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Jüdische Rundschau · 1906-08-31 · Heft 35 (31.8.1906) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 520...... JÜ DI SC HE _ im Besitzstände kaum zu beklauen gehabt. Und cs soll bcsonders hem»!gehoben werden dass auch da. wo eine SeJiädigung tatsächlich zu konstatieren ist. wie z. B. in Russland diese nicht «uir den Abfall beträchtlicher Massen von unserem Programm, sondern lediglich aui die allgemeine Depression, die auf der russischen Judenheit tostet, zurückzutiihrcn ist. Dagegen haben gerade die russischen Ereignisse an vielen anderen Orten eine erhöhte Rührigkeit unserer Gesinnungsgenossen zur Folge gehabt und uns an vielen Punkten Freunde und Unterstützung /»geführt. Die Politik des Aktions-Komitees hatte sich naturgemäss in der vom siebenten Kongresse bestimmten Richtung zu bcwegen. Der Kongress hatte mit Nachdruck festgestellt, dass die zionistische Organisation streng und unerschütterlich an dem Baseler Programm festhält, das die Lösung der Judenfrage ausschließlich in der Schaffung einer öffcntiiclurcclitlich gesichelten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina sieht und jede Lösung verwirft, die ein anderes Territorium ajs Palästina und dessen Nachbarländer fiir diesen Zweck ins Auge fasst. In loyaler Ausführung dieser Beschlüsse war das Aktions-Komitee daher bemüht, den politischen Charakter der Bewegung aufrecht zu erhalten und dabei alle Unternehmungen in Palästina zu unterstützen, die auf gesunder Grundlage aufgebaut, dem Zionismus und dem Lande zu nützen geeignet schienen. Die mannigfachen Beziehungen politischer Natur, die uns vorr unserem verstorbenen Führer, dein Begründer der Bewegung,!unterlassen worden waren, haben wir gigfrig gepflegt. Insbesondere waren wir darauf bedacht, bei mass gebenden Stelcln dahin zu wirken, dass die Mächte sich mit der zionistischen Frage befassen und dass diese Frage Gegenstand internationalen Gedankenaustausches werde. Diese Bcnüliungen setzen wir cifrigst und ununterbrochen fort. Es uird wohl kaum nötig sein, hinzuzufügen, dass unsere politisehe Arbeit sich a!!c]1 noch in anderer Richtung intensiv be• tätigt, cs wätc jedoch unangebracht, darüber öffentlich zu berichten. Einen grossen Teil unserer Arbeitskraft nahm der furcht bare Notstand unserer Brüder tu Russland in Anspruch. Wi waren bei dieser Angelegenheit nach unserer besten Kraft bemüht, hebend einzugreifen, und haben insbesondere da ge• wirkt, wo es den anderen Organisationen unmöglich war. oder wo diese versagten. Gleich nach Eintrcficn der ersten Hiobs- Posten im Oktober wandten wir uns mit der Bitte.pm Intervention telegraphisch an die Regierungen und Fürsten, mit denen die zionistische Organisation bisher in Verbindung gestanden hat. und wir haben bestimmte Ursache anzunehmen, dass unsere Schritte nicht erfolglos geblieben sind. Zu gleicher Zeit finden ir Berlin Besprechungen zwischen uns und russischen Delegierten und später in Wilna Kon f e r e n z e p der russischen Aktionskomitee- Mitglieder statt, deren Beschlüsse die Grundlage der Beratungen des ulsbald tagenden Engeren Aktions-Komitees bildeten. Auf unsere telegraphische Ordre fanden in der ganzen Welt gross angelegte Protestkundgebung gegen die russi sehen Massakers statt, die zugleich einen imponierenden Beweis von der Weltbedeutung unserer Organisation abgaben. Wir haben ferner sofort gemeinsam mit der jüdischen Kolonialbank eine Sammlung cingeleitct. Uuspie Kolonialbank stellte sich mit einem Beitrag von 2000 Pfund Sterling zugunsten der Opfer der Pogrome an die Spitze der Spenden. Die Verfügung über diese Summe sowie über die ausserdem eingegangenen Spenden beschloss das Aktions-Komitee einem Komitee zu übertragen, das aus sämtlichen russischen Aktions- Mitgliedern besteht. Dieses Komitee hat eine Kommission in die Pogromgegenden entsandt, damit sic Ursachen und Wirkungen der Pogrome an Ort und Stelle studiere. Der Bpjicht über den Stand der Arbeiten dieser Kommission wird Ihnen int Laufe der Sitzung erstattet werden. Für den Monat Januar berief das Aktions-Komitee eine allgemeine Konferenz aller jüdischen Organisationen ein. mit der Tagesordnung: ..Die Lage der Juden in Russland“. Die Konferenz fand am 29. Januar d. J. in Brüssel statt und war von SO Delegierten jüdischer Organisationen und Gemeinden aus vielen Ländern beschickt. Die Ergebnisse de,t Konferenz sind Unten bekannt. Von den gefassten 7.wei Beschlüssen empfiehlt der eine die Schaffung einer Kooperation .sämtlicher jüdischen Organisationen, und der zweite schlägt die Bildung einer Kommission vor. die die verschiedenen Länder und insbesondere den Orient mit Benig auf die Knmieration und die Kolonisationsmöglichkeitcn für di׳.• russischen Juden studieren soll. Die Bedeutung der Konferenz lag darin, dass zum ersten Mal Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen zu gemeinsamer Beratung indisch-politischer ‘ Fragen, zusammentraten und d.a$s di; Fiidndung zu dieser Be- RUNDSCHAU _____ N0.35 ratung von zionistischer Seite ausging.' In diesem Sinne ist die Konferenz als ein bemerkenswerter Fortschritt auf dem Wege der Einigung der jüdischen Kräfte zu bezeichnen, und daran ändert auch nichts die Tatsache, dass mehrere grosse jüdische Organisationen sicii ypn der Konferenz fcrrthichen. Uebcr die Tätigkeit der in Brüssel eingesetzten Komitees werden deren hier anwesende Mitglieder Ihnen Mitteilung machti. An Spenden für die russische Hilfsaktion sin I insgesamt bpi der Bank angegangen 10 330 Pfund Sterling, d. s. ca. 265 000 Franks. Ausserdem sind noch andere Beträge bei der Bank eingeiaufen. über deren Verwendung von den Spendern spezielle Bestimmungen getroffen waren und die sofort der Bestimmung zugetührt wurden. Ucber die Verwendung unse־ res Hilfsfonds wird Ihnen auch das eingesetzte Komitee ecric1׳• ten, dass Ihnen auch bezüglich der Verwendung des noch 1 ז׳ Depot der Bank befindlichen Restbetrages Vorschläge machen wird. Alf» im!uni d. J. die grauenhaften Metzeleien in Bialystok stattfanden, nahmen die Zionisten an dem Hilfswerk regen Antel. Ueberdivs haben wir sofort die Summe von 1000 Pfund Sterling dem Hilfsfonds für Bialystok überwiesen. Wenden wir uns nunmehr dgr inneren Entwicklung unserer Organisation zu. Unsere Arb*;«{ in Palästina wurde cifrigst fortgesetzt. Die in ־ ersten Sitzung des Engeren Aktions- Komitees bcschio. c E i 1 i a 1 c der A n g 1 o - P a 1 c s t i n e Company in Bvirut ist am 1. August d. J. eröffnet worden. Wir hoffen, mit diesem Institute der Bank und dem Lande weitere EiUwicklungsmögliclikciten zu bieten. Eine Filiale in Haifa soll errichtet werden, sobald die Bcirutcr Filiale sich entwickelt und günstige Resultate erzielt hat. Der Verkehr der Anglo-Palestinc Company mit der an1 sässigen Juden und insbesondere den Kolonisten nahm einen grösseren Umfang an; bemerkenswert erscheint auch die untei Beihilfe und Leitung der Anglo-Palcstine Company eriolgte Gründung von Sparkassen und Darleluisgcuossenschaften. Die unter der tätigen Mitinllic der Palästimikommissioii gegründete Kunstgewcrbescliulc ..B e za I e 1“ eröffnet•.־ im verilosscncu Jalyc ihre Schule in Jerusalem und hat. soweit es in der kurzen Zeit ihres Bestehens möglich war, gute Ergebnisse gezeitigt. Der Leiter der Schule, Prof. Boris Schatz, hat 3er Jalireskonferenz einen Bericht erstattet, der in der WELT publiziert war. Die Angelegenheit der K i s c hi» c w c r Walscnkinder wurde in Ordnung gebracht; die Kinder, die die Schule verlassen haben, sind in verschiedenen Berufen im Lande tätig, der Rest befindet sieh unter der Obhut des Herrn Beikind in Beth Arif bei Lydda. Der Fond ist derart aufgeteilt worden, dass auf jedes Kind ein bestimmter Anteil entfiel und somit auch noch für sein späteres Fortkommen vorgesorgt wurde. Durch die Palästinakommission haben wir verscliicdene Untersuchungen im Innern des Landes vornehmen lassen. Auch wurde der Kauf einzelner Parzellen zur Arrondierung der vorhandenen Ländereien fiir den Nationaüond in die Wege geleitet. Die nähern Angaben über unsere Arbeiten in Palästina enthält der Bericht der Palästinakomiuission. Unsere finanziellen Institutionen habet! im Berichtsia.hre befriedigend gearbeitet. Der Jcwish Colonial Trust erreichte nuch •m verflossenen Geschäftsjahre denselben Überschuss wie im Jahre voilier und lässt erwarten, dass auch im laufenden Jahre c.in Gewinn erzielt werden wird, auch die Filiale im Fastend von London ist in guter Entwickelung begriffen. Die Anglo Palestiue Company in Jaffa schloss im verflossenen Jahre zum ersten Mai mit einem Gewinn ab. Der Geschäftsgnng bietet gute Aussichten für die Zukunft. Die Filiale in Jerusalem arbeitete zwar noch mit Verlust. lässt abet für das kommende Jahr einen Verlust nicht mehr befürchten. Die Sammlungen für den Ratio 11 alfond litten selbstverständlich unter der ungünstigen Lage in Russland und wurden auch durch die Sammlungen fiir den russischen Hilts־ fonds stark beeinflusst. Nichtsdestoweniger entwickelte sich der Fond weiterhin zur Zufriedenheit Sein Vermögen betrug .הזר L Juli insgesamt 52 929 Pfund Sterling 1 320000 Francs. Die WELT wurde mit Beginn -dieses Jahres von Wien nach Köln verlegt• Die Einrichtung erforderte viele Mühe und Arbeit und einen grösseren Kostenaufwand. Trotz alle! Verbjfiserungcn. die wir cinzufiihrcn bemüht waren, ist es bisher nicht gelungen, die Einnahmen den Ausgaben gfeichzustellcn. Der Berichterstatter übet die Presse wird Ihnen die ergänzenden Mitteilungen machen. Dr ..Jüdische Verlag“ in Berlin ist durch Unter- Stützung einiger Zionisten und des Aktions-Komitees diesem

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