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Jüdische Rundschau · 1906-09-28 · Heft 39 (28.9.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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. י Seite 5S0 _ ._ . _.JÜDISCHE Von weinen drei Kameraden fand am Tage der Landung der: Schlosser Arbeit in einer indischen Fabrik (Stein), di. beiden landwirtschaftlichen Arbeiter sichere Anweisung auf Kolonien. . Dagegen trafen wir schon atn Mittag andere Schiffsgenossen, die uns erklärten, in dem Lande sei nichts 7.11 handeln. 1 Mikweh fsrael,; An der Piorte 7.u den Kolonien in Jehuda fiir Rischon le Zion, Wad el Chanin, Rcchoboth, Ekron, Katra, Kastlnie lugt die! Alliancc-Schule. Hier sollen auf palästinensischem Boden , Bauern er7.0gen werden. Zuerst bildete man französische In-- telligenz, die natürlich in Palästina keinen!,lat/, fand. Jetzt wächst in 4 Jahren langer Zucht eine Generation französischer,; gebildeter Bauern heran. Die Tradition, dass die andern Zög-j lingc auch ins Ausland gingen, ihre französische Erziehung. der; Mangel jeglicher nationaler Ausbildung, der Pflege der Liebe, zum Palästina-Boden und das schmeichelhafte Angebot der: All.aucc, sie nach Kanada zu schicken, lässt die meisten das* Land verlassen. Vielleicht verlieren wir au den Leuten nicht viel. Aber ideal sind diese Zustände gerade auch nicht und; traurig war cs, wie diese Junge ns in Rischon im Gespräch mit, ihresgleichen das Französisch durchzusetzen suchte,1. Auf mein Vorhalten aber belehrte mich cm Bauer, dass der Baron (Roth-, Schild) ja auch beiden Unternehmen Millionen gegeben habe und cs von ihnen verlangen könne. Risclion lc Zion. : Wir kommen täglich auf einem gross.» Landauer von־ Jaffa nach Rischou. Der Weg (etwa 12 km) führt von der Jcrusalemer Chaussee ab, und von da durch jüdisches Gebiet, das von jetzt ab mit kurzen Unterbrechungen nun meilenweit von Kolonie zu Kolonie führt. Scho» heute trennt Wad-el-Chaniit und Rcchoboth kein Fuss fremden Bodens. Bis zu den Bergen, die wdSss und wie aus Sand erscheinen, reicht die Flur. Wo wir liinsehen, weite Weinberge und nur ein breiter, sandiger Streifen zeigt, wie wenig verheissend das Land einst war. Der dient heute als Fahrstrasse. Im Nordosten Jaffas liegt Pcthach Tikwah und die deutsche Kolonie VVilhclrna, vom Weg aus sichtbar. Die deutschen Kolonien sind zwar reich und die!Bewohner beklagen sich nicht. Gleichwohl verkaufen einzelne ihre Güter und kehren in die Heimat zurück. Auch sonst soll ihre Zahl abnehmen,,da sie sich gar nicht recht gewöhnen können. Vielleicht spielt da das gute Essen und Trinken eine Rolle. Ihr Weinbau ist recht unbedeutend. — Zurück zu Rischon. F.iit schönes Dorf mit zwei stattlichen Strassen. Die Hauser sind ni.ist hübsch, fast zu vornehm. Wir sind im primitiven Hotel, fast dein einzigen, was hier primitiv ist, abgestiegen, um einige Tage zu verweilen. Die Bodenfrage. Die Lage der Kolonie ist eine kritische. Der Baron, des ständigen Zuschusses iniide, hat sich zurückgezogen und will sich nicht mehr erweichen lassen. Nun sind auch die Preise der Trauben gefallen und die im vorigen Jahre, statt •mehrerer Weinberge, angelegten Mandeln- und n^icrdings auch Orangenkulturen werden erst in Jahren tragen. Aber gleichwohl ist der Boden so grossartig, dass wir uns zuerst durch die vielen Erzählungen der Bewohner und von dem, was von hier nach auswärts verpflanzt wurde, verwirren lassen. Gewiss sind die Behörden schuld, dass die Kolonie nicht schwer reich ist; die ewigen Chikane, die ständige BachschlscUAVirtscUaft lähmen furchtbar. Wegen des Bachschischs wird der billige Boden erst teuer. Die unnachsichtiichc Regierung drückt aufs schwerste mit ihrem Zehnten in den Jahren der Missernte. Der Bau einer Brücke wird durch das Vcrsclilcppungssystem fast rnmüglich. Aber oluu dies System würde der Araber überliaupt nicht verkaufen. Man iragc einen Bewohner nach dem andern und wird diese Antwort erhalten. Er kann sich wegen des Zehnten nach einer Missernte nicht halten und muss, oft furchtbar billig־ verkaufen. Wegen־ des Backschi$ch\ das der RU N P_Sj:_HA_U________' No. 39 Pascha dabei cinstcekt. haben die Juden sch״» oft Land, gutes Land kaufen können. Bes׳»ndefs soll di.'s jetzt bei den 40000 Dunam, die in wenigen Wochen am Ostjordan besiedelt werden. der Fall sein. Also die Unordnung der Regierung, die der Araber doppelt zu fiildcn hat, sie hat auch uns einen Nutzen gebracht, der leider immer b.hn Kampf der Gc ster gerade von der Gegenpartei iibersihen wurde. Ist einmal der Bode» auerkaunt jüdisch und das ist bei den oft das Gebiet wechselnden Arabern nicht, immer leicht festzustellen — Prozessieren ist langwierig und mit grössten Kosten verbunden ־ , so bleibt er auch bei uns. In der Z.it der ganzen Kolonisation hat man nur dazugekauft und gerade in diesem Jahre fängt man wieder auf der ganzen Linie an, zum ganzen zij streben. Ueberall im Lande rüstet man zum Landkniif. An ein Wegnehmen des Landes vouscitcn der Türken, glaubt hier zu Lande kein Mensch. Wenn wir aller trotzdem diese Möglichkeit in Betracht ziehen wollten, müssten wir so und so viele politische Konstellationen der Zukunft h.denken, die uns uuscrii ganzen Zionismus mit demselben Reciit als Utopie bezeichnen würden. Der Boden ist fruchtbar und rentabel. Mau bedenke z. B., dass man hier zweimal Kartoffeln ernten kann, die dam! allerdings nur mehrere Monate sich halten. Vom Nutzen der Oliven-, Mandeln- und Oraiigenkultiircu ist jetzt auch Kenntnis nach Deutschland gedrungen. Warum aber z. B. die Kolonie Rischon noch immer nicht auf den grünen Zweig kommt, soll hier genügend angedeutet werden. Von den Bewohnern sind etwa G» Kolonisten, die es meist verschmähten, sich ausser mit Weinbau noch mit etwas anderem zu befassen. Neuerdings müssen sie 50110» auch andere Kulturen pflanzen. Das ganze Dorf umfasst etwa 7«m Seelen. Das Geld in die Kolonie bringen aber die C'J Kolonisten. Von ihnen leben. 7. B. was die Erziehung anbelniigt, für den Kindergarten 2 weibliche Kräfte aus Jerusalem, für die Schule 4 Lehrer, alle bezahlt von der Gemeinde. Dann leben hier noch ein Lehrer fiir Musik, der früher ein ganzes Orchester hatte, ein weiterer fiir LngÜscfi, drei von der.Talmud Thorah (welche Schulen in Jerusalem etc. vom ganzen Lande, aus einer Kasse bezahlt werden.) Dann finden wir einen Arzt, einen Apotheker, einen Vorbeter, alle drei mit hübschen Gehältern, fest von der Gemeinde angestcllt. Man vergleiche einmal doppelt so grosse Dörfer in Deutschland, ob diese auch alle hir sich 11 Lehrer, 1 Apotheker etc. habt!!. Die Kosten für das alles sollen nun die Kolonisten bezahlen, sie sollen die vielen Handwerker, Händler und Arbeiter beschäftigen und was Kleidimg iinhctrifft, scheinen sie auch Tuchhändlcrn und Schneidern hübsches Geld zu verdienen zu geben. Allerdings musste der Baron da daraufiegen, wo d.c Kolonisten Jahrzehnt.׳ lang nichts von der Agrikultur verstanden, teils heute noch viel zu rasch und planlos experimentieren, wo die Kolonisten selbst lieber zu Hause sitzen, ihre erwachsenen Söhne ins Ausland schickui und die Töchter französische Romanelesen lassen. Mehr denn 20 Söhne der Kolonisten ltahcn freie Berufe eingeschlagen (Aerztc, Apotheker etc.), die Zahl derjenigen, die eine gediegene kaufmännische Ausbildung erhielten, hisst sich nicht fcststclUn. Das war kaum der Gedanke, die Kolonisten zu unterstützen. Hier sollte ein bodenständiges Element heranwachsen, deren Kinder auch Liehe zum Boden haben. Aber das Französisch, Englisch etc., das alles scheint heute uns mehr geeignet, zur Erziehung eines Kaufmann-Standes, als kiinftig.tr Bauern. Und statt der billigem und soliden Arbeitskraft des Erstgeborenen stehen dem Kolonisten fremde arabische »Hier unausgebildetc jüdische Arbeiter zur Seite. Nach al! dun Gesagten muss es klar sein, dass bei der grossen Bequemlichkeit, welche die ״Herren“ der Kolonie der Arbeit gegenüber an den Tag legen, ein Defizit nur natürlich ist. Schuld allerdings an ihrer eigenen Faulheit, an dem Werden dieser Verhältnisse, haben sic selbst nicht so wohl, als besonders auch die Administration, die eben überaH Leute setzte:

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