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Jüdische Rundschau · 1906-09-07 · Heft 36 (7.9.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 543 .׳׳.-־ Golusblüte Aus Neuenahr Alljährlich 1;1ben die!irdischen Zeitungen das Vergnügen, Ihren Lesern eine stattliche Reihe antisemitischer Kurorte und Sanatorien za präsentieren. Das Bad Neuenahr befindet sich darunter nicht. Wir haben niemals gehört dass von der Direktion, von den Aerzten oder von Einwohnern des Ortes irgendwann die Gefühle des jüdischen Publikums verletzt worden seien. Ein einziger Fall ist uns aber zu Ohren ge* kommen, der recht niedrig gehängt zu werden verdient.. E! ist nicht das Werk Pücklcrs, sondern eines Juden. Ein jüdischer Arzt benutzte als D״rcl1gang 7um Hotel Meyer — wie es von ihm und anderen schon oft geschah — einen Garten, der an die Wohnung seines Kollegen Dr. Wei* denbaum stösst und vielleicht auch zu dieser Wohnung gehört Dr. Weidenbaum nahm dem ״Konkurrenten" das ßetreten des Gartens so übel, dass er ihn in eigenartiger Wahrrehmung der Standeschrc hinauswies und zur Bezeichnung seines Unwillens den vornehmen und kollegialischcn Ausdruck ״Frechheit“ gebrauchte.' Als der Beleidigte auf diese ״Frechheit“ entsprechend reagierte, kam über den Juden Dr. Weidenbaum der furor teutonicijs, und er schrie mutig von einem gut geschützten Platze aus: Sic Judenjungc. Sic Judenbengcl.!-,ollak usw. Sapicnti sat! Eine Kritik dieses Vorgangs, insbesondere der tragikomisehen Selbstentwürdigung. die in den antisemitischen Aeusscrangen liegt, kann ich mir ersparen. Ich will nur darauf hinweisen, dass Dr. Weidenbaum eine vorwiegend jüdische Praxis haben soll, und möchte fragen: Wie würden wir uns einem christliche!! Arzte gegenüber verhalten, der bisher von jüdischen Patienten lebte und sich ä la Weidenbaum auffuhrtc? Sprechsaal L □ Für die Mitteilungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetzliche Verantwortlichkeit Zionistin angekommen Berlin. 2. Septbr. 1906. Ich bekam auf die.folgende Annonce: Zionistin a n g c k 0 ni m e n. Slegismund Jacob u. Frau Berta geb. Levy. Berlin, 30. August 1906. KI. Andrcasstr. 11. Erika Ester. eine Karte folgenden Inhalts: Gratuliere herzlich! Aber warum sind Sie denn mit Ihrer Frau Gemahlin nicht vor dem freudige:•, Ereignis nach Zion gewandert? Bitte recht bald nachholcn. Ein Deutscher jüdischen Glaubens• Die geehrte Redaktion der JUEDISCHEN RUNDSCHAU erlaubt mir wohl, dem anonymen Teutschen jüdischen Glaubens für seine Glückwünsche zu danken, gleichzeitig aber demselben mein tiefstes Bedauern auszusprechen, dass sein teutsches Gehirn so wenig von den zionistischen Idealen begriffen hat Nach dem alten Sprichwort: ,Steter Tropfen höhlt den Stein" wird hoffentlich diesen urtcutsclien Michel mit dem jüdischen Glauben auch noch einmal eine Zipfelmütze, die er sich über die Ohren gezogen hat. verlieren! Falls Sie etwas in m ei n e r Erwiderung ändern wollen, steht Ihnen solches zu. Siegl smund Jacob. Kl. Andreasstr.!1. * Der Kampf der Mächte um einen Jerusalemer Schuldirektor. Unter der vorstchsnden Uebcrschrift sendet uns ein Korrespondent der Jerusalemer hebräischen HASCHKAFA folgende auch zionistische und besonders deutschjüdische Kreise interessierende, launig ernste Betrachtung: Ein Artikel des BERLINER TAGEBLATTS, welcher auch in die JUEDISCHE RUNDSCHAU und aus dieser in die hiesige HASCHKAFA fibergegange ז ist. feierte die hiesige Edler von Lämelschtile und das vom Hilfsverein der deutschen Juden unterhaltene jüdische deutsche Lehrerseminar unter dem Direktorium des Herrn E. Cohn als nicht hoch genug zu schätzende Faktoren für die Verbreitung des Deutschtums unter den Juden von Jerusalem und Palästina.*) Zunächst darf mau wohl annehmen, dass der Herr Korrespondent, welchem die jüdische Gcrmaiusierung‘Politik in Palästina so sehr am Herzen liegt, weder von de! Methode einen Eindruck hat, nach der man in der Lümclsciiule und in dem Seminar deutsch unterrichtet, noch auch, dass, er das meist hier zu Lande geborene und erzogeuc Lehre!personal und das Schülcrmatcrial aus eigenem Augenschein kennen zu lernen Gelegenheit hatte, sonst müsste mau annehme:]. dass er gegen besseres Wissen der Oeficntlichkeit einen blauen Dunst vorzumachen versucht hat. Von dem deutschen Geist- und Sr* -ngefiihl. welches in der jüdisehet! Läinelschule und in dem Seminar lebendig sind, mag n!pn sich aus der einen Tatsache einen Begriff machen, dass Schreiber dieser Zeilen wiederholt schon Schülerhefte mit deutschen Uebungen und Aufsätzen in die Hände bekam, in welchen die Herren Lehrer und Seminaristen an Stelle der beabsichtigten Verbesserung dem armen Schüler den grössten jargunistischen Unsinn in den Text hineinkorrigierten, dass Herr Cohn nach so und so viel anderen Naturalisationen sich zuletzt auch in die Matrikel des deutschen Konsulats in Jerusalem eintragen liess. gibt auch noch lange keine Gewähr für sein deutsches Denken. Fühlen und Empfinden. Wenn der Hilfsvercin der Deutschen Juden wirklich ernsthafte Gcrmanisation treiben und sich der deutschen Regierung und Nation geiällig erweisen will, so sorge er dafür, dass entweder nur deutsch-jüdische, wissenschaftlich gebildete Assimilanten hierher kommen, oder noch besser, er verlege das Jcrusalcitici Lehrerseminar nach Berlin in die Nähe des Kaiserlichen Schlosses, nach dem Vorbilde der französischen Allianz״ welche unter ihrer speziellen Aufsicht den zukünftigen Jugendbildnern in Paris den nötigen französischen Nationalgeist einimpieii lässt. Soba'd das geschehen sein wird, wird man auch nicht mehr das ergötzliche Schauspiel sehen, dass Herr Cohn, wie cs tatsächlich der Fall ist. mit seinen pädagogisehen Bestrebungen mehreren Herren und nationalen Riehtun gen dienen muss, sondern wie inan einen Direktor der Alliance überall iiir einen Franzosen ansieiit, so wird er folge» richtig auch nur einzig und allein iiir einen Deutschen gehalten und damit er und andere vor Enttäuschungen bewahrt werden. Bei dem vagen Programm und d:*r undefinierbaren Anschauung des Herrn Cohn konnte es nämlich geschehen, dass auf ihn zu gleicher Zeit nicht nur die Deutschen, sondern auch die nationalen Juden, die Zionisten, und, das Neueste und Interessanteste, sogar die Engländer für Erreichung ihrer politischen Zwecke in Palästina ihre grössten Hoffnungen setzen, wovon die Leser des BERLINER TAGEBLATTS begreiflicherwgisc nichts zu hören bekamen. Wenn in jüdisch-orthodoxen und zionistischen Blättern von der Schule des Herrn Cohn und dem sog. Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem die Rede ist, da hört man wenig oder nichts vom Deutschtum, seiner Sprache. Literatur und Kultur, da w׳ird immer und immer wieder mit ganz besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Unterrichtssprache in beiden Anstalten fast ausschliesslich die Hebräische ist und das ist noch nicht so sehr lange her, dass die WELT bei Besprechung der Lehrpläne gefunden hat. dass dem Deutschen darin noch ein viel zu grosser Raum zugemessen sei und derselbe zu Gunsten des Hebräischen beschränkt werden müsse. Mit Vorliebe wird dabei betont, dass die Schüler im Geiste des überlieferten Judentums, seiner Kultur und seines Schrifttums erzogen werden und bei dem auffallenden Freundschaftsverhältnis. das sich neuerdings zwischen dein früheren liberalen deutschen Zionismus und dem orthodoxen Hilfsverein de: deutschen Juden angebahnt hat. besteht kein Zweifel, dass man in jüdisch-nationalen Kreisen erwartet, dass der deutsche Hilfsverein gerade im Gegensätze zu den Ausführungen des KorrcSDondcntcn des BERLINER TAGEBLATTS durch Herrn Colin in Jerusalem keine pangerinanistischc. sondern eine rein Jüdisch-nationale Tätigkeit entfalten lassen werde. Aber damit nicht genug kommen jetzt neuerdings, wie oben erwähnt auch die Engländer mit Liebeswcrbungcn zu Herrn Cohn und vertrauen, dass durch ihn. wiederum im strengsten Gegensätze zu den deutschen und zionistischen Wünschen die engiiseh-palitischeu Interessen in Palästina wahrgcimmmcn werden. Herr M. Adler, welcher dieses Frühjahr zur Grundsteinlegung einer neuen jüdischen Kolonie des Montifiore-Fond In Jerusalem w׳cilte, hat nach seiner Rückkehr nach London seine Jerusalemer Eindrücke im JEWISH CHRON1CLE in einem längeren Artikel wiedergegeben. Im Verlauf seiner Ausführungen zählt Herr Adler der Reihe nach auch die verschiedenen jüdischen Dass die Korrespondenz in dieser Form in die JUEDI- SCH FRUND5CHAU übergegangen sei. ist ein Irrtum des g. Schreibers.

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