Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 4× ep/1000834
- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
- Radom 1× ep/1000823
- Tiberias 1× ep/1048138
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Seite 510 No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU . » . .... - - —- -- - ־— , I ■ - - Wozu sic deutsch erzogen werden sollen, ist leicht zu verstehen. Damit sic es besser verstehen, wenn sic ausgewiesen werden, wie so viele, die sogar in Berlin geboren sind. Das ists ja. was den Juden zieret und da/.u wirdilun der Verstand, dass er im besten Deutsch es spüret, wenn man ihn ausweist kurzerhand. Blutige Ereignisse in Warschau Aus Warschau. 15. August, wird der VOSS1SCHEN ZEITUNG geschrieben: Es war heute ein blutiger lag. Die Revolution ״ r c quittierten für die Verhaftung der 110־ Arbeiter des Emaillicrwerkes ..Lauon“. Um 10 Uhr früh fielen, wie auf ein gegebenes Zeichen. Schüsse an verschiedenen Punkten der Staüt. Alle waren gegen die Polizei und die M i I i t;1 r p o s t c n gerichtet. Den Anfang macht? ein junger Man״ in der Vorstadt Praga. der einen Soldaten und einen Polizisten niederstreckte und sich darauf in einen nahen Laden flüchtete. Einer der ihn verfolgenden Soldaten feuerte in den Enden hinein und tötete — die Ladenbesitzerin. Mit einem zweiten Schuss verwundete er den Flüchtling, einen j u n k e n Juden, namens Szaja Eabcrgrit. der. nachdem ihm ein Notverband angelegt worden war. nach dem Militärlazarctt gebracht wurde. Auf der Solnastrassc wurde ein Revicraufscher getobt: aus der Marschallstrassc fielen drei Polizisten und zwei Soldaten, auf der Rybukistrassc wurden zwei Polizisten verwundet; auf der Pawiastrassc zwei Soldaten getötet; auf der Hoschastrasse ein Soldat verwundet; auf der Katolinskastrasse zwei Gendarmen getötet, auf der Wolkska- Strasse ein Polizist getötet, auf der Dzikastjasse ein Soldat und ein Rcvicraufschcr getötet, auf dem altstädtisehcn Markte ein Polizist getötet, aut der Oboznastrasse ein Polizist vervundet. auf der Targowastrassc zwei Polizisten verwundet, auf der Moschastrasse ein Polizciieldwcbel getötet. Diese Liste ist noch bei weitem nicht vollständig; ich verzeichne hici nur. was ich persönlich au Ort und Stelle kontrollieren konnte. Selbstverständlich war das Militär nicht untätig und feuerte an verschiedenen Stellen blindlings auf das Publikum los. Die Zahl der dabei Getöteten und Verwundeten lässt sich vorläufig auch nicht annähernd bezcichlmcn. ln das Lcichcnschaulmus auf der Tcodorsirasse. das militärisch bewacht wird, werden unaufhörlich Leichen der auf den Strassen Getöteten gebracht. Viel׳.* Verwundete versteckten sich, da das Atilitar jeden Verwundeten verhaftet. Die Freiwillige Rcttungsgesellschaft wurde bis 3 Uhr nachmittags nicht weniger als vierundsiebzig Mal gerufen. Vom Sommerlagcr wurde dns Militär nach der Stadt beordert. Starke Patrouillen von 20 bis 50 Mann zu Pierde und zu Fuss die Reiterei mit schussbereiten Waffen, durchstreifen die Strassen und durchsuchen die Passanten. Es wird offenbar nur nach Waffen geuscht. denn die Durchsuchten werden nur oberftächlich betrachtet. Die Stimmung in der Stadt ist sehr gedrückt Die Strassen im jüdischenStadtviertel sind menschenleer; denn die patrouillierenden Soldaten schlngcn auf etwa Vorübergehende mit dem Gewehrkolben een. Gegen 2 Uhr mittags wurden in das Gebäude des VU. Polizeibczirks zwei Bomben durchs Fenster geschleudert, ln dem Zimmer befanden sich einige Polizisten und Revieraufseher, wie auch der Gehilfe des Polizeikommissars. Sonderbarerweise wurde niemand getötet, doch wurden etwa 17 Polizeileute und 20 Strassengänger verwundet. Gegenüber dem Polizeibureau befindet sich di.e Borrotnäuskirchc. die anlässlich des katholischen Feiertages (Maria Himmelfahrt) überfüllt war. Unter den Kirchenbc süchern entstand eine Panik, welche aber von einigen Besonnenen beschwichtigt werden konnte. Gleich darauf erschien die Polizei mit Militär. sperrV: die Kirche zu und Hess nur die hinaus, die ein Ausweispapier hatten. Alle anderen wurden verhaftet. Bermerkenswcrt ist. dass, als die Freiwillige Rettuiigsgcsellschaft ankam. die Soldaten zum Schiessen auf die Ärzte anlcgten und erst durch Einschreiten des Polizeikonimissars am Scliiessen verhindert wurden. Die Ärzte meldeten den Fall sofort telegraphisch an die Kanzlei des Generalgouvcrneurs und verlangten fi»r die Zukunft Garantie für ihre persönliche Sicherheit. — ln einem Telegramm desselben Blattes vom 16. August heisst es: Heute Nacht haben Soldaten in jiidischh c n Stadtvierteln die Passanten massakriert. Mehrere Personen sind tot, viele verwundet. Viele Strassen wurden abgesperrt, die Häuser durchsucht. In W 1 o c I a w c k wurden gestern Abend poch fünf Polizisten getötet. In Radom wurde eine Bombe ins Pilizeuamt geworfen. Ein Toter, mehrere Verwundete. Dr. Nathan bei Stolypin Wie die FRANKFRETER ZEITUNG aus Petersburg meldet, erfuhr der Ministerpräsident Stolypin, das Dr. Nathan aus Berlin, einer der Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden, in Petersburg cingctroffen sei. Der Zweck der Reise Nathans (st die Schlussabrechnung mit dem Zentralkomitee für die Unterstützung der bei dem Pogrom Geschädigten. Stolypin üusserte den Wunsch, dass ihn Pr. Nathan besuche. Nathan wurde von Stolvpin empfangen. Die Unterredung dauerte über eine Stunde. Nathan gab auf Stolvpins Fr Fuge Auskunft über die Anschauung filier den Aufstand im Auslände, ferner über die Meinung der deutschen Juden und der zivilisierten Welt über die unerträgliche Lage der jüdischen Bevölkerung Russlands. Chowewe-Zion in Odessa In Odessa fand eine Konferenz um 6.-9. August der Chowewe-Zion statt, auf der folgende Resolutionen angenommen wurden: I. Die Gründung einer Agrar-Bank in Palästina zu veranlassen. um den Emigranten, die wenig Mittel besitzen, die Möglichkeit zu gehen, sich in Palästina sesshaft zu machen. 001 20 .2 י) Franken zum Ankauf eines Stück Landes bei Petliach-Thikwah anzuweisun und darauf hinzuwirken. dass der Nationaifoud die gleiche Summe dafür zeichnet. 3. Den im Besitze der Gesellschaft befindlichen Fonds zur Unterstützung der Arbeiter derjenigen Organisation zu überweisen, die auf den Prinzipien des Odcssacr Komitees lind der zionistischen Organisation in Palästina gegründet wurde (Verhc.sscniiig der Lage der Arbeiter, Mietshäuser. Volksküchen etc.). 4. Da die Emigration in der letzten Zeit sicli sehr verstärkt hat. beschliesst das Komitee, ein Auskpnftsburcaii in Odessa zu gründen mit Filialen in Koristantinopel. Jaffa. Haifa. Beirut, Jerusalem und anderen Städten Palästinas, sowie in Smyrna, Alexandrien und Kairo, welches Auskünste über Ankauf von Land in Palästina, sowie über landwirschaftliche. industrielle lind kommerzielle Fragen erteilt. 5. Die Konferenz beschliesst. f ü r g u t c E I e!11 c n t a r - schulen Sorge zu tragen und dafür einen speziellen Fond zu gründen.“ Odessa, H. Aug. Die allgemeine Versammlung der russisclicn Chowewe-Zion wählte Ingenieur Ussischkin zu ihrem Vorsitzenden. Ussischkin hielt eine Rede, in der er betonte, dass, nachdem jetzt der Zionismus <in Palästina reale Arbeit leiste, für die Chowewe-Zion die Zeit gekommen sei, sic'u dem Zionismus rückhaltlos anzuschliessen. Das zionistische Aktfonskomitee in Köln arbeite, einen grossen, allgemeinen Charter von der Regierung zu bekommen, und die Clmwewc-Zion mögen sich zt r Vervollständigung der Arbeit des zionistischen Aktionskomitees bemühen, kleine Rechte, aber viele, in Palästina zu erreichen. In Neuenahr, wo er sich zur Kur aufhielt, starb der langjährige frühere Vorsitzende der Chowewe-Zion, Abraham G r ü n b e r g aus Odessa. Jaffa. Im Ostjordanland haben russische Juden 37 000 Durnan Land zu 211• Frcs. der Duiiam gekauft. Das Land ist in Teile von 500 Dunatn eingcteilt worden, und sämtliche Teile sind bereits verkauft worden. Keiner der Kolonisten darf sein Land an einen Dritten verkaufen, jedoch ist es jedem gestattet, der Kolonie sein Land zürn Kaufpreise zurück/.!!־ gehen. Im ersten Jahre führen die Kolonisten gcmcinschaftliehe Wirtschaft. In der Kolonie dürfen nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Schiffahrt auf dem See Genezareth Ein kleines Dampfboot ist. wie man mitteilt. Im Set Genezareth vom Stapel gelassen worden, das die Verbindung zwischen der Eiserbnhnstation Semakli (Samacli) am Sec mit dem nordwestlich davonlicgenden Tiberias noch in diesem Monat herstcllen soll. Scmakh ist Station der von Haifa (am Meer am Fasse des Karmel) ausgehenden Linie, die bei El Muzcrib die grosse Mekkabahn erreichen wird. Auch spricht man von einer Eisenbahn Jerusalem—Nablus—Jcnin (Dschenin. Eugannim) mit Anschluss «tu die Huifalinie bei Afulch, von wo Nazareth leicht und nahe zu erreichen ist. Allerlei lm Jahre 154? beschwerte siel! das aus angesehenen Geistlichen bestellende Kapitel des Dartholamäiisstiftes in Frankfurt am Main beim Erzbischof von Mainz schriftlich über seine Belästigung durch den Frankfurter Rat. u. a. auch darüber, dass der letztere 10 Jahre vorher die Mauer um den