Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Banat 1× ep/1272623
- Safed 1× ep/1046078
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Seite 52S JÜDISCHE RUNDSCHAU keit. Und wenn cs dir, wie mir echt, dass du wegen des Oe• päcks in ailcn möglichen Aenuerr. Nachschau halten musst, so findest du allüberall oft in schmucker Uniform eine gute Jüdische Generation, die nur gebrechen und oft nur unwillig 1<a< Deutsche snricht. die hübsche jüdische Damen empfängt.., Der Freitag ging zu Ende. Im Ghetto wurde es etwas stiller. Vergebens hatte ich stundenlang einen Zionisten gesucht, der etwas von der ,Makkabaea* wüsste. Nichts zu erfahren auf der Universität, nichts im Adressbuch. Und auch die Angaben, die man in der Judengasse erhält, falsch oder unzureichend. Ueberall erklingt das Yiddisch. Der Bäcker empfiehlt noch seine Ware seiner Kundschaft mit teilweise hebräischer und jüdischer Aufschrift. Aber sein Kind läuft schon mit einem dreifarbigen, dem ungarischen Band über der Brust durch die Strasse und teilt die nationalen Wünsche seiner ungarischen Gespielen. Selbst hier im Ghetto hat das Freiheitszeichen der Magyaren überall Anhänger gefunden. Suche in all der jüdischen Kultur, die hier noch herrscht, bei dem Händler, der die jüdischen •Bücher verkauft, bei dem Synagogemvücbter das Zeichen unseres Volkes . . . Vergebens... Den Abend verbrachte ich in dem grössten Restaurant der Judenstrassen. Man hört nur Jüdisch-deutsch. Aber auch hier verkehrt kein Zionist. Und als ich gar eine jüdische Zeitung zu lesen wünschte, da reisst der Herr ״Ober“ Mund und Augen auf. Von dem Augenblick schwindet aller Respekt. Jemand, der noch eine jüdische Zeitung lesen will, der ist sicher von ״dort" her. Schliesslich bringt er mir eine alte Nummer von Bloch's OESTERR. WOCHENSCHRIFT. Und das in einem wirklich respektablen,• nur von Juden besuchten Restaurant. Aber darf cs uns schliesslich wundern? Die ungarische Nation gewährt den Juden ein grosses Mass an Freiheiten, und da sind eben unsere Assimilanten tüchtig an der Arbeit. W o aber doch noch so viel Jfidischkeit vorhanden ist, da wird sich auch unsere Tätigkeit lohnen. Nach zwei Tagen ständiger Suche verlicss ich nachts die wirklich prächtige Stadt per Schiff, uni weiter nach Süden zu fahren. J. D o n a u f a h r t. In Deutschland ist die Kunde noch nicht überall hingedrungen von der Herrlichkeit dieser Reise. Wir durcheilen die weiten Pussten. die wilden Berge des eisernen Tores landen an magyarischen, an deutschen (Banat), kroatischen Plätzen. Tage fahren wir und prächtige Nächte. Daun an Serbien, Bulgarien und Rumänien vorbei. Spaniolischc Juden steigen ein und sprechen ihre eigene Sprache inmitten des übrigen Völkergewirrs. In Bulgarien ist unsere Bewegung' schon recht fortgeschritten. Schade, dass ich nicht wenigstens in Rustschuk aussteigen kann, um den nationalen Turnern ein kräftiges Hedad entbieten zu können. Wir landen nachts auf rumänischem Gebiet in Czerr.avoda und um die Verhältnisse zu charakterisieren, setze ich hier zur Illustration ein Stuckchen her: Bei der Zollrevision wird uns der Pass abverlangt. Zwar wissen wir, dass während der Ausstellungszeit in Bukarest, das wir, um nicht zuviel Zeit zu verlieren, ganz in unserer Nähe links liegen Hessen, kein Passzwang ist. Aber der Poüzeimeister schreit immerfort ״Pass!“ Das Volk hat ihn schon abgegeben, und so müssen wir tim ausliefern. Dafür sollen wir ihn nach fünf Minuten wiederbekommen. Dann reisst man uns aus detn Gepäck jedes Gepäekst'ückchen heraus. Wir warten aut den PoKzeicItcf eine Viertelstunde, eine halbe Stunde. Wir ziehen vor die Polizei. Endlich treffen wir ihr. in Begleitung eines Mannes aus Jassy, dessen Gepäck überhaupt nicht revidiert worden war; vielleicht ist es ein Bekannte r von ihm oder vielleicht verfügt er über Geld. Vcrgebens stellen wir den Beamten. ״Morgen aufs Wiederschauen!•‘ ruft er uns zu und verschwindet. Es ist nachts No. 35 zwei Uhr und das Hotel gut besetzt, so dass wir int Freien kampieren müssen. Dabei war die Gelsenplagc (stechende Fliegen) nicht gering. Wir, das waren ausser mir zwei russische Stuccnten, die in München studieren, in Belgrad das Schiff bestiegen hatten und wie ich nach Koustantinopcl wollten. Am Morgen erschienen wir in der Polizei. Erst nach langen Drohungen liess mau sich dazu herab, unsere Pässe zu revidieren. Wir sollten doch noch etwas hier bleiben. Schliesslich kam der Pass an unseren Bekannten vom vorigen Abend . Er lag natürlich noch im •Bett, mass uns mit wütenden Blicken und verlangte von jedem 5 Frank. Erst als er merkte, dass wir uns durch keine Drohung das Geld abnehmen Hessen, händigte er uns die Pässe aus. Wir erreichten gerade noch den Zug, der uns in das Seebad Constanza brachte. Hier war der Dampfer schon abgefahren, so dass wir in dem teuren, aber noch viel versprechendem Kurplatze zwei Tage blieben. Der ordentlichste Wirt am ganzen Platze ist sicher ein Jude (Grttbcr). 5. K o n s t a n t i n o p e 1, Die rumänische Linie verlässt nachts de.! Haien und landet mittags am Bestimmungsort nach herrlicher, weltberfthmier Fahrt durch den Bosporus. Wir reiste:! in guter Ge- Seilschaft. Zuerst stiesesn wir aut einen Jenaer Zionisten, der aber bald in das ״Postbiiro‘ verschwand u ״•i hier, wie er später erzählte, für 2 Franken in einem herrlichen Bett schlief. Wir logierten auf unseren Decken uml schliefen diese Nacht alle recht gut auch, in dritter Klasse. Mit uns fuhren alte Juden aus der Bukowina. Menschen, die der Wind und das Wetter schon ’was mitgenommen hatten und die nun nur noch ihre müden Glieder auf die heilige Erde bringen wollten. Keiner von ihnen war wohl jünger als 65 Jahre, meist viel älter. Grau und schwach lagerten sie mit den alten, vergrämten Weibern in ihren schweren, holten Stiefeln und langen Röcken aut ihren armen Habseligkciten. Fuhrmann war der eine gewesen, wie er mir sagte, und jetzt ginge es nach Safed (Zcfat). Was mache es da. wenn man sie auch übervorteile, ihnen zusetzc. man käme doch naclt Erez Jisrael und der Alte nickte freundlich . . . Mit diesen w׳ackeren Wanderern wird wohl jedem Zionisten das Herz warm und die Zeit kurz, die man noch hinüber braucht. (Fortsetzung folgt.) c □־l כ Briefkasten der Redaktion, כ»*~* gm J Im Dr. Martin Bubers Adresse ist zur Zeit In Hall itt Tirol, postlagernd. Israel. Synapgen-Gcmemde ״Adnss JisrocI“ _*_Berlin,_ Vermietung der Synagogenplätze täglich von 10-1 Uhr vormittags im Gemeindebureau Artillerie- Strasse 32. Die bis zunt 5. September nicht erneuerten Plätze werden da ab anderweitig vergeben. Uhren» Goldv'a.ren, O Juwelen, Silber und Alfenide-Waren, in grosser Auswahl. BERLIN, König-Strasse 43—44.