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Jüdische Rundschau · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 512 4. Vergütungen den Vorsängern zu gewähren, die in den Fächern ihres Amtes Unterricht cf teilen: di.* Jünglinge oder Mümier zur Ausbildung des Gottesdienstes vorbereiten, besonders die Vorbereiteten im nötigen Falle einen Vorsänger ersetzen können. Das Konsistorium oder die hierzu berufene Verwaltung ha* diesen’ Unterricht zu überwachen und jedes Gesuch genau zu prüfen. ״, , , Die Vorstände und Gönner unseres Werkes werden vcbeten.• Untcrzexlinungen für jährliche Beiträge aus der Ku'tus- Kasse und bei den Mitgliedern «lirir Gemeinde zu veranlassen unu de Listen Herrn .nies Klein. Kosistorialmitglied des Unteri.lsass in Bischneiui bei Strassburg, übersenden zu wollen. Dieses’ZirKiilar soll am nächsten Sabbatmorgengottesdiensic in der biiiagyge abgelesen werden: dann tir.cn Monat in aer \orliallc angeschlagen bleiben.“ Posen. Zu den bedeutendsten Woliltätigkcitsanstaltcn Posens gehör.t unstreitig das grossarlig eingerichtete jüdische Kranken- und Uicchenhaus. Abraham und Henriette Rohrschc Stiftung Herr Moritz Rohr stiftete im Jahre 18S6 ani ersten Jahrestage nach seines Vaters Tode als Grundstock 100 C00 Mark. Am L Juls 1S9J erfolgt dann von demselben Wohltäter eine weitere Schenkung im Betrage von 200000 Mark mit der Bedingung, dass de Verpflegung, wie bereits in der Urkunde vom 6. Oktober 1 SSO bestimmt, auf streng rituell-jüdischer Grundlage erfolge und dass in demselben Krankenhaiisc eine Svnagoge eingerichtet werde, in welcher täglich, des Morgens und des Abends, nacli altem Ritus Gottesdienst stattfindet. Am 8. Februar 1893 gab der Stifter vor dem Amtsgericht eine weitere Erklärung ab. dass ertür die Zwecke des gedachten Kranken- und Sechcnhauscs den. ferneren Betrag von 300 001) Mark zu zahlen sich verpflichtet. Die Anstalt, die dem Vorstand der Sj’nagogcn-Gcineinde untersteht, hat sich in dem Zeitraum ihres kurzen Bestehens ungemein entwickelt. Die innere Ausstattung entsprich״» allen Anforderungen moderner Hygiene. Die Räume sind hell und lustig; das Anstaltsgebäude bietet einen schmucken Anblick. Zurzeit ist die Anstalt mit 50 Kranken und 12 Siechcii.bcttcn belegt. Das Vermögen der Anstalt, die gut fundiert ist, beträgt zurzeit 6SOOOO Mark. Budapest. Mit dem neuen Schuljahr (1. September) wird in Szegedin ein jüdisches Internat, das erste in seiner Art. eröffnet, weiches in jeder Beziehung in streng-religiöser Weise geleitet werden soll. Das Institut steht unter Aufsicht der israelitischen Gemeinde daselbst Obornik. Unsere neue Synagoge ist vorletzten Samstag von lierrn Rabbiner Dr. Wrcschner-Samtcr feierlichst eingeweiht worden. In Frledland ist. die Synagoge auf Abbruch verkauft worden. Strassburg L Eis. Die unter Leitung des Herrn Dr. Groinbacher stellende Religionsschulc der israelitischen Gemeinde war am 1. Juli von 319 Kindern (156 Knaben und 163 Mädehqn) frequentiert. — Zu der ausgeschriebenen Kantorstelle der isracl. Gemeinde in Wcissenburg. die nunmehr Herr Gustav Klein-Strassburg erhalten hat hatten sich nicht weniger als 70 Kandidaten gemeldet. Lemberg. Veranlasst durch die Weigerung des Rektorats, die Eintragung der jüdischen Studenten als ..jüdische N'ationalität" zu gestatten, hatte die jüdisch-nationale Studentenschaft bei Semesterbeginn beschlossen, die Rubrik ..Nationalität״ in «len Universitätsdokumenten lieber mit dem Vermerk ..Ohne Nationalität“ auszufüllcn. Dies half. Der soeben erschienene Rektoratsbericht hierüber: . ״Bezüglich der Forderung der Hörer mosaischer Konfcssion. velchc auch dem Unterrichtsministerium unterbreitet wurde, dass in den Dokumenten der Universität der Ancrkennung der jüdischen Nationalität Ausdruck gegeben werde, beschloss der akademische Senat: In AnbetracJit dessen, dass eine solche Nationalität in Oesterreich überhaupt mellt anerkannt ist. wird von dem Nachweise der Nationalität der Akademiker in den UnivcrsitätsstaUstikcn überhaupt Abstand geiiomm c n und wird der Senat sich auf den Ausweis der R e 1 i - g.ion der Hörer beschränken, welche eo Ipso ihre nationale Zugehörigkeit dokumentiert. Schicksal eines ״versiegelten“ Leprakranken. Ein angeblich lcprakrankcr rumänischer Jude, der sich zuletzt in London aufgehalten hatte, befand sich in einem versiegelten Liscnbahnwaggon cingcsclilosscn auf dem Bahnhof in Passau. Der Mann sollte nach seiner Heimat abgcschoben werden, doch weigerte sich die österreichische Grenz- N0. 34 behörde, ihn passieren zu lassen, einerseits wegen seines krankhaften Zustandes, andererseits, weil die Kosten für die Weiteriiihrung des Waggons mit dem Kranken, die sicii auf 200 Kronen belaufen, nicht gedeckt sind. Die Beköstigung geschah durch das Kupccienstfr. Mit dem bayerischen Staatsministeritim wurde nun verhandelt, was mit dem Mann anzufangen sei. Jetzt dst der Bescheid cingetroffen. den Unglückliehen im gleichen Waggon wieder nach Frankfurt a. M., wo er vor seiner Ankunft in Passau einige Tage geweilt hatte, zurückzubringen. Mit dem Schnellzuge rollte dann auch der sonderbare I ransport wieder von Passen ab. — Aus Frankturt a. M. wird hierzu noch dcoeschieri: Der au Lepra erkratiKie Rumäne ist gestern wieder hier cingetroticn. Er bcfindet sich jetzt im hiesigen stüütiseoea Krankenhaus, streng isoliert von den anderen Kranken. Es handelt sieli um einen •fcsjährigcn Manu und um das Amangsstaiiiam der schrecklichen Krankheit. Der Kranke ist reiseialiig und wird sobald als mög!icli nach London abgcschobeii. woher er gekommen ist. So wird mm der Aermste in der Welt umhergestossen. Petersburg. M. August. Die Parteilichkeit bei der Untersuebung über die Bialystokcr Greuel wird durch folgendes enarakterisiert. Untersuchungsrichter ßokitko verweigerte die Protokollierung der Aussage des verwundeten Lunskij., der erklärte. Oberst Schröter habe ihn, den Sclnitzsuclieiiden, auf dem Bahnhof mit gezogenem Säbel trotz seiner schweren Koofwunde seinen Peinigern zugetrieben. Lurskij verlangt Remcdur. Aiexandrowo. iS. August. 1:11 ()orte \Y 1 o c 1 a w e k unternahmen sieben jüdische Studenten eine K a h u p a r t i e. Durch einen plötzlich cintretcnden Sturm wurde das Boot zum Kentern gebracht. Von den Insassen konnten sich nur zwei durch Schwimmen retten, die anderen fünf ertranken Die Leichen sind noch nicht geborgen. Suhl. Vergangenen Dienstag fand unter Beteiligung der evangelischen Geistlichkeit, des Bürgermeisters, spjiitliclien Senatoren und Stadtverordneten als auch den Vertretern der Lehrkörper, aurch den Direktor und Rektor der dortigen Real- und Bürgerschulen die Einweihung der neuen Synagoge statt. Diese allgemeine Beteiligung ist ein schönes Zeichen konfessioneller Eintracht. Hoch klingt das Lied vom braven Mann. Auf dem an der spanischen Künste umergegangenen ״Sirio“ befand sich auch der in Brasilien konditionierende Leopold Pollitz.cr. Herr Pollitzer bewies einen bewunderswerten Opfermut. Er war bereits eine Strecke weit geschwommen, als er vor sich eine Erau mit einem Kinde auftauclicn sah. die beide dein Ei trinken nahe waren. Herr Pollitzer schnallte seinen Schwinimgürtcl ab und befestigte die Frpu und das Kind an demselben. Er selbst versuchte nun, cmrcjj Schwimmen sich zu retten und wurde später von einem Boote halb bewusstlos aufgefischt, Salischtschik (Galizien). Entführt ur.d zur Taufe gezwungen wurde ein jüdisches Mädchen aus einem benachbarten Dorfe. Nur mit grosser Mühe gelang cs den Eltern, das Jtfädden zurückzubekommen. — Das erstere ist natürlich, dies letztere ein Wunder. Krakau. Ein jüdisches Gymnasium in Krakau zu gründen, ist Herrn Dr. I u n g von der Regierung gestattet worden. Herr Di. Jung hat bereits ein jüdisches Gymnasium in Ung.- Brod (Mähren) und eines in Storozynctz (Bukowina) gegründet — Es ist selbstverständlich, dass die Assimilationsluden des Vorstandes der jüdischen Kuliusgcmeinde eine Unter- Stützung des Unternehmens verweigert haben. Riga. Während des Gottesdienstes wurde die grosse Synagoge von Polizei und Militär zerniert. 15 Personen wurden verhaftet Verdächtiges wurde nicht gefunden. ,*"'״■™-,®*ןן■,■11!!"®®■****"*-י•*•■*■■*■*••■■•«•■■J!■ i Laum 1' Briefleasten der Redaktion . ..- }1:ב er: 1.—■— -י . Blclwclss. Wandsbek. Bosten Dank, dass Sie lins auf 1,|slcl!c״llen Druckfehler in der vorwöcliigcn RUNDSCHAU aumicrksam machen. In der Protest-Versammluug m Bochum soll ein Redner den Sieg über Zionismus usw. Iicrbeigcu ünscht haben. Es ist selbstverständlich anstatt Zionismus Zarismus zu lesen. JÜDISCHE:RUNDSCHAU

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