Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 518 JÜDISCHE RUNDSCHAU % No. 35 müssen wir steuern. Und nur' der, der dieser Pflicht genügt, kann mit einigem Recht von stell sagen, dass er seine Schuldigkeit im Zionismus getan hat. Von niemandem wird verlangt, dass er mehr gibt, als er vermag, ohne sich zu schaden. Freiw illig ist die Steuer, und frei soll sie jeder für sich festsetzen. Wir meinen, dass in der Regel 1 Prozent des Ein- Kommens ein angemessener Steuersatz ist. Für den armen Studenten, den Handclsangestellten, den Handverker wird das vielleicht eine schwere Steuer sein, aber ich bin fest überzeugt, dass sic hier am piinktliebsten einlaiitcn wird. Ihr vom Glück freigebiger Bedachten, seht nur zu, dass nicht Ihr zuriickblcibt. Der Gedanke der Selbstbesteuerung mag aber noch so schön und zwingend sein, die Hautpsache ist, dass er energisch und geschickt in die Tat umgesetzt wird. Zwei Prinzipien sind dabei zu wahren: Das Prinzip der Geheimhaltung der einzelnen Beträge und das Prinzip der Kontrolle der Ablicicrung der Gelder. Es wäre verfehlt, die Einziehung der Steuer den Ortsgruppen zu überlassen. D. ־ würde die Verwaltungskostu erhöhen und nur einen kleineren Teil der Gelder zur Stelle bringen. Das Einzige, was sich bisher bewährt hat, ist die Einrichtung von Miulanlui. Ein Min ja n umfasst einen Kreis von etwa 10 Personen. Es sollen Personen sein, die häufig miteinander zusammenkommen. Hat eine Familie mehrere Personen mit selbständigem Einkommen, so genügen 2 oder 3 befreundete oder benachbarte Familien für ein Minjan. — In Vereinen von jüdischen Studenten. Kaiifleuten, Hand־ werkern, in jüdischen Klubs, Ruder-, Turn-, Gesangs- und Vergnfigungsvereinen wird sich leicht ein Minjan finden. In nichtjiidischen Vereinen stehen meist die Juden ohnehin enger zusammen. — An Mittagstischen soll der Sammler seine Leute finden. — Kein Bethaus, das ein Minjan Juden zusammenbringt, sollte im Lauf der Zeit ohne Nationalfond-Minjan sein. Der Sammler zieht das Geld seines Minjans am Anfang jedes Monats gegen Quittung ein und sendet es unverzüglich mit einer Liste der einzelnen Beiträge an die Nationahond-Verwaltung. Dann wissen nur 2 Mensehen um die Höhe der einzelnen Beträge: der Sammler und der Kassenführer des Nationalfonds. Aber beide sind ja ״Vertrauensmänner.“ Die Veröffentlichung führt nur den Gesamtbetrag des Minjans an. Jedes Minjan soll in der Regel den Namen des Sammlers führen, denn die Oeffentlichkcit hat ein Interesse daran, so die Stetigkeit der Sammelarbeit zu überwachen. Die Namen aller Sammler müssen der Zentrale genau bekannt sein. So kann mit sehr geringem Aufw and dem Nationaliond eine Steuer zugeführt werden, deren Bedeutung garnicht überschätzt werden kann. Der gesamte Zionismus würde in seinem sittlichen Niveau gehoben werden. Wer von dieser Steuer hört,•muss sich beugen vor der idealen Kraft unserer Bewegung. Sic wird für uns werben. Keiner unserer Einrichtungen werden wir uns mit grösserem Recht rühmen können. Heran, Ihr nimmennuden Arbeiter, die Ihr Schekel sammelt und Aktien verkauft! Hier lohnt cs sich eine neue und grosse Arbeit zu beginnen, leicht und mühelos für jeden Einzelnen, erhaben in ihrer Gesamtwirkung. Ans Werk, ans Werk! Der fest organisierte deutsche Zionismus kann bahnbrechend wirken. Gründet Mi 11 ja 11 im! Dr. Elias Auerbach. Der süddeutsche Zionistentag Am 16. September vereinigen sich die Zionisten der s ü d d e u t s c 11 e n Gruppe 11 v erb ä 1t d c zu einer gemeinsamen Tagung in Mannheim. Die Beratungen sollen in erster Linie der Pfopaganda in Süddeutschland im kommenden Winter 7.v Gute kommen. Wenn aber die Veranstaltung das bringen w׳ird, was wir von ihr erwarten wollen, wird ihre Bedeutung darüber hinaus gehen. Dieser erste deutsche Zionistcutag kann in mehr als einer Beziehung wertvoll wirken. Freilich nur dann, wenn er eine grosse Anzahl von Gasinnungsgenossen zusarnmenfiilirt. Und darum geht dieser Appell hinaus: dass er das Verstehen für die Bedeutung einer zahlreich beschickten Versammlung erhöhe, die Säumigen zum Kommen anciierc, neue Freunde zum Erscheinen anrege und alle zu eifriger Propaganda für diesen Zionistentag veranlasse. Beim Dclcgiertcntag sind nur die Gewählten zur Mitwirkung berechtigt. Das ist eine verhältnismässig kleine Zahl; von jeder Gruppe gewöhnlich eine oder zwei Personen. Wer nicht gewählt wurde, findet im Allgemeinen keine Veranlassung, als blosser Zuschauer dennoch den Delegiertentag zu besuchen, wenn er nicht gerade an seinem Orte oder doch in der Nähe davon tagt. Fr wird sich zwar — so er an der Bewegung wirklich lebendigen Anteil nimmt — aus den Berichten zu orientieren suchen: aber von all‘ dem. was zwischen den offiziellen Beratungen liegt und über ihnen, zuvor und nachher, was sich nicht berichten lässt und ~ was uns doch erst jede zionistische Zusammenkunft so reebi w ert macht -- von diesen Imponderabilien, die man selbst empfinden muss, weil sie jeder nach seiner Art wieder empfindet — kriegt er nie etwas zu spüren, wenn er nicht mit dabei war. Da ist man unter vielen Gleichgestimmten. die für ein gemeinsames hohes Ideal erglühen, die -- jeder nach ihrer Eigenart — aber doch alle ihre Persönlichkeit dafür einsetzcn; man lernt die Schattierungen in der Auffassung vom Zionismus der Einzelnen begreifen, die feinen Farbennuancen all' der Treuen, die ihren Ucberzeugimgen nachgehen und die aber doch -- so sie acht sind — in eine einzige gewaltige Farbenhartr.onie zusammenschmelzen: das Baseler Programm. So bringt man von ieder -- selbst einer äusserlich unfruchtbaren Zusammenkunft — innerliche Anregungen mit. die für die Weiterarbeit nothieu. Unsere Tagung aber wird nicht unfruchtbar sein ״ auch nicht nach Aussen hin - wenn die Beteiligung eine entsprechende ist: sic wird die Richtungslinicu festsetzeu für die Winterarbeit. Für viele werden die Beratungen fruchtbringender sein, als die der Dclcgicrtcutngc. da sie sich nicht mit den prinzipiellen Streitfragen der Bewegung zu beschäftigen haben lind mit den gemeinsamen Angelegenheiten aller deutschen Zionisten, sondern mit den realen Gegenwartsfragen innerhalb unserer Bezirke. Darum sollen durchaus nicht mir die alten Freunde Zusammenkommen, die sich stets in Basel oder am Dclcgiertentag treffen. Neue Freunde in reicher Zahl sollen sic mitbringen. Alle, die in sich die Pflichten fühlen, die unsere Bewegung jedem Einzelnen auferlegt - - jedem Einzelnen! —- dürfen nicht fehlen. Für jeden gilt es ein Stück Arbeit kennen zu lernen. Von den Mannheim benachbarten Ortsgruppen darf man wohl eines zahlreichen Besuches gewiss sein: Heidelberg, Karlsruhe. Frank ent ha!. Mainz und Frankfurt werden sicher viele Teilnehuier senden. Zum Teil sind es ja alte, bewährte Gruppen, die wieder sidt bewähren werden.