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Jüdische Rundschau · 1906-09-07 · Heft 36 (7.9.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 530 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 36 nehmen! und Häuserspekulanten, die vorher Maurergesellen waren, haben die Assimilation praktisch durchgciührt. während die altgebilditen Familien der deutschen Judcnhcit — die N.B.. niemals Wucher getrieben haben —. in steter Treue uuwandelbar am alten Judenstamme testhalten. das sie nicht als alte Hosen zu verkaufen gedenken. Der Frankfurter Judenfriedhof ־ In elftem Artikel ״Die Erschliessung der östlichen Altstadt“ wurde der alte .ludenfricdhoi von Frankfurt am Main am Börneplatz erwähnt, mit der Angabe, dass derselbe bis 192S vertraglich im Besitz der Israelit!* schcta Gemeinde bleiben würde. ״Dann würde sich zeigen/* so hiess es weiter. ..ob dem Friedhof das gleiche Schicksal bc* schieden sein wird, wie dem berühmten Frager Judenfriedhof. der vor kurzem der Altstadtorucucrimg weichen musste.“ Zur Richtigstellung dieser Notiz teilt das ..Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler aut dem alten israelit schen Friedhof am Bürneplatz" — erst Jetzt ~ mit. ..dass das Jahr 1928 keinerlei Acnderung an dem Besitzrecht der Gemeinde herbeiführen wird; es ist der Gemeinde nur bis zu diesem Jahre nicht gestattet, eine Veränderung oder Bebauung des Friedhofs vorzimchmen. Das wohlerworbene, volle Eigentumsrecht der Israelischen Gemeinde ist schon durch eine Urkunde vom!5. Oktober 1316 ausdrücklich he* glaubigt. Menschlicher Voraussicht nach wird die Gemeinde niemals sich dieses Besitzes cutäusserii. noch Veränderungen oder Bebauungen auf der Stätte dieses einzigartigen Kulturdenkmals vornehmen oder dulden. Eine Strassendurcluührung' ist, nachdem der Plan zur Erschliessung jener Gegend der Altstadt fertig gestellt ist und die neue Strasse längs des Friedhofes vorüber ifihrt. ausgeschlossen. Gerade diese erwähnten Umstände geben dem vor zwei Jahren gebildeten Komitee die sichere Grundlage für ein erfolgreiches Wirken, das dahin zielt, vor allem den ungefähr 70*X) Grabstein,; enthaltenden Friedhof nach Möglichkeit unversehrt den kommenden Zeiten pietätvoll zu überliefern und ferner der Gcschichts- und Kunsttorschun״; der sich auf dieser altehrwürdigen Stätte ein so gewaltiges und verheissungsvollcs Studienfeld bietet, die Wege zu ebnen.‘ Zum Schluss teilt das Komitee mit. dass von seinen bisherigen umfangreichen Vorarbeiten demnächst d.er Oeffentlichkeit Kenntnis gegeben werden soll. Verein Jüdischer Studenten Freiburg 1. B. Mit Befriedigung kann der ״Verein Jüdischer Studenten in Frei bürg“ auf das ver* gangene Sommersemester zurückblicken. War doch diesmal seine Mitgliederzahl auf 36 — darunter 20 Ffixe - - augewachsen. Es ist das für uns von um so grösserer Bedeutung, weil wir innerhalb der hiesigen Studentenschaft eine selbständige Oruppe bilden, indem wir uns an der Spaltung in eine konfcssionelle und antikontessionellc Gruppe nicht beteiligen wollen und können. Verschiedene akademische Feiern gaben uns Anlass, in dieser Weise an die Oeffentlich.keit zu treten. Ein wohlgelungenes Sommerfest zeigte, dass weite Kreise des hiesigen Judentums unserem Vereine das lebhafteste Interesse entgegenbringen. Neben diesem äuscrl.clien Hervortreten wurde indessen auch die innenarbeit nicht vernachlässigt. Dgr Fuxenunterricht machte die jüngeren Mitglieder mit allen Fragen des modernen jüdischen Lebens bekannt und Vorträge über verschiedene Einzcltragen mit oft lebhaiten Diskussionen leiteten unsere Vereinsabeudc in hergebrachter Weise ein. So sprachen: A. H. Dr. Sichel über ״Volk und Nation“, Bbr. W e i s s über den ..Verband der deutschen Juden“. Bbr. Kretschmer über ״Herzl’s Judenstaat und AltnenJaud", Bbr. Rosenfeld über ״Religion und Nation“. An einem Abend in der Woche wurde regclinäss’g geturnt und zahlreiche gemeinsame Ausflüge machten unsere Bbr. Bbr. mit der1 schönen Umgebung Freiburgs bekannt. Eine feuchtfröhliche Schlusskneipe, auf der wir mehrere auswärtige A. H. A. H. begriissen konnten.. beschloss in der angeregtesten Weise das Semester. — Die Ferienkommission bilden L e v y, Weiss, Holstein. Briefe sind zu richten an S. W e i s s. c a 11 d. m e d.. F r e i b u r g i. B.. Z ä h r i n g e r- Strasse 51־. Chocen Nach Frager Blätternickhmgen herrscht in Chocen grösst Aufregung, weil eine christliche Dienstmagd einen jüdischen Arbeiter beschuldigt, er habe sie im Schlafe ii b e r i a 11 e n . n a r k 0 t i si e r t und zu rituellen Zwecken m issbraucht. Man befürchtet antisemitische Ausschreitungen. So schreibt die STAATSBÜRGER ZEH UNO. Die Fragt! HLAS NARODA. aus der die e!1 ז\וiche Staatsbürgerin diese Nachricht entnommen hat. brachte sie in folgendem Wortlaut: Chocen bei Pardubitz. ״Hier herrscht grosse * Aufregung infolge einer Anzeige der 22jährigen Dicnstniagd Maria Ko s z y!1 a. der Tochter eines ■Eisenbahnarbeiters, gegen einen hiesigen jüdischen Arbeiter. Das Mädchen behauptete, der Arbeiter habe sie im Schlafe überfallen, narkotisiert und zu rituellen Zwecken missbraucht. D i e S t a a t s - an wall schuft in Chrudim liess . die Koszyna sofort durch zwei Arzte untersuchen, die am Rücken und an den Armen des Mädchens Flecken, die voii Ungezieler herrühren, fanden. In Chocen macht sich eine starke antisemitische Strömung geltend: cs kursieren die 1111sinnigsten Gerüchte, und man befürchtet Ausschreitungen. Die Koszyila wiid von ihrer Dicnstgcbepiii als schwach•■ sjn!1 i g geschildert.“ Ersatzwahl Aus Brody wird uns geschrieben: Kaum wenige Wochen trennen uns von der Wahl, von einer Walilbew cgung ist aber fast gar keine Rede. Die Kandidatur haben vier Herren angemeldet: Dr. Edmund Kornfeld (Wien). Dr. Gold (Zloczow), Dr. Ritte! (Brody) und Adolf Stand (Lemberg). Von Dr. Kornfeld - den liier niemand kennt — heisst cs. dass er es mit Byk's Methode versuchen wolle, das Mandat zu ״erobern". Er habe in Wien Verbito düngen mit dem Polenklub und Zcntralwahlkomitce und das übrige — sei Schweigen. Schweigen ist bekanntlich — nicht nur im Sprichworte — Gold. Dies letztere scheint auch die Devise des Zloczower Kandidaten zu sein. Omen — nomeu. ״Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles," dachte er mit Grctcl und meldete seine Kandidatur im antisemitischen SLOW 0 POLSKIE an. Dann schickte er •I ..christliche“ Polen als Deputation zu unserem Bezirkshauptmaim, ״er" möge die iüdischeü! Wähler Brodys einen Tanz um das Zloczower ,.gold'ne" Kalb aufftihren lassen. ״Er“ war aber freilich so loyal, dies Ansinnen von sich zu weisen. Unser Brodyer Kandidat wieder arbeitet hinter den Kulissen: Sekretär der Haudelskammer. Bürgermeister und Pole mosaischer Konfession, glaubt er Empfehlungen genug für einen Sitz, in! griechischen Palast im Wiener Franzensring zu besitzen. Vor einigen Tagen zum Bürgermeister gewählt, erklärte er als sein wich• tigstes Vorhaben — die Polonisierung des deutschen Gynma* siums. Glücklich, ihr Brodyer Juden, was fehlt euch, denn sonst? Offen und ehrlich sind vorläufig nur die Zionisten in eien Wahlkampf getreten. Nachdem sie auf der Krakauer Konferenz ein politisches Pro. : aufgcstellt haben, treten sie jetzt als Zionisten in die Sch!״.:..cm Ihrer •Meinung nach' habe ausser ihnen sonst niemand ein Anrecht auf dieses par excellence jüdische Mancat. als ein Jude, der sich ofien als Jade bekennt und als solcher für das Wohl seiner Volksgenossen nmti^ cintrltt. Im en au! li. tni li? Die bisherige Politik hat Fiasko gemacht, die Hintertreppen- und Vogel-Strauss-Poliuk ist bankerott. Eine gesunde lebenskräftige jüdische Volkspolitik־ tut uns not. Nicht gegen das polnische, nicht gegen das ruthenisclic Volk sondern für das jüdische. Und zusammen mit dem polnischen und ruthcnischcn Volke gegen den gemeinsamen Feind! Alle wohlgesinnten Juden, denen das Wohl des Judentums am Herzen liegt, sollen am H. September für den Kau didaten einer z.elbcwussten indischen Volkspolitik stimmen, für Herrn Adolf Stand! Wir wir hören, soll in den nächsten Tagen der wackere Abg. Strauchtr uns mit seinem Besuche beehren, um die Brodyer Juden auf die Wichtigkeit des Augenblickes aufmerksam zu machen und sein gewichtiges Wort für den zionistisclien Kandidaten in die W'agschalc zu werfen. Wir heissen ihn schon jetzt herzlich willkommen! - ‘ Die Ruthencn. die 10 Prozent der Stimmen haben, rüsten schon auch zum Kampf: es verlautet, dass sic einen Zähl- Kaud;datcn aufstclleu Vollen. Es wäre hoch an der Zeit, dass das zionistische Komitee mit den ruthcnischcn. ebenso wie mit den polnischen Demokraten in Berührung komme, damit die Situation geklärt werde. Die Sozialdemokraten erklären im NAPRZOP. jeden Kandidaten zu unterstützen, der sich für das allgemeine Wahlrecht erklären wird. — Nächstens mehr. E. Habuzi. 70 Meldungen und doch kein Ueberfluss In einem Bericht aus Eisass konnten wir mittcileu. dass aui eine einzige kleine Kantorstelle sich etwa siebzig Bewerber gemeldet hätten. Man konnte daraus entnehmen, dass es einen Überfluss an Kultusbeamten in Deutschland gäbe. Und doch ist das nicht der Fall. Da Preussen nicht zulässt, dass ausländische Juden als Gemeiudebcamte engagiert werden. s*> werden durch diese nur durch das veraltete Judengeseti

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