Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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Seite 542 JÜDISCHE ” Zionisten rn Polen). In letzter Zeit setzte in Polen eine starke Emigration nach Palästina ein. An das Auskunitsburcau wendeten sich in der Zeit vom!. Thaniuz bis zum 1. Ab (I Monat) mündlich 189 Personen, und zwar 31־ im Alter von 17 bis 20 Jahren. 77 im Alter von 21 bis 30 Jahren und 78 von »11 und höher; briefHch 112, zusammen 301; 85 Prozent, davon waren Familienväter von 2 bis II Mitgliedern. Davon sind nach Palästina ahgcrcist: ' 1 Weber (samt Familie) mit 80 Pud Maschinen und 2000 Rubel. 1 Bäcker (samt Familie) mit 2500 Rubel. 1 Person mit 3000 Rubel ohne Beruf. *I Bäcker (2 Fa־ niilicr.) mit 500 Rubel. •I Oamascliennutcher. •1 Schlosset (mit Familie). 3 Tischler und 2 Maler; zusammen abgereist in einem Monat 5S, davon 30 Prozent Arbeitsfähige; an Kapital 8300 Rubel. Das Bureau hat vorläufig nach einer Seite!:in genutzt: es hat die unsystematische rapide Emigration nach Palästina verhindert. Ins Bureau pflegten täglich Leute zu kommen mit der stereotypen Frag.: ich fahre 1u׳cl1 Jafia. was hab’ ich zu tun? Auf die Frage, ob er nicht vorher die Zweckmässigkeit dieser Reise prüfen wolle, antwortete er: Was heisst das?.... *Ich habe schon alles verkauft, habe auch bereits einen Reisepass. Und nachher zeigte cs sich, dass der Marin mit Weib und 7 Kindern über .... 100 Rubel verfügen ..könnte״. . . . Täglich meldet man den» Bureau ans der Provinz; da bereiten sich 10 15 Familien zur Abreise vor. dort wären schon viele abgereist usw. In einem kleinen Siädtch.n Olkusz (Kielzer Gouv.) beschlossen hundert Familien mit 3 bis 15 Rubel Kapital abzureisen und schickten drei Personen nach Palästina, um das Terrram zu erforschen Viele sind seine» abgereist, ohne viel r.aehzudenken. Die jüdische Masse in P<»L‘n hört. Leute fahren nach Palästina und sie ist schon bereit, alles zu verkaufen und mit 100 Rubel in der Tasche fortzuiahren. Sie kalkuliert folgendermaßen: Eine Fahrkarte bis Odessa kostet 9 Rubel, Sellinskarte bis Jafia H Rubel zusammen 23 Rubel — und in Palästina könne man doch nicht Hungers sterben, es wohnen doch Juden dort, mit Handel oder einem Geschäft komme man doch iort. . . . Und dann ־*• man sei wenigstens vor Hooligans sicher. Dem Warschauer WEG schreibt man aus Palästina: Die Einwanderung aus Polen wächst von Tag zu Tag. auch aus den Reihen d.r Arbeiter (Poale-Zion). So sind aus einem kleinen Städtchen Pionsk (Warschauer Gouvernement) 20 sympathische, begeisterte und organisierte Poalc-Zionistcr, 'augekommen. Kuriosist. dass die aristokratisch-assimilatorische. polnisch-jüdische landwirtschaftliche Schule in Czestoniew schon 12 Schüler nach Palästina als Landarbeiter geliefert hat und dass auch die übrigen nur auf die Gelegenheit warten, nach Palästina auszuwandern. Die Kolonisten aus Ekron sind mit den 12 Czestoniewer Schülern höchst zufrieden und zahlen ihnen nebst Kost nud Quartier. 1 20 K. taglieh. 2 jiidisene Emigranten haben eine grosse Damoiniühle in Jerusalem angekauft Die 3. Filiale der jüdischen Kolmüalbank in Palästina ist bereits in Bcirilt eröffnet worden. Direktor; Dr. Viktor Jacobsohn. Sydney. Die im Repräsentantenhaus von dem tasmanischen Abgeordneten Störer beantragte und nach kurzer Debatte genebmigte Resolution, durch welche das Bedauern des Hauses über die russischen Greuel zpm Ausdruck gebracht wird, hat folgenden Wortlaut: ״Das Haus drückt sein tiefes Bedauern über die kürzlich gemeldeten Untaten in Russland und die zu- \ersichtliche Hoffnung aus. dass Eingebungen von Weisheit und Gerechtigkeit denjenigen Bürgern, die darunter leiden, den wirkungsvollen Schutz der Gesetze sichern werden.“ Die Debatte, zu der diese Resolution Anlass gab. ist insofern nicht ohne Interesse, als man bei dieser Gelegenheit hat beobachten können, wie sehr selbst die australische Bundesregierung, die sich, wenn cs sich um eine Kritisicrung fremder Nationen handelt, sonst keineswegs iVbcrgrossc Rücksichten atifzulegen pflegt, zurzeit bestrebt ist. alles zu vermeiden, was die russisehen Machthaber verletzen könnte. Der Premier Dcakin befürwortetc die Resolution, betonte aber gleich int Anfang seiner Rede, dass sich die russischen Behörden in einer Lage bc־ finden, die die denk har ungünstigste sei und die dazu geführt habe, dass in einzelnen Landcsteilen die Autorität der Staatsgcwalt geradezu paralysiert sei. Man braucht nur an die Umwälzungen in den fundamentalen Institutionen des Reiches, an dessen enorme Ausdehnung, an den Krieg und seine entsetzliehen Opfer an G<;ld und noch mehr an Blut und an die Eindrücke zu denken, die dieser Krieg bei denen Itervorgerufen haben, die iluc Väter und Brüder in Ostasien verloren hätten, um zu begreifen dass hierdurch eine überaus traurige Lage geschaffen worden sei Diese traurige I.age aber dürfe cs verzeihlich erscheinen lassen, wenn das Haus denen, die unter der geschaffnen zeitweisen Desorganisation zu leiden hätten, seine Teilnahme auszusprechen sich gestatte. Reaktionäre Einflüsse gäbe es in ledern Lande, sic seien zweifelsohne auch RUNDSCHAU No. 36 in Russland iit. Werke, er. Deakiti. gebe sich indessen der Zuversieht hin. dass das Haus einstimmig sein tiefes Bedauern über die hässlichen Zwischenfälle bei einer Bewegung aussprechen werde, von der jedermann hoffe, dass sie einen grossen Fortschritt von Seiten einer der glänzendsten und tapfersten Nationen der Welt bedeuten werde. Die Russen werden gut t׳!n. wenn sie sich die Note ״glänzend und tapfer", die ihnen Herr Dcakin heute nusstellt, sorgfältig im Gedächtnis aufbewahren. Es hat nämlich Zeiten gegeben, die nicht einmal sehr weit zurPcklicgen, in denen Nikolaus II. und seine Russen von Seiten gewisser Mitglieder des Bimdcskabinetts nicht halbwegs so günstig beurteilt worden sind. Sollten diese Zeiten einmal wieder kommen, werden sich die Russen nunmehr auf Deakins eigene Worte berufen können. ייי Lustige Ecke מ Die Jüdische Rundschau Die ie(7f auch fromme STAATSBÜRGER ZEITUNG schreibt zur Erheiterung unserer Leser: ״Die JÜDISCHE RUNDSCHAU, ein in Berlin wöchentlich erscheinende« Zionistcnblatt. lebt in bitterer Fehde mit dem GENERALANZEIGER FÜR DIE GESAMTINTERESSEN DES JUDENTUMS Der grösste Vorwurf, den sich die beiden Blätter gegenseitig fortgesetzt machen, ist der: ihre Aufsätzö schädigten den Zionismus, weil sie so oft von der STAATS- BÜRGER-ZEITUNG ..ausgcschiachtei־• würden. Wir müssen uns allerdings zu der Sünde bekennen, diese beiden Wochenblätter neben anderen jüdischen Organen ziemlich genau zu verfolgen, was uns allerdings kein sonderliches Vergnügen macht, da wir von einer derartigen Lektüre uns stets mit einem Gefühl erheben, als ob wir uns geistig an Zwiebeln und anderen Lauch gewachsen überessen hätten. Wir haben aber bisher die Zionisten und also auch ihre Organe für die — sagen wir einmal — weniger Unaufrichtigen unter den Juden und der jüdischen Presse gehalten. Hoffentlich 7erstören nun die Herren Dr. Moses ־.mn GENER A!-ANZEIGER und Salo Translatcur von der JÜDISCHEN RUND- SCHAU unsere gute Meinung von ih:K־n. bezw. ihren geistigen Ablagerungsstötten nicht allzusehr dadurch, dass sie mm langweiligcr und für uns weniger interessant schreiben. Zwar — der Anfang dazu ist leider bereits gemacht: Die JÜDISCHE RUNDSCHAU beginnt neuerdings die — Abwehrniitteilungen ״auszuschtacluen“. und wird nur selten *interessant und auch nur da. wo sie — unsere Artikel wiedergibt. Sie kann’s offenbar nicht besser, und auch erst kürzlich erhielt sie auf einen» Zionistenkongress die Zensur, dass sie fCrchterlieh langweilig sei. Herr Salo Translatcur glaubt nun in veigebliclicr Mi'ibc, durch Artikel aus den ,;Abwehnnitteilungen“, mehr Kurzweil in seine Wocbcnschrnt /rmefnzubringen, da er ja selbst wohl weiss. dass die ״Abwchrmittcihingen“ längst nur noch als unfreiwilliges Witzblatt angesehen werden. Und doch dürfte der gute Salo gerade durch solche ״Kurzweil“ den Zorn seiner zionistischen Auftraggeber erst recht errege», da der ahnungslose Engel andererseits wieder nicht zu wissen scheint, dass die Mitteilungen des Abwehrvereins auf dem aller. Zionisten so verhassten Assimitotionsstandnunkt stehen! J1. wie man's macht, macht tnan’s verkehrt.“ Der gute Salo gesteht ein. dass Cr sich fürchterlich übe! die Notiz der STAATSBÜRGERIN ärgert. Er muss sofort ein ganzes Fuder Zwiebeln und Knoblauch bestellen, um sich durch diesen Leckerbissen cinigermassen über den Ärger zu trösten, den ihm das Blatt bereitet bat. das für ihn immer die besten Kommentare liefert,deren er bedarf, wenn er die Fremd- Wörter Humanität. Toleranz, und die deutschen Wörter Christ* liehe Liebe. WahrheitsFebe. Anstand. Ehrlichkeit usw. liest. Unser guter Freund. Kollege Dr. Julius Moses wird sich schm! mit Salo a.issölmcn müssen, was ja bei einer Portion Knoblauch mit Zwiebeln am stilgerechtctsten geschieht. Sobald wir die Fuhre Knoblauch allein anfgegessen haben, wird die STAATSBÜRGER-ZEITUNG anfangen. Ungclogenes zu drucken. Lieber Moses, von dem Knoblauch bekommst du nichts ab! —