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Jüdische Rundschau · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 34 Seite 51 i JÜDISCHE RUNDSCHAU Friedhof des Domes habe niederreissen lassen: und da wurde geklagt. dass infolge dieses Umstandes nicht blos über den Fricdliof geritten und gefahren würde, sondern dass auch, wie der Ausdruck lautet. ״Säue. Juden und andere Tiere“ auf den* selben Kinnen und ihn veniurcmigtn. — . , , In demselben Frankfurt am Main, in dem Goethe an Jahre 1719־ das Licht der Welt erblickt hatte, war es gar n-clits Besonderes oder Auffälliges, dass ein Doktor der Mcdi/G welcher dort ein öffentliches Badehaus bcsass. es für nötig er•• achtete, folgende Bekanntmachung zu erlassen: its laure das Gerücht um. die Juden könnten sich eines jeden seiner öfldcr bedienen: er zeige daher an. dass nur zwei der letzteren zur Benutzung durch Juden bestimmt seien, also kein Christ in ein Juden* und kein Jude in ein Christenbad eingelassen werde, sowie dass auch das Wcisszeug fiir beide *leiie gezeichnet sti. — Diese Bekanntmachung ist im Sommer des Jahres 1800 erlassen worden. II. ״Nationalität ist ein historischer Begriff — weil sie ein historisches Produkt ist.“ ״Fs kämpit ein Volk um seine Menschenrechte und gelang In diesem Kampfe zum Bewusstes!! seiner Nationalität.‘ ״Mein Volk ist mein Richter. Ich erkenne kein anderes Urteil an als das. welches mein Volk nach meinem Tode fällen wird. ״Jeder Mensch will ein Plätzchen für sich haben — und ein Volk ebenfalls. Das ist das Hausrecht der Nationen.“ ״Bei Finzelticn wie bei Nationen mag jeder selbst seines Glückes Schmied sein — nicht von einem anderen sich das Glück nach fremden Anschauungen wie einen Regenschirm in die Hand drücken lassen. Federowicz. Wladislaw von: Aphorismen. III. Treumund Wahrlich schreibt in seiner Schritt: Darf ein Jude Mitglied einer Obrigkeit sein, die der christliche Untertauen gesetzt ist? Hin freundliches, schlichtes Wort zu dem deutschen Bürger und Landmam! gesprochen. Minden:: F. Hssmann 1813: .Über diesen Punkt spricht sich mit grosser Klarheit die geistreiche Schrift aus: Über die Möglichkeit dei Judcn-Hmanzipation im christlich-germanischen Staate von H. R. Maccard. Minden bei Hssmann 18־— “.13־ Das Erheiternde daran ist, dass Treumund Wahrlieb, der die getauften Juden als einen hcrlichen Gewinn für das christliche Deutschtum Dreist, die andern Juden als den Abschaum der Menschheit herunterreisst, bürgerlichen Namens H. E. Marcard hiess. Es geht doch nichts über ehrliches Pseudonym. * Kleine Mitteilungen München. Die Juden in Altenschör.bach, BA. Königshofen, streiten sich schon seit Jahrzehnten mit der dortigen Gemeinde, weit die Kosten der Erhaltung des dortigen protestantischen Piarrhofs aus allgemeinen Mitteln bestritten werden, während sic sich hierzu nicht für beitragspflichtig halten. Nach viel• fachen Verhandlungen und Entscheidungen hing die Entschcidüng der Frage endlich davon ab, ob die Gemeinde Altenschönenbach als politische Persönlichkeit diese Baukosten als öffentlich(; Last übenommeu und seither getragen habe. Da sich dies als unbestreitbar herausstelltc. wurde die Beschwerde der Juden gegen die schon die Regierung von Unterfranken entschieden hatte, vom Verwaltungsgerichtsliofe verworfen. Metz, 11. Aug. Der katholisch geborene Hausierer Josef F.schbach aus Strassburg i. Eis. trat zum Judentum über, um dadurch bei jüdischen Gemeinden unter allen möglichen Vorspiegelungen Unterstützungen erschwindeln zuköimen. Er fertigte sich Papiere auf den Namen Michae! Anthcs an und reiste als aus Russland vertriebener Jude. Mit diesen Angaben lockte er dem Vorsteher der jüdischen Qenteinde Metz ein Unterstützung heraus. Das Gleiche versuchte er bei dem israelitischen Religionsichrer in Diedenhofen unter gleichzeitiger Vorlage des Attcstes eines Metzer Arztes. Der Lehrer stellte durch Befragen des Arztes die Unechtheit des Attcstes fest und vcranlasste die Verhaftung des Gauners. Wegen Urkundenfälschung. Betrugs und falscher. Namensbcileguug wurde Eschbach von der Ferienkammer des Landgcrlchts Metz zu sechs Monaten Gefängnis und. einer Woche Haft verurteilt. Köln. Das Beispiel Berlins und Breslaus in der FrajjÄ der Aufenthaltserlaubnis russischer Juden scheint Jetzt auch hier Nachahmung finden zu sollen. Es sind in letzter Zeit ein Anzahl Ausweisungen russischer Juden erfolgt. Es soll dies der Anfang einer grösseren Aktion sein. Auch hier handelt es sich nur um Jud׳*n. Von einer Ausweisung von Nichtiuden verlautet nichts. Dabei sollen die ausgewiesenen Juden ihr gutes Einkommen haben, keinem zur Last gefallen sein und sich politisch nicht im geringsten betätigt haben. Posen. Per Verein ..Jüd. Müdehcnhcim" tritt zum ersten Male mit einem Berichte vor die Oeficntlichkeit. Das Stiftungskapital von 30 000 Mk. der Frau Justizrat Apolant geh. Ephraim bildete den Grundstock. In der Haupt- Versammlung wurden in den Vorstand gewählt neben Frau J.istizrat Apolant als Ehrenmitglied Frau Licht. Frau Czanski. Frau Ephraim. Frau Lcsscr und Frau Pcyscr. ferner die Herren Sladtrat Schleyer. Kaufmann Hamburger. Kaufmann Korniker, Bankier Kuttucr lind Rechtsanwalt Placzek. von denen letzlerer zum Vorsitzenden, Herr Kuttner zum Schatzmeister. Herr Komiker zum Schriftführer bestimmt wurden. Am I. Oktober .1901־ konnte *das Mädchcnhcim — es wurde eine grosse sechszimmerige Wohnung Ritterstrasse 17 gemietet — mit vier Zöglingen eröffnet werden. Bald war die Zahl von sechs Zöglingen, die bei der Gründung für die ersten Jahre als Maximalzahl in Aussicht genommen war, erreicht und der Vorstand sah sich in die glückliche Lage versetzt, bei der durch die Zahl der Mitglieder und die eingehenden Spenden gegebenen sicheren Einnahmen, die Anzahl der Zöglinge zunächst auf acht und dann sogar auf zehn zu vermehren. Der Pensjonsnreis konnte dabei auf dem massigen Satz von dreissig Mark fcstgestcllt werden, wofür ausser Wohnung und völlig ficicr Ve/Dilegung auch freie ärztliche Behandlung und Wäsche gewährt wird. Während des abgelaufenen Jahres fanden 16 Mädchen Aufnähme, hiervon sind bis zum 1.' Oktober 1905 sieben wieder ausgeschieden, zwei wegen Krankheit, eins weil zu schwächlieh, drei haben auswärts Stellung genommen und ein Mädeben ging ins Elternhaus zurück, als die Eltern ihren Wohnsitz nach Posen verlegten. Von den verbleibenden neun Mädeben sind sieben als Kontoristinnen in Stellung, zwei sind als Lehrmädchen im Putzfach tätig. Eine reichhaltige Bibliothek, die dem Heim durch freundliche Gönner zugewiesen ־wurde, sorgt für geistige Anregung und Fortbildung. Im übrigen wird die ircic Zeit durch kleine Hilfeleistungen in der Wirtschaft, sowie durch notwendig gewordenes Ausbessern der eigenen Garderobe ausgefüllt. Die gesamte innere Einrichtung der Wirtschaftsgegenstände und Wohnungsausstattung im Anschaffungswerte von 2737,35 Mark, sind schon im ersten Jahre abgeschrieben, einerseits, weil der Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit von Mädchen und Frauen hierzu 2000 Mark hergegeben Hatte, andererseits, weil naturgemäss im ersten Jahre die Spenden zahlreicher geflossen sind, als für die Zukunft zu erwarten ist Gleichwohl ergibt sich ein Ueberschuss von 1379.59 Mark. An Pensionsgtld der Zöglinge wurde vereinnahmt 2898 Mark, diese Summe steht gegenüber einer Ausgabe von 2861,61 Mark, an Verpflegungskosten einscliliesslieh Beheizung Beleuchtung und Dienstlohn, sodass der Verein dij: gesamten Verwaltungskosten. Gehalt der Hausmutter (Frau Seraohine Salz). Mieten usw. zuzuschiessen hat. Die Zahl der Verpflcgungstagc betrug 35CM und kommt pro Kopf für den Tag der Betrag von 0.6־l‘A Mark heraus. In Wirk, lichkeit bat die Verpflegung mehr gekostet, da erhebliche Oeschenke jn Lebensmitteln gemacht wurden. Allenstcln. Die hiesige jüdische Gemeinde hat das ganze Grundstück Licbstüdterstrassc 5. neben der Synagoge, für *12 000 M. erworben. Es wird vorläufig umgebaut und zu einem Vereinshaus und Altersheim eingerichtet werden und wird so ausgebaut werden, dass es allen Anforderungen der Neuzeit genügt. Strassburg I. Eis. Das israelitische Konsistorium des Unter-Elsass hat an seine Gemeinden folgendes Rundschreiben erlassen: ״ In Anbetracht des misslichen Standes des Religionsunterrichtes in unseren Gemeinden, der das jüdische Leben und den öffentlichen Kultus sehr gefährdet: in Anbetracht der Aufhebung der israelitischen Schulen wegen geringer Scliiilerzahl. hat das israelitische Konsistorium des Unter-Elsass in seiner Sitzung vom 15. Juli 1906 folgendes beschlossen: Es soll eine Kasse gerundet werden, die nachstehende Verwendung in Aussicht stellt: 1. Beiträge für Religionsunterricht, wo es erforderlich ist, zu gewähren. 2. Den Unterricht den armen Kindern zu erleichtern. '3. Die Fortbildung des Religionsunterrichts der nicht mehr schulpflichtigen Kinder, in Bibel und in Talmud uswzu unterstützen.

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