Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 lieber Celchrter und Techniker. Wir sind überzeugt, dass die Zeitschrift ALTNEULAND nicht nur als Mittel zur Vertiefung des Zionismus von Wichtigkeit ist sondern dass sie auch in hohem Grade agitatorisch nützt, indem sie Nichtzionistcn und Nichtjuden 1durch den wissenschaftlichen Ernst und die Sachlichkeit der Zeitschrift Achtung vor der Bewegung einflössL Ein weiteres Mittel der Verbreitung der Palästinakenntnis Ist das g e s 0 r och en e W o r t. Auf Vortrüge in grösseren zionistischen Versammlungen haben wir verzichtet, da für solche mehr agitatorische als belehrende Zusammenkünfte .andere, 7. B. politische!, geschichtliche, literarische und ästhetische Themata viel wirksamer sind, als technische und Wirtschaftliehe Ausführungen über Palästina. Hingegen ist eine gründliche Belehrung unserer Jugend in diesen Fragen von grosser Wichtigkeit, da nur hierdurch eine solide Grundlage für die spätere Tätigkeit in und für Palästina geschaffen werden kann. Unsere Kommission hat zu diesem Zwecke in dem Berichtsjahre zwei Ferienkurse für Studiliten veranstaltet. Der erste wurde im Anschluss an den vorjährigen Kongress in Basel abgehalten, und zwar mit sehr guten! Erfolg und starkem Besuch, der zweite fand Ende der Osterferien in Cöthen statt: er war zwar von den Studenten des Cöthener Technikums gut besucht, jedoch waren nur wenig Teilnehmer von auswärts gekommen, vermutlich, weil d.c russischen Studenten der anderen Hochschulen in Peiitsctila׳ d und der Schweiz, auf die wir hauptsächlich gerechnet hatten, wegen der Wirren in Russland an den Orten, wo sie studierten, auch ihre F'eiien verbrachten und ihnen daher Cöthen zu fern lag. Ausserdem hielt unser Kommissionsmitglicd Dr. Soskin in Berlin allwöchentlich einen akademischen Palästinakursus ab. an den! sich schon 25 Studenten iüdischer Verbindungen durch Vorträge und Referate beteiligten. Die Palästinakomniissiou gedenkt von jetzt an auch die Ferienkurse im wesentlichen in Berlin abzuhalten, hofft aber, dass sich auch in anderen Zentren Gesinnungsgenossen mit wissenschaftlicher Bildung zusammentun werden, um solche Kurse abzuhaiten. sei es in Form Von Ferienkursen, die für eine gewisse Zahl von Zu-, hören! bestimmt, natürlich infolge ihrer Zusammendräiigung auf wenige Tage mehr anregend als direkt b.lehrend wirken, sei es in Form von über das Semester verteilten Palästina- Kursen, die zwar mit einer kleinen Zahl von Studen.1!'׳ rechne!!, aber eine intensivere Durchdringung der Materie ermöglichen, und namentlich dann, wenn sie in seminaristischer Form abgch2lten werden und mit Referaten und Ausarbeitungen der Teilnehmer verbunden sind, für intensive Paläst'.naagitation ganz ausserordentlich wirksam sind. Hierbei kommt besonders in Betracht, dass zur Abhaltung laufender Palästinakurse schliesslieh auch eine mit Lehrtalent begabte Kraft genügt, die sich bisher nur wenig in die Palästinairagen vertieft hat. dk• aber in dem Verkehr mit den Studenten und durch die Vorbereitungen zu dem Kursus selbst allmählich tiefer in die Materie eindringt. Nur durch so'che Kurse vermögen wir einen Stamm von Leuten heranzuziehen, die, mit dem ׳nötigen Material positiver Kcn!ttnissc4ausgerüstet, jederzeit den noch immer häufigen Einwänden der Nichteignung Palästinas für die Zentralisierung der Juden kräftig entetgentreten können. Unsere Gegner könne•! nur dadurch zum Schweigen gebracht werden, dass man sie ais unwissend hinzustellen vermag. So lange man sich ir'cht als Kenner der einschlägigen Verhältnisse aiisweiscn kann, steht Meinung gegen Meinung, lind man kann nicht von den! Gegner verlangen, dass er die seinige zugunsten der nnsrigen aufgibt. Erkennt er aber. dass jede seiner Behauptungen sofort durch Tatsachen widerlegt wird, so wird er bald die Lust an weiteren Diskussionen verlieren und zurückhaltender werden; ia in vielen Fällen wird er sich selbst eines besseren überzeugen lassen. Auch unsere Pa I ü s t i!1 a b i b I i o t h e k hat eine beträchtlichc Vermehrung erfahren durch den Ankauf einzelner wertvoller Werke sowohl, als auch besonders der hinterlas־ senen Palästinabibliothck des Herrn Bambus. Schliesslich ist noch des Bestrebens zu gedenken, im An- Schluss au den jüdischen Verlag einen Orientverlag zu begründen, der sich mit der Hciausgabe spezieller auf den Orient be- .ziiglicher Literatur befassen soll. Vor allem sollen aufklärende Werke über Palästina hcrausgegeben werden. Ein kleines Handbuch über die allgemein.,n Verhältnisse Raläs'inas. vm Herrn Trietsch ist durch die Unterstützung der Palästinakoninassion zustande gekommen und befindet sich jetzt im Druck, ein Handbuch über die Landwirtschaft in Palästina von ׳Jen Herren Aaronsohn und Soskin. ist gleichfalls im Manuskript fast fertig. Auch eine hebräische Wandkarte, spezicll für die Schulen bestimmt, soll jetzt ancefertigt werden, und es sind die diesbezüglichen Unterhandlungen mit einem leistungsfähigen Verleger schon zum Abschluss gekommen. Zur Verbreitung spezieller Palästinakenntnisse dient das Bureau der Kommission, das wir seit zwei Jahren besitzen, aber erst in diesem Frühling mit einen! ständigen Sekretär ausgestattet habe!!. Während die Mitglieder der Kommission bis daher die immer umfangreicher werdende Korrcspondenz selbst geführt hatten, so ist das jetzt nicht mehr möglieh, besonders da infolge der russischen Wirren eine Menge Anfragen von Auswanderungslustigen an uns gelangen, deren Beantwortung zum Teil erst eine längere Korrespondenz oder spezielle Nac'iforschuiig'.n vorangchcn müssen. 3. Was die organisatorischen Arbeiten der Palästinakommission betrifft, so ist an die erste- Stelle die Weitcrentwicklung der F'ragc einer landwirtschaftlichen V c r s u eil s s t a t i o 11 zu setzen. Wir sind mit der die Giitir des Baron Edm. Rothschild in Palästina verwaltenden Kommission der 1. C. A. übereingekommen. dass dem Nation^lfond ein Terrain vpn 500 Dunam Ackerlandes und ebensoviel Berglandes von Athlit bei Haifa abgetreten wird zu einem relativ recht billigen Preis. Leider konnte die tatsächliche Abtretung noch nicht vollzogen werden, da noch Verhandlung׳*•! der Verwaltung mit einzelnen, daseihst Enklave!! besitzenden Eingeborcuen schweben; j.doch erwarten wir. hn Herbst das Land zu erhalten. Da cs in den jetzigen Zeiten kaum möglich sein wird, das den dauernden Betrieb der Versuchsstation garanticrendc Kapital von mindestens 300 000 Mark aufzubringen, und wir in keinem Falle eine Institution schaffen dürfen, die. wenn s:e auf Jahresbeiträge gestellt ist. Gefahr laufen muss, in ungünstigen Zeiten ihren Betrieb einzustellen, wodurch dann langjährige Versuche zum Scheitern gebracht werden, so haben wir beschloss.n. das Land vorläufig als kleine Farm zu bewirtschaften, was nicht viel kostet, und wodurch wir den Vorteil erlangen, das Land genau keimen zu lernen, und die lange Jahre erfordernden Vorbereitungen iür die Pilanzungsanlagc scliou jetzt in Angriff nehmen zu können. Wichtige Versuche in kleinerem Masse lassen sich dann auch schon damit verbinden. Wir hoffen, in dem kommenden Berichtsjahre 'die einfachen Wirtschaftsgebäude ‘!!erstellen zu können, den Brunnen zu graben, die •PilanzungsanlagiJi zu machen, kurz, die kleine Farm wirklich in Betrieb zu setzen. Das Land nebst den Gebäuden soll Eigentum des Nationalt'onds bleiben, während die Versuchsstation selbst von einem ausserhalb des Zionismus stellenden Komitee verwaltet wird, welches also das Land und die Gebäude in Pracht erhält. Diesein Komitee werden, genau wie beim Bezalcl, neben Vertretern der zionistischen Organisation auch solche derjenigen Institutioneu angehören, welche grössere Jahresbeiträge beisteuern. Bisher hat schon der Esra für vorläufig zwei Jahre je 5000 Mark bewilligt; an die anderen Institutionen werden wir erst daun herantreten, wenn die Farm einigermassen eingerichtet sein wird. Wie wichtig cs ist. einen Ort zu haben, wo eigene, genau kontrollierte landwirtschaftliche Versuche angestellt werden, ergibt sich unter anderem aus der im vergangenen Jahre mit grossen Hoffnungen veranstalteten Baum wollversuchen. die leider ein negatives Resultat ergeben haben, und zwar aus verschiedenen Gründen. Einerseits betrachteten viele Kolonisten d!esc Versuche nur als ein MittcL bares Geld in die Hand zu bekommen, und als sie sahen, dass keine Geld- Unterstützungen iür die Versuche gewährt wurden, verzichteten sie auf die vorher von ihnen verlangte Saat, eder vernachlässigten sie: anderseits setzten die bis zum Schluss des Sommers durchgehaltenen Stauden infolge eines tierischen Schädlings keine oder nur wenige und schlechte Früchte au. Wir sind durch den Versuch zu dem Schluss gekommen, dass sich bei der Rückständigkeit der Bauern in Palästina durch Saatverteilung allein keine Resultate erzielen lassen und wollen also Versuche n!it neuen Kulturpflanzen und Sorten, soweit nicht intelligente Gutsvcrwaltungen die Sache in die Hand nehmen, erst dann wieder aufzunehmen, wenn wir über eine eigene Versuchsstation verfügen. Günstige Resultate hingegen hat das in! vorig,!! Jahre begründete sog'. Landburcau gebracht. Es hat zwar nicht in dem von uns beabsichtigten Umfange mit einem Kaufmann an der Spitze und einem selbständigen Bureau in die Erscheiuuug getreten, sondern es b.stand eigentlich nur aus einem einzigen Beamten, dem Landmesser Herrn Treidel, wa־׳ also in Wirklichkeit nur ein Vermcssungsburcau. jedoch hat dieses anstatt der für seine Selbsterhaltung nötigen 150 Tage über ISO Tage seines Geschäftsjahres gearbeitet, davon 6Sk Tage i,ür die Anglo-Palestine Co. 50 Tage für die Lände esien das Nationalfonds. 3*1 Tage für die wirtschaftliche Expedition. 22k• Tage für die Lieeenschaftskarten von Palästina. 47־ Tage für. die Geulali und 2k Tage für die Alliance Isratflite. B$ ist zwar anzunehmen, dass das Vermcssungsburcau im laufeudu! Jahre durch Vermessungen allein keine genügende Beschäl-