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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 524 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 35 tigung finden wird, da weder die Bank noch der Nationalfond giösscre Landkäufc in Aussicht genommen haben: cs erschien uns aber von grosser Wichtigkeit, dass der Liegenschaftswert Palästinas. die Grundlage aller spätem Landkäufe und Ver- Käufe, ebenso weiter gefördert werde, und so haben wir denn noch für vorläufig ein Jahr den Kontrakt mit Herrn Treidel verlängert. Schon jetzt ist das Material von HO Ländereien znsaminengetragen und zum Teil schon auf den definitiven Massstab reduziert. Der in Arbeit befindliche Atlas der Liegcuschaftcn Palästinas, in Format 0.99 x 0.66. enthält schon über 50 Kartcnblätter. die einen sehr wertvollen Bestand des Invcniars der Kommission ausmachcn. Wir legen .auch grossen Wert darauf, dauernd einen europäisch geschulten und europäisch denkenden, absolut verlässlichen Landmesser fiir alle Fälle in Palästina an der Hand zu haben, da wir nie wissen können. $a!tn ,wir eines solchen auch für wichtige Messungen benötigen. Gerade bei Landkäufen kann sich aber Unkenntnis resp. Unzuvcrlässigkeit des Landmessers leicht bitter rächen.. und das. was man einem guten Landmesser mehr zahlt, biisst man im anderen Falle an Prozessen oder durch fehlerhafte Messungen leicht vielfach ein; auch würden wir bei Käufen des National* fonds absolut nicht die Verantwortung übernehmen können., wenn die Vermessungsarbeiten ohne einen in europäischen Hochschulen geschulten Landmesser durchgcfiihrt werden sollten. Eine organisatorische Arbeit, die in gewisser Beziehung schon ihren Abschluss gciiindcn hat. ist die Begründung des ..Bezalcl“. der Kunstgewerbeschule in Jerusalem. Obgleich diese erst im März ihre Tätigkeit begonnen hat, hat’ $i£ tatsächlich schon Bedeutendes geleistet; ihre Tätigkeit wird von allen anerkannt, welche die Schule besucht haben. So z. B. schreibt Herr Treidel: .,Es ist erstaunlich, welchen Aufschwung die Schule in der kurzen Zeit und mit den beschränkten Mitteln genommen hat. Ich habe die feste Zuversicht, dass diese lnstitutlon Hervorragendes leisten wird und betrachte dieselbe als einen der hervorragendsten Faktoren für unsere Ansiedlungsbistrebungcn in Palästina.*• In ähnlich günstiger Weise äusset sich Herr Turoff. der Sekretär des den Bezalcl subventionierenden Vereins Esra, und viele andere Herren, die Palästina kür/.־ lieh besucht haben, darunter auch Mitglieder des Aktions- Komitees. Da ausser unserer Organisation und dem Esra auch vor allen! der Hilfsverein der deutschen Juden zur Erhaltung des Bezalcl beisteuert, in geringerem Masse auch die Bnei Briiji von Deutschland, das Odessaer Komitee, der Ctmwewe Zion, sowie viele Einzelpersonen, so sind wir der Uebcrzeugung.. dass der Bezalcl einer sicheren Zukunft entgegcngcheii wird, wenngleich unsere Hoffnung durch einmalige Beiträge, die für die ersten drei Jahre nötige Summe von •10 000 Mark aufzubringen. sich bei weitem nicht erfüllt hat. Wollen wir. dass die Schule gedeiht, so müssen wir mindestens diese kleine Summe aufbringen, und wenn jeder wirklich sein Scherflein dazu beisteuert, so kaiui es nicht schwer halten die Zukunft der Schule sicher zu stellen. Gerade die Zionisten haben bisher, mit nicht allzuvielen rühmlichen Ausnahmen, sich wenig daran beteiligt, und doch ist der Bezalcl die erste kulturelle Institution, die seitens der Zionisten in Palästina ins Leben gerufen wurde. Die Tätigkeit des Bezahl besteht augenblicklich in folgeudem*): a) in der Ausbildung kunstgewerblicher Lehrer und Muster■ Zeichner. Zehn meist hervorragend talentvolle junge Leute aus Russland, Bulgarien und Galizien, die grösstenteils schon Kunstschulen besucht haben, werden dort vollends ausgebildct und sollen zum Teil später in den verschiedencn jüdischen Zentren des Orients, z. B. Tibcrias. Safed, Saida. Damaskus, cv. auch Bagdad und Aleppo als Lehrer für Kunstgewerbe verwandt werden. Schon ist es gelungen, den Beginn eines jüdischpalästinischen Kunststiles zu schaffen und hierzu auch die hebräischen Buchstaben in origineller Art zu stilisieren. b) in der Vorbereitung künftiger Mcisterschfiler. Eine Reihe neu entdeckter Talente aus Jerusalem, momentan S junge Leute, werden dort in den Anfangsgrftndcn der Kunst behufs weiterer Ausbildung unterrichtet. c) in der Anleitung der einheimischen Handwerker im kunstgewerblichen Zeichnen durch Abendkurse; diese Kurse werden von 25 Schülern besucht. d) in der Einführung von speziellen kunstgewerblichen Institute». •) Näheres ist in einem d.0 Mitgliedern des Aktionskomitees von Prof. Boris Schatz überreichten Spezialbericht entha'.- tcn. dessen wesentlicher Inhalt in Nr. 33 der WELT zum Ahdruck gebracht ist. (Siehe JUFDISCHF RUNDSCHAU No. 33.) Zuerst wurde eine Gipsgiesscrei eingerichtet,, wo die Schüler lernen, ihre Modelle selbst in Clips umzugiessen: ein junger Mann ist schon soweit ausgebildet, dass er selbständig eine Gipsgiesscrei eingerichtet hat. wo er nach den Modclkn der Schüler Relicfbilder von Ansichten und Typen des heiligen Landes zum Verkauf anfertigt und davon seine Existenz findet. Am meisten ausgebildct ist bisher die Milte Mai cröfinctc Teppichweberei, zu der lediglich Mädchen und Frauen hcrangcbildct werden. Ohne Reklame und Publikation hatten sich nicht weniger als 400 Mädchen und Frau.!! hierfür angomeldet, von denen wegen Platzmangel leider mir 45 berücksichtigt werden konnten, und auch das nur unter Hinzuiiahme ungedeckter Räume, wie Balkons etc.: schon haben sie ihre ersten kleinen Teppiche in persischer Art iertig. und ts wird nicht mehr lauge dauern, dann werden die ersten jiidiscli-palästinischen Teppiche im Handel erscheinen. Eine K u u s t f ä r b e r e i dient zur Vorbereitung der Wolle für die. Tcppiclunanufaktur. und zwar werden hierfür nach orientalischem Vorbild die echten, dauerhafte.־! Pilanzcnfarben benutzt, nicht die zwar billigen, aber schneller verbleichenden Anilinfarben. Auch eine Spinnerei ist mit der Tenpichabteilung verbunden. wo die Schülerinnen lernen, die Wolle für die Tcppiche vorzubereiten, und namentlich ältere und schwächere Flauen werden sich hierdurch den Lebensunterhalt erwerben können, indem ihnen Spinnräder auf ratenweise Abzahlung nach Hause gegeben werden. W eitere Ateliers, z. B. fiir Bearbeitung von Marmor, tiir Holzschnitzerei. 1T1 r Tonarbeitcii. fiir Metall- und Einlcgcarbciten mit Perlmutter, lim auch der männlichen Bevölkerung Palistinas Nebenerwerb zu verschaffen, sowie für Kunststickerei und Spitzenklöppclei sind geplant, mussten aber wegen Mangels an Mitteln und vor allen» wegen des beschränkten Raumes zu* rückgestellt werden. Letzterem Mangel abzukclicn. sollte eine Ehrenpflicht unserer zionistischen Organisation sein. Damit auch eit! gemeinsames geistiges Bar:J die in den verschiedencn Idiomen redenden Schüler verbinde:, wurde mit U1׳- terstiitzumr des Odessaer Komitees ein Hebräischer Sprach- Kursus eingerichtet, dem» die Unterrichtssprache der Schule soll die hebräische seht. Sehr erfreulich ist es auch, dass Prof. Schatz, der unermüdliebe und aufopferungsvolle Leiter der Kur.stgcwerbeschule ״Bezalcl“ schon jetzt die Grundlage für ein jüdisches Nationalniiiscuni in Jerusalem zu legen beginnt. Er hat schon eine Reihe jüdischer Altertümer. Münzen etc. hierfür gesammelt, auch haben verschiedene jüdische Künstler wertvolle Arbeiten dem Museum geschenkt, unter andern Max IJcbermann ein von ihm gemaltes Bild. Hermann Struck, eine grosse Anzahl seiner Radierungen, Lilien eine Reihe Zeichnungen, ausserdem ist der Messias von Glicenstein, der den letzten Kongress in so Jicrrlieber Weise schmückte, in der Schule zur Aufstellung gekommen. In dieser Beziehung ist aber noch viel zu tun. jede Orts- Ciuppe sollte es sich angelegen sein lassen. Geschenke für das Nationatmuscum zu sammeln, während es Sache des Nationalfonds ist. wie für die Bczalelschule, so auch für diese hoffmmgsvolle Kulturstätte ein passendes Hein! zu schaffen. Was die Nationalbibliothck betrifft, so konnte dieses schöne Projekt leider nicht weiter gefördert werden; bei dem Mange! an Mitteln und bei der Unwalirscheinlichkeit, solche in näherer Zukunft in irgendwie ausreichendem Masse zu erlangen. w־äre es vermessen gewesen, irgendwelche Schritte zu tun. die von den jetzigen sehr eitrigen Verwaltern der Abarbaucl-Bibliotlic-k als Misstrauen ausgelegt werden könnten, oder die ihnen die Arbeitsfreude und das Verantwortlichkeitsgefühl für diese Bibliothck hätten rauben können, zumal die Frage der Nationalisierung dieser Bibliothek hierdurch de facto nicht im geringsten gefördert worden wäre. So schön auch die Idee einer Nationalbibliothek an sich ist. so können wir derselben doch erst dann näher treten, wenn wir über einen grossen und sichern Fond für Kulturzwccke in Palästina verfügen. Neuerdings ,traten wir auch der Frage der 3 c k ä m - pfnng der Malaria in Jerusalem näher. Einer unserer Gesinnungsgenossen, ein erfahrener Arzt, hat sich angebotet», nach Absolvierung eines Kurses an einem der Institute für Tropcn-Hygicne auf eigene Kosten eine Saison in Jerusalem zuzubringen, um die Kampagne gegen die Malaria resp. die sie verbreitenden Mücken zu leiten. Wir hohen bis dahin die nöt1־- geu Mittel zusammen zu bekommen, um die sachlichen Ausgaben der Kampagne bestreiten zu können und ihm eine Hilfskratt mitzugeben, welche ihn hierbei unterstützt und die Sache ev. selbständig weiter führen kann. Der neugegründete P a I ä s t i n a v e r e i ח Ist unserer Ausicht nach berufen, solche Projekte, wie die Nationajbibüothek das Nationalmuseum. die Malariabekätnpfur.g etc. tatkräftig zu iürdern. Wenn der Verein auch vor der Hand noch keine

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