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Jüdische Rundschau · 1906-09-19 · Heft 38 (19.9.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 38 Seite 569 JÜDISCHE RUNDSCHAU. sie heute selten zu finden sind. Auch sein Interesse für die bedrängten Juden des europäischen Ostens hat er wiederholt, auch zionistischen Abordnungen gegenüber, bekundet, und er war der einzige unter den deutschen fürsten, der bei den P־״ giomen des letzten Winters einen Beitrag zur Linderung des Elends gab. Die lauten Sympathiekundgebungen, die in diesen Tagen auch von jüdischer Seite überall veranstaltet werden, sind daher der wahre• Ausdruck aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit. Dass die Zionisten in aufrichtiger Dankbarkeit das Fest des warmherzigen und tatkräftigen Freundes ihre! Bewegung begingen, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Der süddeutsche Zionistentag gab diesen herzlichen Gefühlen aufrichtigen Ausdruck. Eduard v. Hartmann über den Zionismus Ueber den Brief Eduards von Hartmann der auch in der JUEDISCHEN RUNDSCHAU abgedruckt und mit Grund als in seinem innersten Wesen als iudcntumsfcindlich abgclelmt wurde, schreibt der ehemals Mainzer, jetzt Frankfurter ISRAELIT: ״Je offenkundiger die Tatsache ist. dass die gesetzestreue Judcnhcit Deutschlands zu ihrem weitaus überwiegenden Teile dem Zionismus in seiner heutigen *־Form ablehnend' gegenübersteht, desto notwendiger scheint es uns. von der Kategorie Antizionisiuus. wie er in dem Hartmannschiu Schreiben zutage tritt, doch recht hörbar abzuriiekeu. Hartmann war nicht nur kein Antisemit im gewöhnlichen Sinne, wir verehren in ihm sogar einen der universellsten und verstehendsten Köpfe unter den deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts — aber der ihm c i g e 111 ii nt I i c 11 e Kultur-Autisc mit ist!! us ist doch im tiefsten Grunde die Quelle seiner Verurteilung der zionistischen Bewegung. Er sieht in der Wiederbetonung jüdischer Kultun'aktorcn einen Rücklai! m überwundene Phasen der KuUurentwickluug. und wenn wir den zionistischen Mo.׳;,;;•”gen skeptisch gegenüberstellen, weil die in Konfessionen gespaltene Judcnhcit uns längst nicht reit dünkt für ein nationales Glück auf der einzig möglichen religiösen Grundlage, erblickt jene Harttnannsche Artschaumig gerade! in den a b g c f a 11 c n c 11 Blättern, die der jüdische Stamm alltäglich zu beweinen hat. die reiten Früchte einer über das Judentum hiewegsebreitenden zukunftsicheren Kultur. Nicht minder forderten übrigens einige andere, p o - Ii tisch gefärbte Sätze des Briefes zum Proteste heraus. Doch wird diese Seile des Problems von seiten der zionistischen Presse wohl ausreichend behandelt werden. Für uns als gesetzestreue Juden kann irgendwelcher Widerstreit zwischen der uns religiös heilig’en staatsbürgerlichen Pflicht und den idealen Konsequenzen des nicht minder geheiligten jüdischen Volkstums gar nicht in Frage kommen.“ Wir unsererseits glauben die Bedeutung von Männern, wie Eduard von Hartmann und Eugen Düliring, in der Philosophie, nicht zu tangieren, wenn wir ihren feindseligen Geist gegen Judentum und Juden wahrheitsgemäss feststellen. Auch Schopenhauers Philosophie wird von uns nicht beurteilt, wenn •wir seine Judenfeindschaft kontatieren. Die Bemerkungen der FRANKFURTER ZEITUNG zu dem Brief müssen wir zurückweisen, wie wir cs getan haben, ohne dass wir uns dadurch irgend ein Urteil über Hartmanns Bedeutung als Persönlichkeit oder Philosophen anniassten. Juden raus! Wien, II. September. Bei dem Bezirks* und Armenrate Josef Chowojka sollte eine amtlich verfügte Feilbietung statt• finden. Das war Herrn Chowojka sehr unangenehm und als •nun die Kommission und eine Anzahl Käufer in seiner Wohnung erschienen, schrie er in grösster Aufregung: ״Die Juden müssen hinaus!" Und nach russischer Methode feuerte er zugleich einen Revolverschuss ab, was sofort die Flucht der Käufer zur Folge hatte. Das. Bezirksgericht Josefstadt verurteilte Chwojka zu einer Woche Arrest. Vor dem Appellsenate machte sein Verteidiger geltend, der Angeklagte habe nur mit zur Erde gewendetem Revolver einen Schreckschuss aabgegeben, und er bat für ihn um eine Geldstrafe, damit ihm die Ausübung seiner Ämter nicht unmöglich gemacht werde. Der Gerichtshof änderte die Arrcststrafe in eine Geldbusse von 60 Kr. um. Wahlkampf In Brody In Brody fand am S. d. M. eine Wältlerversatninluttg anlässlich •der bevorstehenden Rcichsratswalil an Stelle des verstorbenen Dr. Byk statt. Kandidatenreden hielten Rabbiner Rosenmann und Dr. Adolf Stand, ersterer in deutscher, letzterer in polnischer Sprache. Stand erklärte, er werde im Falle seiner Wahl dem Polenklub nicht beitreten:, er erklärte sich ferner für die Polonisierung des Brodyer deutschen Gymnasiums und sprach sich gegen die Sonderstellung Galiziens aus. Die zwei anderen Kandidaten, die das Komitee cinlud. Dr. Gold aus Zloezow und Dr. Kornfeld aus Wien, entschuldigten ihre Ab- Wesenheit. Ersterer erklärte, dem Polcnklub beizutreten, Dr. Kornfeld ist entschlossen, nicht zu kandidieren falls Abg. Kolischer kandidiert. Ernst genommen werden nur die Kandidattiren Stand und polnischcrseits des Bürgermeisters Rittei. dessen Kandidatur in diesen Tagen auftauchen wird. Gold und KtmtVld haben keir.e Aussicht bei der Wahl durchzudringen. Juden in Dänemark Das dänische statistische Amt hat ein Tabellenwerk über die Bevölkerung im 19. Jahrhundert (Befolkningsforholdene i Dänemark 1 det 19. Aarhuudrede. Kopenhagen 1905) herausgegeben, dem die WELT folgendes entnimmt: Es betrug bei der Volkszählung die Zahl der Juden im Jahre in abs. Zahlen in 7*» der Gesamtbevölkenung 1840 3839 2.99 1845 3670 2.72 1845 3941 2.80 1850 4114 2.76 1860 4214 2.64 1870 4290 2.40 1880 3946 2.00 1890 40S0 1,8S 1901 3*176 L 42 Es zeigt sich hiernach, dass die jüdische Bevölkerung Dänemarks sich in den 01 Jab.reu von IS-tO bis 1901 nicht vermehrt hat. sondern absolut und noch mehr relativ ztirfickgeeangen ist. 1810־ waren noch 2.99 V.,.. 1901 nur noch 1,*?2 7« der Gesamtbcvölkerung jüdisch, der Anteil der Juden war also um m.hr als die Hälfte gesunken. Der Grund ist neben geringer Kinderzabl hauptsächlich in den zahlreichen Mischehen zu suchen, durch welche die dänischen Juden allmählich von!der christlichen Bevölkerung aufgesogen werden. Interessant ist dass unter den dänischen Juden starker Frauenüberschuss herrscht und stets geherrscht hat. Es waren nämlich unter 1009 Personen männlichen Geschlechts im Jahre bei den Juden bei der Gesamtbvölkg. 1840 462 494 1S45 463 494 1850 495 492 1855 46S 495 1S60 482 496 1870 478 494 1S80 4S9 491 1890 473 4S8 1900 470 437 Dein Alter nach waren V« aller Einwohner gleicher Kontession bei der Volkszhlg. von unter 20 Jahren 20 bis 60 Jahren über 60 Jahren Juden Ges. Bev. Juden Ges.- Bev. Juden! Ges.- Bev. 1880 318 428 508 476! 174 96 1890 290 438 533 460 177 | 102 1901 249 436 579 465 172 99 Die Zahlen zeigen, dass die Juden erheblich weniger Personen unter 20 Jahren unter sich haben als die Christen, und bringen damit die geringe Zahl der Geburten bei den Juden zum Ausdruck. Anderseits weisen sie nach, dass ein Verhältnismassig sehr grosser Prozentsatz der Juden (17.2 % gegenüber 9,9 V? bei der Gesamtbcvölkerung) ein Alter von mehr als 60 Jahren erreicht. Antisemitisches aus Frankreich In den ,Momoiren“ des gewesenen Kriegsministers Andre, die im MATIN veröffentlicht werden, befindet sich eine sehr charakteristische Stelle über das Verhältnis der Offiziere der französischen Armee zu den Juden. Es heisst dort in der Schilderung der Zustände im französischen Onizierkorps u. a.: ״Die Juden waren von vornherein geächtet: ein Offizier, der einen jüdischen Namen trug, wurde von seinen Kameraden als Liift behandelt, weil er nicht seinen Taufschein beibrachte. In einer Militärschulc gab der Examinator einem jüdischen Piiitling eine gute Note. Der Vorsitzende Oberst änderte sie kaltblütig in das Gegenteil ab. da er keine Juden haben wolle." General Andrd ist bekantnlich bei einen Versuchen, die französische Armee zu reformieren und zu republikanisieren.

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