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Jüdische Rundschau · 1906-09-28 · Heft 39 (28.9.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 39 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 579 gungen und die Haltlosigkeit seiner *vermeintlichen Beweisfiihrung zuriiekweisen,*werden wir in Icidcnschaftsloser Ruhe von der Annahme ausgehen, dass er geirrt hat und dass er nicht die Absicht hatte, die Wahrheit zu entstellen. Wir alle können irren, und wir, die wir nicht wie Vogelstein glauben ״den Plan der Vorsehung“ zu kennen, wollen gern auch dort seinen guten Willen annehmen, wo er uns durch seine Ausführungen in unseren Gefühlen als Bürger und Angehörige des deutsehen Reichs Volkes kränkt. Dass wi! dabei im weiteren genötigt sind, alle einzelnen Angabeü, die Vogelstein über d*e Zionisten, ihre Parteiungen und ihre Arbeiten macht, zu widerlegen, hat ebenfalls nicht seinen Grund in irgendwelcher ״persönlichen Gehässigkeit־‘ sondern lediglich in dem Umstande, dass Dr. VogeJstein weder de« Zionismus noch die Vorgänge im Judentum kennt. Und das ist ein Mangel an Kenntnis, aber doch nicht an gutem Willen. Und wenn es gestattet ist, einem liberalen Rabbiner von Vogeisteins Richtung gegenüber ein talmudisches Wort anzuwenden, so wollen wir gern seinen guten Willen anerkennen gemäss dem Satze: II—»U II—»/ii« הקדוש ברוך הוא בצרף Heinrich Sachse. (Schluss folgt.) B ri efe vo n e i n e r Pal äsii n a- R e i se Jalia. Land! Nein, unser Land! Aber der Augenblick war nicht derartig, dass wir wie, ich glaube, es war Wilhelm der Eroberer, ans Land spring.״ konnten, cs küssen und rufen: Wir halten cs. Leichte Barken mussten uns erst iiir teures Geld durch die in Jaffa ziemlich starke Brandung, durch die vielen, neugierigen Hände der Hafen- und Steuer-Polizei dem freien Erdboden Palästinas wiedergeben. Und auch hier waren wir froh, dass wir rasch unsern Gepäckträgern in eines der vielen jüdischen Hotels folgen konnten. So waren wir schliesslich in ganz gewöhnlicher Stimmung auf dem klassischen Erdplatz. Aber schliesslich wollten wir alle vom Schiffe, die Alten, die zu sterben gekommen waren, ausgenommen, nicht unsere Zeit in Stimmungen verbringen, sondern rascli unsere Auge״ aufmachen, um alle Verhältnisse zu erfassen. Der eine, weil er sic praktisch im Beruf zu verwenden hatte, der andere, weil cs ihm sei״ jüdisches und zionistisches IiiUtcssc befahl. Eine Stunde nach der Landung waren die ersten schon in der Anglo-Palestine-Bank. Wir sprachen alle nur von ״unserer“ Bank und glaubten wunder, was wir ihr mit dem Wechseln unserer paar Napoleons zu verdienen gäben. Alles mussten wir sehen und bewundern: die Lage hi dem modernen Viertel, in der Hauptstrass.״, inmitten der cchon ziemlich zahlreichen jüdischen Geschäfte des Platzes — die grosse, schöne Front, — das einladende Innere, -- die 16 Angestellten. Naturlieh erstreckt sich dieses naiv starke Interesse nur auf die zionistischen Ankömmlinge, die ja nur ein kleiner Teil wäre«. Die Alten und Indifferenten haben ganz andere Interessen- Sphären. Ucbcr sie war eine starke Entmutigung gekommen. Alles, was ihnen hier entgegentrat, war fremd, noch nie erschaut. , Ein ganz ander Leben erhob sich hier. Fremd war alle Art, fremd jedes Wort, kurz, zuviel fremd, wo man sich zu Hause geglaubt.!Ihr Gefühl war eine Art von Heimweh, von Gewissensbissen, die Allzuleichtsinnige, die ohne Geld und Können in unsere neue Welt gefahren waren, befielen. Ansteckend, wie alles Böse auf Erden, entmutigten sie auch die Schwachen unserer Gesinnungsgenossen. Wir waren drei Stunden in der Stadt, da hatten wir schon den alten Teil, der hauptsächlich den orientalischen Bazar birgt, durchquert^ das neu aufstrebende Quartier dir Juden, die sichtlich ihren Anteil am Handel sich erzwingen werden, nach allen Dimensionen betrachtet Es gibt jetzt deren etwa (!000, von denen gut ein Drittel m d.« allerletzten Jahren ansässig w׳urdc. In den modernen Strassen gibt es wohl kein Haus, in dem sich nicht auch ein Jude befindet. Leider gibt cs kein Geldinstitut, das durchzügig sich mit Hypotheken bcfasst. Dadurch sind nur wenige Juden Hausbesitzer, da sic selten über das ganze Geld veriügen. Unsere Bank selbst hat Bauplätze am Rande der Stadt aufgekauft, da der Grundwert im Umkreis der Stadt bedeutend wächst Die Bank muss, um auf den Geldmarkt Syriens Einfluss zu haben, sich hüten, wie die deutsche Palästma-fJank, das Geld festzulcgcn; immerhin vermittelt sic flcissig Landkäuic, speziell .auch Im Innern Palästinas. Von der neuen Filiale in Beirut, die wie ich sah, vorerst äusscrlich noch wenig repräsentiert, verspricht man sich viel. Die Konkurrenz bestehe in zwei Banken und zwei Bankiers. Beirut ist ein rascli aufstrebender Handelsplatz (120 000 Einwohner), der Hafen zu Damaskus. Die Filiale in Jerusalem rentiert, wenn sie auch nicht die Geschäfte Jaffas macht. Die Alutterstatiou hat, trotzdem die osmanische Bank dazu gekommen ist, heute das erste Platzgcschäit. Weil ich nun einmal von der Bank spreche, so möchte ich auch einige irrige Meinungen, die mail daran knüpft, richtig stellen, hi Hannover wurde von einem bekannten Zionisten behauptet, die Bank hätte noch keine hundert Aktien verkauft. Sowohl Angestellte des Instituts als auch Einheimische konnten mir versichern, dass der Verkauf der Aktien recht gut und dass sie ganz beliebt seien. Anderseits glaubt man auch bei uns in Deutschland, dass die Gründung der Bank ein recht wesentlicher Schritt zur Eroberung des Landes sei. Dem muss man aber entgegenhaiten, dass die fremden Mächte, Konsortien, Klöster über beträchtliche Summen veriügen. Bei der starken Konkurrenz bedari es auch unsererseits noch neuer Geldinstitute und der Vermehrung des Kapitals der Bank, um sowohl mit Schritt zu halten als auch vielleicht einmal einen vdrwärts zu kommen. Die jüdische Kolonial-Bank müsste auch üi dieser Hinsicht tätig sein. Das Tochter-Institut fängt ja an, selbständig zu werden und Kapital zurückzuzahlen. Pa'ästina bedarf z. B. dringendst Bodeii-Kredit-Banken. Ucberall, wo man von den Odessaer Beschlüssen einige Kunde erhielt, genaue haben wir heutigen Tags noch nicht, erhob sich allgemeine Freude. Vielleicht kann die jüdische Kolonial-Bank auf diesem Wege sowohl ihr Prestige sich wiederholen, als auch jetzt schon praktisch viel nützen. Denn dass sie uns gegebenenfalls politisch (ob nun mit den oder jenen Aktien versehen) nichts nützen wird, das wird wohl ausser einigen alten Konservativen sich noch jeder gesagt haben. Von der Bank zum Informationsbüro ist nur scheinbar ein Sprung. Es ist sicher für Palästina heute mit die leichteste und rentabelste praktische Arbeit. Wir haben unbedingt den Herren zu danken, dio das Büro ins Leben riefen und nun bereitwilligst ihrer Aufgabe nachkornmcn. Ich konnte mich überzeugen, wie gerne und freundlich Rat erteilt wurde, der auch recht nutzbringend war. Aber gleichwohl fehlt der Zug ins Grössere. Die Vertrauensleute und auch sonst eine Reihe von Juden bedienen sich des Büros. Das Büro müsste sich moderner Hilfsmittel bedienen; 7.. B. der Presse. Die Haschkafah, das eine hebräische Organ der Palästinenser, wird in allen Kreisen gelesen. Hier inseriert der deutsche Konsul sogar, wie ich mich selbst überzeugte. Viele Juden im Lande arbeiten mit Arabern, w'0 sie lieber jüdische Kräfte nehmen würden. Das kann noch anders w׳erden. (Auch eine schriftliche Aufzeichnung der Stellen wäre wohl keine ungerecht« Forderung.)

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