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Jüdische Rundschau · 1906-09-14 · Heft 37 (14.7.1906) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 37 (14.7.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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No. 37 Seite 552 JÜDISCHE RUNDSCHAU dnrch die Presse and durch den letzten Kölner Kongress vom Gegenteil überzeugt sein sollte, noch immer den Zionismus und den Chowewe-Zionismus in einen Topf wirft. Die zionistische Bewegung als solche kann nicht für die chowewe-zionistische Gesinnung einzelner Mitglieder verantwortlich gemacht werden; mit demselben Recht, mit dem er der zionistischen Partei ihren politischen Charakter anzweifelt, müsste Herr Dr. Simonson gestatten, dass man der Ito den nationalen Charakter abspricht, weil ihr Leute, wie Luden Wolf, Paul Nathan und viele andere Nichtnationalisten angehören. Die Betonung, dass Zangwill — wohl im Gegensatz zu uns — ״noch unverbrüchlich auf dem Boden des Basier Programms'steht", halte ich für einen Scherz. J. Gehet hin und tuet desgleichen Belm harniöverschen Delegiertentagc rechnete Bcrthold Feiwel uns vor, wie viel ein deutscher Sozialdemokrat Jährlich für Parteizwecke, als da sind Beiträge zur Organisatiön, zur Gewerkschaft, zu Streikunterstützungen, für Parteipresse usw.,' ausgebe, und wie wenig im Verhältnis dazu der Zionist für seine Partei ausgcbc. Und dabei sind doch insbesondere unsere westeuropäischen Zionisten durch die Bank weh! ein wenig anders situiert, als die Herren Sozis. Aber die Kcoseqaenzen sieht man nicht, wenn man die Ausweise unserer .verschiedenen Institutionen liest. Man sehe sich dagegen den Jetzt erschienenen Kassenbericht der sozialdemokratischen Parteilasse für 1905/06 an. Da sind zunächst 3 anonyme Spender: ״die nordische Wasserkante" 50 000 Mark, A. B. C. 40000 Mark und X. Y. Z. 60000 Mark. Das sind Jahresspcn* des, die sich alljährlich wiederholen. Steigt euch nicht ein wenig die Schamröte ins Gesicht, ihr, die ihr geben könnt, es aber nicht tut? Ihr, die ihr Juden seid, denen man nachrfihmt, dass sie ein wannfühlendes Herz haben, die ihr andetea als Vorbilder hingestellt werdet? Wir hatten einen, der gab unserer heiligen Sache neben allem andern auch alles das Wn, was er an Geld und Geldeswert besass. Er gab mehr, als er hätte geben sollen. Denn er hat andere dadurch M$ nlcht-geben gewöhnt. Wir hatten and haben zum Glück noch andere, die von Jenem Orossen einiges gelernt haben. Aber noch hat er zu wenig Schule gemacht. Es können noch viele von ihm lernen. Sehen wir uns aber den Parteibericht weiter an: Der VORWÄRTS brachte einen Überschuss von 110615־ Mark, die Vorwärtsbuchhandmung einen solchen von 60 000 Mark und schliesslich der WAHRE JAKOB einen Reingewinn von 56 000 Mark. Wir können natürlich dem nicht ohne weiteres WELT, JUEDISCHEN VERLAG und SCHLEMfEL gcgenüberstellen. Indes selbst wenn wir das Zählen-Verhältnis der Parteizuge1 hörigen in Betracht ziehen, sogar ohne Berücksichtigung der besseren pekuniären Verhältnisse in unseren Reihen, erhalten wir ein wenig erfreuliches Bild von unserer Opferircudigkeit für unsere Idee. Allerdings scheint auch hierbei, wie Ja auch bei der Kolonialbank, dass für uns Zionisten die alte• Erfahrung von der geschäftlichen Tüchtigkeit der Juden und ihre besondere Befähigung für das Kaufmännische zu Schanden wird. Die Sozis verstehen viel besser zu wirtschaften. Die WELT, das Zentralorgan für die ganze Bewegung, kommt ohne grosser, Zuschuss nicht durch. Dem JUEDISCHEN VERLAG begegnete man *von Anfang an mit Misstrauen. Ntm ist der Verlag offiziell geworden und er . . . schläft. Hoffentlich ist cs nur ein Schlaf zur Kräftigung und Stärkung. Aber es ist traurig, dass man selbst in Buchhandlungen, die früher Bücher des J. V. stets vorrätig hatten, jetzt nichts mehr vorfindet. Es wäre doch wohl Pflicht jedes Zionisten, wenigstens jetzt, da der J. V. offiziell ist, ihn auf alle Art zu fördern. Man schenke zu Geburtstagen und vor allem Barmizwas mir, Bücher aus dem JUEDISCHEN VERLAG, damit auch die Nicht-Zionisien ihn kennen lernen. Doch das ist ja nur eines von den Mitteln oder Mittelclien, die uns fördern können. Solcher gibt cs noch mehr. Wir wollen aber zurück zu unserem Ausgangspunkt und wir fragen: Warum ist der Fortschritt unseres NatioriDlfonds ein gar so kläglicher? Warum ist die Bilanz unserer Gesa!atorganisatior. eine so durchaus unerfreuliche? Warum ist unsere Leitung nicht im Stande, finanzielle Verpflichtungen, die ihr der Kongress auferlegt, zu erffillen? Antwort: weil wir zu wenig opferfreudig sind, und 7.war um so weniger, je mehr wir dazu in der Lage wären. Wir dürfen die Behauptung wagen, dass von wenigen sehr rühmliehen Ausnahmen abgesehen, die ein jeder kennt, insbesondere die in vorzüglichen Verhältnissen Lebenden uns unter Max 'Aus 'dem Leben Jüdischer Studenten. Dem Andenken des Kollegen Max Barber. Aus dem Cyklus ״Sbucium“ (Qualen) von H 0 r i a C a r p. (Aus dem Rumänischen übersetzt von Jancu Grünberg.) (Nachdruck verboten) Im Seciersaal des anatomischen Institutes habe Ich flm kennen gelernt Er war im ersten Jahrgang der Medizin und ich weiss nicht Im wievielten des Elends. Ein Freund, der mir seit iener Zelt vielfach Beweise von Hass gegeben, bat mich Max aufzusuchen und von ihm tinige Qeschichtsbände zu verlangen, die er ihm gegeben hatte, um ihm ein Glossarium anzuarbeiten. Und Ich habe ihn getroffen. Max war nicht schön, sein rotes Haar und die Sommersprossen im Gesicht machten ihn geradezu hässlich und Hessen ihn nicht sehr sympathisch erscheinen. Er trug eine Brille und hatte einen so eigenartigen Blick, dass ich mich ihm nur mit Widerwillen näherte. Ich benötigte aber die Bände, denn mein Freund hatte mich in seinem besonderen Wohlwollen mit der Anlegung des Olossariums beauftragt — 5 Francs den Bogen, Arbeit für eine ganze Woche —, ich nahm mich daher zusammen und sprach ihn an. — ״Sie sind aus Jassy? Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, denn ich beabsichtige dorthin zu ziehen. Das Elend hat mich hier gar zu sehr erschöpft, dort habe ich einige Verwandte, vielleicht schlage ich mich leichter durch. Ich will Sie utn einige Auskünfte btten, wie ich zur dortigen Universität übergehen kann.“ — ״Und was ist mit den Geschichtsbänden? Wann können Sie sie mir übergeben?" ״Die Bände kann ich Ihnen, offen gestanden, nicht geben, da ich sie nicht habe. Sie können sie sich aber holen. Sie befinden sichbeiin Barbier N., der sie mi־ wegen 5 Francs Mietzins für einen halben Monat zurückgehalten hat. Wollen Sie sie auslösen, so gebe ich Ihnen eine Karte und gegen Bezahlung dieser Summe folgt er sie Ihnen sogleich aus.“ Die Aufrichtigkeit, mit der mir dieses Kind der Arir.ut, ohne mich recht zu kennen, von seiner geplagten Existenz sprach, hat mich tief gerührt. Ich weiss nicht, ob mich Mitleid oder die Erinnerung an ähnlich verbrachte Tage meiner elenden Vergangenheit an diesen Unglücklichen mehr anzogen, soviel weiss ich aber, dass er mir trotz seiner Hässlichkeit sympathisch wurde. — Seit Jenem Tage waren wir Freunde,

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