Pfd. Pfd. 1 51« In l.cbcrtf urst Pfd, 1,30 51., In ltnitinfwurst SO Pf, und 1 51., Würstchen Dutzend 1,20 und 2,40 51. Max Schönwald, Berlin S. 43, Luckauerstr. 16 a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.