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Jüdische Rundschau · 1906-09-19 · Heft 38 (19.9.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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« I JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 38 Seite 562 Boden, mit eigener Gerechtsame und mit cigeher Kultur, wird zwar niclit unterdrückt aber iibertönt von dem grossen Kampfeston und untermischt mit dem gebröcheneu Tönen der Verzweiflung. Die Töne, die unserer alten Herrlichkeit gelten, als unser Volk unter eigenen Königen aut eigenem Boden sass und die Tone der Erinnerung an aÜ* das Leid, das wir im europäischen Exil ertragen haben, werden durch die Schofartönc abgelöst, die dem Kampfe gelten um das Leben unserer Brüder und das Leben unserer blutüberströmten Märtyrernation. Beim Klange des Schoiar entscheidet cs sich, wer leben und wer sterben soll, wer durch Feuer, Wasser, Schwert, wer durch Hunger und Durst, wer durch Sturm und wer durch Seuche aus dem Leben vorzeitig scheiden muss. Wehe uns, wenn wir es nicht verstünden, der Stimme des Scholar zu lauschen und zu verstehen, was uns das Horn kündet, dem unsere Väter folgten, als es galt, für Volk und Vaterland, für Judentum und Judcnhcit den Tod zu sterben. Schmach den Abtrünnigen, die sich durch den Sturm von dem uralten Stamme abschütteln lassen und damit beweisen, dass sic nicht an Gerechtigkeit glauben und also reif sind, eine Gemeinschaft zu verlassen, deren Existenz ein Postulat an die Gerechtigkeit ist. Das Blut unserer Brüder und Schwestern, die vor den Augen und unter stummer und lauter Billigung Eitropas gemordet werden, dampft empor zum Himmel. Wir glauben aus dem Tone des Schoiar zu hören, dass dieses Blut nicht vergeblich fliesst. und dass der Kampf, den man unser!! Brüdern aufzwingt, zu einem Kampfe wird um die nationale Heimat im angestammten Boden. Aber wir glauben trotz allem doch an Gerechtigkeit. Wir glauben, dass kein Mörder so hoch stellt, dass nicht doch einmal ihn die Gerechtigkeit erreicht, und wir glauben, dass kein Volk so unterdrückt ist, dass nicht doch einmal die Sonne der Freiheit ihm aufgehen muss, wenn es nur sich selbst niclit aufgibt. Der deutsche Dichter spricht von den ewigen Rechten, die den Völkern bei den Gestirnen aufbewahrt werden, und wir fernen von ihm, dass einmal die Zeit kommen muss, wo das Volk diese ewigen unveräusserlichen Rechte vom Himmel sich wieder herunter holt. Der Schofarton ist uns lieh und vertraut, dehn er ist der Ton des Gedcnkens und des Ermahnens, der Ion der Erinnerung und des Schmerzes, aber auch der Ton des Kampfes und der Hoffnung. Darum; Heil dem Volke das seiner Stimme lauscht und seinen Sinn versteht: א צרי העם ידעי הרועה st. An den Hilfsverein der deutschen Juden Heute, Sonntag, den 16. September 1906 Ist in der VOSSISCHEN ZEITUNG zu lesen: ״Zur Lage in Warschau. Der Hilfsvercin der. Deutschen Juden erhält von einer vertrauenswiirdigen Persönlichkeit in Warschau in angesehener Stellung den nachstehenden Bericht: Warschau. H. September. ״Meine teuren Freunde!“ Fs ist bekannt geworden, dass ein schreckliches Blutbad den Juden in Warschau bereitet wird. Fs stellt dies fest. Mit haben das von einigen liberal gesinnten russischen und polai־■ scheu Oiiizicrcn erfahre:;. Audi jüdische Soldaten erzählen dasselbe. Die Chefs der hiesigen Regin enter haben in den Kasernen alle Soldaten (die Juden ausgeschlossen) versammelt und hielten vor ihjicn heitige, aufrührerische Reden gegen das Judentum Im allgemeinen lind insbesondere gegen die Warschauer Juden in bekannter Art und Weise. ״Aber nabe sei der grosse Tag, den der Zar selbst festgesetzt hat, an dem die Abrechnung mit den Oottvcrhassten endlich stattiindet, um aus ihren Händen sein Volk, seinen Gicnhen und sein Land zu retten. So seid dem bereit." 0׳ י* י 90״ Rubel seie.k von allerhöchsten Stelle zur Yrtcihmg unter die in Polen dienenden Soldaten betimmt. zum Zeichen der allerhöchsten Anerkennung ihres treuen Dienstes." Kurz, es unterliegt keinem Zweifel, dass uns ein schreckliches ßhubad bevcrsicht. Wir sind hier ganz machtlos. Alle Türen sind vor uns geschlossen. Unsere einzige Hoffnung sind unsere Brüder 1md edle zivilisierte Christen im Westen. Das Schwert hängt über uitscrrn Hals, die Todesgefahr schweb; vor unseren Augen. Um Gottes willen, rettet, helfet. Lasset die Presse ihre Stimme erheben. Erwecket alle Männer der Schrift und der Tat, alle, die ein Herz besitzen. Redet zu den Grossen. Wirket ein auf jedermann, der Einfluss und Macht besitzt. Lasset nach Petersburg drahten (von hier Pogroms Wer führt zum J u den massaker die Christen? Man weiss es: Kasakcn und Polizisten! Wer gab zu ihren Löhnen das Geld? Das taten die Juden in aller Welt! Aus Paris und Wien das jüdische Gold Als Eisen und Blei in Russland rollt. Sie gaben’s Herrn Witte zu gefallen. Die Kurse steigen, die Juden fallen. So schlagen wahrhaftig, Potzschw crcnot. Die Juden selber die Juden tot. Aus: DER TAG Göttlich. Max Aus dem Leben Jüdischer Studenten. Dem Andenken des Kollegen Max Barber. Aus dem CykItts_rSbucium“ (Qualen .von Horia Carp. (Aus dem Rumänischen übersetzt von Jancu Grünberg.) (Nachdruck verboten) ״Lass den Aergcr beiseite“, pflegte er mir in Jenen seltenen Tagen der Freude zu sagen, ״das Wichtigste ist, dass wir noch einen Jahrgang hinter uns haben. — Noch zwei müssen vorüber und wir sind gerettet. Und dann, wer weiss, kommen vielleicht auch für uns bessere Tage!" — Obgleich Max manchmal zu spasseti pflegte, zeigte er doch zumeist eine verstörte Miene. Erzählte er irgend einen Witz, so zeigte sich ein kaltes, flüchtiges Lächeln um die Mundwinkel und bald nahmen seine Augen den Ausdruck der schmerzlichen Melancholie an, den ihm das Elend seines Lebens aufgedrückt hatte. Ich habe im Leben viele Enterbte gekannt, aber ich entsinne mich nicht eines einzigen Menschen, dessen Lebert so schmerzensreich verlaufen wäre wie das meines unglücklichen Freundes und ich weiss wirklich nicht, ob er während seines Jahre währenden Plagens auch nur einen einzigen guten Tag verbracht hat. — Und doch war er von einem grenzenlosen Fleisse, in־ telligcnt und gutherzig. Leider hat ihn aber seine unzertrennüche Unglückgenossin, die Armut, niemals ver־ lassen wollen und schliesslich richtete sie ihn auch zu .Grunde. — Zu all dem hatte er auch das Unglück, ein leiden־ schaftlichcr Raucher zu sein. An den Tagen, wo er nicht das Geld für ein Päckchen Tabak hatte, ging cr wie geistesabwesend herum. Und wie schwer fand er

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