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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 527 respondenten. bei geeigneter Beeinflussung unsere Bestrebungen nicht nur finanziell, .sondern, dank ihren Beziehungen, auch politisch wesentlich fördern. Da sie Jedoch in der französischen, soanischen und arabischen Kultprsphäre leben, so müsste der nächste Schritt die Bestellung von Agitatoren und die Herausnabe von Schriften in diesen Sprachen sein. Auf die Rechneten Kräfte hal man uns hinauSRewicscn und so mangelt es. bei dem heutigen Stande unserer Vorbereitungen, zur Inangriffnahme dieses Werkes, dessen erstrangige Bedeutung in die Augen springt, an nichts, als an Mitteln. Gewähren Sic der Propaganda-Kommission picht .ausserordentliche Kredite, sondern nur ihre etatsmässige Dotierung, dann werden wir nicht nur die Zionisicrung der orientalischen Judenheifbegitincn können, wir werden auch in der Lage sein, in die genannte zionistische Propaganda allmählich mehr System. Grosszügigkeit und Schulung zu bringen, ein ständiges, aber stetig sich erneuerndes Korps von Wanderagitatoren zu «changn ,die in steier Fühlung mit Palästina in genauer Kenntnis der laufenden Bedürfnisse unseres nationalen Restaurations- Werkes die Welt bereisen, die Judcnheit aller Länder aufrütteln und filr unsr Werk gewinnen werden. Kein Geld Ist besser angelet, denn die Propaganda bedeutet nicht die Vergrösserung unserer Ausgaben, sondern die unserer Einnahmen. Z!1 den Hauptgegenständen, mit denen die Propaganda- Kommission sich befasste, gehörten die. V o r b e r e i t u n c e t. für ein national-jüdisch es Tageblatt. Ajs Frjrebnis derselben wird der Jahreskonferenz der Entwurf und die Rentabilitätsberechnung einer täglich erscheinenden Zeitung unterbreitet. Diese Vorlagen, verbunden mit einem Motiven- Wichte und einem Anträge, bilden dpp Gegenstand eiues besonderen Referates. Bericht der statisiisch-volkswirtschaft- ‘liehen Kommission - Erstattet von Dr. Alfred Nossig. Der VII. Kongress hat über Antrag von Dr. Werner, den Herr Oskar Marmorck unterstützte, eine Kommission für die jüdische Statistik und die volkswirtschaftlichen Fragen de! Judcnheit eingesetzt, und als solche den jedesmaligen Vorstand des Verbandes für Statistik der Juden sowie die Mitglie־ der des von letzterem gejeiteten statistischen Bureaus bestellt. Die Bewilligung einer Jahresdotation von 3000 Mark für diese Kommission wurde dem A.K. anheimgcstellt mit der Direktive, diesen Vorschlag nach Tunlichkeit zu berücksichtigen. (Proto- Voll des VII Zicnistcn-Kongresses S. 279.) Den ersten Anlass, die Dienste dej statistischen O/ganU sation als zionistische Kommission in Anspruch zu nehmen, boten dejn A.K. die russischen Katastrophe״ und 'die vom A.K. nach Brüssel einberufeue Konferenz. Da gcrade kurz vorher die Ergebnisse der letzten russischen Volks- Zählung zur Veröffentlichung gelangten, so war unser Kommission in der Lage, eine Übersicht über die sozialen Verhültnisse der Juden in Russland auf Grund amtlicher Daten in Bearbeitung von Dr. Arthur Ruppin der Brüsseler Konferenz als Grundlage für ihre Beratungen zu unterbreiten. Das A.K. bewilligte der Kommission für diese Arbeit 1000 Mark. Der zweite Gegenstand, dem unsere KommissioiK ihre Aufmerksamkeit zuwcndctc. war die neuerdings mit clementarer Kraft vor sich gehende Einwanderung unserer S ta m nies g enossen in Palästina. Unsere diesbe« züglichen Arbeiten sind in vollen! Gange, und wir hoffen, bis zum Schlüsse dieses Jahres die Ergebnisse derselben verönent« liehen zu können. Wir beabsichtigen, einerseits eine Übersicht über die Zahl und Zusammensetzung der Palästinacmigrationsvereine in Europa, hauptsächlich in Russland, zu geben, andersests ein ziffernmässiges Bild der neuen Einwanderung und Verteilung unserer Stammcsgcnosscn in Palästina. Bei diesen Arbeiten unterstützen uns einerseits der Leiter des ״Bezalel*. Prof. Boris Schatz, andererseits das I n f 0 r ma t i 0 n s - b u r c a 11 f ü r jüdische Einwanderer in Jaffa. Prof. Schatz ist überdies mit einer .speziellen Arbeit für unsere Kommissinn beschäftigt, nämlich mit der genauen statistischen A u!nahm! der ji'1 d i sch e n Handwerker 1111 d Oe wcrI) c tr e: bc 11 dc 11 in Jerusalem. Diese Arbeiten, welche für die zionistische Organisation nattirgemäss von ganz besonderem Interesse sind, bestreitet unsere Kommission aus eigenen Mitteln, die ihr von nicht• zionistischen Körperschaften geliefert werden. Die andern Erhebungen, mit denen der Vorstand des Verbandes für Statistik und das Statistische Bureau zurzeit heschäftigt sind, gehören, so sehr sie das nationaljüdische Interesse in Anspruch nehmen, nicht iu den Rahmen dieses Referates, sondern in dgn Bericht der statistischen Organisation. Doch dürfte zum Schlüsse ein kurzes Wort ober die für unsere Bewegung sehr lehrreiche Entwicklung dieser Organisation angebracht sein. Die jüdisch Statistik wurde bekanntlich von einer Gruppe von Zionisten begründet und ist ein durchaus nationales Unternehmen. Sie hatte anfangs mit den grössten Schwierigkeiten zu kämpfen. Die zionistische Organisation verweigerte ihr jede finanzielle Unterstützung, weil sie von der Ansicht ausging, dass die jüdische Statistik nur in grossem Stile, etwa mit dem Aufwande von einer Million Mark, zu schaffen wäre und solche Mittel nicht zur Verfügung ständen. Von nichtzionistischer Seite wurde die Statistik zunächst aufs heftigste bekämpft, weil sie als ..jüdischer Staat im Staate“ inopportun, als ..Wahrheit über die Juden“ gefährlich erschien. Nur von nichtjüdischer, ja von staatlich-amtlicher Seite wurdet; w׳ir. allen Befürchtungen zuwider, als willkommene Mitarbeiter begrüsst und in jeder Weise unterstützt. Im Laufe weniger Jahre ist es nun trotz aller Hindernisse gelungen, von den bescheidensten Anfängen zu Orös$ere!11 fortschreitend, ein ständiges Bureau zu etablieren, eine Zeitschritt zu gründen und ein Budget von zirka 12 000 Mark für jüdisch-statistische Arbeiten zu sichern. An die:cm Budget sind fast sämtliche jüdischen Organisationen und namhafteren jiidisehen Gemeinden beteiligt. Ein solches Resultat, das nur den Beginn einer weiteren Entwicklung darstellt, konnte erzielt werden, well wir uns mit Erfolg bemühten, die offiziellen, nicht zionistischen Vertretungen der Judenhcit wenigstens auf diesem Gebiete zu überzeugen, dass das nationaljüdische Werk, von dem die Statistik nur einen Zweig bildet, nicht etwa ein utonistischcs Unternehmen reaktionärer und gemeingefährlicher Fanatiker ist, wie die Etikette lautete, sondern der zcitgemässeste und rationellste Ausdruck des wohlverstandenen Interesses der Gesamtjudenheit, ihr praktisches Sich-auf-sich-selbst-Besinnen die Warnung jener vitalsten Interessen, auf die keine Gemein- Schaft, die als solche existieren will, verzichten darf. Die mit der jüdischen Statistik gemachten Erfahrungen können nicht eindringlich genug empfohlen werden. Die Befolgöng der Maxime: das Grösste nicht als Anfang, sondern als das naturgemässe Resultat einer längeren Entwicklung zu erstreben: aus eigenen Kräften vertrauensvoll mit Kleinem zu beginnen und unter Heranziehung der breiten, nicht zionistischer Kreise der Judcnheit das Werk allmählich emporzuführen, kann uns auch auf andern Gebieten der zionistischen Tätigkeit an das erwünschte, sonst unerreichbare Ziel führen. (Schluss folgt.) Nach Schluss der Redaktion Zur Bankstatutenänderung liegt der Jahres• kon!creu[Z ein Antrag des Herrn J. L. Orcenbcrg vor ״Die Konferenz empfiehlt die Verschmelzung <jes Jewush Colonial Trust mit der Anglo־Palestine Company zu einer Gesellschaft unter dem Namen Anglo-Palestine Bank Limited, deren Tätigkeit tunlichst auf Palästina und dessen Nebenländer oder auf Geschäfte siclT'Fescfiran• ken soll, die mehr oder weniger in direktem Zusammenhang damit stehen." Während des Druckes der Zeitung erhalten wir von utiserm Berichterstatter aus Köln noch ein Telegramm, ckiss In der agj Mittwoch abgehaltcnen ordentlichen Jüdischen Kolonlslbank die bekannte angekünclgto Statutenänderung mit grosser Mehrheit beschlossen wordca Ist. Am Donnerstag wurden die Beratungen der Jahreskonf.ercn7 fortgesetzt. Schlussbericht in nächster N n m ni e r. Briefe von einer Palästinafahrt Als wahrheitsgetreuer Chronist darf Ich nicht Budapest und seine Juden, wie gerne ich es täte, fibergehen. Der Zahl der jüdischen Bewohner nach gehört cs zu unseren Hauptstädten. Und da jeder Kaufmann und Kommissionär mindestens fünfmal soviel im lauem der Stadt, wo sich der Fremde aufhält, umherreimt als der Fabrikarbeiter, so bekommst du einen recht stattlichen Begriff von der Zahl der dortigen jüdischen Bevölkerung. Komme aber mit mir in die grosse Gegend, wo nui alte Gegenstände verschachert werden, und du siehst nichts als Juden, alte. we:s$bärtigc; junge, du• noch in die Schule gehen sollten. Aber alle sind arm, *dürftig bis zur Sclmiut/ig-

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