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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 526 JÜDISCHE .RUNDSCHAU _ ___N0:J35 ben würde e׳n Zeugnis ablegen fiir die Treue, die wir unserm Crossen Führer bewahrten, und wird mit der Zeit zu entern Wallfahrtsort werden für alle, die an die nationale Wiedergeburt unseres Volkes Klauben. Was die Tätigkeit' der Palästina-Kommiss i 0 n in der Zukunft betrifft, so wird sie im wesentlichen davQtt abhängen. wie es mit ihren Finanzen bestellt sein wird. In diesem Jahre sind nicht einmal so viel Gelder eingekommen, dass die Schulden der letzten Jahre bezahlt werden konnten, geschweige denn, dass das vom Kongress beschlossene Budget für die 2 Jahre 190J—1905 ausgezahlt werden konnte. Trptzdem wir auch in diesem Jahre nur drei Viertel des uns zukomntenden Budgets verbraucht hab.n. sind die Schulden der Kommission gegenwärtig grösser als im vorigen Jahre, und ben dem geringen Eingang der Schckclgelder ist eine Tilgung den Schulden von dieser Seite her nicht wahrscheinlich, während eine Erfüllung' der Kongressbcschlüsse bezüglich des Budgets der Palästina-Kommission gänzlich ausgeschlossen erscheint. Unsere Ansicht ist die. dass die Schekclgelder nur für die rein organisatorischen und propagandistischen Zwecke reserviert bleiben sollten und dass für die Palästinaarbeit ein bcsonderer Palästinabeitrag erhoben werden muss, der vorläufig freiwillig sein muss, später aber durch Kongressheschluss obiigatorisch gemacht werden sollte: es würde dann also ein Parteischekel und ein Palästinaschcktl jährlich zu entrichten sein. Die deutsche Landsmannschaft hat schon einen freiwillig'.ri Palästinabeitrag ihren Mitgliedern empfohlen, die anderen Landsmannschaften sollten diesem Beispiel folgen. Nur auf .diese Weise wird cs gelingen, unserer Palästinaarbeit für die Dauer eine gesunde Natur zu geben, und vielleicht mit der Zeit sogar einen l’ond zu schaffen, aus dem auch, wenn es erfor* dcrlich werden sollte, auch grosse Untersuchungen bestritten werden könnten. Bericht der Propagandakommission Erstattet von D r. AI f c c d N 0 s s 1 g. Die vom VII. Kongress eingesetzte Propaganda-Kommission, welche auf der Basis der letzten programmatischen Resolutionen eine neue, wirksame Agitation entwickeln sollte, konnte der ihr gestellten Aufgabe bis jetzt nicht in gewünschtem Masse nach• komnjpn. Die Ursachen hiervon sind in der a 11 g e rn e i n c n Lage des Z i o n i s m u5 zu suchen. Zunächst haben die Vorgänge inRussland. obwohl sie dem Zionismus intellektuell neuen Nährstoff lieferten, die zionistische Propaganda im letzten Jahre praktisch gelähmt. An ihre Stelle musste eine VVohltätigkeits- und Protestaktion treten. Die Haupteinnahniequellen unserer Organisation versiegten infolge der Pogrome, des russisch-japanischen Krieges sowie der russisehen Revolution, und dies ist wohl der Grund, dass der Propagajjda-Kommission statt der ihr ausgesetzten Jahresdotierung von 12000 Mark nur ein Vorschuss von!000 Mark bewilligt wurde, der ihr eine Aktion in grösserem Stil nicht möglich machte Neben d'eseu äusseren Umständen wirkten die inneren Verhältnisse des Zionismus in den! ,Berichtsjahre auf die Tätigkeit der Propaganda-Kommission *hemmend ein. Trotz der Beschlüsse des VI!. Kongresses, die mit einer fast an Einmiitigkeit grenzenden Majorität gefasst worden waren, bestand sowohl in' den leitenden Körperschaften wie in den breiten Massen unserer Bewegung noch ein programmatischer Zwic- Spalt, der sigh hauptsächlich auf die Methode unserer Aktion. \!eJ wcnjgej auf das territoriale Ziel derselben bezog. Auge* sichts dieses Nacjj/.itterns des f herzeugungskampfes war dit Mehrheit der Mitglieder der Zentrale der Propaganda-Kotnmission dafür, sich in diesen» Jahre abwartend zu verhalten, um interne Reizungen zu vermeiden. Zu allen diesen Hemmnissen trat noch eine sehr fühlbare Zcrfah/enhcit unserer Organisation die überaus schwierige und schleppende, oft völlig versagende Verständigung mit den Propagandakollegien und den Vorständen der zionistischen Oreajiisationcn in den verschiedenen!.ändern, zum Teile sogar formelle Kompetenzstreit'gkeUen. Auch aui diese paralysierenden Älorucnte muss hier hingcvyjesen w׳erdcn, weil sie durch .den guten Willen unserer führenden Parteigenossen und eine strengere Handhabung der Parteidisziplin s.eiteus des A. K. bc< seitigt w erden könnten. Ein reger Austausch von Propagandarcdncrn zwischen den Zentren unserer Bewegung, die Veröffentlichung von zahlreichen Agitationsbroschüren ju verschiedenen Sprachen, die Eröffnung einer kräftigen interterritorialen Propaganda in einheitÜchem Geiste, wie sie von unserer Kommission geplant wurden, erseh enen also im verflossenen Jahre undurchfijhrbar. Trotzdem war die Propaganda-Kommission nicht .untätig. Nachdem sie durch Einrichtung einer Zentrale in Berlin und Bestellung von Propagandakollegien fiir die einzelnen Linder sich eine Organisation verliehen, war sie ior allem mit Erfolg bemüht, durch Anregung von grossen T rote SJ versa m mlung en die Pflicht des nationalen Judentums angesichts der russischen Judcnmetzeleien zu erfüllen. Es ist uns hierbei gelungen, die einflussreichsten, nicht• zionistischen Kreise der Judenheit zu einer gemeinsamen Aktion herauzuziehea und der Protestbewegung einen beinahe ausgesprochcn nalonaljiidischen Charakter zu verleihen. Angesichts der Schwierigkeiten, die sich einer politischen Frqpaganda mit klarumrissencm Programm vorläufig entgegen־ .stellteji״ erschien es ratsam, einen anderen, bis jetzt wenig berücksichtigten Zweig dgr Propaganda in Angriff zu nehmen,' nämlich den der literarischkünstlerischen V c r - an Stallungen. Ob* Versuche, welche die Zentrale der Propaganda-Komtr.ission unter Angliederung eines speziellen Komitees für jiidisch-kiinstlerische Veranstaltungen in Berlin unternommen, haben dargetan, dass dieses mehr indirekte Agitationssystem besonders dem grossen, dem Zionismus noch fernste] icnderl jüdische!! Publikum gegenüber wirksam und anziehend ist. Der geradezu unerschöpfliche Schatz von zum Teile erstrangigen Kunstwerken jüdischen Inhalts, den uns auf dem Gebiete der Dichtung und der Musik der Malerei und der Plastik Meiste! jüdischer und nichtjiidischr Abstammung!unterlassen haben, erweist sich als vorzügliches Material zur Neube- Icbung des jüdischen V01ksbcw־us«Jscins. Dazu tritt eine Reihe von Werken neueren Datums, die von zionistisch empfindenden Künstlern geschahen wurden und deren Agitationskraft nie versagt. Dank der künstlerischen Aufführungen, sowie den der jüdischen Dichtung und Kunst gewidmeten Vortragsabenden, die im abgeschlossenen Jahre in Berlin• stattfanden, ist ein Material zusammcngcstcllt worden, das von allen anderen Zentren der zionistisch׳:!». Bewegung fiir ähnliche Vcranstaltungen »verwendet werden kann. Ganz besonders wirksam und empfehlenswert sind Thcateraufüihrungen. Mit diesen betritt der Zionismus eine F.ntwickclungshaha. an deren Ende die künstlerische Nationalhiihne steht, zweifellos eines der!nachtvollsten Mittel zur nationalen Beziehung des grossen jüdisch,en Publikums. Wenn man auch, wie die Erfahrung lehrt, bei allen kirnstlerisch gediegeneren Veranstaltungen dieser Art auf eine starke Beteiligung de*• nichtzionistischen Kreise rechnen kann, so sind die Kosten manchmal doch so erheblich, dass dieser Propagandazw-cig ohne finanzielle Mittel nicht betrieben werden .Kann. Die Propagandakommission hat daher gegen Ende des Berichtsiahres die Schaiiung eines eigenen Garantieiond׳ iür j ü d is c h * k ü n s 11 e r i sc h c Veranstaltungen in Angriff genommen, dessen Entwicklung dank der Beteiligung nichtzionistischer Kmst!näci־ne recht günstig zu werden verstricht. Während die von der Kommission vcranlasstcn literarisch• künstlerischen Darbietungen ihrer Natur nach einen lokalen Charakter tragen mussten, diente die von ihr herausgegebene Sarnn!e 15־:h r if t ..D ie Zukunft der Jude n“ .den Zwecken der grossen zionistischen Propaganda. Der Erfolg dieser *Publikation, in der ebenfalls auf die künstlerische Seite besonderer Nachdruck gelegt wurde war ein so guter, dass in wenigen Monaten unter Beteiligung der Berliner zionistischen Vereinigung eine zweite, grössere Auflage gedruckt werden konnte. Im Aufträge des A.K. hat sich die Propaganda-Kommission mit den Vorbereitungen zu einer planmässigcn zi o n i s t i - sehen Agitation unter den in! palästinischen Länderkreis lebenden Juden befasst. Diese Bestrebungen sind ein logischer AüSdruck der auf Schaffung einer realen Basis "im Orient gerichtete]! Politik, die die Macht der Tatsachen dem Zionismus immer mehr aufdrängt. F.s ist eine naheliegende, ja sclbstverständlche Idee, dass wir die jüdische Bevölkerung Paläs.tinas. der europäischen und asiatischen Türkei und Ägyptens für unsere Anschauungen gewinnen, zu Pionieren und Stützen der ftationaljüdiscjjcu Staatsidec machen sollten Auf Grund zahlreicher, sehr inforiiKiLivcr Berichte, die der Propaganda-Konunission von unseren Vertraueftsmännern in Konstantinopel. Jerusalem. Beirut und Kairo zugekommen sind, können wir mit Zuversicht, behaupten, dass hier der zionistische״ Arbeit in den den türkischen Gesetzen augepassten Formen ein ebenso weites wie dankbares Feld offen steht. Unsere Brüder im Orient würden, nach der Überzeugung unserer K.or-

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