Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-09-28 · Heft 39 (28.9.1906) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651486--03988-2660940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 39 Seite 583 JÜDISCHE RUNDSCHAU des Jälircs zunächst 1500 Fr. zur Verfügung Gestellt. Der Hilfsverejn hat sich bei diesen Verhältnissen auch veranlasst 'Gesehen, Mittel zur Eröffnung: eines zweiten Kindergartens ln Jaffa zu gewähren, der wiederum insbesondere den Ktnjgrantenkindern zu Rute kommen wird. Auch in Jerusalem erweist cs sich ah; notwendig:, neben den zwei bereits bestehenden Kindergärten des HiHsvercins einen dritten einzurichten: Mittel hierfür sind bewilligt und die Eröffnung wird unmittelbar erfolgen. Die Tochter des verstorbenen Generalsekretärs des Hills* Vereins, Herrn Willy Bambus, die der Hilisvercin als Kindergärtnerin hat ausbilden lassen, wird an diesem Kin* dergarten wirken und zugleich 1'n den Elcmcntarklassen der Mädchenschule Unterricht erteilen. ln Anbetracht der Bedeutung, die die Hauptstadt Jerusalem auch als Bildungszentrum für das Land hat. lässt der Hilfsverein es sich angelegen sein, die bestehenden trefflichen Bil* dungsanstalten zu fördern. Für die Lämelschulc hat der Hilfsvcrcin eine Subvention von 5000 Mk. zunächst für das Jahr 1905 bewilligt. Der Hilfsvcrcin will Schülern der Lämclscliulc. wie auch entspreeilend vorgcbildeten Schülern anderer Lehranstalten — und zwar nicht mir Jerusalems, sondern ganz Palästinas — eine Ausbildung ermöglichen, die in umfass uder Weise fiir spätere höhere Berufe vorbereitet und sic auch befähigt, in Staats- Stellungen in der Türkei berufen zu werden. Es ist in der Sitzung des geseliäftsfiibrcnden Ausschusses beschlossen worden, in Jerusalem eine dreikhss'ge Mittelschule mit eingefiigten kommerziellen Kursen so schnell wie möglich zu begründen als Fortsetzung der Lämelschulc. Die unterste Klasse dieser insbesondere auch auf die höheren praktischen Berufe vorbereitenden Schule wird zugleich die Vcrmitthitigs- Masse zwischen Lämelscliule und dein Lehrerseminar bilden. Das Lehrerseminar, das aus drei Klassen und einer Präparandenkhsse für solche Schüler, die ohne entsprechende Vornereitung von auswärts kommen, bestellt, erhält damit ein Parallclinstitut zur Seite. Auf gemeinsamen Unterbau bereitet das Lehrerseminar die künftigen Erzieher und die Mittelschule die Knaben für die höheren Berufe des gebildeten Mittelstandes vor. inhecri״on eine Anzahl türkischer Staatsstellungen. Da die Lehrer, die am Seminar ausgebildct worden sind, zum erheblichen Teil in die jüdischen Kolonien gehen werden, so sollen auch ferner In kürzester Zeit theoretische und praktische landwirtschaftliche Kurse in ausgedehnterem Masse •am Seminar cingcfiihrf werden. Diese landwirtschaftlichen Kenntnissc werden namentlich, was die Ackcrhatikolonicn in Palästiua anbetrifft, für die I.ehrQr ausserordentlich wichtig sein. Die Lehrer finden alsdann zugleich als praktisch vorgebildete Leute einen ganz anderen Rückhalt bei der Bevölkerung. Sic können ihren Schülern wie auch der erwachsenen Bevölkerung wertvolle Kenntnisse vermitteln und cvcntl. mit gutem Erfolge selbst landwirtschaftlich tätig sein. Es wird aber auch für den Gesundheitszustand der funeen Leute wertvoll sein, dass sie bei ihrer erheblichen geistigen Ansnannimg ein Gegengewicht in der Beschäftigung in freier Natur finden. In einer Kolonie wird derjenige Lehrer seine Aufgabe am besten erfüllen können, der selbst Kolonist ist. Von diesem Gesichtsmipkt ausgehend will der Hilfsverein diese landwirtschaftlichen Kurse entrichten. Als Lehrfächer der Mittelschule mit kommerziellen Kursen sind in Aussicht genommen: Hebräisch. Religionsunterricht. Deutsch und zwar Deutsch und Hebräisch als Unterrichtssoracho. Im (ihrigen soll der Lehrplan dem der modernen deutschen Real- und Handelsschule entsprechen. Auch der Lehrplan der Knabenschule in Jaffa wird nach Einriebtimcr der kommerziellen Kurse in Jerusalem zur gegcbe״cn Zeit eine Erweiterung erfahren, damit die Absolventen der Schjde 1:1 Jaffa n'öv'l'cbst zweckentsprechend für diese ־ kommerziellen Fortbildungskurse vorbereitet sind. Hoffentlich (,*,fingt es. die landwirtschaftlichen Kurse in Verbindung mit den! Kofanis»finnsfonds de« für Palästina so aufopfernden Rabbiner« Dr. 8af\endi 7nr Verwirklichung zii brim׳»m, F׳n ausführlicher Lehrnfau i*♦ in Bo^rbeTüTifa׳. Nachstehcod einige nähere Angaben wie d«'r ffaterrieht gedacht •«». Fs wird beabsiriitiH cil)n Farm mit Milchwirtschaft und Viehzucht in der Nähe .1ernc,'fen1s aMzul°״en. Auf dieser Farm soU ׳fen Seminaristen Gelegenheit geboten werden sich erakfisch in d#*r I^»״dwirKfliaft 011s71>hi|(ten. während «ie im <emin־>r selbst zmrieich theoretische•! Unterricht in der Land- V’lrfsehaft von einem erfahrene״ Agronomen erhalten sollen. Fe-״er wurden bev'llie»• Fi•־׳ die Zentral-Biblin- 111 e hi .Jerusalem 200יי Fr. Das Institut steh( unter der Ma« •hen'hv. diesen Namen Im Bericht des Hilfs- Vereins. (Die. Red.). Verwaltung der Bnc-Brith Loge. Die Bibliothek kommt dem Lehrerseminar entschieden in hohem Masse zu gute, sic ist aber zugleich ein hervorragender Bildjingsiaktor für die ge- ,sanite Bevölkerung. Die Bibliothek begründet und tätig gefördert von Dr. J. Chasanowitsch in Bialystok, besitzt bereits 28 000 Bände. Fiir die Talmud-Thora-Schule der Sephardim in Jerusalern, die damit umgeht, unter Wahrung ihres spezifisch religiosen Charakters den Unterricht den Erfordernissen der Zeit anzupassen hat der Hilfsverein für das bis zum 17. April 07 laufende Schuljahr 550 Fr. gewährt. Der Oalil־Loge in Safed. die ein eigenes Heim für den dortigen Kindergarten errichtet, ist gemäss den! vorliegenden Anträge $»•1 Darlehen von 1500 Fr. vorgestreckt worden. Der Bauplatz ist bereits erworben; ein Spielplatz für die Kinder stellt ebenfalls zur Verfügung. Der Or-Thora-Schulc fiir religiösen und gewerblichen Untcrriclit in Safed — einer Gründung der Misraclii-Zionistcn — wurden bis zum April 1907 •400 Fr. bewilligt. Es wird angcstrebt, das Schulwesen der Stadt z.u vereinheitlichen und alsdann allmählich auszugcstaltcn. Auf Antrag der Jcruschalaim-Logc und des Jerusalemer Franen-Vcrcins Esrath-Naschim sind für 7 russische Waisen und Emigranteukinder 200 Fr. zur Verfügung gestellt worden. Ebenso wurden 1000 Fr. fiir Stipcudicnzwcckc für Emigrantcuschulcn des Lehrerseminars resp. die Präparandie hewilligt. Dem Schaar-Zion Hospital in Jaffa das durch den Zuzug von Emigranten gleichfalls in ausscrgcwöhnücher Weise bclastet ist, ist eine Zuwendung von 500 Fr. gemacht worden. Die Schöpfungen des Hilfsvcrcins wxrden vom Direktor der Lamclschtilc, Herrn Ephraim Cohn, geleitet. נ Rundschau «־־• Angriffe auf Naumann Es ist merkwürdig’, wie wenig politisches Verständnis einen! Manne wie Friedrich Naumann entgegengebracht wird. Am merkwürdigsten ist es. dass in vermeintlich liberalen Blättern immer wieder künstlich das Misstrauen gegen ihn entfacht wird, als ob er Antisemit sei. Schon zum zweiten Male bringt die BERLINER VOLKSZEITUNG In diesem Sinne gegen Naumann einen Artikel, der nicht dazu angetan sein kann. Naumanns St.Ihme in der freisinnigen Vereinigung und damit diese selbst zu festigen. Die VOLSZE1TUNG schreibt: »N a u tu a!1 n s N e u c s t c s. Kürzlich haben wir hervorgehoben. dass man an Naumanns neuerdings hervonrehobenem Liberalismus ernstlich zweifeln müsse, wenn er es öiientlich als eine ..Ehre“ erklärt einem antisemitischen studentischen Verbände als ..alter H;rr“ anzucehören. Liberalismus und Antisemitismus vertragen sich wie Feuer und Wasser. Denn der Antisemitismus stellt sie!» als die krasseste Verneinung Jedes Gerechtigkeitsgefühls dar. Sowohl im Prinzip wie nach seinen taktischen und praktischen Forderungen. Inzw'ischeu hat Herr Naumann, trotzdem er cs als eine Ehre“ hczeiclmetc. dem Kvffbäuscrverhandc■ anzuechörcn. auf diese ..Ehre" verzichtet dem Drängen der zielbewussten Antisomiten nachgebcnd. die in dem fraglichen studentischen Verbände tonangebend sind. Und was tut Herr Naumann? Er Quittiert für die freundliehe Hiiuussetzung seines Stühlen* vor die Verbandstür in einer Polemik gegen einen Herrn Dr. Böhme mit der wundersamen Erklärung: ..Der Verein Deutscher Studenten ist keine politische Partei, ist auch kein Bestandteil des Reichsvereins 7?1r Behämpfung der Sozialdemokratie, sondern eine akademische Vencinigung von Jünclineen und Männern, die Hs in den Emst und die Tiefe der nationalen Probleme vorzudrinecn sich bcmüh tu. So wenigstens habe ich den Verein aufgefasst, und cs .scheint!״tr. dass ich Um selbst heute noch höher «'inscbätz.c. als Dr. Böhme. Man wird abwarten müssen, ob sich die Ver- '*histnitglieder eine solche narteinolitischc Verkleim'rrmg ihrer Voromszwccl-c gefallen lassen, »md Ich werde das Fmlenis rfas mich betroffen hat. weniger bedauern, wen•• es hilft die Besinnimg üher '*en Unterschied von Parteitreuen und Natüfuat- Sfinn 1«׳ dem Verein zu för׳far״." Fs tut 1111« leid um den Pfarrer a. D. Naumann, einen «5eherlieh hochbegabten Mann, das* er in seinem innersten Herzen sich pnch immer verbunden fühlt mit einer antisemitischen Organisation, die allerdings weder eine politische Partei, noch ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.