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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 35 Seite 525 JÜDISCHE RUNDSCHAU gros.sc Bedeutung hat. sö glauben wir doch, dass er eine weite Entwicklungsmöglichkeit haben wird. Es gibt Tausend^ guter und palästinatreuer Juden, welche den politischen Gedanken des Zionismus nicht zu iolgcn vermögen, sich aber au der kulturellen und wirtschaftlichen Hebung des Landes gern beteiligen werden. Für die wirtschaftliche Hebung suchen wir durch den Palästina-Pflanzungsvcrcin. durch die vom Palästina-Industrie- Syndikat zu gründenden Gesellschaften, durch den Bczalel einen neutralen Boden zu schaffen, für kulturelle Zwecke soll der Palästinavercin die unpolitische Basis abgeben. Er wird eine gute Grundlage für gemeinsame Arbeiten mit anderen Instituti&ncn abgeben und gleichzeitig den noch nicht zionistischen Schichten zeigen, dass man durch Beitritt zur zionistischen Organisation noch nicht zu eitum eingefleischten Theoretiker geworden ist. sondern auch die Gegenwartsarbeit in Palästina hoch zu schätzen und zu organisieren versteht. Auf diese Weise schaift man dem Zionismus viele Freunde und kann namentlich auch durch Festlichkeiten, an denen sich dann auch Nichtzionisten gerne beteiligen werden, die nationale Idee und die national-kulturellen Institutionen in Palästina gleichzeitig fördern. Was die Gründung einer Mittelschule in Jerusalem betrifft, die nach der Meinung vieler ein absolutes Bedürfnis ist. so hat der Hilfsvcrciu der deutschen Juden auf unsere Anrccung hin sich dieser Frage ernstlich angenommen, und wir Zionisten werden versuchen, durch Aufbringung erheblicher Fcttds das Recht zu erwerben, auch unserseits an der Organ;- sation und Leitung der Schule teilzunehmcn. Regen Anteil genommen hat die Palästina-Kommission an der Gründung des P i I a n z u 11 g s v c r e i n s ״P a 1 ä s t i n a \ ja man kann wohl sagen, dass dieser Verein im wesentlichen ihr Werk ist. Dieser Verein soll jedem Juden der Welt die Möglichkeit und die Anregung geben, sofort oder allmählich der Besitzer eines kleinen Fruchtgartens in Palästina zu werde׳!. Zu diesem Zwecke wird eine ein Dtrnani (ca. 7! ha) grosse Landparzclic auf seinen Namen du das Liegenschaftsbuch des Vereins eingetragen, und als Bestätigung erhält er ein Diplom, auch wird ihm lebenslänglich jährlich eine Palästinagabe in Gestalt von Landesprodukten (Mandeln, Rosinen. Oliven. Wein. Grangen. Konserven etc.) zugesandt. Der Beitrag, um ordeatliebes Mitglied dieses Versus und damit Gartenbesitzer zu werden. ist so klein (80 Mark resp. 100 Frcs.. 100 Kr.. *I Pid. Sterl.). dass jeder das Ziel erreichen kann, zumal niemand gezwungen werden soll, das ganze Geld aui einmal zu zal׳J.en: als Minimum ist angesetzt 10 Mark in jedem der beiden ersten Jahre, welche Summe zum Ankauf des Landes dienet! soll und 6 Mark in federn weiteren Jahre bis zur Vollendung, mit we!- ehern Jahre er erst als ordentliches Mitglied angesehen wird, während er schon nach Zahlung des Bodenpreises von 20 Mark als ausserordentliches Mitglied gilt. Um aber möglichst bald viele Vollzahlungeu zu erlangen, die ja zur Sicherung eines grösseren Landkomplexes und seiner Bepflanzung nötig sind, erhalten die erster! 1000 ordentlichen Mitglieder je eine, nur für die Zwecke des Vereins geschaffene und von dem Künstler dein Verein geschenkte Original-Radierung von Hermann Stryck, während den 100 ersten immerwährende!! Mitgliedern — das sind solche, die 10 Parzellen kaufen, also S00 Mark einzahlen — die ersten rummerierten Drucke mit eigenhändiger Unterschrift des Kiinstl.rs reserviert werden. Der Verein bezweckt, einerseits ein inneres Band zwischen den Juden der Diaspora und Palästina herzustellen, anderseits aber auch möglichst vielen armen Stammcsguiosseii die Ein- Wanderung in Palästina zu ermöglichen respektive ihnen daselbst einen landwirtschaftlichen Lebenserwerb zu verschaffen. 25 Vereinsniitglieder können schon eine in den palästinischen Kolonien während der Saison beschäftigte Arbeiterfamilie bodgn* ständig machen. 50 Vereinsniitglieder ermöglichen soga/ $.chou die volle Beschäftigung einer Familie auf den Ländereien des Vereins. Der Verein, der seinen Sitz in Berlin hat und dessen Bureau vorläufig mit der Palästiuakommission zusammcnfällt. ist ebenso wie der ״Bczalel" auf breiter Basis aufgebaut, damit nicht nur Zionisten sich daran beteiligen können; wir holten und erwarten aber, dass wir mit der Zeit die meisten Zionisten auch als Mitglieder dieses Vereins werden begriissen können. Eine weitere Organisationsarbeit, von der wir uns viel vorsprechen, ist die Begründung eines Pa 1 as t i n a -\ 11 du - striesyndikates. d. 11.. einer Gesellschaft mit geschältlieber Basis, die sich zur Aufgabe macht, die verschiedenen industrieltcu Möglichkeiten Palästinas auf ihre Rentabilität zu prüfen und im günstigen Falle dann die einzelnen Industrie- ■gesellschatten zu gründen: es sollen neben verschiedenen!!!du- 'strielleu Unternehmungen übrigens auch bergbauliche Betriebe. ־Trausportuntcrnclmumgen sowie landwirtschaftliche Grossbctriebe in den Bereich der Tätigkeit des Syndikats fallen. pas Syndikat erhält bei jeder Gründung seine Auslagen mit einem entsprechenden Gewinn als Risikoentschädigung zurück, damit das Kapital flüssig bl.lbt für neue Unternehmungen u;1:l Gcscllschaftsgründungen. Es liegt schon eine Reihe zum Teil recht aussichtsvollcr Projekte vor. und bald nach der definitiven Gründung des Syndikats dürfte man wohl auch an die Gründüng der ersten Industriegesellschaften gehen können. Von du! auf 1000 Mark fixierte» Anteilen des Syndikats sollen nur je 500 Mark vorläufig eingezahlt werden; erst bei Bedarf und nach cingcholtcm Beschluss der Svndikatsmitglicder soll der Rest eingJordert w־crdc!1. Es soll attgetattgen werden, wenn l'JO Anteile des Syndikats fest gezeichnet seit» werden, oder wen:; die Zeichner bcscliliesscn. auch mit einem geringeren Betrag beginnen zu wollen. •1. Die beratende Tätigkeit der Kommission dem Aktionskomitee, den Föderationen, den Ortsgruppen und Einzelpersonen gegenüber hat vor allem in einer lebhaften Korrespondenz mit den Föderationen. Ortsgruppen und Einzelpersonen bestanden, während der Vorsitzende der Kommission aB Mitglied.des Engeren Aktionskomitees auch an den verschiede nen Sitzungen in Köin teilnahm. Auch hat die Kommission veranlasst, dass in dem in Brüssel gefassten Beschluss, ein allgemein Jüdisches Komitee zu bilden zur Auffindung neuer Emigrations- und Kolonisationsmöglichkeitcn für die russischen Jud,׳n, auch der Orient bcsonders mit cinbezogen worden ist. Dieses Studienkomitee bat sich unterdessen in Berlin konstituiert und es dürften bald Unterkomitecs an den Hauptplatzen des Orients geschahen werden: das Material hieriür zu liefern, ist die Palästina-Kommission berufen, die aiich durch ihren Vorsitzenden in dem Komitee Sitz und Stimme hat. Es ist klar, dass das in Jaiia neuerdings begründete Allgemeine Informatiousbureau. sowie die Odcssaer Zentrale für Emigration schon zwei wichtige Stützpjmkt6 sind, an die sich das Berliner Komitee hoffentlich an• lehnen wird, und cs ist unser Bestreben, das Komitee zu ve!- anlassen. den von Odessa aus vorgclcgtcn Plan tunlichst zur Ausführung zu bringen. 5. Was die Verwaltung von zionistischen und anderen Institutionen durch die Palästina-Konimissiori betrifft, so kommen ausser dem schon oben besprochenen Bczalel. dem Pfianzungsverein ..Palästina” und dem Palästina-Industriesyndikat nur noch die palästinischen Angelegenheiten des Nationalionds in Betracht. Zu den bisherigen Landkäufen in Palästina ist im!Berichtsjahr nichts hinzugekommen, obgleich einige kleinere O!)- jckte in Angriff genommen sind. Wer weiss. wie schw ierig und zeitraubend ein Landkauf in Palästina ist. der wiyl sic'! auch unserer Ansicht anschliesscn. dass man verschiedene Objekte gleichzeitig in Angriff nehmen muss, will man. dass nur etwas in jedem Jahre zu Ende geführt wird. Die definitive Ueberwcisung des Terrains für die Versuchs- Station dürfte wohl das nächste greifbare Resultat in Palästina darstellen. Dann würden wir die drei noch zu Herzis Leb- Zeiten bewilligten Landkäufe tinigermassen durchgeführt haben und wjr besässen das Land für die Versuclisstation (Athlit) dgs Land für die Lehrfarm (Hattln bei Tiberias) und das Land für die genossenschaftliche Farm (Duleiha ed-Dschätn). Aber alle diese drei Käufe müssen noch vervollständigt werden, bei jedem fehlt noch ein Teil, bei der Versuchsstation z. B. die Neben- Stationen in klimatisch anderen Teilen Palästinas, in Hatttn und Duleiha angrenzende noch nicht gekaufte Stucke. Ob dieses Fehlende bald hinzuerworben werden kann, lässt sich gar nicht vorherbestinuncii. Bisher sind die schon gekauften Ländereien für einen sehr geringen Betrag an benachbarte Araber verpachtet worden, wjr hoffen aber schon in diesem Jahre für Duleiha ed-Dschäm eine für unsere Zwecke geeignete Verwendung finden zu können. Auch an die Verwendung der Oclbaumspendc werden wir wohl in dem laufenden Jahre herantreten können, dank eines kleinen Terrains von ISO Dunam. das unser verehrter Gesinnungsgenosse. Her.r Goldhcrg aus Wilna. Mitglied des Aktions- Komitees dem Nationalfond geschenkt hat. Das zu der Kolonie Chudeira gehörende Land ist gegernvärtig in der Separation hegriifen und kann nach Bc.ndigung der Separierung sofort für die Pflanzung der Oelbäume in Angriff genomnun werden. Mb.;..• das schöne Beispiel des Herrn Goldhcrg viele Nachfolger linden. Fiir den Herzlwa.d haben wir hingegen bisher noch kein geeignetes Terrain gefunden: leider gehen aber auch die Spe1׳- den zum Hcrzlwald so langsam ein. dass, wenn das Tempo das gleiche bleibt, wir wohl erst nach 50 Jahren imstande sein werden, dies lebende Andenken uuserm verehrte!! Führer /!! setzen. Es wäre wirklich nicht zu viel verlangt, dass jede Ortsgruppe mindestens so viele Herzlluiume sammelt, als sie MitgUcdcr zählt, dann könnten wir bald einen stolzen HerzlwaM aufweisen, und ein schönes Herzldcnkmal in der Mitte desso!-

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