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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 35 Seite 521 JÜDISCHE RUNDSCHAU unterstellt worden. Wir hoffen, das Institut, das so viel Gutes und Schönes auf jüdisch-literarischen).Gebiete geleistet hat. dadurch auf eine solche Basis 7.u stellen, dass es sich auch weiterhin gut entwickeln und dass cs insbesondere die Grund- Jage zu der von uns geplanten Ausgestaltung unserer publizistischcn und literarischen Propagandamittel bieterj wird. Die Haupttätigkeit des Aktions-Komitees lag im ver flosscncn Jahre auf organisatorischem Gebiete. Die Frage der längst angestrebten Legalisierung de* National{( nds stellte das Aktions-Komitee vor eine sehr schwierige und komplizierte Aufgabe. Wir setzten zur Erledigung der Angelegenheit ein Komitee ein. dessen Bericht Ihnen vorliegl. Der Bericht enthält positive Vorschläge, es bedarf nur mehr Ihrer Entscheidung, um die Sache endlich zum Abschluss zu bringen. Das zionistische Zentralburcau in Köln konnte erst nach Ordnung des von Wien übernommenen Materials, dessen Sichtung viejc Schwierigkeiten bot und noch bietet, seine Tätigkeit beginnen. Die Finanzlage des Aktions-Komitees hat sich nicht gebessert. Auf Grund einer unserseits bei der Übernahme inu aufgestetltcn Bilanz haben wir eine Reihe alter Schulden gedeckt und grössere Abschreibungen vorgenommen, uni eine geordnete und verlässliche Basis für die Zukunft zu beschaffen. Wir haben die Kosten des Betriebes überall verringert und auf das Allcrnotwcndigstc beschränkt. Es wird aber zur Aus» gestaltung unserer Organisation durchaus erforderlich sein, das Bureau in nächster Zeit zu. vergrössern. wozu naäirlich bedeutende Mittel notwendig sein werden. Zunächst ist die Errichtung eines Press- und Informationsburcaus dringend nötig. Sie war schon fiir dieses Jahr in Aussicht genommen, musste aber mangels der erfordcrUchcn Mittel unterbleiben. Auch wird es notwendig sein, eine Einrichtung zu schaffen, um die Arbeiten der genannten Organisation der ganzen Welt von einer Stelle aus zu leiten, sie zu revidieren und Agitation und Propaganda dadurch systematisch und einheitlich zu gestalten. Unsere Einnahmen bestehen fast ausschliesslich aus dem Schekel, dessen Einrichtung unserer Überzeugung nach einer grundlegenden Umgestaltung bedarf. Das bisherige System ist nicht nur äusserst kompliziert und schwerfällig: cs ergibt auch ein sehr wenig zuverlässiges Wahl verfahren und einen nichts weniger als einwandfreien Modus des Wahlrechtes. Eine Neuorganisation bedeutet natürlich eine Abänderung unseres Organisationsstatuts und könnte selbstverständlich nur von dem Kongresse beschlossen werden. Wir stellen daher diese Frage zur öffentlichen Diskussion und werden dem VIII. Kongress entsprechende Verschlüge machen. Das zionistische Zentralbureau hat eine umfassende Schckclpropaganda ciugclcitct. die den Erfolg hatte, dass die bis dahin ziemlich lässig betriebene Agitation fiir den Schekel allenthalben eifrig aufgenommen wurde. Um der Bewegung für den Schekel eine einheitliche Grundlage zu geben, wurden die Tage vom 27. bis 29. Mai d. Js. als allgemeine Schekeltage in der ganzen Welt festgesetzt. Nach de.1 bei uns ein- -gegangenen Berichten ist dieser Anordnung überall mit Eifer nachgekommen worden. Ein abschliessendes Urteil über den Ocsamtschckcicingang kann vorläufig noch nicht abgegeben werden, da bisher nur ganz wenige Föderationen ihre Abrechnuagcn eingesandt haben. Erfahrungsgcnu’iss sind die Schckclcingfinge in den Jahren, wo kein Kongress stattfuidet, wesentlich geringer als in den Kongressjahren. Ziehen wir das in Betracht, so können wir nach einigen Stichproben annehmen, dass der durchschnittliche Ertrag auch diesesmai ־wieder eingekommen ist mit alleiniger Ausnahme von Rmsland. wo die abnormen Verhältnisse die Vornahme von Sammlungen eischwcrtcn und sehr oft fast unmöglich machten. Um jn Zukunft den Jahresabschluss zum 30. Juni fertig stellen, insbesondere aber auch, um geordnete Wahlen vornehmen zu ,können, wird es unbedingt notwendig sein dass die Federationcn Ihre Abrechnungen bedeutend früher, als cs bisher geschah, zii Ende füli.rcn. Zu diesem Zwecke wird cs sich empfehlen, die Schekeltage auf einen früheren Termin zu verlegen. Wir halten die Chanukahtagc für die beste Zeit und werden. Ihre Zustimmung vorausgesetzt ffir das nächste Kongress- .fahr die Chanukahtagc als allgemeine WeltscUekeltace bestimmen. Die Verhältnisse der e i n z c I ne n F e d e r a 110 ־neu gestalteten sich im grossen ganzen zufriedenstellend. Abschliesseude Berichte liegen bisher nur vor aus Deutschland, dr Schweiz, den Niederlanden. Frankreich. Italien, den Vereinigten Staaten von Amerika. Canada und Argentinien. In Deutschland. wo eine zeitlang lebhafte Meinung*• Verschiedenheiten herrschten, haben diese unerquicklichen und schädlichen Differenzen im Laüie des Jahres einer allgemeinen Verständigung Platz gemacht, die ihren Ausdruck fand auf dem Delcgicrtcntagc in Hannover. Die Arbeit der deutschen־ Lp»dmq.nnschaft ist infolge der verständnisvollen Tätigkeit der Zentrale sehr vorangeschritten, cs sind neue Gruppen gebildet und viele neuen Schckelzahler gewonnen worden. Zurzeit zählt man in Deutschland 66 Vereine und 63 Vertrauensmänner an solchen Orten wo Gruppen nicht bestehen. Die Zahl der Sobckelzahlcr beträgt voraussichtlich ca. 6000. insgesamt wur» den in Deutschland fiir zionistische Zwecke gesammelt 45 700 Mark gegen 37 800 Mark Im Vorjahre. In Russland haben naqli den Berichten, die bisher vor. hegen, die zionistischen Arbeiten erheblich unter der Nachwdkung der katastrophalen Ereignisse gelitten. Dazu nahmen die gespannter, politischen Verhältnisse, die Wahlen und Verhaiidlupgcn der Duma das Interesse aller Kreise so sehr in. Anspruch, dass es ebenso schwer als inopportun war, direkte Arbeit für zionistische Interessen zu leisten. Es wird vieler Mühe bedürfen und nur bei der hoffentlich endlich cintretenden Beruhigung des Landes möglich sein, der zionistischen Organisation dort wieder ihre frühere.starke Grundlage zu schaffen. Es ist aber jedenfalls eine sehr erfreuliche Tatsache dass sich unter j! jüdischen Abgeordneten der ersten Duma fünf Zionisten, darunter zwei Mitglieder des Aktions-Komitees und det Präsident des Jewish Colonial Trust, befanden. In Österreich entfalteten die Zionisten im Berichts' jahre eine überaus rege Tätigkeit. Die Wahlrcform brachte in diesem Lande mit einem Schlag die Frage der nationalen Autonomie der österreichischen Juden au! die Tagesordnung. Der Zionistentag in Krakau beschloss die Schaffung einer neuen jüdischen Partei, die sich bei den kommenden Wahlen zum ersten Mal J>e*ütigen wird, ln richtiger Würdigung des Stand- Punktes, dass die zionistische Bewegung als solche sich mit inncrpoütischcn Fragen nicht befassen darf, ist diese neue Partei unabhängig von der allgemeinen zionistischen Organisation aufgehaut worden. Schon jezt haben wir Gelegenheit, als ein bemerkenswertes und hochcrfreulichcs Novum die Tat- Sache zu registrieren, dass unser Gesinnungsgenosse. Abgeordneter Dr Strauchcr. den Zionismus in der österreichischen Delegation zur Sprache brachte, und zwar in einer’ so ausgezeichneten.Welse, dass wir uns zu dic.sem Interpreten unserer Idee von Hcjzen Glück, wünschen können. Wir werden es selbstverständlich im Interesse der Judcnheit und unserer, nationalen Bewegung nur lebhaft begrflssen können wenn auch sonst in den Parlamenten jüdische Volksvertreter für unsere nationalen Interessen cintrctcn werden. In Ungarn .wo die Organisation bisher in den Kinder־ schuhen steckte, hat eine Neuorganisation sattgefunden, die schon recht gute Ergebnisse zeitigte und noch bessere drwarten lässt. Aus Kroatien und Slavonien laufen ncucruings Nachrichten ein. die erkennen lassen, dass die Zionisten dieser Länder eifrig bestrebt sind, die Vereine zu einer Federation zu vereinigen und die Öffentlichkeit für unsere Bewegung zu interessieren. In England entfaltete die Federation eine sehr eifrige Tätigkeit und tat sich besonders bei der russischen Hilfsaktion hervor. Bedauerlicherweise leidet die gedeihliche Entwicklung der Federation unter den speziellen Schwierigkeiten, die dort bestanden haben, es ist jedoch nicht daran zu zweifeln, dass der hingehende. Eifer der englischen Zionisten alle Hindernisse bald überwinden wird. Iu der Schweiz wurde mit sehr gutem Erfolge gearbeitet, die Organisation wurde zweckdienlich ausgebaut. In den Niederlanden haben sich viele neue Schekelzahier gefunden, überhaupt zeigt dieses Land eine ganz besonders eifrige Tätigkeit in unser»! Interesse. Die Sammlungen ffir den Russenfond ergaben den für Holland sehr hohen Betrag von 2350 Pfund Sterling. Seit 1905 gibt die holländische Landmannschaft die Halbmonatsschrift DE JOODSCHE WACH- TER heraus, die sich langsam einen festen Leserkreis erwirbt und der Organisation von gross#! Nutzen ist. Auch in Frankreich, wo der Zionismus noch wenig entwickelt ist. hat die Federation trotz der bekannten nocli wenig dort bestehenden Verhältnisse eifrig gearbeitet, verhältnismüssig gute Fortschritte gemacht. In Belgien sind mehrere neue Vereine gegründet und die Organisation ist sehr gefestigt worden. Ein besonders günstiges Bild zeigt die Entwickelung der Bewegung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in Catrada. Der Delegicrtentag der״amerikonischen Federation in Tannec&villc erbrachte den Beweis, dass jmsere Bewegung in Amerika immer besser voran-

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