Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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Seite 54*4 No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU Schul■ und Lehranstalten in Jerusalem au! und spricht nament-!ich mit der höchsten Begeisterung und Vorliebe von der Lämelschulc, dem Lehrerseminar und Direktor Colm. «einem früheren Studenten des Jewish College in London." Herr Adler, welcher so schmeichelhafte Worte für Herrn Cohn hat. ist der Ansicht, ״dass die englische Regierung nicht airig genug ist. utn namentlich die Juden in Jerusalem und Palästina zu allerlei Unternehmungen zu ermuntern. Die Sympathie der Juden in Palästina würde für England einen ungeheuren Vorteil bedeuten in politischer Hinsicht, besonders, da die Bedeutung des Suez Kanals wahrscheinlich verringert und Jessen Wert bedroht w ird durch den von den Deut• scheu unternommenen Bau der Bagdadbahn.‘‘ Diese Worte, direkt angcsehiossen an die Lobeserhebungen des Herrn Cohn, z'cigeu deutlich, dass Herr Adler den Herrn Cohn, im schärf־ sten Gegensätze za deutschen und jüdischnationalen Bestrcbungen und .'ntercsscn. als den richtigen Mann erkannt hat, welcher imstande ist. England seinen Rivalen gegenüber in Palästina in den Satte? zu haben und darin festzuhalten. Wir wollen uns nun hier keinen weiteren Betrachtungen hingeben über den ohne Zweifel verwirrenden und bestürzenden Eindruck, welchen unsere sensationellen Enthüllungen aus der von Herrn Cohn bisher mit solch seltenen! Glück und Geschick geleiteten internationalen Politik in den betreffenden politisehen Kreisen hervorrufen werden, wir Werden mir am das Unikum in der Weltgeschichte hinweisen. dass es jcinair einen Schulmeister gegeben, der es. wie Herr Colin verstanden, mit seiner imponierenden und faszinierenden Persönlichkeit seine.־ bezaubernden Beredsamkeit und ausserordentlichen Klugheit die grössten Weltmächte i»; Schach zu halten, gegen einander auszuspielen und dabei immer den grösstmöglichen eigene!» Vorteil zu ziehen. Wahrlich, wen!! Bismarck, das grösste politische Genie aller Völker und aller Zeiten, heute noch lebte, er würde ohne weiteres von dem erhabenen Sitze, den er im Rate und Parlamente der Nationen innc batte, heruntersteigen und kleinmütig bekennen, dass er in Herrn Cohn in Jerusalem seinen Meister geiunden. Nach dem Gesagten darf man nämlich mit Ruhe I>ehaupte11, dass Herr Cohn gegenwärtig in! Mittelpunkt der internationalen Politik steht und dass er es. wie eine angebetete Schöne, ihren Verehrern und Liebhabern gegenüber in der Hand bat, nach Belieben bald dieser bald jener Clrossmacht sich gefällig zu erweisen und dafür reichen Gewinn einzuheimsen. Der Redakteur der HASCH- KAFA hat schon in früheren Artikeln, welche sich mit Herrn Cohn, seiner Schule und seiner politischen Betätigung bc- Sfthäftigten. darauf hingewiesen, dass auf Herrn Cohn zum Lohne seiner Verdienste noch ein Ordensregen herabfallci» werde, aber so wie die Dinge jetzt liegen, könnte sich auch weit Schlimmeres ereignen. Es scheint uns nämlich unter den geschilderten Umständen durchaus nicht ausgeschlossen, dass demnächst nicht um Elsass-Lothringen, Marokko oder die Mandschurei, sondern um den Besitz der viclbegelirtcn Person des Herrn Cohn ein allgemeiner grosser Weltkrieg zwischen den neidischen und rivalisierenden Grossmächten entbrennen wird, denn es wäre nicht das erste Mal. dass eine angesehene und viel umworbene Persönlichkeit ein solches Unheil heraufbeschwöre!!. Um den Besitz der schönen Helena kämpften die Griechen!ח Jahre lang und sie ruhten nicht, bis um ihret. willen das glänzende und weltberühmte Troja in Schutt und Asche lag. und. wie man sich erinnert, war es auch nur eine Personenfrage, welche den schrecklichen deutsch-französi׳ sehen Krieg veranlasst hat. Ob nun unsere Proohezeiung eintreffen wird oder nicht, so viel ist auf alle Fälle sicher, dass der Name des Herrn Cohn in der Weltgeschichte mit grosseren! Glanze i'ortlebcn wird, als der eines Homer und Moses. Während sich nämlich um die Ehre. Homer als Bürger zu bcsitzen, nur sieben unbedeutende griechische Städte stritten und nach dem neuen Testament der Erzengel Michael und der Teufel nur um den Besitz des toten Moses kämpiten. gcnicsst Herr Cohn die nicht wenig beneidenswerte Ehre, schon bei seinen Lebzeiten von verschiedenen grossen und gewaltigen Mächten seinen Namen au! der Liste der um die Nation bestverdienten Männer mit goldenen Lettern verzeichnet zu sehen. JERUSALEMER BEOBACHTER. Kleine Mitteilungen Das Zcntralburcau für jüdische Auswanderungsangetegcnheften ln Berlin. Lützowstr. S, bittet uns uni Aufnahme folgender Mitteilung: ״Leib Brot, 23 Jahre alt, aus Beresino. Gouv. Minsk (Russland) ist am 23. Juli 19»*5 von Ncw-York mit der Ham* bürg—Amerika Linie nach Hamburg gefahren, wo er an! 3. August 1905 auch aulangte. Von Hamburg aus bestieg ei einen Zug nach Eydtkuhncu. um in seine Heimat zu fahren, ln Eydtknlmen ist Leih Bort jedoch nicht eingetroffen: cs fehlt .von da ab jede Spur von dem jungen Manne. Di.* Eltern des jungen Mannes, der geistig etwas zurückgeblieben ist. bitten jeden, der von ihrem Sohne etwas weiss, um freundliche Nachricht au die Adresse des ״Ccntralbiircau für jüdische Auswanderungsangelegcnheiten." Berlin \V., Lützowstr. 8. Signalement: Name: Leib Bort. Alter: 23 Jahre. Wuchs: mittelhoch. Körperbau: schlank und hager. Haar: dunkelblond. Augen: blau Hautfarbe: weiss. Sprache: indisch, etwas englisch. Berlin. Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, der sich die Aufgabe gestellt hat. die Förderung des Handwerks unter den Juden propagandistisch zu betreiben, fördert alle selbständigen Handwerker'Su:»schen Glaubens zum Beitritt auf. Der Verein hat ausser seiner obengenannten Tätigkeit eine Krankenkasse eingerichtet uijd gewährt seinen Mitgliedern und deren Angehörigen für den geringen Beitrag von 1,25 Mark monatlich freie ärztliche Behandlung und Medi kamente. Allmonatlich!inden im Restaurant Kochmami. Neue Fricdrichstrassc 35. zwei Mitgliederversammlungen statt, wozu auch Niclitmitglicder. insbesondere jüdische Handwerker, gern zugclassen werden. Meldungen zum Beitritt sind an die Gescliäftssteüe Berlin N. 21־. Elsasscrstr. 75 (M. Herz) zu richten. Der russische Staatsbürger Moritz Hirschtuuuu, der seit dem 10. September 190*1 in Berlin weilt und zuletzt als ver• antwortiieher Redakteur für den feuilletonistischcn und Kunstteil des hie' in russischer Sprache erscheinenden Blattes RUSSK1 PROWODNIK zeichnete, hat vom Polizeipräsidium die Aufforderung erhalten, das prcussische Staatsgebiet ..innerhalb der nächsten Monate“ zu verlassen, widrigenfalls er auseew iesen werden wurde. — Der Mann hat sich das selbst zuzuschreiben. Wäre er zum Christentum übergetreten, so hätte ihm das nicht passieren können. Kairo, Wahrend der Judenverfolgungen in Odessa ist es einer ganzen Anzahl jüdischer Bewohner der unglücklichen Stadt gelungen, sich auf die Schilfe zu retten, die in regcl massiger Fahrt Siidrussland mit Ägypten verbinden. Es muss als ein Zeichen ebenso grosser flumonität wie verständiger Wahrnehmung der Interessen des für Europäer so günstigen Lebensbedingungen bietenden Landes an den Ufern des Nils gerühmt werden, dass die massgebenden Kreise Ägyptens. w;cit entfernt, den Vertriebenen bureaukratisclic Schwierigkeiten In den Weg zu legen, sich vielmehr mit anerkennenswertem Eifer an die Organisation eines Hiifswerks gemacht haben, auf dessen Erfolg die Leite•• stolz, sein dürfen. Sofort nach dem Eintreffen der ersten Auswanderer konstituierte sich in Alexandrien ein Hiltsausscliuss dem hervorragende Mitglieder der Gesellschaft, Privatpersonen. Richter. Kaufleute. Bankiers ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität beitraten. Bis zum 28. vorigen Monats waren bereits ungefähr 150 Familien, teils mit Geld, teils dmch Nachweis von Arbeitsgelegenheit unterstützt worden. Dass es sich hier um wirkliche Not und nicht bloss um Bettelei im grösseren Massstabe gehandelt hat. geht daraus hervor, dass etwa 30 unterstützte Familie inz.wisch, n wieder rach Russland zurückgckelirt sind. Die übrigen verteilten sich über das Land: einige kamen nach Kairo, andere fanden Bc* schäftigung in Baumwollspinnereien und Reisrnühlen. ein kleiner Teil wurde zur Landarbeit im Moriüt herangezogen, wo eine englische Gesellschaft mit Kuftivicrungsarbeiten beschäftigt ist. Der Hilfsausschuss hat sich dahin geäussert. dass später, wenn einmal die Organisation voll durchgenihrt sein wird, noch sehr viel mehr in Ägvpteu aufgenommen werden können, und so löst sich vielleicht in aller StiDe ein Teil des schwierigen Problems, das die schändlichen ludenhetz.cn in Russland der an der Zivilisation interessierten Kulturwclt gestellt haben. Zur Beschaffung . von Barmitteln wurde in Alexandrien, ein grosses Wohltütigkcitsfest veranstaltet, das die Summe von 26000 Mark cingchrncht hat. Ein zweites Fest wird folgen. Ein jüdischer Knitnsverein in Paris ist nach den Be- Stimmungen des Trennuiiggesctzcs von! 9. Dezember 05 als ״Association consistoriale israclite de Paris“ gegründet worden. Der Präsident des Konsistoriums ist Baron Gustav v. Rothschild. Posen, 24. August. Die Israelitische Waisenknaben-Anstalt an der Teichstrasse hierseihst besteht am 15. Oktober 70 Jahre. Der ev. Freiherr Ernst v. Kottwitz auf Fachorz, Kreis Bonist, ein Mann, welcher sein ganzes Dasein in den Dienst der werktägigen Menschenliebe gestellt, hatte im Jahre 1835 einem Ge• meindcniitgliedc David Frankel de!» Entschluss zu erkennen ge