Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 2× ep/1047833
- Odesa 1× ep/1000834
- İzmir 1× ep/1047963
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Seite 53S JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 36 Jargonzoitungci! und einiger, anderen (Generalanzeiger etc.). Etwas später fand ich jedoch Literatur, die mir bald besagte, dass ich es mit einem Unternehmer, der Londoner Missions• gesellschaft zu tun habe. Die weiss besser wie wir, dass die jüdische Bevölkerung, die Aschkenasim, sich nach einer Lektüre, nach ihrer eigenen schr.cn. Vertrauend darauf scheut sie keine Mittel, bezahlt noch einen Bibliothekar etc., um ihrem S’trcben gerecht zu werden. So versucht mar. mit koscherer Speise Juden zu fangen. Verlassen wir nach ah den tristen Bildern das goldene Horn mit dem russischen Dampfer, um über Smyrna, Mersina, Beirut nach Jaffa zu fahren. Wir sind aus der Hauptstadt fort, wo wohl auch das Sprichwort ״Viele Köche verderben den Brei“, in Anbetracht der Mitregierung sämtlicher Grossmächte, sein Recht behält. Schon die nächsten Städte sind nicht verwahrloster, sondern sogar besser Die jüdische Bevölkerung scheint in den andern Städten etwas höher zu stehen. Sie verfügt über eine starke eigene Presse, wenn sic auch nicht Literatur wie der jüdische Osten hervorbringt. Ben genauen Einblick habe ich nicht gewinnen können, da mir eine neue Erscheinung zu denken gab. Mir wurden Muslim!״ gezeigt, die früher Juden waren. Allerdings hatte* es diese Exemplare nicht immer weit gebracht, z. B. zum Hafenarbeiter. Die Fahrt geht der ganzen Küste entlang, zeigt uns das englische Cvpern von Ferne, den Libanon, den grossen Haien vor, Beirut und schliesslich die heimatliche Küste. Bevor wir aber diese betreten, verweilen wir noch etwas an Bord des Dampfers. In Odessa hatten 117 Juden das Schiii betreten, die mit Ausnahme von zweien nach Palästina wollten. 111 Konstantinopel kamen noch etliche, wieviel konnte ich nicht feststellen, hinzu. So fahren nun schon Woche aui Woche zahlreiche Juden nach Erez Israel. Für uns Zionisten biete״ diese Emigranten oder wie wir besser sagen könnten.. Immigranten, das meiste Interesse. Ein gut Teil der Leute sind Greise, die an ihrem Lebensabend in die alte Heimat fahren, etwa ein Drittel der Wanderer. Dann kommen ziemlich viele Familien hinzu, die vor dem Feuer fliehen oder aus Not den Wanderstab ergrinen. Da ist ein Vater, der mit seinen 7 Kindern aus Bialystok kommt. ״Wer hat nicht gelitten.״ antwortet er kurz aut meine diesbezügliche Frage. Ein Hclzhändler. den im vorigen Jahre die Unruhen schwer geschädigt, und der des neuen Bangens müde ist. Daneben noch ein paar junge Leuts, ... Wer dieses Atiswandererschit; gesehen (und vermutlich weisen die andern Dampfer durchschnittlich nicht viel anderes Material auf), der versteht, warum unsere Arbeit in Palästina nicht recht vorwärts^gehen will. Von den vielen erwerbsfähigen Leuten wussten die wenigsten, was sie* drüben beginnen wollten. ״W ir werden sehen, was sich machen lässt," war eine stereotype Antwort. Meist sind das frühere Krämer, kleine Kfaufleute, die dort ihren Handel fortsetzen wollen. Dabei haben die wenigsten von ihnen ein Kapital. Die Familien, welche über Geld veriügeu, wissen schon eher, was sic wollen. Die eine will eine Mühle oder ähnliches kaufen, die andere Land usw. Von den drei freien jungen Leuten werden zwei Feldarbeiter werden, der andere ist Schlosser. Der ist eigens aus Michigan in Amerika herübergekommen, ein tüchtiger Zionist, von dem jeder etwas lernt. Er und die beiden Feidarbeiter sind meine Freunde. Mit ihnen kamt man prächtig reden. Sie sind moderne Menschen und moderne Zionisten. Sie wissen, dass ihnen ein arheitsvolles Lehen winkt . . . Das ist ein prächtiger Schlag Juden, mit denen man wirklieh auch in einem wirtschaftlich wenig entwickelten Lande etwas arbeiten kann. Anders steht es mit dem Gros des jüdischen Haufens. Viele sind gar keine Zionisten. Sie kommen in das Land, weil die Fahrt nach Amerika teurer ist Ein Ehepaar gesteht mir, dass cs gerne nach Australien fahren wolle; vorerst war das Geld nicht da. Vielleicht findet es sich in Palästina. Die Mädchen zerfallet: fast wie die Männer in zwei Kategorien. Die einen haben ständig Sorge, dass sie am Schabbes nicht werden promenieren dürfen und sie erzählen von Amerika, dem freien und schönen Lande. Zwei Schwestern aber sind an Bord, die haben cs vermocht, die Eltern mit sich zu führen und nun wollen sie das härteste Leben auf sich nehmen, wem: sic nur ein Stücke! Brot finden werden. Von diesen Menschen wird ein Teil im Lande bleiben. Sie wcrdvli ausharren und werden, wenn sic keine Arbeit atigewieset! bekommen, teilweise sich eine eigene schaffen. Die andern aber, die nur Krawatten verkaufen können und wollen, die schon davon sprechen, dass sie bei ihrer Rückreise sich die schönen Hafenstädte bcsclun wollen, sie sind sicher das Hauptkontingent der Rückwanderer .... Nachts erklingen nach all den Melodien der vielen andern Völker, die ich bei meiner Fahrt gehört, mm auch die eigenen, heimischen Weisen. Leise begleitet eine Violine die Säuger und im Unendlichen des Meeres verrauschen im Dimke■ der Nacht die Schwüre der Söhne und Töchter des Volkes. Syrien. ln Beirut verlassen uns zwei echte Bauern, die in Cypern eitie dritte Kolonie gründen wollen. Die 1CA gibt JO Desiätincn Land, wofür sie 15 Jahre jedes Jahr 150 .Mark zu zahlen haben. Einer, der schon voraus gefahren ist hat ilmeii geschrieben, dass der Boden gut ist. Nun wollen sie noch einmal nachschcn und dann sollen noch 9 Familien kommen. Diese Leute und noch eine weitere Kategorie verfährt planvoll. Die!'ihrigen wandern alle ins Blaue Diese weiter apostrophierten sind die Gerin׳. russische Bauern, die zum Judentum iihertraten und nun in eine Kolonie fahren, die von ihren Leuten gegründet ist imd noch Platz bietet für weitere. Das sind kernige Gcstallen, die nicht so leicht wanken werden. Sie selbst sprechen, da es ältere Männer sind, nur russisch. Aber ihre Kinder, sagen ־sic, sollen b*öndcrs Hebräisch lernen. An der Küste Syriens lernte ich sie kennen und die Art der Leute emwafmete mich und nahm mir alle Antipathie, wenn es auch bedauerlich, dass vielleicht diese Leute noch zu unserer Wiedergeburt beitragen werden. Als wir uns Palästina näherten, war es schon Nacht. Und als wir am Morgen erwachten, steuerte das Schiit auf Jaffa zu. In irüher Stunde, hielten wir vor der Brandung. Ne»ch ein paar Minuten und wir waren daheim. 3&sa Rundschau Deutsche Bäder Der bekannte Ukas der Fürstlich Plessschcn Brunnendirektion in Salzbrun 11 gegen den Kaftan und die Kaftanjuden. der bei den Eugen Richterschen Parteigängern bcreits den Neid und den Nachahmungstiieb erregt, erhält durch die Tatsache noch einen besonderen pikanten Reiz, dass in diesen Tagen in allen Zeitschriften die Reproduktion eines Bildes zu sehen war. auf dem König Eduard von England in Marienbad neben einem Kaftanjiidcn sein Glas Brunnen trinkt. In Borkum, der Stätte echtester christlich-deutscher Kultur, wo die getauften Judenstämmlinge und die andern Antisemiten den T o n angelieii. wurde kürzlich im Lieh tu n d L u f t b a d ein Badegast, der ״zufällig“ schwarzes krauses Haar hatte, von mehreren Badegästen als Jude bezeichnet. Man versuchte alsbald, ihn Jiinaiisziigraiilcu". Es wurde das bekannte anti semitische Roikunilicd gepfiffen und von dem gut gekleideten Janhagel gesm gen, wobei am Schlüsse mit dem Refrain: ..'Der muss hinaus! die Badehosenmimmer des betreffenden Badegastes gebrüllt und auf diesen mit Fingern gezeigt wurde. Der also Verhöhnte, ein Kaufmann aus Dortmund, konnte durch Besch werde beim Badewärter nichts erreichen; erst der zu Hilfe geholfe Gendarm, dem der Kaufmann handgreiflich nachwies. dass er kein Jude sei. konnte ihm seinen Schutz an gedeihen